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Der 26-jährige Kaisa gibt ein unzitierbares Interview und singt über den bewaffneten Kampf gegen "schwule Missgeburten".

Von Norbert Blech

Das Interview und das neue Album sind bereits eine Woche alt, aber die Wellen der Empörung stehen noch aus: Gegenüber dem Online-Magazin "rap.de" hat der Berliner Rapper Kaisa seinem Hass gegen Schwulen freien Lauf gelassen. "Wenn ich schwul wäre, würde ich wahrscheinlich aufwachen und mich ankotzen müssen, weil ich mich einfach nicht dabei gut fühle", sagt der 27-Jährige an einer Stelle.

Auf Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit bezogen meint Kaisa: "Muss ich auch wiederum sagen: Respekt dafür, wenn jemand sagt: 'Ich bin schwul. Ich steh dazu.' Wenn der dann auch noch, nicht dieses primitive Schwulsein propagiert, sondern einfach sagt: Okay ich bin Arzt, der ist Anwalt, die heiraten damit die ihre ganzen Steuergeschichten und ihre Sachen da machen können..."

Bevor der Gedanke sich zu einer Art von Akzeptanz entwickeln kann, sagt er allerdings im direkten Anschluss: "Mann ey, Freunde von meiner Mutter, das ist auch ein schwules Pärchen und die sagen selber, dass die das überhaupt nicht abkönnen, wenn andere Schwule so tuntig rumlaufen und Männer sich wie Frauen anziehen. Weißt Du, was ich meine, das ist kranke Scheiße einfach, kranke Scheiße, ob du das jetzt aus Spaß machst oder ob du’s machst, weil du einen Fetisch hast."

Werteverfall als Grund für Homosexualität

Kaisa, der an anderer Stelle Eva Herman lobt, kritisiert einen Werteverfall in der Gesellschaft, der auch zu Homosexualität führe: "Ich glaub, das hat mit dem ganzen Wandel der Welt zu tun. Es ist die komplette Kommerzialisierung, das ständige: 'Ja, es ist alles normal'." Schwule würden "da draußen mittlerweile richtig gepusht", es gebe "schon richtige Schwulenghettos zum Beispiel in Schöneberg", die, wenn man das Interview richtig versteht, Homophobie begründen: "Wenn das so ist, dann kann ich das auch auf meine Art und Weise machen und Sachen machen, die ihr jetzt vielleicht eklig findet. So wie ich, wenn ich da jeden Tag vorbei fahre und die ganzen Schwulen da sehe, die sich da Massenweise in ihren Lederhosen die Ärsche lecken."

In dem Interview, das aufgrund von Sprüngen in Gedanken und Satzbau kaum zitierbar ist und weitere Passagen zum Thema Homosexualität enthält, bezeichnet Kaiser ansonsten Juden noch als Rasse, vergleicht den Holocaust mit der Sklaventreiberei und bezweifelt die Anzahl der ermordeten Juden. Und man weiß gar nicht, was man noch alles erwähnen soll.

"Ne Kugel in Dein Face, Boy"

Kaisa, auch Kaisaschnitt, ist bereits seit acht Jahren aktiv und hat mehrere Alben veröffentlicht, ohne bisher der Schwulenbewegung groß aufgefallen zu sein. Dabei hat er von Anfang an auf Homophobie gesetzt mit Lyrics wie "Komm du Schwanzlutscher, bell wie ein Hundesohn / Schmink dir weiter das Gesicht und lauf wie eine Tunte rum".

Zumeist sind "Kollegen" gemeint, und nicht Schwule, doch die Grenzen sind fließend: "Wer will ein schwulen Sohn in seiner Company / Er kommt vom andern Ufer wie man auf dem Koffer sieht". In dem kürzlich kostenlos auf Myspace veröffentlichten Song "Ladyboykilla" (!) heißt es "Ladyboy, zeig uns Deine Fotze, Du Sau / Du schwule Missgeburt (...)"

Doch wie das Interview richten sich mittlerweile einige Lyrics direkt gegen Schwule: Anfang März erschien das Album "K.M.K.". In einem Song werden Menschen und Dinge aufgezählt und als Hurensohn bezeichnet, darunter auch Gayboys und CSDs, aber auch NPD und Adolf Hitler (Eva Herman wird hingegen ausdrücklich gelobt und Jörg Tauss als Kinderficker bezeichnet). Refrain des Lieds: "Alles ist so Hurensohn / Ja du bist ein Schwulensohn / Dein Vater fickt nen anderen Mann / so wie Wowereit, ja Du tust mir leid." Das Lied lässt sich so interpretieren, dass es in einem Amoklauf endet.

