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Im Zusammenhang mit Reisen des Außenministers sollen Politik und Medien Kritik "differenziert und sachorientiert" vorbringen.

Von Norbert Blech

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat in der "Auseinandersetzung über die Begleitung des Außenministers durch seinen Lebenspartner Michael Mronz" vor einer schädlichen Berichterstattung gewarnt. Zunächst sei "zu begrüßen, dass Außenminister Guido Westerwelle bei offiziellen Anlässen und Reisen von seinem Partner begleitet wird", erklärte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Das setze ein "wichtiges Zeichen der Normalität in der internationalen Politik", da in vielen Ländern Homosexuelle noch von Unterdrückung, Gewalt und staatlicher Verfolgung bedroht seien.

Es dürfe keine Frage der sexuellen Orientierung sein, "ob die Begleitung durch einen Partner im jeweiligen Fall hilfreich oder unangebracht ist", so Bruns weiter. "Hier müssen gleiche Maßstäbe für homo- und heterosexuelle Partnerschaften gelten." Daher fordert der Verband "Politik und Medien auf, kritische Nachfrage differenziert und sachorientiert vorzubringen. Da sollte es keinen falsch Zungenschlag geben."

Seltene Warnung

Im Zuge des DFB-Skandals hatte es keine Warnung des LSVD vor einer Berichterstattung mit falschem Zungenschlag gegeben. Welche Medien oder Politiker der Verband mit der folglich besonderen Mitteilung warnen wollte, erklärte Bruns in der Pressemitteilung nicht.

Am Mittwoch hatte die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles vorgeworfen, eine "niederträchtige Attacke" gegen Westerwelle geführt und "niederste Vorurteile gegen Schwule" bedient zu haben (queer.de berichtete). Nahles hatte zuvor Aufklärung verlangt, ob es auf Dienstreisen Westerwelles "Geschäftsanbahnungen von Herrn Mronz gegeben hat".

Anlass war ein Bericht des Magazins "Der Spiegel", der berichtet hatte, wie der Außenminister auf Dienstreisen nicht nur seinen Lebenspartner, sondern auch Wirtschaftsvertreter mitgenommen hatte, die teilweise der FDP Geld gespendet hatten und/oder mit Mronz zusammenarbeiteten. Das Magazin hatte auch von einer Hoteleröffnung in Bonn berichtet, die Mronz organisiert hatte und bei der neben Prominenz auch Westerwelle erschienen war und werbende Worte verloren hatte. Der FDP-Politiker hatte den Besuch als Pflichttermin in seinem Wahlkreis verteidigt und den "Spiegel"-Autoren "unhaltbare Unterstellungen" vorgeworfen.

"Ein Herz für Kinder"

Am Mittwoch verteigte sich auch Mronz gegen die Vorwürfe, ohne auf sie einzugehen. In der "Bild"-Zeitung sagte der 43-Jährige, der Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" ebenjener Zeitung ist: "Ich möchte mich für die schwächsten Erdenbürger einsetzen – die Kinder. Gerade weil wir keine eigenen Kinder haben, möchte ich ein Herz für Kinder zeigen. Wann immer ich es zeitlich schaffe, möchte ich Herrn Westerwelle auf seinen Reisen begleiten, um mich für Kinder sozial zu engagieren. Dass ich auf eigene Kosten reise, versteht sich dabei von selbst!" Für die Stiftung arbeitet Mronz übrigens erst seit letzten Donnerstag.

Nachtrag, 17.05h: Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck kritisierte, dass "mancher Zungenschlag" in der Debatte die sachliche Ebene verlasse. Auf Facebook kommentierte Beck, Westerwelle müsse "erklären, ob Spenden an die FDP Einfluss auf die Einladungspraxis seines Ministeriums bei Delegationsreisen und in seiner Dienst-Villa haben, sonst nix!" Für die Begleitung durch seinen Lebensgefährten müsse er "sich aber genausowenig rechtfertigen, wie ein Außenminister, der seine Ehefrau mitnimmt."

Umfrage zum Artikel

» Hat sich Andrea Nahles homophob geäußert?
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94 Kommentare

#1 ZungenschlagAnonym
  • 10.03.2010, 16:47h
  • "Ich möchte mich für die schwächsten Erdenbürger einsetzen – die Kinder. Gerade weil wir keine eigenen Kinder haben, möchte ich ein Herz für Kinder zeigen. Wann immer ich es zeitlich schaffe, möchte ich Herrn Westerwelle auf seinen Reisen begleiten, um mich für Kinder sozial zu engagieren. Dass ich auf eigene Kosten reise, versteht sich dabei von selbst!"

