Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?12053

Premiere in Marokko: In dem Land, das Homosexualität weiter unter Strafe stellt, ist mit "Mithly" erstmals ein arabisches Homo-Magazin erschienen.

"Mithly" (Arabisch für "schwul-lesbisch") wird seit dem 1. April in Rabat unter der Ladentheke verkauft, zunächst in der Hauptstadt Rabat. Das politische Szene-Magazin, das keinerlei erotische Inhalte enthält, kann auch im Internet über mithly.net abgerufen werden. Herausgegeben wird es von der marokkanischen Homo-Gruppe Kif Kif. Wie "L'Afrique sur Internet" meldet, sind bislang 200 Exemplare gedruckt worden. Es soll das erste legale Homo-Magazin in der arabischen Welt sein.

Im ersten Leitartikel heißt es, dass arabische Schwule und Lesben in den "politisch und sozial instabilsten Gegenden der Welt" lebten. Dort würden sie Opfer von "Ignoranz und Missverständnissen" werden. Die Redaktion ist wegen des Homo-Verbots in Marokko formal in Madrid angesiedelt.

Bislang hat es keine Klagen oder Fatwas radikaler Muftis gegen das Magazin gegeben. Allerdings haben konservative Kommentatoren bereits ein Verbot gefordert. So erklärte der Chefredakteur der Tageszeitung "Attajdid", die der gemäßigt islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung zugerechnet wird: "Homosexualität richtet sich gegen die Zukunft der Menschheit", so Mustapha Khalfi gegenüber der belgischen Zeitung "Le Soir". Darum sollten die Behörden "die Veröffentlichung durch ein Verbot verhindern, da das Magazin islamische Werte der marokkanischen Gesellschaft verletzt." Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung ist die größte Oppositionspartei im Land.

Marokko bestraft Homosexualität mit bis zu drei Jahren Haft. Lediglich in Touristenorten wie Marrakesch wird Schwulsein unter Ausländern toleriert. Zudem hat die Regierung im vegangenen Jahr angekündigt, härter gegen Personen vorzugehen, die die "moralischen und religiösen Werte" der Gesellschaft verletzten – dabei wird Homosexualität als eine der wichtigsten "nichtislamischen" Aktivitäten genannt (queer.de berichtete). (dk)



60 Kommentare

#1 GrenzgängerAnonym
  • 20.04.2010, 14:30h
  • Marokko... Land an der Grenze

    Während im benachbarten Spanien und bald auch in Portugal die Ehe geöffnet wurde und auf den Kanarischen Inseln vor der Küste Marokkos gleichgeschlechtliche, europäische Paare ihren Winterurlaub verbringen, ist im angrenzenden Marokko bisher wenig Licht für gleichgeschlechtliche Paare.

    Gerade auf dieses Land sollte der internationale Focus homopolitischer Politik verstärkt gerichtet werden.

    Es kann doch nicht so weitergehen, das auf der einen Seite des Meeres in Spanien und Portugal gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen und auf der anderen Seite des Meeres gleichgeschlechtliche Paare im Gefängnis in Marokko landen.

    Und das Veränderungen in Marokko möglich sind, zeigen die positiven Gesetzesreformen im marokanischen Familienrecht, das in den letzten Jahren reformiert wurde.

    *
    www.zeit.de/2003/43/Marokko

    ..."Das Heiratsalter der jungen Frauen wird von 15 auf 18 Jahre angehoben. Der Ehemann kann nicht mehr mit der dreifachen Verschmähung seiner Frau eigenmächtig die Scheidung verfügen, sondern muss sie juristisch durchsetzen. Auch Frauen dürfen künftig auf Scheidung klagen – und sie können sogar das Sorgerecht für ihre Kinder beantragen. Die Polygamie wird erschwert, weil die Frau die Monogamie im Heiratsvertrag festschreiben kann und der Mann ohne ihr Einverständnis keine zweite Frau nehmen darf."