Vor allem in dem "K.M.K."-Song "Endlich Klartext" steht Kaisa jamaikanischen Hass-Sängern in nichts nach: "Ne Kugel in Dein Face, Boy / Neun-Millimeter-Projektile für den Gayboy / und wenn der Sack hat zu viel gelutscht / er muss kotzen, immer wieder, wenn er in den Spiegel guckt". Feinde hätten nicht viel zu lachen: "Keine Chance / so wie im KZ / die neue Weltordnung / alles klingt perfekt".

Die Alben von Kaisa sind unter anderem bei Amazon erhältlich, indiziert wurde bisher nur eins aus dem Jahr 2003. Die zitierten Passagen finden sich in Songs von anderen Alben, sie sind auch größtenteils bei Youtube verfügbar (Queer.de hat nur in einige Lieder reingehört). "K.M.K." ist bei Soulfood Music, einem Label aus Hamburg, erschienen.

Nachtrag, 14.3., 10h: Da er in den Lyrics eine Aufforderung zum Mord sieht, hat der Grünenpolitiker Volker Beck noch am Samstag Strafanzeige gegen den Sänger gestellt. "Das kann man weder bei deutschen Rappern noch bei jamaikanischen Dancehall-Sängern durchgehen lassen," sagte er. "Wir gehen davon aus, dass Bundesministerin Köhler darüber hinaus einen Antrag auf Indizierung einzelner Liedtexte wegen Aufruf zum Mord und Leugnung des Holocaust stellen wird. Ich werde sie hierzu in der kommenden Woche brieflich auffordern."

Youtube | Kaisa, "Endlich Klartext". Die zitierte Passage findet sich ab 1:18.


#1 Blondes GiftAnonym
  • 13.03.2010, 12:57h
  • Ach ja, schon wieder ein homophober Rapper ... man beginnt so langsam, sich hilflos zu fühlen.

    Und der Typ hat sogar eine eigene Plattenfirma, so dass man nicht einmal an sein Management schreiben kann, um sich über ihn zu beschweren.

    Was mich indes wundert: Warum können solche Leute seit Jahren in Deutschland unbehelligt Platten produzieren? Wie kann es sein, dass der Verfassungsschutz diesen Kretin nicht schon jahrelang unter Beobachtung hat? Und zumindest die krassesten seiner Platten schlichtweg verboten wurden?

    Was würde passieren, sänge er Texte wie "Schieß der Niggersau in die Brust", "Kill den Papst, die Christentunte" oder "Moslems, ihr Kinderficker"?

    Ginge da nicht ein Aufschrei durch sämtliche Gazetten? Würde da nicht die Crème de la Crème der deutschen Betroffenheitsfabriken kollektiv aufstehen, sich bei Minus 10 Grad ans Brandenburger Tor ketten und in Dauerschleife "We shall overcome" singen?

    Aber wenn es Schwule sind, die in Rap-Songs rhretorisch plattgemacht werden, dann interessiert das offensichtlich keinen großen Geist. Nein, da wird von CDU-Seite in Berlin noch gemault, dass Wowereit ein paar Millionen locker gemacht hat, um Homophobie an Berliner Schulen zu bekämpfen. Da wird sogar so getan, als lebten Schwule in Berlin und anderswo in Deutschland im Elysium und seien niemals irgendwelchen Ressentiments, geschweige denn Diskriminierungen ausgesetzt.

    Und so gärt die homophobe Scheiße weiter, unhinterfragt - oder am besten schiebt man ihr noch (wie im Falle von Bushido oder Sido) zahllose Musik-Preise in den Arsch. Damit die Kinder und Jugendlichen auch sehen, dass ihr Star einer von den "Guten" ist.

    Homophoben Dreck zu sagen und singen ist in Deutschland hoffähig geworden, gerade durch das Aufkommen des sog. Hass-Raps - und leider auch vornehmlich von seiten muslimisch geprägter Migranten, die versuchen, ihr vom Elternhaus internalisiertes Macho-, Frauen- und Schwulenhasser-Ding in klingende Münze umzusetzen.

