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Der Papst hüllt sich über die Missbrauchsfälle in seiner Heimat in Schweigen. Was braut sich da zusammen? Vielleicht eine Philippika nicht nur wegen der Schandtaten, sondern darüber hinaus eine Kampfansage an den "Sexismus"?

Von Jürgen Friedenberg

Soll denn Liebe Sünde sein? Seit eh und je beobachtet die Kirche mit Unbehagen, dass, allen Moralpredigten zum Trotz, auch immer mehr Katholiken außerehelichen Geschlechtsverkehr nicht als Sünde empfinden, sondern als irdischen Freudenquell nutzen. Das fängt in der Schulzeit an und hört oft auch im Rentenalter nicht auf. Schlimmer noch: Gut informiert und animiert durch den Sexualkundeunterricht, treibt es so mancher Hans nicht mit Grete, sondern mit anderen Hänsen. Und das Schlimmste: Vater Staat gibt seinen Segen dazu!

Schon wurden Stimmen laut, die den Missbrauch von Kindern und Abhängigen als zwangsläufige Folge einer zunehmenden Sexualisierung der Gesellschaft zu erklären und insgeheim zu entschuldigen suchen. Zwar hätten es auch kirchliche Amtsträger an der Verantwortung für ihre Schutzbefohlenen fehlen lassen, heißt es. Doch die eigentlichen Missetäter seien die Verkünder der sexuellen Selbstverwirklichung, nämlich die Unruhestifter der sechsziger Jahre, die Emanzen beiderlei Geschlechts und – wenn es auch kaum so offen gesagt wird – insbesondere die Homosexuellen, die ja weithin als pädophil gelten.

Der unvorstellbar gewesene Umfang der aufgedeckten Missetaten hat die Menschen aufgeschreckt und sie zeitweilig stärker beschäftigt und verunsichert als die Rekordverschuldung der Bundesrepublik, für die sie als Bundesbürger immerhin zahlen müssen. Kein Wunder, dass konservative Kreise jetzt die Chance wittern, angesichts der empörenden Schandtaten die sexuelle Freizügigkeit einzugrenzen, etwa die Pornografie (oder was man dafür halten will) zurück zu drängen, den so genannten Jugendschutz strikter zu handhaben, die Strafgesetze zu verschärfen, strafverdächtige PC-Nutzer vorbeugend zu überwachen – kurzum, unter Berufung auf das angeblich (sex-)gefährdete Gemeinwohl die individuellen Freiheitsrechte zu beschneiden.

Wir müssen höllisch aufpassen, dass das Rad der Geschichte nicht zurückgedreht wird. Soll denn Liebe Sünde sein? Nein, nein, nein!



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.

33 Kommentare

#1 goddamn. liberalAnonym
  • 21.03.2010, 11:09h
  • Ratzinger ist immer gefährlich...

    Und dass in seinem Weltbild immer die anderen, d. h. lasche liberale Theologenkollegen, die böse demokratische Moderne und die noch bösere Säkularisierung schuld sind, ist auch klar.

    Das könnte er jetzt auch perfide und raffiniert, wie er ist, ausschlachten, wenn er nicht persönlich im Glashaus säße.

    Man stelle sich einen Jugendamtsleiter vor, der jemand einstellt, der einen elfjährigen Jungen zuerst betrunken gemacht und dann zum Oralverkehr gezwungen hat, und der Amtsleiter kümmert sich dann nicht darum, dass dieser ohnehin Berufsunfähige nicht mehr mit Kindern arbeitet. Das ist der Fall Ratzinger im Erzbistum München. Ich denke, abgesehen von einer gut organisierten Schar Sektierer kann Ratzinger als Moralprediger z. Zt. nicht mehr viel reißen...

