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Der deutsche Reggae-Sänger Gentleman hat in einem Interview erklärt, dass Proteste gegen homophobe Sänger auf Jamaika nichts bringen.

Gentleman, der sich selbst immer wieder gegen Homophobie ausgesprochen hat, kritisierte in der "taz" Homo-Aktivisten, die sich für Einreiseverbote von Musikern wie Elephant Man oder Sizzla ausgesprochen haben. Beide Reggae-Interpreten haben in ihren Songs zur Ermordung von Schwulen aufgerufen. "Wir reden hier von einer anderen Kultur", erklärt er in Richtung Homo-Aktivisten. "Ich kann ja auch nicht Kondomautomaten im Vatikan aufstellen. Oder im Iran gegen Kopftücher protestieren. Genauso wenig kann ich etwas gegen die Homophobie auf Jamaika tun". Unterschriftenaktionen oder Petitionen haben nach der Überzeugung des Musikers "keinen Sinn".

Der 34-Jährige (bürgerlich: Tilmann Otto) kritisierte insbesondere den grünen Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck, weil er unter anderem ein Einreiseverbot gegen Sizzla durchgesetzt hatte (queer.de berichtete). "Da wird ein ganzes Genre kriminalisiert", so Gentleman. Schließlich werde nicht in gleicher Konsequenz gegen homophobe Rap-Musiker vorgegangen, erklärte der Sänger, ohne Beispiele zu nennen.

Homo-"Lobby" verursacht "unfassbaren Schaden"

Durch die ständige Kritik an Reggae durch Homo-Aktivisten habe die Musik inzwischen "einen unfassbaren Schaden abbekommen", ist sich der Kölner Musiker, der Jamaika als seine zweite Heimat bezeichnet, sicher: "Da steht eine riesige Lobby gegen eine kleine Szene. Und das macht mich wütend."

Dennoch gibt auch Gentleman zu, dass die Proteste zumindest teilweise gewirkt hätten: "Wenn ich mir heute Texte von Sizzla, Bounty Killer oder Buju Banton anschaue, die sind nicht mehr so krass, wie sie in den Neunzigerjahren mal waren. Den Künstlern ist klar: Wir kommen damit nirgendwohin, wir handeln uns nur Auftrittsverbote ein". Dennoch habe sich an der Homophobie auf Jamaika nichts geändert: Homosexualität gelte dort als "absolute Sünde" und wird von staatlicher Seite verfolgt - und das sei auf der Welt nicht einmal ungewöhnlich: "Wir, die Homosexualität akzeptieren, sind weltweit gesehen eine Minderheit."

Gentleman erklärte ferner, dass viele Reggae-Texte durch ihre Übersetzung ins Deutsche im Sinn verändert würden. Allerdings machten die Sänger in den vergangenen Jahren auch in Interviews deutlich, dass sie Schwule als ihre wahren Feinde ansehen: So sprach Buju Banton von einem "ewigen Krieg" zwischen ihm und den "Schwuchteln" - er benutzte dabei das eindeutige amerikanische Schimpfwort "Faggots" (queer.de berichtete). Erst vergangenen Monat hat sich Sizzla von einer Erklärung distanziert, keine homophoben Songs mehr aufzuführen (queer.de berichtete): "Ich kann nicht damit aufhören, diese Lieder zu singen, denn es gibt da eine Message in diesen Songs, die die Leute hören sollten." Dabei beruft er sich auf den christlichen Gott, der in der Bibel klar die Minderwertigkeit von Homosexuellen zum Ausdruck gebracht habe. (dk)



131 Kommentare

#1 Blondes GiftAnonym
  • 08.04.2010, 12:43h
  • Ich zitiere aus dem Artikel:

    "Durch die ständige Kritik an Reggae durch Homo-Aktivisten habe die Musik inzwischen "einen unfassbaren Schaden abbekommen", ist sich der Kölner Musiker, der Jamaika als seine zweite Heimat bezeichnet, sicher: "Da steht eine riesige Lobby gegen eine kleine Szene. Und das macht mich wütend."

    ---------------------

    Aha. Und wissen Sie, Gentleman, was mich wütend macht? - dass jetzt schon wieder das Opfer zum Täter umgedeutet wird!

    Auf der einen Seite die armen unterentwickelten Reggae-Musiker, abgemagert bis auf die Knochen, keine Kohle - und auf der anderen Seite die fetten, selbstzufriedenen West-Schwuchteln, die nichts besseres zu tun haben, als die harmlosen, vollkommen unschuldigen Rapper zu dissen, wo sie nur können!

    Ja, ich glaub', ich steh' im Wald!

    Und das dann auch noch mit der schier unglaublichen Aussage zu unterfüttern, Protest gegen Homophobie bringe ja sowieso nichts!? Weil die Länder/Völker/Regierungen ja nun mal so seien!?