    Ich weiss nicht, ob ich lachen oder kotzen soll.
    Da definiert jemand das sonst so gern geschmähte Wort Gutmensch aber mal ganz neu.
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#2 carolo
#3 CarstenFfm
  • 10.03.2010, 16:59h
  • Da kann ich dem LSVD nur zustimmen.

    Ist eigentlich schon niedlich, dass Michael Mronz Kindergärten besucht, um das Klischee von "Politikergattin" und "Damenprogramm" zu bedienen.
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#4 LippenpifftAnonym
  • 10.03.2010, 17:09h
  • Antwort auf #1 von Zungenschlag
  • Das ist Nächstenliebe. Die Kinder hier legen sich ja auch für Mronz in Zeug.

    Er will halt was zurückgeben.

    Das ist so schön, dass ich die Seite unbedingt sozialdmokratischen LSVD-Mitgliedern schicken muss.
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#5 TresenschlampeAnonym
  • 10.03.2010, 17:11h
  • Was ist denn so schlimm, wenn ein Mann bei den Auslandsbesuchen von deutschen Bundesminister am "Damenprogramm" teilnimmt!? Was soll da erst La Merkels Mann sagen, den betrifft das doch auch!
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#6 eMANcipationAnonym
  • 10.03.2010, 17:14h
  • Na, wenn ein solcher Verband für irgend etwas gut sein soll, dann ja wohl dafür, in einer solchen Situation der offensichtlichen Bedienung schwulenfeindlicher Ressentiments durch verlogene Politiker, die aus der weit verbreiteten Schwulenfeindlichkeit Kapital schlagen wollen und tosenden Applaus bei Nazis und anderen Homo-Hassern ernten, sowie den Massenmedien, die das in einer Weise verbreiten, wie es bei heterosexuellen Klientelpolitikern noch nicht ein einziges Mal der Fall war, unmissverständlich zu widersprechen!

    Und zwar völlig egal, welcher Partei oder politischen Richtung die jeweilige Zielscheibe angehört. Denn die Diffamierung und Verhetzung richtet sich nicht etwa gegen den bösen Neoliberalen, dessen Ideologie von denselben Massenmedien ansonsten auf allen Ebenen propagiert wird, sondern eben gegen den Schwulen, der sich ebenso selbstverständlich mit seinem Partner auf Reisen begibt, wie Dutzende heterosexueller Politiker das auch tun, ohne dass deren ebenfalls zum Teil sehr geschäftstüchtigen Frauen oder andere Reisebegleiter je Anlass für eine vergleichbare Kampagne gewesen wären.

    Für eine ernsthafte politische Auseinandersetzung, wo gleiche Bedingungen für alle gelten - gegen den um sich greifenden sexuellen Rassismus!
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#7 eMANcipationAnonym
  • 10.03.2010, 17:18h
  • Antwort auf #4 von Lippenpifft
  • Ich weiß nicht, wer sich hier "für Mronz" ins Zeug legt. Meine Wenigkeit ganz bestimmt nicht.

    Ich lege mich gegen die Bedienung billigster schwulenfeindlicher Gesinnungen ins Zeug.

    Gegen die Verlogenheit der Massenmedien, die Klientelpolitik erst dann hinterfragen, wenn ein schwuler Mann seinen Lebenspartner mit auf Reisen nimmt und diesen Umstand dann in den Vordergrund ihrer Kampagne stellen.
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#8 SabineAnonym
#9 lukeAnonym
  • 10.03.2010, 17:41h
  • Sofern die Mission war durch die Homophobie-Karte vom eigentlichen Thema (warum die Delegation aus Geschäftspartnern von Mronz und FDP-Spendern besteht) abzulenken, kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch! Es ist geschafft.
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#10 VersteherinAnonym
  • 10.03.2010, 17:43h
  • Das abgefuckte Duo
    wirbt auch für Brachial-Zynismus.

    Der eine erzeugt Kinder- und Bildungsarmut und
    Familienstress, der andere teilt mit, dass er die Folgen beweint.

    Ich wünsche, was man solchen Leuten wünscht.

    Hals- und Beinbruch wäre schon ein guter Anfang.
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