    Wer "Tunten" in den Dreck zieht, ist sich des Applaus großer Teile der heutigen Jugendkultur sicher, inbesondere der aggressiv männlichen, die nichts mehr fürchtet als "weibliche" Züge an sich zu entdecken.

    Die heteronormative (Jugend-)Kultur ist eine ganz große Herausforderung an uns Schwule. Wir können nur immer wieder mahnend auf sie hinweisen und versuchen, sie durch unser eigenes Beispiel im Alltag zu brechen.

    Da nutzen uns aber die Westerwelles dieser Welt herzlich wenig, die ihre Lebenspartner als "Herr Mronz" titulieren. Wir brauchen endlich mehr Menschen, die sich im Alltag outen, dort, wo sie mit jungen Menschen in Berührung kommen.

    Das Private wird immer politisch bleiben - zumindest, solange es Rapper wie Kaisa und anderen Dreck gibt. Nur Prosecco im Loft schlürfen und am CSD im Schutze des schwulen Kollektivs ein paar politische Forderungen hauchen hilft da wenig ...

    Wir sollten mal langsam unseren Arsch hockriegen!
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#2 LorenProfil
  • 13.03.2010, 13:00hGreifswald
  • Wenn man die 9mm-Textzeile hört, könnte man wirklich meinen, er habe die Diskussion um Dancehall mitgekriegt und sie eingebaut, um sich bekannt zu machen (einen Skandal zu prvozieren).

    Wie dem auch sei. Eine inhaltliche Bewertung erspare ich mir. Der LSVD kann den Reggae-/Dancehall-Fans jetzt beweisen, dass nicht zwischen jamaikanischen und deutschen Sängern unterschieden wird. Homophobie und Hass-Texte gehören in Deutschland auf keine Tonträger oder Bühnen!
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#3 LorenProfil
#4 KhalifvonKoelnAnonym
  • 13.03.2010, 13:23h
  • der typ sieht richtig geil aus.
    bin zwar auch aus schoeneberg, aber wenn ich ihn sehen würde, würde ich für ihn hinhalten. kein scheiss.
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#5 gniwerjProfil
  • 13.03.2010, 13:28hdortmund
  • wer ist dieser typ überhaupt? erinnert mich an diesen g-hot und kralle-quatsch vor 2 jahren. "hey. wir können weder rappen, noch haben wir wenigstens ansatzweise verständnis von lyrik. lass uns einfach 'n prolligen hasstext raushauen und unsere potenz ist gesichert."

    dann doch lieber die hier:

    www.youtube.com/watch?v=WQWTefxFHDM

    nicht pc, dafür kritisch, voller wortwitz und satire pur:)
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#6 gniwerjProfil
  • 13.03.2010, 13:31hdortmund
  • habt ihr nicht auch das gefühl, seine pose auf dem ersten foto sieht irgendwie ...ähm schwul aus?^^
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#7 LorenProfil
#8 schwulenaktivist
  • 13.03.2010, 13:49h
  • Ich kann mich nur wiederholen. Dass die Schwuchteln auf den Musiketagen ihren Arsch und ihre Lippen zusammenklemmen sagt alles: Die sog. Emanzipation ist nur anrasiert, wie die Pimmel der Junghomos. Dahinter ist nix, nur die nackte Angst der Anpassung!

    Erst wenn wieder ein paar Männer (müssen ja nicht wirklich schwul sein, sondern nur "so aussehen") getötet worden sind, wird es Reaktionen geben, vorher nicht!
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#9 gniwerjProfil
#10 LasseAnonym
  • 13.03.2010, 14:21h
  • Echt peinlich, wenn ungebildete Menschen, die sich so faschistisch äußern etwas von "Werteverfall" faseln.

    Schlimm nur, dass die dann anderen Idioten die Rechtfertigung für Gewalt geben.

    Ich wünschte, die Politik und Justiz würden da ebenso einschreiten, wie sie es bei entsprechenden Äußerungen über Moslems, Juden, Farbige, etc. (zu Recht!) tun.

    Aber solange Union und FDP weiter faseln, Schwule bräuchten (im Gegensatz zu allen anderen) keinen Diskriminierungsschutz und bräuchten auch nicht im GG gleichgestellt werden, werden wir wohl weiterhin ganz unten stehen und gegen sowas nichts unternehmen können.
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