    Okay, dann brauchen wir auch keine Entwicklungshilfe mehr zu leisten. Klitorisbeschneidungen, Sex mit Minderjährigen, Zwangsverheiratungen, Schwulenmorde - das sind doch alles nur harmlose Auswüchse überkommener Stammeskulturen - ethnologisch interessant, aber noch nicht wirklich schlimm. Was erdreisten wir uns als Westler, uns da mit unserer nervigen Demokratie und den noch nervigeren Menschenrechten einzumischen?

    Jamaika den Jamaikanern - Saudi-Arabien den Arabern - Nordkorea den Nordkoreanern. Und die paar Menschen, die unter Unrechtsregimen krepieren, die sind nur Kollateralschäden. Vernachlässigbarer Menschenmüll, der sich mal nicht so wichtig nehmen sollte. Aufmüpfiges Gesindel ...

    ------------------

    Wenn ich so eine gequirlte Kacke von einem in Deutschland, in einem freien Land lebenden Rapper höre, in einem Land, in dem dieser Typ alles tun kann, was er will, dann möchte ich nur noch schreien!!!

    Ich wünsche jedem dieser jamaikanischen homophoben Hass-Rapper, dass sie ihren Hass einmal am eigenen Leib erfahren können. Irgendwann werden sie das säen, was sie geerntet haben. Und mal gucken, ob sie dann das Maul noch so weit aufreißen, wie sie es jetzt tun.

    Der "Sänger" Gentleman hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Wer sich als Kämpfer gegen Homophobie versteht, der hält eben nicht seine Klappe, sondern tut etwas.

    Danke an Herrn Beck und andere, dass sie sich nicht den Mund von Gentleman und anderen geistigen Leuchten verbieten lassen. Wir sind es jedem gefolterten und ermordeten Schwulen auf dieser Erde schuldig!
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#2 WütenderSchwulerAnonym
  • 08.04.2010, 13:03h
  • Manch Zeitgenosse ist nicht im Stande logisch zu denken! Ursache und Wirkung sollte man schon auseinanderhalten können, Herr Gentleman - das spricht nicht gerade für Ihre Intelligenz! Nicht die berechtigte Kritik macht diesem Genre zu schaffen, sondern der Hass der mit dieser 'Kultur' transportiert wird!!
    Ich hoffe diese selbsternannten Beschützer jamaikanischer Werte, erschlagen sich gegenseitig in ihrer blinden Wut. Das gleiche hat übrigenz Einstein den NaziDeutschen gewünscht.
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#3 chrollifan78Profil
#4 LorenProfil
  • 08.04.2010, 13:20hGreifswald
  • Ein Gentleman in der "Reggae-Falle". Schön, dass er sich von jeglicher Homophobie distanziert.
    Weniger schön, dass er am Thema vorbei redet.
    Bei Aktionen gegen Sänger aus dem Reggae- oder Dancehall-Genre, die in ihren Texten zu Gewalt gegen Schwule aufrufen, geht es nicht um das Genre an sich, sondern es betrifft nur diejenigen, die volksverhetzende Inhalte verbreiten. Gegen einen Papst oder einen iranischen Sänger, welcher zur Gewalt gegen Schwule aufrufen würde, würde man auch entsprechend vorgehen (um mal die Vergleiche des Gentleman zu bemühen).

    Dass diese Aktionen Wirkung erzielen, beschreibt der Gentleman ja in dem Interview selbst. Das begrüße ich.
    Der Vergleich volksverhetzender Textinhalte mit Bob Marleys "I Shot The Sheriff" wird von dem Gentleman zwar immer wieder angeführt, aber dadurch nicht richtiger. Der Protagonist dieses Textes erschießt den Sheriff in Notwehr, wie man dem Text ohne Weiteres entnehmen kann. Es wird keinesfalls ein Mord verherrlicht oder zu Mord und Totschlag aufgerufen. Daher ist Bob Marley alles andere als ein Kronzeuge für einen Sizzla. Dass der Gentleman bewusst diese falsche Fährte legt, nehme ich ihm übel und entwertet für mich manch Positives, was er in Interviews äußert. Schade.

    www.lyricsfreak.com/b/bob+marley/i+shot+the+sheriff_20021744
    .html
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#5 chrisProfil
  • 08.04.2010, 13:34h Dortmund

  • Bisher war mir der Gute ja noch recht sympathisch aber das ist dann wohl jetzt vorbei. Ist echt ne Kunst so einen geistigen Durchfall zum Ausdruck zu bingen. Ich denke, er wird überwiegend Angst um seine wirtschaftliche Lage haben. Je weiter seine Musik vom Mainstream durch Kritik entfernt wird, desto weniger Geld wird er verdienen. So siehts aus!
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#6 LorenProfil
  • 08.04.2010, 13:57hGreifswald
  • Antwort auf #5 von chris
  • Der Gentleman begibt sich gerade in den Mainstream, ist er doch seit 2010 endlich bei den Großen (Universal Music Deutschland) unter Vertrag. Sein neues Album wird am Freitag erscheinen. Titel: "Diversity"
    Noch Fragen?
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#7 Knueppel
  • 08.04.2010, 14:02h
  • Niemals werde ich akezeptieren, dass Homophobie (es gibt "regelmäßig" Morde an schwulen Männern auf Jamaika, an denen extrem hasserfüllte Reggae-Texte sicher nicht unschuldig sind, erwecken sie doch den Eindruck es sei "akzeptiert" für Gott einen "wertlosen" Schwulen umzubringen ...) als eine "kulturelle Besonderheit" in irgend einem Land der Erde verharmlost wird!

