Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?11986

Harmlos, leichtsinnig oder selbstmörderisch? Queer.de hat den Test gemacht und Potenzmittel im Internet bestellt.

Von Christian Scheuß

"Jede Fälschung von Medikamenten ist ein versuchter Massenmord." EU-Industriekommissar Günter Verheugen fuhr scharfe verbale Geschütze auf, als er Ende Dezember 2009 die Ergebnisse einer konzertierten Aktion vorstellte: "Die Europäische Union hat bei gezielten Zollkontrollen in allen Mitgliedsländern innerhalb von nur zwei Monaten allein 34 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt. Das hat alle Befürchtungen übertroffen."

Antibiotika, Krebs- und Malariamedikamente, Cholesterinsenker sowie Schmerzmittel und Viagra; das sind die Spitzenreiter unter den konfiszierten Pillenbergen. Überwiegend Medikamente, die in Deutschland rezeptpflichtig sind. Vor allem die Potenzpillen sind bei schwulen Männern beliebt, die sie sich einwerfen, um entweder länger zu können oder aber, um nach Einnahme diverser Drogen überhaupt noch eine Erektion zu bekommen. Und der einfachste Weg an die Hartmacher zu kommen, ist das Internet.

Auch der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist besonders der unkontrollierbare Internethandel ein Dorn im Auge. Sie bläst in einer Stellungnahme ins selbe Massenmörderhorn: "Fälscher nehmen den Tod von Menschen billigend in Kauf, um ihren Profit zu optimieren." Die schrillen Töne des Verbandes stehen im Kontrast zu den Erfahrungen, die Internetbesteller bislang gemacht haben. Zumindest bei Viagra und Co.. Was mit der Post ankommt, das wirkt exakt, wie es soll. In diversen Foren, die sich mit Medikamentenbestellung über das Web befassen, sieht man Verheugens Äußerungen deshalb kritisch: Er habe nicht verraten, wie viele der Fälschungen denn nun gefährlich oder wirkungslos waren. Man vermutet, dass es hier neben dem Verbraucherschutz eher um handfeste wirtschaftliche Interessen geht.

An Potenzmittel zu kommen, ist ein Kinderspiel

Ein Test der Redaktion offenbart: An Potenzmittel zu kommen, ist ein Kinderspiel. Über die Suchmaschine findet man schnell diverse Shops. Ein deutschsprachiges Angebot verspricht sogar den Versand aus Deutschland oder Österreich, damit der Zoll die Lieferung nicht abfängt. Man bezahlt per Kreditkarte, eine Woche später hat man die Ware im Luftpolsterumschlag samt fotokopiertem Beipackzettel im Briefkasten. Natürlich ist es kein Original-Viagra. Die rautenförmigen Pillen sind grün statt blau und sie heißen Kamagra. Der Cialis-Wirkstoff wird als Apcalis verkauft. Die Medikamente kommen aus Indien und sind identisch mit den Pillen, die man in Touristenhochburgen wie Thailand offen über der Theke verkauft bekommt. Indiens Pharmaindustrie, auch als "Apotheke der Armen" bezeichnet, produziert einen Großteil der Generika - also der Nachbauten von Medikamenten - für Asien. Darunter auch viele HIV-Mittel. Die identischen Kopien, hergestellt nach strengen Vorschriften, haben eine genauso gute Qualität wie das Original. Es gibt also offensichtlich wenig Grund zu befürchten, dass es sich mit dem indischen Viagra anders verhält.

Wer Medikamente wie Viagra im Web bestellt, geht natürlich immer ein gewisses gesundheitliches Risiko ein, da man sich nicht 100-prozentig sicher sein kann, das geliefert zu bekommen, was man bestellt hat. aber die Gefahr scheint geringer zu sein, als es Verheugen weiß machen will. Dennoch sprechen wir hier keine Empfehlung aus, online Potenzmittel zu bestellen. Erst recht keine Medikamente, die lebenswichtig sind. Auch wenn man mit der Bestellung an sich - so wie bei Poppers - nicht widerrechtlich handelt, man fördert mit seinem Geld einen Schwarzmarkt. Strafbar ist der Versand verschreibungspflichtiger Mittel. Gehen Viagra-Lieferungen über eine Zollstelle und werden sie dort als solche identifiziert, werden sie generell beschlagnahmt. Das Geld ist damit futsch.