    Für gleichgeschlechtliche Paare wäre schon viel in Marokko erreicht, wenn dort endlich wie in der islamischen Türkei oder im islamischen Jordanien auch, Homosexualität legalisiert würde. Vielleicht findet das moderne marokanische Königspaar den Mut auf, diesen Schritt durchzubringen. Schliesslich ist die Frau des marokanischen Königs eine ausgebildete Informatikerin.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 HandoAnonym
  • 20.04.2010, 14:46h
  • Seit mehr als 100 Jahren war Marokko ein Ziel von homosexuellen Männern, die in Europa und in den USA wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden. Auch heute noch leben in Tanger, Marrakesch und Agadir unzählige alleinstehende europäische und amerikanische Männer. Bis vor ca 10 Jahren hatte sich auch kein Marokkaner daran gestört. Erst, als in der europäischen Schwulenpresse behauptet wurde, der neue König sei "schwul", gab es dagegen Demonstrationen von Marokkanern. Seitdem wird Homosexualität (in seiner westlichen Form) immer öfter verbalisiert, was allerdings keine Emanzipation zur Folge hat, sondern eine regelrechte Verfolgung. Dieses neue Magazin wird daher ganz sicher in Kürze verboten werden. Arabische und europäische/us-amerikanische Gesellschaften gehen traditionell eben unterschiedlich mit dem Thema Homosexualität um. In Marokko galt bisher die Regel: Alles ist erlaubt, solange es nicht in der Öffentlichkeit geschieht. Wenn erst die ersten "GayPride-Paraden" durch dieses schöne Land ziehen, wird Marokko nicht mehr das Paradies für schwule und bisexuelle Männer sein, das es einmal war. Bei den Machern dieses neuen Magazins handelt es sich offensichtlich um fehlgeleitete, verwestlichte Internetnutzer, die
    meinen, westliche Lebensweise nach Marokko übertragen zu können. Was ist ihr Ziel? Soll es in Rabat, Casablanca und Tanger jetzt auch Darkrooms, Pornokinos, und Rubbernights geben? Eine wirkliche Emanzipation bestände darin, die traditionellen islamischen Werte zu sichern, in der traditionell sehr(!) viel Platz ist für männliche Freundschaften und mann-männliche Sexualität. Dieses Magazin jedenfalls wird ein Schuß nach hinten sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 schwulenaktivist
  • 20.04.2010, 14:50h
  • § 489 (1962) bestraft "unanständige und unnatürliche Handlungen zwischen Personen des gleichen Geschlechts" (M + F)

    Es handelt sich vorwiegend um Analverkehr. Wie weit der Ermessensspielraum aber geht, müsste recherchiert werden...

    Vor Jahren wurde auch am Radio das Thema behandelt. Die mediale Information ist also möglich.

    > Mernissi, Fatima: Geschlecht, Ideologie, Islam, Frauenbuchverlag 1987
  • Antworten » | Direktlink »
#4 hwAnonym
  • 20.04.2010, 14:53h
  • Antwort auf #1 von Grenzgänger
  • Auch hier hilft es, bei den genannten Staaten den Zeitpunkt(Jahr) der Überschreitung der 50%-Schwelle der Alphabetisierung bei Mann und Frau, für sinnvolle Rückschlüsse zu nutzen.

    www.youtube.com/watch?v=U2qd8112Zpw&feature=related

    www.youtube.com/watch?v=pWryMIs72fw

    Wobei der Autor, der in den Clips besprochen wird, gerade für Marroko die Gefahr eines noch bevorstehenden Ausbruchs, als letztes Aufbäumen der Konservativen, für nicht ausgeschlossen hält.

    goddamned liberal würde wahrscheinlich nicht
    primär auf die Informatikerin verweisen, sondern
    auf Listen der Dialektik: Kemalismus, Baath-Partei.

    Diese List läuft auch im Iran:

    Der Iran hatte am Vorabend der Revolution eine Urbanisierungsrate von etwa 45 %, heute ca. 70 %. Alphabetisiert sind heute 86 % der Bevölkerung, 1979 waren es knapp 50 %. Damals, 1979, gab es gerade mal 170.000 Studenten an 37 Universitäten, davon 16 in Teheran. Auf die Universität zu gehen und Student zu werden, war ein Privileg, nicht Jedermanns Sache. Heute sind an über 300 Hochschulen, an denen 3,5 bis 4 Millionen Studenten eingeschrieben sind. Letztere bilden die Säule der oppositionellen "Grünen Bewegung".

    "Siebzig Prozent der Studenten haben einen Kandidaten gewählt (Mirhossein Moussawi, d. V.), der heute nicht Präsident ist, so der Geistliche Hodschatoleslam Mohammad Mohammadian, der Vorsitzende der Vertreter des Religionsführer an den Hochschulen

    Seit 1999 überwiegt die Anzahl der weiblichen Studenten die männlichen. Seit 2003 sind es bis heute konstant über 60 %. 2007 waren 65% der Studentenschaft Frauen. Iran hat heute 1,4 Mio. junge Hochschulabsolventen, meistens arbeitslos, aber sie sind da. Etwa 18 Mio. Schüler gehen zur Schule.

    www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32417/1.html
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TwinkAnonym
  • 20.04.2010, 14:56h
  • Kann man nur hoffen das dies der erste Schritt Richtung Liberalisierung homosexuellen Lebens in Marokko ist.

