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Der Literaturklassiker mit universeller Botschaft erlebt seine 16. Filmfassung. Regisseur Oliver Parker drehte routiniert, aber dennoch packend.

Von Christian Scheuß

"Nachdem ich bereits zwei Oscar Wilde-Verfilmungen gedreht hatte, stand mir eigentlich nicht der Sinn danach, mich dauerhaft in diese Schublade stecken zu lassen", erinnert sich Regisseur Oliver Parker. 1999 hatte er bereits "An Ideal Husband (Ein perfekter Ehemann), und 2002 "The Importance of Being Earnest" (Ernst sein ist alles) – beide mit Rupert Everett in der Hauptrolle - produziert. "Aber ich liebe einfach seinen Roman". Das "Bildnis des Dorian Gray", ein Klassiker des Gothic-Horror und eine Parabel auf Hedonismus und Jugendwahn, sie reizte Parker, doch noch einmal die Schublade aufzuziehen.

Die Story: Der ebenso gut aussehende wie unerfahrene Dorian Gray kommt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in London an. Dort steht er dem Maler Basil Hallward Modell, der Dorians beeindruckende Schönheit und Jugendlichkeit in einem Portrait dauerhaft festhalten will. Unter den Fittichen des charismatischen Lord Henry Wotton findet Dorian schnell Gefallen an den hedonistischen Freuden der gehobenen Großstadt-Gesellschaft und lernt, dass sein Aussehen ihm alle Türen öffnet. So wundert es nicht, dass, kaum ist das Bild enthüllt, Dorian ein gedankenloses Versprechen äußert: Seine Seele würde er dafür geben, dass nicht er, sondern das Gemälde altert!

Youtube | Dorian Gray (2009) Trailer

Dorians Wunsch wird Wirklichkeit: Während er sich ohne jegliche äußerer Konsequenzen hemmungslosem Vergnügen und verbotenen Begierden hingibt, wird sein gemaltes Abbild mit jeder begangenen Sünde hässlicher und grauenerregender. Um sein dunkles Geheimnis zu bewahren, geht Dorian bis zum Äußersten. Jahre später quälen ihn die Geister der Vergangenheit mehr denn je. Als er sich in die junge Emily verliebt, schöpft er wieder Hoffnung auf Erlösung.

Es ist bereits die 16. Verfilmung des 1890 erschienen Prosawerks des homosexuellen britischen Dichters. Daneben gab es zahlreiche Theater-, Opern-, Musical- und Ballettfassungen. Als Stummfilm gelangte die Geschichte erstmals 1910 auf die Leinwand. Ins europäisch-homophile Kulturgedächtnis hat sich besonders die Version von Regisseur Massimo Dallamano aus dem Jahr 1970 gegraben. Helmut Berger – der damals als der schönste Mann der Welt galt – verkörperte den Dandy im Sixties-Jetset, der Männer wie Frauen um den Finger wickelte. Regisseur Parker dagegen verbleibt im historischen Ambiente des viktorianischen England und hält sich auch sonst recht getreu wie auch gelungen an Oscars Wildes Romanvorlage.

Youtube | Dorian Gray (1970) mit Helmut Berger

Bei der Besetzung hatte Parker ebenfalls ein gutes Händchen. Mit Ben Barnes als Dorian fand er ein noch recht unverbrauchtes junges Gesicht und einen Schauspieler, der die Wandlung vom naiven Jüngling zum nimmersatten Monster überzeugend darstellt. Und mit Colin Firth als Dorians Förderer Lord Henry Wotton treffen wir auf einen altbekannten Darsteller, den besonders all diejenigen Schwulen lieben, die in den achtziger Jahren jung waren. Firth spielte 1984 an der Seite von Rupert Everett im Homokino-Klassiker "Another Country".

