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Der polnische Präsident ist beim Absturz eines Flugzeugs in der russischen Stadt Smolensk ums Leben gekommen. Bei dem Unglück im Anflug auf den Flughafen der Stadt starben Interfax zufolge alle 132 Passagiere.

Der Tod des Präsidenten wurde inzwischen vom Gouverneur der Region Smolensk bestätigt. Das Flugzeug, in dem Kaczynski saß, war beim fünften Landungsversuch auf den Militärflüghafen in mehrere Bäume gerast und in Brand geraten. Kaczynski war gemeinsam mit seiner Frau und einer Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn. Dort waren vor 70 Jahren tausende Polen ermordet worden.

Der 60-Jährige war seit Dezember 2005 Staatspräsident Polens, sein Zwillingsbruder Jaroslaw amtierte von 2006 bis 2007 als Ministerpräsident. Beide Brüder, die am 18. Juni 1949 in Warschau geboren und bereits im Alter von zwölf Jahren durch einen Märchenfilm bekannt wurden, gründeten nach der Wendezeit in Polen die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Zuvor waren sie Mitstreiter Lech Walesas gewesen. Der gläubige Katholik und Jurist Lech Kaczynski war seit 1978 mit seiner früheren Studienfreundin Maria verheiratet, die bei dem Unglück ebenfalls ums Leben kam. Das Paar hat eine Tochter.

Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski von der polnischen Bürgerplattform (PO) übernimmt nun stellvertretend das Amt. Die für den Herbst geplanten Präsidentschaftswahlen werden vorgezogen, Komorowski ist für seine Partei nominiert und lag in Umfragen vor Kaczynski.

Kampf gegen Warschauer CSD

Die Kaczynski-Zwillingen galten als einige der wichtigsten Gegner von Homo-Rechten in Europa, trotz Gerüchten, Jaroslaw könnte selbst schwul sein. Als Bürgermeister von Warschau hat Lech zweimal in Folge einen geplanten CSD verboten, 2004 etwa aufgrund von vermeintlichen Sicherheitsbedenken anlässlich einer Gegendemonstration, die er erlaubt hatte. 2005 sagte er in einem Radiointerview, er habe die Demonstration verboten, weil er "gegen die Propagierung homosexueller Orientierung" sei: Ein CSD stelle eine "Gefahr für die öffentliche Moral" dar und sei "sexuell obszön".

Als die schwul-lesbische Demonstration 2005 trotz Verbots stattfand, wurden die Teilnehmer von jugendlichen Rechtsextremen beschimpft und mit Eiern beworfen. Am Wochenende darauf erlaubte Kaczynski eine "Parade der Normalität" der rechtsextremen Allpolnischen Jugend, der Jugendorganisation der rechts-katholischen Polnischen Familienliga (LPR). Für das Verbot des CSDs in Warschau in jenem Jahr hatte der Europäische Menschenrechtsgerichtshof Polen später wegen der Diskriminierung von Schwulen und Lesben verurteilt. Das Verbot habe sowohl gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit als auch gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen.

Solidarität in Europa

Im Wahlkampf nutzte seine Partei Bilder eines Gay Prides: "Statt der provokativen Paraden der Homosexuellen wollen wir Hilfen des Staates für polnische Familien", hieß es dazu. Nach seiner Wahl zum Präsidenten demonstrierten 2006 Schwule und Lesben bei einem Besuch Kaczynskis in der Berliner Humboldt-Universität, wo er zum Thema "Solidarität in Europa" sprach. Dort bekräftigte der Präsident, es sei für ihn "unvorstellbar", dass Homosexuellen einmal die gleichen Rechte gewährt werden solle wie Heterosexuellen.

In einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag" verteidigte er seine Haltung: "Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, in der 50 Prozent der Männer kein Interesse an Frauen mehr haben, das wäre eine andere Welt, und das wäre gefährlich, vom biologischen Standpunkt ebenso wie vom kulturellen." In einem anderen Interview sagte er 2007: "Ich glaube nicht, dass Homosexuelle diskriminiert werden sollten". Zugleich wiederholte er die Aussage, dass Homo-Aktivisten mit dem Ansinnen, "Homosexualität auszubreiten", die Menschheit zum "Aussterben" verurteilten. Bei einem Großbritannien-Besuch warnte er erneut vor einem Ausbreiten einer "schwulen Kultur", die zum Aussterben von Heterosexualität führe.