    Der Flurschaden, den Westerwelle anrichtet, macht mir da mehr Sorgen...
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#2 Prince CharmingAnonym
  • 21.03.2010, 11:43h
  • Liebe ist keine Sünde! Liebe ist etwas schönes und wunderbares und man kann nie genug bekommen!
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#3 Liedel
  • 21.03.2010, 11:52h
  • Nach der Logik derer (z.B. Bischof Mixa), die jetzt in den 68ern und der sexuellen Revolution die Ursache für den Kindesmissbrauch durch Priester und Ordensleute sehen, könnten Politiker künftig z.B. die Fehler bei der Berechnung der Hartz4- Regelsätze mit der ausufernden Verbreitung der Mathematik begründen
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#4 hwAnonym
  • 21.03.2010, 12:32h
  • " Wir müssen höllisch aufpassen, dass das Rad der Geschichte nicht zurückgedreht wird."

    Da war ich drei Jahre alt:

    Seit März 1963: In Mainz bildet sich ein "Petitionskreis für politische Amnestie und Aufhebung des KPD-Verbots Rheinland-Pfalz".

    Zu den Initiatoren gehören z. B. die Koblenzer Studienrätin Gertrud Bienko, der Mainzer Pfarrer Horst Symanowski, der Cheflektor des
    Luchterhand-Verlags Dr. Benseler, der
    Wiesbadener Verwaltungsgerichtspräsident
    i. R. Dr. Müller u. a.
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#5 HandoAnonym
  • 21.03.2010, 13:36h
  • Die Doppelmoral der katholischen Kleriker ist seit Jahrhunderten ein Ärgernis ersten Ranges. Die Reformatoren wie Luther und Calvin hatten auch deshalb einen so großen Erfolg, weil das Kirchenvolk von dem katholischen Sauhaufen genug hatte. Seit dieser Zeit hat sich aber nichts geändert. Immer noch gilt für die feisten Pfaffen: Anderen Wasser predigen, aber selbst Wein trinken. Mit anderen Worten: Morgens im Messgewand mit erhobenem Zeigefinger Moral predigen und abends im Sling hängen.
    Dagegen gibt es nur EIN Mittel: Kirchenaustritt! Erst wenn dieser menschenverachtenden Organisation die Menschen in Scharen weglaufen und ihr die Kirchensteuer vorenthalten, wird sich vielleicht(!) noch etwas ändern. Es ist erschreckend, dass gerade so viele schwule Männer immer noch brav ihre Kirchensteuer zahlen. Merke: 5 Minuten nach dem Kirchenaustritt sieht die Welt anders aus!
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#6 Krzyszek
  • 21.03.2010, 13:53h
  • Dieser Kommentar ist eben das: ein Kommentar. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung - auch wenn er lediglich Unsinn von sich gibt und gleichzeitig zeigt, wie uninformiert er ist.

    "Nur die irischen Glaubensbrüder haben den Zorn des Heiligen Vaters über den tausendfachen Missbrauch ihrer Schutzbefohlenen in einem scharfzüngigen Hirtenbrief zu spüren bekommen"
    (Bildunterschrift)

    Es versteht sich ja wohl von selbst, dass das, was für die irischen Katholiken gilt, ebenso an alle anderen Katholiken gerichtet ist. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche. Wenn der Papst also die Vorfälle in Irland aufs Schärfste verurteilt, gilt das selbstredend auch für Missbrauchsfälle in Deutschland oder sonstwo auf dieser Welt. Die in den Meiden geäußerte Kritik, der Papst schweige dazu ist also blanker Unsinn.

    Dabei ist es völlig unerheblich, was man von dem Mann hält, welche Meinung man zur katholischen Kirche hat oder zu außerehelichem Geschlechtsverkehr.
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#7 LeberwurstbrotAnonym
  • 21.03.2010, 13:56h
  • In Deutschland existieren heute zwei Sorten Recht nebeneinander: das staatliche Verfassungsrecht und das Kirchenrecht, der Codex Iuris Canonici oder das Kanonische Recht, das die internen Justiz der katholischen Kirche regelt. Als öffentliche Körperschaft ist die katholische Kirche unabhängig vom Staat, untersteht jedoch - außer in spirituellen Fragen - der staatlichen Verfassung. Absatz 3 in Artikel 137 der Weimarer Reichsverfassung besagt, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten innerhalb des für alle deutschen Staatsbürger/innen geltenden staatlichen Rechts selbständig ordnet und verwaltet. Demnach unterliegt die römisch-katholische Kirche als öffentlich-rechtliche Körperschaft der Verfassung ebenso wie dem Strafrecht, dies betrifft sowohl ihre Rechte als auch ihre Pflichten.