Ab 15.4.2010 im Kino (Concorde Film)



12 Kommentare

#1 Dorian Gay XXXAnonym
  • 14.04.2010, 20:07h
  • Das Original mit Helmut Berger ist einfach nicht zu toppen! Herr Parker hätte sich das Remake sparen können!
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#2 MichaelTh
  • 15.04.2010, 09:36h
  • Antwort auf #1 von Dorian Gay XXX
  • @Dorian Gay XXX
    Da muss ich Dich leider korrigieren; die Verfilmung mit Helmut Berger von 1970 war bereits selbst ein Remake. Die erste Verfilmung stammt von Albert Lewin aus dem Jahr 1945 mit Hurd Hatfield in der Titelrolle.
    Wenn man aber die verschiedenen Rezensionen über die aktuelle Verfilmung liest, hast Du vermutlich recht, dass man sich diese neue Verfilmung hätte sparen können.
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#3 stromboliProfil
  • 15.04.2010, 10:56hberlin
  • Antwort auf #2 von MichaelTh
  • Verfilmungen

    * 1910 – Dorian Grays Portræt in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Axel Strøm
    * 1913 – The Picture of Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Phillips Smalley
    * 1915 – Portret Doriana Greja in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Russland, Regie: Wsewolod Meyerhold
    * 1916 – The Picture of Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Fred Durrant
    * 1917 – Das Bildnis des Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Richard Oswald
    * 1918 – Az élet királya in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Ungarn, Regie: Alfréd Deésy
    * 1945 – Das Bildnis des Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Albert Lewin
    * 1970 – Das Bildnis des Dorian Gray, Regie: Massimo Dallamano
    * 1973 - Das Bildnis des Dorian Gray, Regie: Glenn Jordan
    * 1977 – Le Portrait de Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Pierre Boutron
    * 1984 – Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Ulrike Ottinger
    * 2001 – Dorian in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Allan A. Goldstein
    * 2004 – The Picture of Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: David Rosenbaum
    * 2005 – Dorian in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Vincent Kirk
    * 2006 – The Picture of Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Duncan Roy
    * 2009 – Dorian Gray in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database, Regie: Oliver Parker
    mit dankbarer unterstützung durch wikipedia...
    de.wikipedia.org/wiki/Das_Bildnis_des_Dorian_Gray#Verfilmung
    en


    keine der bisherigen , ausser der von richard oswald ( regisseur auch von -anders als die andern- aus den 20zigern) hat explizit die homoerotsiche seite der romanvorlage beleuchtet.. auch nicht die mit berger in der titelrolle. Für den film wurden sogar frauenfiguren hinein geschrieben.. brrrrr; warum können heten nicht einfach selbst einfallsreich sein... wenngleich das dann bei frankenstein endet...
    Aber lassen wir uns überraschen, vieleicht ist ja die zeit reif nach --brokeback mountain--, single man-- endlich auch eine schwule sicht auf dorian gray zu sehen... zudem mit dem phantastischen colin firth... immer noch ein sahnehäubchen...
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#4 chrollifan78Profil
  • 15.04.2010, 12:39hWetzlar
  • Habe erst am Sonntag auf BR 3 die
    Version von 1970 mit Helmut Berger gesehen.

    Helmut Berger war damals wirklich ein
    schöner Mann.

    Homoerotische Aspekte gibt es in
    dieser Filmversion schon,
    aber man kann sie sich nur denken,
    gezeigt wird leider nichts.

    Lag wohl auch an der Zeit der Entstehung.

    Hoffe das in der neuen Version was zu sehen ist.
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#5 MichaelTh
#6 Ikaiko
  • 15.04.2010, 16:47h
  • Der Film ist eine hochglanzpolierte Neuverfilmung der Romanvorlage von Oscar Wilde mit einem frischen Ben Barnes und einem souveränen Colin Firth.

    Viel Einschlägiges gibt es allerdings nicht zu sehen: Es findet ein Kuss zwischen Dorian und Basil mit anschließendem Oralverkehr statt, der allerdings im Off.