Drasitische Worte, die ihm auch Erfolg brachten: 2008 erkämpfte er ein Opt-Out Polens bei der Grundrechtecharta des EU-Vertrags von Lissabon. In einer Fernsehansprache warnte er vor der "drohenden Anerkennung" von Schwulen und Lesben, da die Charta Homosexualität gutheiße und unweigerlich zur Öffnung der Ehe führen würde. Als "abschreckendes" Beispiel zeigte er dabei die Eheschließung eines amerikanischen Paares in Kanada.

Homofreundliche Politikerin unter Opfern

Bei dem Flugzeugunglück starb auch Izabela Jaruga-Nowacka. Die 59-jährige Politikerin des Bündnisses der Demokratischen Linken hatte sich in der Vergangenheit als eine der wenigen Politiker Polens für Homo-Rechte eingesetzt, so hatte sie etwa 2005 an dem verbotenen CSD in Warschau teilgenommen und Treffen von ihrer Partei mit Homo-Aktivisten veranstaltet, die in einem Gesetzentwurf für eine Homo-Ehe mündeten. Die stellvertretende Premierministerin unter Marek Belka hinterlässt einen Mann und zwei Kinder. (nb)



#1 diz!Anonym
#2 Marc MuldersAnonym
#3 VolumeProProfil
  • 10.04.2010, 11:36hMönchengladbach
  • Zunächst mein herzliches Beileid an seine Familie und das polnische Volk.

    Aber mit dem Tod von Kaczynski wird es mit den Rechten für unsere Freunde in Polen besser werden, zumindest kann man die Hoffnung haben. Polen hat jetzt die Chance sich gesellschaft zu modernisieren.
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#4 EnyyoAnonym
  • 10.04.2010, 11:38h
  • Hoffentlich steht Lech jetzt (nicht?!) vor der Himmelspforte vor einem schwulen Petrus, der sagt: "Du kummst hier net rein"...

    Ansonsten musste ich spontan an ein Zitat von Otto Waalkes denken:
    "Der Papst hat Selbstmord begangen. Warum nicht, wenn man sich beruflich verbessern kann...".

    Toitoitoi, dass Polen nun einen reiferen Menschen an die Regierungsspitze wählt!
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#5 Polnisches VolkAnonym
#6 Dr.P.EnisAnonym
  • 10.04.2010, 12:22h
  • Wirklich tragisch! Es sollen wohl weit über 130 Menschen gestorben sein, die meisten davon polnische Politiker. Auch unser Aussenminister hats sich schon zu Wort gemeldet: Bundesaußenminister Guido Westerwelle, zurzeit in Südafrika: „Ich bin tief betroffen vom Tod des polnischen Präsidenten. Es ist ein furchtbares Unglück, eine furchtbare Tragödie. Mir persönlich geht die Nachricht sehr nahe. Kaczynski war ein sehr kluger, energischer Gesprächspartner.“
    Westerwelle weiter: „Wir trauern mit dem polnischen Volk. Wir verlieren eine Persönlichkeit, auf die auch Europa bauen konnte. Deswegen ist es vor allem für uns Deutsche ein Moment, wo wir innehalten, wo wir trauern und unser Mitgefühl zum Ausdruck bringen. Das ganze deutsche Volk ist mit dem polnischen Volk tief verbunden in dieser Stunde.“
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#7 gatopardo
  • 10.04.2010, 12:36h
  • Natürlich wünscht man auch seinen erbittertsten Gegnern nicht den Tod, aber es kann festgehalten werden, dass er einer unserer engagiertesten Feinde war, die wir in der EU haben.
    Die TU154 und ihre osteuropäischen Fluglinien hatten überdurchschnittlich viele Pannen. Dann kann auch vorweg schon angenommen werden, dass der Flughafen Smolensk nicht über Kategorie III verfügt wie z.B. Madrid, Frankfurt oder Paris, wo eine Blindlandung bei Nebel problemlos ist.Daher die mehrmaligen fruchtlosen Landeanflüge. Der Kapitän hätte auf einen Alternativflughafen ausweichen müssen, was er aber wahrscheinlich mit seiner "wertvollen" Fracht unbedingt vermeiden wollte. Mal sehen, ob es so war oder ob ich nur altklug daherrede, weil ich 33 Jahre auf dem Madrider Flughafen gearbeitet habe ?
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#8 alexAnonym
#9 Dr.P.EnisAnonym
#10 MarcAnonym