Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?12009

Im Streit um das Homo-Mahnmal in Berlin glaubt die Frauenzeitschrift "Emma", dass "schwule Lobbyisten" das Gedenken an die lesbischen NS-Opfer verhindern wollen.

Das Alice-Schwarzer-Blatt kritisiert die Forderung, den im Denkmal gezeigten Kurzfilm mit schwulem Kuss beizubehalten. Die Zeitschrift spricht sich statt dessen für den Kompromiss aus, nachdem der durch ein Fenster sichtbare Kurzfilm alle zwei Jahre ausgewechselt wird - zu sehen sein sollen abwechselnd küssende Männer und Frauen.

Dieser Kompromiss wurde zuletzt von Leitern der KZ-Gedenkstätten und schwulen Aktivisten in Frage gestellt (queer.de berichtete). Sie erklärten, dass ein lesbischer Kuss die Geschichte verfälschen würde, da Schwule von den Nationalsozialisten gezielt verfolgt worden seien, Lesben aber nicht. Es sei historisch nicht zu belegen, "dass lesbische Frauen im Nationalsozialismus individueller Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen seien", so die Autoren.

Ansicht schwuler Aktivisten ist "dreist"

Die "Emma" bezeichnete diese Aussage in einem redaktionellen Text als "dreist": "Schließlich war es eine der ersten Amtshandlungen der Nazis, Lotte Hahm und Elsa Conrad, die Leiterinnen der Berliner 'Damenclubs' Violetta und Monbijou und Lesben-Aktivistinnen, zunächst ins Gefängnis und dann ins KZ zu transportieren".

Lesben seien zwar nicht vom Paragrafen 175 bedroht worden, die Gestapo habe aber gezielt Jagd auf homosexuelle Frauen gemacht, wie die Forscherinnen Claudia Schoppmann und Ilse Kokula in Erfahrung gebracht hätten. In KZs seien Lesben dann Gruppenvergewaltigungen ausgesetzt gewesen.

Zudem sei "Zwangsheterosexualität" das Ziel der "männerbündischen Nationalsozialisten" gewesen - und damit kämpften die Nazis in gleichem Maße gegen Schwule und Lesben. "Diese historischen Fakten zu leugnen, heißt nicht nur, die Frauen (mal wieder) zu verschweigen", schreibt die "Emma" - und kündigt an, in dem "kleinlich-kläglichen Streit um das Homo-Mahnmal" nicht zurückzuweichen.

Das Mahnmal hat bereits einen jahrelangen Streit um die gezeigte Kussszene hinter sich: Zunächst wurde Anfang 2006 der schwule Kuss als integraler Bestandteil des Mahnmals genehmigt. Ein halbes Jahr später startete die "Emma" erfolgreich eine Kampagne gegen das Denkmal, die von den Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset als "populistische Attacke" kritisiert wurde (queer.de berichtete).

Der Film am Homo-Mahnmal soll im Mai 2010 ausgewechselt werden. Er muss eine "gleichgeschlechtliche Kussszene" - diesmal mit zwei Frauen - in Schwarz-Weiß enthalten und darf maximal zwei Minuten dauern. 2012 sind dann wieder die Schwulen dran. (dk)



67 Kommentare

#1 animositätenAnonym
  • 09.04.2010, 15:34h
  • Der ganze Streit ist dermaßen erbärmlich.
    Dieses interne Gezänk, wer die legitimeren Opfer sind, erfüllt jedes Altnaziherz mit hämischer Genugtuung. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich küssende, attraktive junge Frauen in einer patriarchal dominierten Gesellschaft keine Provokation der herrschenden Verhältnisse (außer in einigen Schwulenkreisen), sondern eine gerngesehene Wichsvorlage für Heteromänner sind. Jeweils zwei Jahre waren vereinbart und nicht, dass darüber alle drei Jahre wieder grundsätzlich diskutiert wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 chrisProfil
  • 09.04.2010, 15:43hDortmund
  • Gut, dann machen wir das ab jetzt so, dass wir für alle NS-Oper nur noch ein einziges Denkmal aufstellen. Dann wechseln wir alle paar Monate das Motiv. Sind ja offenbar alle Menschen gleich betroffen.