    Wie eben zu einem anderen Artikel geschrieben haben wir im deutschsprachigen Raum aber einen Rückwärtstrend in Sachen Liberalisierung zu beobachten:

    "Gefahr auf Seiten einiger österreichischer Community-Betreibern

    Ganz gefährlich sind daher auch die Seiten einiger Österreichischer und Deutscher, meist blauer Community-Betreiber, auf welchen in Profilen immer wieder von unter 18-jährigen pornografische Bilder aufgespielt werden. Hier wäre die Rechtslage eindeutig, zumal der Profilinhaber selbst zugibt, unter 18 Jahre zu sein. Aber selbst wenn der Profilbesitzer sein Alter fälschlicherweise mit über 18 Jahre angibt, gilt das vor dem Österreichischen Gesetz nicht, da diese Seiten das wahre Alter des Users nicht überprüfen! Dem Community-Betreiber droht kaum eine Strafe, für ihn reicht eine 'stichprobenartige Kontrolle'.
    Für dich jedoch wäre eine Verurteilung die bittere Folge, wenn du diese Bilder auf deinem Computer speicherst. Wenn es 'ganz dumm' läuft, reicht auch schon eine Speicherung im Cache (Speicher) deines Browsers, die automatisch bereits beim Anschauen des Bildes erfolgt. Ebenso gefährlich ist es natürlich, wenn dir dieser User ein pornografisches Bild, beispielsweise per Mail schickt: dann ist es nämlich nicht nur im Chache, sondern auch automatisch physisch auf deinem Computer gespeichert.

    Merke dir also: kannst du das Alter des Abgebildeten nicht beweisen, zählt in Österreich das 'optische Alter'!"

    www.gaywien.at/gay-news-austria/475-207a-jugendpornografie.h
    tml
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Frei&unabhängigAnonym
  • 20.04.2010, 15:02h
  • Antwort auf #1 von Grenzgänger
  • Paare, Paare, Paare

    Gibt's in deiner Welt auch eigenständige Menschen,

    oder wird man erst dann Mensch mit grundlegenden Rechten,

    wenn man sich mittelalterlicher Paarbildung (ewige "Treue" etc.) verschreibt?
  • Antworten » | Direktlink »
#7 FlugascheAnonym
#8 seb1983
  • 20.04.2010, 15:43h
  • Antwort auf #2 von Hando
  • Was ist denn bitte "Homosexualität in westlicher Form" ??
    Klar geht auch in solchen Ländern einiges zwischen Männern, nur wird darüber nicht geredet und man nennt so etwas auch nicht schwul. Wenn das traditionelle islamische Werte in der Beziehung sind dann nein danke. Das hat nämlich mit Selbsbewusstsein, im westlichen Sinne, nichts zu tun sorry.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 gatopardo
  • 20.04.2010, 16:23h
  • Antwort auf #2 von Hando
  • Bei drei Flügen täglich kann man in 50 Minuten von Madrid nach Tanger fliegen und klima- und landschaftsmässig ist das ehemalige spanische Protektorat nur eine Verlängerung Andalusiens, wo man nicht einmal Französisch sprechen muss wie im fronkophonen Teil des Magreb. So nutzt man das von hier aus, um mehrmals im Jahr einige sinnliche Tage in jener häufig bildschönen Männergesellschaft zu verbringen, in der ständig eine unerklärliche, aber angenehme erotische Atmosphäre auf der Strasse und in Kaffeehäusern herrscht, ohne dass man unter allen Umständen sexuellen Kontakt benötigt. Den bekommt man doch ohne Probleme auch in westlichen Dunkelräumen, Pornokinos oder meinetwegen mit seinem eigenen Partner, den man einfach mitnimmt. Ein Schwulenmagazin in Marokko ? Was soll ich dazu sagen, ohne dass ich hier zerfetzt werden würde ?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 seb1983
  • 20.04.2010, 16:31h
  • Antwort auf #9 von gatopardo
  • Das ist halt der Unterschied in solchen Gesellschaften.
    Saschi produziert sich hier ja immer gerne als Verfechter eines selbstbewussten schwulen Mannes.
    Das ist das angesprochene "westliche Schwulenbild".
    Diese Atmosphäre unter moslemischen Männern spürt man ja sogar in Deutschland wenn es Gruppen sind, noch stärker habe ich es dann auf Exkursion in der Türkei kennengelernt. Ich bin noch nie so oft und soviel bei jeder Gelegenheit betatscht worden, wie dort, egal ob Verkäufer, Kassierer oder Portier, Körperkontakt war immer wichtig, nicht auf sexueller Ebene.
    Das klappt aber, ähnlich wie bei uns im pösen Fußball, nur unter einer Voraussetzung: Schwul ist keiner, man genießt die Atmosphäre und probiert sich mal mehr oder weniger aus, aber mehr nicht. Wer offen sagt dass er schwul ist, der ist raus aus dem Spiel.
  • Antworten » | Direktlink »