    Das Menschenrecht auf Leben und Unversehrtheit ist universell, unveräußerlich und steht über sog. "kulturellen oder religiösen Eigenarten."

    Nee, Gentleman, so nicht!
    Ich hielt Sie bis zu diesem "taz"-Interview fälschlicherweise für einen intelligenten und mutigen Mann. Das hat sich seit heute grundlegend geändert.

    Hier ist der Link zum
    "taz"-Interview:

    www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/was-mich-stoert-ist-diese
    -doppelmoral/


    Knueppel
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#8 schwulenaktivist
  • 08.04.2010, 14:30h
  • Es ist interessant, dass sich internationale Persönlichkeiten gegen die Todesstrafe für Homosexuelle in Uganda öffentlich gewehrt haben, aber gegen die Tötungen und Aufrufe in Jamaika nichts unternehmen. Irgendwie schräge Argumentation...
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#9 Gay PrideAnonym
  • 08.04.2010, 14:31h
  • Das Thema ist mittlerweile schon so ausgelutscht. Gentleman hat recht, wenn er sagt, dass durch Proteste hierzulande kein Einfluss auf die jamaikanische Gesellschaft ausgeübt werden kann. Wie soll dies auch gehen? Insofern redet er keineswegs an der Sache vorbei. Der Proteste gegen Homophobie bei derartigen Künstlern war aber dennoch richtig und wichtig, ist aber z. T. obsolet geworden. Selbst Sänger, die früher zum Teil sehr heftige Texte hatten - wie etwa Elephant Man -, haben mittlerweile eingesehen, dass damit im Ausland keine Sympathiepunkte gewinnen kan. Und dies schon seit vielen Jahren.

    Buju Banton: Am 13.5.2008 publiziert Buju Banton in seinem eigenen Label-Magazineinen Aufruf an Dancehall-Reggae-KünstlerInnen, die Inhalte ihrer Songs zu überdenken. Seither (bzw. seit Okt 2007) gab es keinen dokumentierten Fall von Absingen eines Homohass-Songs durch
    Buju Banton.

    www.ttgapers.com/News/2008/5/14/buju-banton-pleads-with-arti
    stes-to-clean-up-lyrics


    www.reitschule.ch/reitschule/stopmurdermusic/Texte/DerFallBu
    juBanton.pdf


    Elephant Man auf arte (2006): "An die Homosexuellenverbände: Ich habe nichts gegen niemanden. Ihr macht was ihr wollt und lebt euer Leben. Vor einigen Jahren sind ein paar Dinge gelaufen - aber das ist die Vergangenheit. Die Dancehall-Bruderschaft hat geschworen nicht mehr zu sagen, was andere beleidigt. Ihr lebt euer Leben, wie Leben uns Leben. Jeder geht seinen Weg. Keine Sorge. Dancehall sagt nichts Verletzendes mehr. Das haben wir hinter uns gelassen."

    www.youtube.com/watch?v=NNuYyUYthaY

    Elephant man (diese Woche): Ich will keine negative Stimmung, sondern gute verbreiten, ich komme nicht her um irgend etwas über Homosexuelle zu singen. Wenn du ein Schwuler bist und tanzen wollt, geht tanzen und hört euer Zeug. Ich bin nicht hier um jemanden fertig zu machen."

    www.youtube.com/watch?v=j9kail_dfnM

    Es hat sich also durchaus was getan. Man sollte auch genau darüber reflektieren, wer noch homophobes Textgut hat und wer nicht. Ich käme heutzutage nicht mehr auf die Idee gegen Buju Banton oder Elephant Man zu demonstrieren, wie ich es in der Vergangenheit getan habe. Gentleman hat recht, wenn er sagt, das man nicht die ganze Szene beschuldigen kann. Auch Jungs, die früher Scheiße gesungen haben, können sich ändern.
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#10 Gay PrideAnonym
  • 08.04.2010, 14:39h
  • ...hab mir die CD bestellt. Ist laut Amazon schon verschickt.
    www.youtube.com/watch?v=5iGnGRbATQ4

    Ist ürbigens krass wie unreflektiert hier einige kommentieren. Fast genauso intolerant, wie die Dancehall-Typen. Aber kein Wunder, wenn man sich das Wahlverhalten der Schreiberlinge ansieht. Mal schön alles verbieten. So viel Staat wie möglich und am liebsten noch mehr.
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