    Gebt den Lesben doch ihr eigenes Denkmal. Dies kann dann ganz emanzipiert und voller Ablehnung gegenüber Männern jeglicher Art konzipiert sein.

    Und dann bitte noch eins für lesbische Hausfrauen im Dritten Reich ... und eins für lesbische Trümmerfrauen ... und eins für lesbische Arbeiterinnen bei Krupp ... und, und, und.

    Warum können derartig emanzipierte Frauen nicht einfach wirklich emanzipiert sein und die Dinge so belassen wie sie sind - ohne sie zu verbiegen? Das ist doch nicht diskreminierend gemeint sondern entspricht einfach den verhältnismäßigen Gegebenheiten.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 BCAnonym
  • 09.04.2010, 15:47h
  • Also ich hätte nichts dagegen, abzuwechseln.
    Und bei dieser Regelung ist mir dann auch nicht wichtig, in wie weit eine Gruppe mehr oder weniger verfolgt wurde...

    Vielleicht sehe ich das ganze nicht genügend im Kontext (den ein Mahnmal natürlich herstellen soll), aber wollen wir damit nicht auch Zeichen für Tolleranz heute setzen?

    Zwei Filme, die sich abwechseln (sei es jetzt alle 2 Jahre oder warum auch nicht z.B. alle 5 Minuten?) sollen zeigen, was akzeptiert sein sollte, aber damals nicht war und es vollständig auch heute nicht ist...jedoch hoffentlich irgendwann sein wird...
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Nicht-SchwarzerAnonym
#5 alexander
  • 09.04.2010, 16:09h
  • tante emma soll ihre busenfreundin die bundesmutti knutschen solange sie will, aber ihre ambitionen auf ihre belange beschränken !
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Gehts noch?Anonym
  • 09.04.2010, 16:12h
  • Antwort auf #1 von animositäten
  • ein kuss bei so einem denkmahl hat nichts mit einer wichsvorlage zutun, egal ob zwei männer oder zwei frauen zusehen sind! wie pervers muß man sein um an sowas zu denken wenn es um dieses thema geht? es sind nicht die heterosexuellen männer die wollen das alle zwei jahre küssende frauen gezeigt werden, sondern es sind die frauen die das wollen
  • Antworten » | Direktlink »
#7 alexander
  • 09.04.2010, 16:19h
  • Antwort auf #3 von BC
  • es kann nicht sein, dass unsere interessen und die der ausführenden künstler durch "kampagnen" einer reaktionären altemanze (keine frauenrechtlerin) mit ihrem käseblättchen über den haufen geworfen werden !
  • Antworten » | Direktlink »
#8 chrisProfil
  • 09.04.2010, 16:33hDortmund
  • Antwort auf #6 von Gehts noch?
  • Ich muss allerdings gestehen, auf die Idee mit der Wichsvorlage bin ich auch gekommen. Sry, aber wenn ich an Lesbensex denke (was zum Glück selten ist) dann muss ich auf immer unweigerlich daran denken, dass Lesben da einen anderen Status haben weil die Hetenkerle das geil finden. Ich glaube nicht, dass man mit einem lesbischen Kuss so viel provozieren kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 animositätenAnonym
#10 IslamistenfeindAnonym
  • 09.04.2010, 16:54h
  • Antwort auf #7 von alexander
  • Sie lobte den Papst für seine "deutlichen Worte" zum Islam in dessen Regensburger Rede:

    "Für eine Vereinigung von Vernunft und Glauben; gegen die Gewalt im Namen Gottes oder Allahs .... Johannes Paul II. hat mit den Islamisten paktiert, sein Nachfolger greift sie an.
    Das ist gut so."

    Da ist was faul. Auch wenn es nach Freiheit riechen soll.
  • Antworten » | Direktlink »