    Gesetze und Mauern der Kirche

    Im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch bedeutet dies, dass die Artikel 174-182 des deutschen Strafgesetzes zu sexuellem Missbrauch, sexueller Nötigung und Vergewaltigung für die römisch-katholische Kirche und ihre Mitglieder ebenso bindend sind wie für jede andere Institution oder Person, die Teil der deutschen Gesellschaft ist. Dies betrifft auch Artikel 332c des Strafrechts allgemein, wonach jemand, der von einer unzüchtigen Handlung Kenntnis erlangt, dem Opfer zu helfen hat und die Straftat der Polizei oder dem Staatsanwalt anzuzeigen hat. Bei Nichtbefolgung liegt eine Straftat vor.

    Wenn die Hierarchie der römisch-katholischen Kirche eine Straftat verschleiert, um ihre Angestellten und den Ruf der Kirche zu schützen, ehe sie sich um das Wohl des Opfers kümmert, verstößt sie gegen geltendes Strafrecht.

    Wie säkular ist unsere Justiz ?

    Offizialdelikt ist eine strafbare Handlung, die von Amts wegen, also ohne Rücksicht auf den Willen des Verletzten verfolgt wird. Den Gegensatz bildet das Antragsdelikt, bei dem die strafbare Handlung nur auf Antrag des Verletzten verfolgt wird.

    www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32295/1.html
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#8 Guter ÖsiAnonym
  • 21.03.2010, 14:06h
  • Antwort auf #6 von Krzyszek
  • Man muss solche Menschen mit Kraft, Freude und Zuversicht unterstützen.

    Laut einer neuen Umfrage von Integral überlegen in Österreich eine Million Katholiken - und damit ein Sechstel aller Kirchenmitglieder - aufgrund des Missbrauchsskandals den Kirchenaustritt.
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#9 tanzstundeAnonym
  • 21.03.2010, 14:29h
  • Bischof Müller tanzt den Koch-Mehrin.

    Medien eklesiaphob !

    Die katholische Kirche hat derzeit in Deutschland nicht nur mit dem Missbrauch-Skandal zu kämpfen, sondern auch mit den bösen Medien.

    Besonders perfide ist Müllers Einlassung, die Menschen würden "manipuliert durch verkürzte Berichte, durch ständige Wiederholung von Vorgängen aus alter Zeit". Hier vergeht sich der Kirchenmann elegant am achten Gebot, indem er Ursache und Wirkung geradezu abartig verdreht.

    www.ksta.de/html/artikel/1268991434981.shtml
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#10 stromboliProfil
  • 21.03.2010, 14:33hberlin
  • ahhhhh, endlich wird der bogen geschlagen zu den "zeitströmungen"... !
    Friedenberg hat recht; es erwartet uns eine schlamschlacht! Egal ob da der oberhirte seinen straffällig gewordenen bruder rettet, indem er ihm die absolution der vor 68 herrschenden sittenstrenge erteilt; wichtig wird ihm die erhaltung des erziehungsgebotes sein, dass notwendig erscheint, um die sakralen ungereimtheiten unter die leute zu bringen.