    Zum Zeitvertreib kann man sich den Streifen anschauen, muss man aber nicht.

    Auch ich bevorzuge die Version mit dem jungen Helmut Berger. Den mittlerweile gereiften Schauspieler konnte man zuletzt bei Gottschalks "Swinging Sixties" bestaunen / bewundern / bemitleiden:
    www.youtube.com/watch?v=mFWYRwG25z4
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#7 gatopardo
  • 15.04.2010, 17:42h
  • Antwort auf #6 von Ikaiko
  • Helmut Berger.... ich hatte MEINEN "Ludwig" von Visconti fast vergessen...
    Danke für Deinen Link, den ich mir mehrmals mit einer Träne im Auge reingezogen habe. Eigentlich mag ich den Gottschalk nicht und habe eine Sendung von ihm nie bis zum Ende durchgehalten. Aber wie er hier mit Menschlichkeit beim doch etwas schwierigen Interview mit einem vom Leben gezeichneten Berger überrascht, ist einfach phantastisch ! Das Publikum ebenfalls umwerfend sensibel, was mich besonders berührte ! Wann wurde das gesendet ?
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#8 BergerAnonym
  • 15.04.2010, 18:09h
  • Zu dem Link: Es ist immer das gleiche wenn bisexuelle und schwule Männer im TV gezeigt werden. Ein paar Filmsequenzen und Bilder des schönen Darstellers sind in Ordnung solange dem Publikum währendessen suggeriert wird das die Welt heterosexuell zu sein hat. Tanzende Tussis zu dem Lied und leichtbekleidete "Damen" beim Getränke servieren. Dabei ist es auch kein Problem das die weiblichen Gäste von einer halbnackten Frau bedient werden, man stelle sich vor ein sehr junger, wenig bekleideter und sexy Boy würde die männlichen Gäste so kokett begrüßen etc.
    Morgen stände in der Bild "Gottschalk macht schwul" oder so ähnlich
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#9 Ikaiko
  • 15.04.2010, 18:40h
  • Antwort auf #7 von gatopardo
  • Das ist gar nicht so alt. Wurde am 03.04.2010 vom ZDF als Aufzeichnung ausgestrahlt und tagsdrauf wiederholt.

    Helmut Berger kenne ich erst seit seinem Auftritt im "Denver Clan" (HÜSTEL), als die Produzenten europäischen Flair in die Serie bringen wollten und ihn in der vierten Season (1983/84) in der Gastrolle des "Peter de Vilbis" besetzten.

    Schade, dass er den Verantwortlichen zu unzuverlässig war und nach 11 Folgen gefeuert wurde.

    Wenn ich seine Rolle im Film "Das Bildnis des Dorian Gray" (in der Nacht vom 11.04. auf den 12.04.2010 in BR3 gesendet) mit seinem exzessiven Leben und dem jüngsten Auftritt bei Gottschalk vergleiche, könnte man fast verblüffende Parallelen ziehen.

    Tragisch, was aus dem Mann der damals wirklich gut aussah geworden ist.
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#10 gatopardo
  • 15.04.2010, 20:16h
  • Antwort auf #9 von Ikaiko
  • Es ist gewissermassen eine Katastrophe, dass man kein Bildnis hat, das an unserer Stelle altert wie bei Dorian Grey. In fortgeschrittenen Jahren ist der körperliche Verfall nun mal nicht mehr aufzuhalten, weshalb wir uns wünschen und versuchen, wenigstens geistig bis ins hohe Alter ein "toller Hecht" zu bleiben. Berger deutet nur noch an, dass er etwas zu sagen hätte, wenn er dazu in der Lage wäre. Sicher ist ihm nach jahrzehntelanger exzessiver Lebensweise auch diese Möglichkeit nicht mehr gegeben, obwohl er physisch noch nicht den Eindruck eines Greises macht. Das ist vielleicht die wahre Tragik ?
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