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Auch Saalbach-Hinterglemm in Österreich hat jetzt seine schwule Skiwoche. Schwule sind dort heiß begehrt – doch der Euroski Pride steckt noch in den Kinderschuhen.

Von Holger Wicht

Völlig neue Töne am Après-Ski-Hot-Spot "Bauer‘s Schialm" : Während die letzten Skifahrer die Pisten in der Spätnachmittagssonne herunter kurven, singt Boy George"Do you really want to hurt me?" und fordert abwechselnd "die Aktiven" und "die Passiven" zum Mitsingen auf. So richtig klappen will das zwar nicht, doch der Witz kommt an – zumindest bei den vielleicht 100 Schwulen vor der Bühne. Die Heteros wippen immerhin beschwingt mit. Einige fragen sich wohl noch, warum hier heute keine Après-Ski-Musik à la DJ Ötzi zu hören ist. Und eine Frau erkundigt sich, ob das der echte Boy George sei.

Natürlich nicht. Der Mann mit der vielen Schminke um die Augen ist ein Double, eingeflogen zum ersten Euroski Pride im österreichischen Saalbach-Hinterglemm. Und Boy George ist nur der Anfang. Der Höhepunkt ist: Madonna! Unter dem Gejohle aller Zielgruppen singt eine intonationssichere Doublette "Like a Prayer" und "Like a Virgin". Sie bittet einen schwer angetrunkenen Hetero mit Skibrille auf die Bühne, zwingt ihn auf alle Viere, stellt ihm einen gestiefelten Fuß auf den Rücken und leert sein Weizenbierglas. Große Heiterkeit und ein Blitzlichtgewitter sind die Folge.

Die Ikonen schwuler Subkultur und bierseliger Après-Ski-Taumel passen überraschend gut zusammen an diesem Nachmittag Ende März. Die Veranstaltung hat zudem den offiziellen Segen des Tourismusverbandes Saalbach-Hinterglemm: Kurz vor Boy George hat Geschäftsführer Wolfgang Breitfuß die "Gays" – wie der Österreicher sagt – aufs Herzlichste willkommen geheißen.

"Superlässige Sach, voll angenehme Leit"

Auch Hüttenwirte, Hoteliers und die jungen Barkeeper im Saalbacher Nachtleben reagieren spürbar cool. "Die sagen: ‚Superlässige Sach‘‚voll angenehme Leit, da samma gern dabei!‘", fasst Breitfuß im Interview mit schwulen Journalisten zusammen. Über die Reste von Unsicherheit gegenüber der Zielgruppe helfen ein paar Scherze hinweg. Seinen monströsen Gipsarm erklärt der Mann so: "Ich hab mich mit einem der Gays geprügelt – und der war stärker."

Die Weltoffenheit der Saalbacher hat einen einfachen Grund: Die Schwulen sind ein "sehr, sehr interessanter Markt", wie Wolfgang Breitfuß es formuliert. Hinzu kommt: Ende März ist Nebensaison, und das Skigebiet hat 18.000 Betten zu füllen. Da ist es ziemlich egal, was in den Betten dann nach dem Après-Ski passiert.

Auch mit anderen speziellen Zielgruppen hat man hier schon gute Erfahrungen gemacht. So reiten alljährlich die Harley-Davidson-Fans zu einem großen Treffen ins Tal ein, und zeitgleich zur schwulen Skiwoche findet ein Pokerturnier in Hinterglemm statt.

Nur wenige Leute im Ort hätten etwas gegen den Euroski Pride gesagt, berichtet Breitfuß auf Anfrage, sie hätten sich um den Ruf als Skigebiet für Familien gesorgt und sich vor CSD-ähnlichen Szenen im Dorf gefürchtet. Insbesondere ein älterer Gastwirt soll sich gesperrt haben, ist im Ort zu hören. Die Häme gibt’s gleich obendrauf: Der habe nun eben keine Gäste. Und dann positionierte sich noch der katholische Pfarrer öffentlich gegen den Skipride. Aber der war auch schon gegen die Partyveranstaltung "Rave on Snow".

Wolfgang Breitfuß hat die Sache mit den Schwulen zum Anlass genommen, sich mal mit dem traditionsbewussten Geistlichen zu treffen. Ganz freundlich und "konstruktiv" hat er ihm erklärt, wie der Skihase läuft: "Bei uns kommen’s zum Feiern und zum Gasgeben. Tourismuspolitik hat sich geändert." Und die Kirche, fügen viele Saalbacher in diesen Tagen gerne hinzu, solle im Moment eh mal ganz ruhig sein.

Der Erfolg anderer Skiorte gibt ihnen Recht. Längst haben die meisten Alpenländer ihre Homoevents. Im österreichischen Sölden ist das "Gay Snowhappening" schon seit mehr als zehn Jahren ein Renner, in der Schweiz gehen die Schwulen in Arosa auf die Piste, in Frankreich in Tignes. Alle Events locken jährlich jeweils mehrere Hundert schwule Gäste in die Wintersportorte. Saalbach-Hinterglemm ließ sich also nicht lange bitten, als letztes Jahr die schwule Eventagentur Blutomato aus England anklopfte.

