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Das Schwule Museum Berlin gratuliert mit jeweils einer eigenen Ausstellung Werner Schroeter zum 65. und Elfi Mikesch zum 70. Geburtstag.

Von Carsten Weidemann

Werner Schroeter steht als Filmemacher neben Fassbinder, Herzog oder Wenders als einer der wichtigsten Exponenten des jungen deutschen Kinos der 70er und 80er Jahre. Ebenso feierte er als Theater- und Opernregisseur große internationale Erfolge. Dabei kennzeichnet eine radikale Experimentierfreudigkeit sein Werk ebenso wie eine große, geistige Unabhängigkeit. Für Schroeter waren und sind neben der Oper immer Frauen die stärksten Inspirationsquellen. Die am 23. März eröffnete Hommage im Berliner Schwulen Museum greift diesen Aspekt seines Schaffens auf und ehrt den Regisseur, den Menschen, seine Freunde und Mitarbeiter anlässlich seines 65. Geburtstags.

Frauen sind Mittelpunkt in Werner Schroeters Schaffen. Um Frauen dreht sich alles. Frauen sind seine engsten Mitarbeiter und Vertraute. Frauen begeistern Schroeter. Mit Frauen entwickelt er seine surrealen Melodramen, seine musikdurchwirkten Collagen. Frauen heben bei ihm die Geschlechtergrenzen auf: Sie spielen männliche Charaktere pointierter, als das die wenigen männlichen Wesen in seinen frühen Filmen vermochten. Seine Stars heißen Carla Aulaulu, Magdalena Montezuma, Christine Kaufmann, Ellen Umlauf, Ingrid Caven - und später gesellen sich nach den vielen Opernstars, Bulle Ogier und Isabelle Huppert zu den engen Freundinnen. Alberte Barsacq entwarf seit 1977 fast alle Bühnenbilder und viele Ausstattungen seiner Filme.

Beim Experimentalfilmfestival in Knokke lernt Schroeter 1967 Rosa von Praunheim kennen. Für die nächsten Jahre sind die beiden ein äußerst kreatives Paar, das zusammen Filme macht, Stars kreiert und für Furore sorgt. Anders als Praunheim, der seine Homosexualität agitatorisch wendet, versteht sich Schroeter als Künstler, dessen Homosexualität ein selbstverständlicher Bestandteil seiner Kunst und Persönlichkeit ist. Er fühlt sich nicht unterdrückt. Seine Homosexualität beschreibt er in Interviews als Chance, sich Frauen zuzuwenden. Mit Magdalena Montezuma, die sein Werk prägt, arbeitet und lebt Schroeter bis zu ihrem Krebstod, eng zusammen.

Elfi Mikesch, die Hauptfigur der zweiten Ausstellung, führte in vier Filmen Schroeters die Kamera. Als Protagonistin des Neuen Deutschen Films ist Mikesch seit den 70er Jahren eine Vorkämpferin der feministischen Gegenkultur. Die lesbische Dokumentar- und Experimentalfilmerin, Fotografin und Kamerafrau prägte das subversive Kino der vergangenen Dekaden - und erarbeitete sich einen Ruf weit darüber hinaus. Anlässlich ihres 70. Geburtstages würdigt das Schwule Museum die Künstlerin ebenfalls mit einer Ausstellung, die ihr fotografisches Schaffen in den Mittelpunkt stellt.

Elfi Mikesch ist einige der wenigen Kamerafrauen, die zugleich Regie führt. Ohne ihre suggestive Kamera wären die Filme von Rosa von Praunheim ärmer. Kennen gelernt haben sich die beiden in den sechziger Jahren in Frankfurt am Main. Mit dem Fotoroman "Oh Muvie" begann wenig später in Berlin ihre künstlerische Zusammenarbeit, die mit Unterbrechungen bis heute anhält. Bei Praunheim traf sie Werner Schroeter, für dessen 1971 entstandene Oscar-Wild-Adaption "Salome" sie als Maskenbildnerin und Standfotografin firmierte.

Werner Schroeter schätzt ihren ruhigen Einfluss, die Kreation einer harmonischen Atmosphäre, die den Schauspielern Sicherheit bietet und ihnen vollkommene Hingabe an die Kamera ermöglicht. Eindrucksvoll veranschaulicht dies Magdalena Montezumas letzter Auftritt in "Der Rosenkönig". Mikesch, Praunheim, Schroeter waren in Verbindung mit den dazugehörigen Superstars die anarchische Talentschmiede des subversiven Films.

Zu sehen sind beide Ausstellungen noch bis 28. Juni 2010 im Schwulen Museum, Mehringdamm 61, Hinterhof, 10961 Berlin, geöffnet täglich außer Di von 14-18 Uhr, Sa -19 Uhr.