Wöchentliche Umfrage

» Nutzt du Potenzmittel?
    Ergebnis der Umfrage vom 05.4.2010 bis 12.4.2010


14 Kommentare

#1 MariusAnonym
  • 05.04.2010, 09:31h

  • Was soll denn dieser Artikel?! Seit Ihr gesponsort von den Generikaherstellern?

    "Wir wollen nichts empfehlen, aber strafbar ist die Bestellung nicht..."

    Solche Angebote sind mehr als zweifelhaft!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 dummfugAnonym
  • 05.04.2010, 11:05h
  • 3 Möglichkeiten gibt es:

    A - Das Medikament ist tatsächlich korrekt dosiertes Viagra ohne Beimengen von schädlichen Stoffen

    Viagra ist verschreibungspflichtig. Das hat seinen Grund. Für Bluthochdruckpatienten ist Viagra oft genug tötlich - aus dem kleinen Tod wird ganz schnell ein großer. Menschen mit Lungenhochdruck bekommen ähnliche Präparate sowieso schon, gefährliche Wechselwirkungen treten auf. Wer von den Menschen, die nicht in Behandlung sind, weiß denn schon, ob er Bluthochdruck oder Lungenhochdruck hat? Keiner!

    B - Das Präparat ist kein korrekt dosiertes Viagra. Bestenfalls ist es ein reines Plazebo, ohne weitere Beistoffe. Das ist selten. Meist ist aber der Wirkstoff falsch dosiert - zu wenig, aber oft auch zu viel. Bis zu 5fach höhere Dosen sind schon bei anderen Medikamenten vorgekommen. Gar nicht so selten finden sich ganz andere Wirkstoffe in den Pillen - die sollen vielleicht ähnliche Wirkung haben, aber natürlich haben die auch andere Nebenwirkungen!
    Häufig wurde ein billigerer Produktionsprozess eingesetzt. So finden sich sehr oft "Verunreinigungen" in extrem hohen Dosen mit fatalen Auswirkungen.

    C - Es ist wirklich ein sorgfältig produziertes Generika, gleicher Wirkstoff, saubere Zusammenstellung. Das kann dann der Laie bestimmt am indischen Originalbeipackzettel sofort erkennen.

    Ob Du Recht hast oder nicht, das entscheidet gleich das Licht... am Ende des weißen Tunnels!
    Also Finger weg davon!

    Druckt Queer.de auch Todesanzeigen? Ich finde es unverantwortlich, hier so einen Artikel zu bringen! Aber Queer.de hat ja den Test gemacht! Wie viele Bestellungen? 100 verschiedene? Was waren die Laborwerte? Ach, nur ein mal bestellt? Das nennt Ihr einen Test? Unverantwortllich!

    Ein Cockring ist viel billiger, sieht super aus und kann wiederverwendet werden!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PharmaXXXyAnonym
  • 05.04.2010, 14:33h
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Mittelchen zur Potenzsteigerung im Internet zu bestellen, ist ein ziemliches Va-Banque-Spiel. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Packungsbeilage oder ficken Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KameliendameEhemaliges Profil
#5 vingtans
  • 05.04.2010, 15:54h
  • bin ich froh das bei mir und meinem freund alles super funktioniert...
    und ich kann nicht verstehen warum sich ältere leute sowas im internet bestellen...wenn ich sowas brauch ,dann geh ich zum arzt...man kann ja nicht verklemmt und freizügig zugleich sein oder?!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 HannibalEhemaliges Profil
  • 05.04.2010, 17:55h
  • wieder zig mega spießige kommentare hier!
    ich frage mich immer, ob ich auf einem anderen planeten lebe oder ob ich tatsähchlich nur leute kenne, die keine online-foren kommentieren.

    ich habe schon oft online "viagra" bestellt und mir ist noch nie was passiert. und dass viagra und poppers in kombination nicht anzuraten ist, sollte wohl jedem bekannt sein. obwohl mir dabei auch noch nie was passiert ist.

    ach, übrigens: nein, ich kriege auch OHNE viagra und co. einen hoch. bleibt nur länger hart!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Liedel
  • 05.04.2010, 20:17h
  • Doch @ feles18, kann man. Schau dich einfach in deiner, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich rechtslastigen Gegend in Sachsen- Anhalt um. Hier besonders nachts auf Parklätzen entlang der A395 oder der B6n. Da haste solche Leute mit einschlägigen KfZ- Kennzeichen, die tagsüber ganz brav verklemmt sind und ab Einbruch der Dunkelheit zu ganz pösen promiskuitiven Meneschen mutieren