    Aber der mißbrauch ist ja nicht nur ein sexueller sondern ein lebensumfassender gewesen. Der dabei vorgebrachte eifer im handeln und zuschlagen auch heute noch ein tatkräftiger beweis für die verkommene eigenmächtigkeit solcher frömmelnder schläger!
    Und so sollte man dann auch den domspatzenkantor georg ratzinger nennen: einen verkommen-frömmelnden kinderschläger.
    Das macht es einfacher die grenzen zu ziehen bei dem was nun auf uns zukommen wird: denunziativevermutungen um dem publikum die innere verlottertheit des kirchlichen systemes zu verschleiern: hier offen schlagende aber gutmeinende, dort verschlagen fummelnde. Und die verlogenheit wird noch gekrönt von der mutmaßung, eben das, ab den 60zigern laufende erwachen aus dem albtraum kirchlicher sexualmoral, habe zur preisgabe seelsorgerischer pflichten geführt; wurden die armen prister eben erst vom antichrist emanzipation zum mißbrauch( hier dem sexuellen!) verleitet... dumme schafe die den schäfer aus den augen verloren, sich auf abwegen befinden.

    Das wir bei dieser gelegenheit nicht nur den katholischen dreck vor unserer tür vorfinden sondern auch den der schwesterlichen konkurrenz, ist nur ein trauiger beweis für die schamlosigkeit , mit der sich die religionsverwalter bis in die heutige zeit hinein auf kosten heranwachsender einen erziehungs/seelsorge bonus von der gesellschaft ergaunert hat.
    Eigentlich müßte es unisono zum sofortigen verbot solcher "geschlossenen" schulsysteme führen... aber nein; weiterhin unterstellt man den kirchen wohlwollend gutes streben und wirken.

    Die vergewaltigungen, der korperliche mißbrauch durch schläge-strafe-erniedrigung ist kein neues thema; man lese nur BAMBULE!
    Und die staffelbergkampagne , die massenfluchten aus den jugenderziehungsheimen fanden schon in den spätsechzigern statt. Auch da wurde schon von dem gesprochen, was heute so "neu " sein soll!

    Bei genauem hinsehen: mafiöses schweigen durch täter, mitschüler und leider auch durch betroffene!
    Jeder in den kollegs und internaten der bürgerlichen wusste um den einen oder anderen lehrer der gerne privatunterricht vergab... wieso reden da exsxchüler wie der heiner geisler nicht in offenem eingeständnis? Weil es sie ebenso zu mitwissenden/tätern macht? Späte reue oder franziskanische dokrin der omerta? Oder gar ein anderer aspekt: fühlen sich die internatsschüler nicht auch als priveligierte gruppe, kommende leistungsträger die sich solch"anrüchigkeiten nicht leisten wollen angesichts ihrer zukünftigen laufbahnen...?
    Oder weil man das geschehene als eine ohnehin pupertäre "entgleisung" verstand.
    Haben wir unseren Roger Peyrefitte gelesen - Heimliche Freundschaften - oder -Törless- ?

    Wenn wir nun in den sog der anschuldigungen und vermutungen reingezogen werden , sollten wir auch wissen, was unsere position hierzu sein soll/muß! Und unsere position zum kirchlichen anspruch auf "erziehung" im besonderen!

    Da gilt es die würde zu verteidigen wie aber auch die integrität des kindes in der ihm zustehenden sexualität.
    Den günther Amendt als phädo zu verteufeln (so in einer maischberger-sendung), weil der jugendliche in seiner sexfront von den freuden der masturbation und einer neununsechszíger stellung als kinderverhütung aufklärte ist auch heute noch ein meilenstein der entwicklung sexualpädagogischer vernunft!
    Auch der ratschlag auszuprobieren was nicht ursprünglich im eigenen denk/gefühlskonzept enthalten ( gleichgeschlechliche kontakte pflegen wie eine brieffreundschaft..., ist weiterhin lobenswert!
    Leider hat ja nicht der erzieherische mißbrauch die bevölkerung aufgeschreckt, lieber jürgen, sondern nur ein tiefes unbehagen über sexuelles und damit verbundene übergriffe.
    Deshalb wird der von dir vermutete ruf nach verschärfung der umgangsmoral sicher erfolgen!
    Womöglich dann eine - sexfront - auf den index landen?!
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