Eine handgemachte Gruppenreise

Im ersten Jahr steckt der Euro Ski Pride freilich noch in den Kinderskischuhen. Beworben mit der glatten Lüge "Europes BIGGEST and ONLY Ski Pride Week", zeigt er sich im ersten Jahr eher als handgemachte Gruppenreise.

Etwa 120 Teilnehmer aus England, Spanien, Skandinavien, den USA und weiteren Ländern haben laut Veranstalter das Komplettpaket des Ski Pride gebucht (682 Euro für Drei-Sterne-Unterkunft mit Halbpension, Skipass und Partyprogramm, hinzu kamen die Anreise und die Kosten um Ski und Schuhe zu leihen). Ein paar Dutzend weitere Teilnehmer sollen auf eigene Faust angereist sein und einen Eventpass gelöst haben.

Bei den Abendveranstaltungen des Euroski Pride laufen allerdings meist nicht so viele Leute auf. Und auch im Stadtbild von Saalbach ist bis auf ein paar Regenbogenfahnen nicht viel Pride zu sehen. Ausnahme: eine Gruppe beschwingter Finnen, die jeden Tag in anderer Priscilla-verdächtiger Verkleidung auf Hüttentour geht. Mit Hüftschwung und Herzchensonnenbrille geben sie das beliebteste Fotomotiv ab und dürften bei so mancher Familie das Tischgespräch dominieren.

Die glamourös beworbene "White Party" in der rustikalen Disco Taverne gleicht hingegen eher einem Tanzvergnügen auf Klassenfahrt, für das man halt ein weißes T-Shirt aus dem Koffer gekramt hat. Immerhin, ein Teilnehmer hat sich einen flauschig weißen Heiligenschein aufs Haupt gebastelt, andere erschienen mit weißen Engelsflügeln.

Doch es ist gerade diese Lauschigkeit, die vielen Teilnehmern gefällt. Am ersten Abend haben sie noch gefremdelt in der Taverne. Doch Andrei Pop, einer der Veranstalter, hat alles getan, um die multinationale Teilnehmerschaft zu einer Gruppe zu formen. Wie ein Flummi ist der gebürtige Rumäne durch die Alpenlandschaft und über die Après-Ski-Bühnen gesprungen, hat Mannschaftsspielchen und Schneeballschlachten angezettelt und gute Laune wie aus Schneekanonen unters Volk geschossen. Um zwei gehörlose Teilnehmern besser einzubinden, hat er im Internet nachgeschaut, wie man "Ich liebe dich!" in Gebärdensprache sagt.

"Am Ende ist die Gruppe zu dem geworden, was wir uns sonst immer wünschen: einer Community", schwärmt Andrei am letzten Abend in der Taverne. Bei seinen Abschlussworten kurz zuvor sind ihm die Tränen gekommen. Tränen der Rührung, Tränen des Abschieds. "Ich habe einen sehr persönlichen Kontakt zu den Leuten", sagt Andrei.

Lückenfüller kurz vor Saisonende
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Auch das Feedback der Teilnehmer fällt an diesem Abend überwiegend positiv aus. Ein schönes Gruppenerlebnis sei es gewesen, bestätigt einer der wenigen Deutschen. Er würde jederzeit wieder mitfahren. Weniger begeistert sind diejenigen, die hier ein Großereignis erwartet haben.

Die Macher des Euroski Pride und die Region Saalbach-Hinterglemm werden sich entscheiden müssen: Wollen sie es in den kommenden Jahren bei einer überschaubaren schwulen Gruppe belassen? Oder wollen sie ein Event à la Sölden? Dann müssen sie dafür einiges tun und vor allem auch in Deutschland und Österreich ordentlich Werbung machen.

Fraglich ist auch, ob die Skiwoche als Lückenfüller kurz vor Saisonende funktionieren kann: Die Gipfel des Glemmtals reichen kaum höher hinauf als auf 2.000 Meter. So liegt Ende März ab dem späten Vormittag nur noch schwerer Nassschnee auf den Pisten. Da nützt es wenig, dass Saalbach-Hinterglemm eine an sich hervorragende Skiregion mit 200 Pistenkilometern und modernsten Liftanlagen zu bieten hat.

Eines ist für Wolfgang Breitfuß vom Tourismusverband klar: Im nächsten Jahr will er mehr Regenbogenfahnen im Ort sehen. Zunächst erlebt Saalbach-Hinterglemm jetzt aber erst mal wieder die klassischen Töne: Zum Saisonabschluss findet hier die Ski-WM der Volksmusikanten statt.



#1 SeXXX-O-MaticAnonym
  • 04.04.2010, 19:16h
  • Ick freu mir wie Bolle, daß meine Vorhersagen für die erste Euroskipride eingetroffen sind! Bereits das Gay-Snow-Gangbanging in Sölden war der Flopp des Jahres! Ösiländer können halt einfach keine Großereignisse organisieren!
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#2 maaaartinAnonym
  • 06.04.2010, 13:53h
  • das leben im nordrhein-westfälischen hinterland muss ganz schön langweilig sein.
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