    Und wenn man mal von deiner hier irgendwie ständig auftauchenden "gut/monogam - böse/promiskuitiv"- Unterscheidung (wobei Du natürlich auf der Seite der "Guten" stehst, is klar) absieht- zu einem ehrlichen, weil offenen Arzt-Patienten- Verhältnis würde natürlich gehören, sofern das Bedürfnis besteht, den "Verordner" auf Viagra anzusprechen (übrigens wurscht, ob der Arzt/die Ärztin gay oder hetero ist).
    Ich halte das z.B. auch bei anabolen Steroiden für sinnvoll, wenn man sieht, wie unhinterfragt das manche konsumieren - und zwar nicht nur "dumme Kiddies" oder "verblödete" (meist "ältere") Bodybuilder...
  • Antworten » | Direktlink »
#8 MASAnonym
  • 05.04.2010, 21:03h
  • Wie, aus dem Netz? Wenn ich die mal irgendwann benötige, kaufe ich die ganz offiziell in den Niederlanden, genau so wie die meisten Medikamente. Medikamente sind in NL mal locker 30-50% günstiger als in Deutschland.

    Tun mir eigentlich nur die Leutz leid, die nicht in Grenznähe wohnen...
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SchorschAnonym
  • 05.04.2010, 22:23h
  • Antwort auf #6 von Hannibal
  • Wir sind oft genug hier sehr verschiedener Meinung, aber diesmal muss ich dir voll und ganz zustimmen. Ich habe ebenfalls noch nie negative Erfahrungen mit Internetbestellungen gemacht. Wer die Frage klären möchte, ob er den Wirkstoff überhaupt nehmen sollte, fragt einfach seinen Arzt, lässt sich einmal ein Rezept ausstellen, löst es ein, wenn er genug Geld übrig hat und kauft die Pillchen fortan zu einem Bruchteil online. Klar gibt es das Risiko falscher Zusammensetzungen. Aber das dürfte etwa ein hundertstel so groß sein, wie es von interessierter Seite dargestellt wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 dummfugAnonym
  • 05.04.2010, 23:27h
  • Wir leben in einem (ziemlich) freien Land, hier kann man vieles kaufen und auch konsumieren, und darüber bin ich ausgesprochen froh.

    Bei Nikotin und Alkohol kennt so ziemlich jeder die Nebenwirkungen, trotzdem wird konsumiert und auch der Gruppenzwang unter Jugendlichen ist da und Komasaufen IN.

    Medikamente verbessern unsere Lebensqualität. Sie können aber auch schaden. Jemand, der sich mit diesen Fakten gut auskennt ist ein Arzt. Von diesem Berufsstand gibt es wirklich genügend und der Besuch wird durch die Krankenkasse abgedeckt. Spießig ist für mich nur jemand, der sich nicht traut, mit diesem Problem zu einem Arzt zu gehen.

    Wenn ich einen Cutter = Teppichmesser brauche, kann ich mir ein äußerst billiges oder ein Markenmesser kaufen. Meistens tut es auch das billige aus dem Baumarkt, das Qualitätsmesser hält aber länger und ist weniger gefährlich. Das sehe ich dem Teil aber auch an, es ist aus Plastik statt Metall und hat vielleicht keinen Griffschutz. Und wenn ich mich damit ins eigene Fleisch schneide überlebe ich das normalerweise. Und ich bin froh, das eine Produktüberwachung ein gefährliches Teil möglichst vom Markt nimmt.

    In einem guten Beitrag sollte ein Redakteur möglichst offen ein Thema beleuchten, von allen Seiten, und wenn man von einem TEST spricht, gehört das für mich dazu. Ein Leitartikel oder Kommentar dagegen spiegelt die persönliche Meinung wieder und darf Anlass zur Diskussion geben.

    Was aber sagen nun Formulierungen wie "die Gefahr scheint gering zu sein" und "eine genauso gute Qualität wie das Original. Es gibt ... wenig Grund zu befürchten, dass es sich mit dem indischen Viagra anders verhält."

    Mit ähnlichen Formulierungen setzen auch Dealer ihr gestrecktes Material ab.

    In Zeiten, in denen es auch Schlankheitsmittel im Internet immer noch mit Bandwurmlarven versetzt zu kaufen gibt, sollte man das Risiko zumindest nicht herunterspielen.
  • Antworten » | Direktlink »