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Schwule und Lesben in den USA sind einem weit höheren Risiko als Heteros ausgesetzt, im Kinder- und Jugendalter durch Gewalt traumatisiert zu werden, so das Ergebnis einer Studie der Universität Harvard.

Die Forscher verglichen dazu Daten einer landesweiten repräsentativen Untersuchung von mehr als 34.000 Menschen. Demnach erfahren 20 Prozent aller Männer Misshandlungen oder Gewalt im Jugendalter. Bei Männern, die einen gleichgeschlechtlichen Partner haben, sind es jedoch 28 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied bei Frauen. Von allen Teilnehmerinnen erfahren 21 Prozent Gewalt in jungen Jahren, unter Lesben sind es aber 45 Prozent.

Eine direkte Folge dieser Erfahrungen ist den Wissenschaftlern zufolge die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), also psychische Langzeitfolgen einer traumatischen Erfahrung. Das Risiko, an derlei Symptomen zu leiden, liegt der Untersuchung zufolge bei Männern bei vier Prozent, bei Frauen bei zehn Prozent. Bei Homosexuellen verdoppeln sich diese Zahlen jedoch: Schwule haben demnach ein Risiko von neun Prozent, Lesben von 20 Prozent.

"Unsere Studie zeigt, dass es große Unterschiede in Gewalterfahrungen und Traumatisierungen gibt, die von der sexuellen Orientierung abhängen und in der Kindheit beginnen", erklärte Professorin Karestan Koenen von der medizinischen Fakultät in Harvard. "Das ist ein großes Gesundheitsproblem, für das Lösungen gefunden werden müssen."

Weniger Gewalt gegen "Klemmschwestern"

Die Autoren der Studie erklärten auch, dass Menschen, die heterosexuell leben, aber auch gleichgeschlechtliche sexuelle Interessen demonstriert haben, keiner höheren Gefahr von Gewalt oder PTBS ausgesetzt sind. Als Grund dafür wird angegeben, dass diese Menschen keiner Stigmatisierung ausgesetzt sind, solange sie sich den engen gesellschaftlichen Normen anpassen. Im Extremfall könne dies aber zu anderen psychischen Problemen führen.

Fünf Gründe für höhere Rate an Gewalterfahrungen

Insgesamt fünf Gründe seien für die höhere Wahrscheinlichkeit von Gewalterfahrungen verantwortlich: Die größte Gefahr seien Gewaltverbrechen, die aus Hass auf die sexuelle Orientierung des Opfers durchgeführt werden. Zweitens erhöhe ein Verhalten, das nicht den geschlechtlichen Klischees entspricht, die Mobbing-Gefahr bereits im Kindesalter. Drittens kommt es wegen der Minderheiten-Orientierung zu sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung. Dies führe viertens zu risikoreicherem Verhalten, etwa einem erhöhten Alkohol- oder Drogenkonsum. Fünftens schämten sich viele Schwule und Lesben wegen ihrer sexuellen Orientierung und nähmen daher weniger psychologische Beratung in Anspruch.

Mit der Studie fordern die Wissenschaftler Regierungen auf, gegen Homophobie gerade in der Schule vorzugehen. Im Bundesstaat Massachusetts, in dem die Uni Harvard angesiedelt ist, haben in den letzten Monaten eine 15-Jährige und ein Elfjähriger Selbstmord nach homophoben Mobbing durch Mitschüler begangen. Allerdings gibt es bislang kein Aktionsprogramm, um gegen das gezielte Mobbing an Schwulen und Lesben vorzugehen.

Die Ergebnisse der Studie "Pervasive Trauma Exposure Among US Sexual Orientation Minority Adults and Risk of Posttraumatic Stress Disorder" wurden in der neuesten Ausgabe des "American Journal of Public Health" veröffentlicht. (dk)



14 Kommentare

#1 seb1983
  • 26.04.2010, 13:29h
  • Es war zu erwarten, dass der Anteil bei Schwulen bzw. Lesben höher liegt, leider.

    Trotzdem schon generell beschämende Ergebnisse wenn pauschal 20% aller Jugendlichen in den USA Gewalt erfahren.
    Überraschend allerdings, dass der Anteil der Frauen höher ist als derjenige der Männer, und bei Lesben sogar massiv höher als bei Schwulen.

    Interessant wäre nun ob die Werte in Deutschland generell noch niedriger liegen bei vermutlich trotzdem gleicher Tendenz, immerhin fehlen bei uns noch die Metalldetektoren an den Schulen...
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#2 schwulenaktivist
  • 26.04.2010, 14:52h
  • Ich denke, solche Untersuchungen sollten eher im gesellschaftlichen Hintergrund diskutiert werden. Schon bei Untersuchungen über die Situation der Frauen wurden Ergebnisse auch für politische "Gegenargumente" missbraucht. Auch in der Migrationsdiskussion kommt das vor. So nach dem Motto: "So wichtig ist das politisch oder nach Menge gar nicht..."
    Denn für überzeugende Aktionen gegen Übergriffe, Gewalt und Diskriminierung braucht es gar keine Studien. Sie sind allgemein einsichtig!

    Die aktuelle Missbrauchsdebatte lässt Differenzierungen gar nicht mehr zu. Interessant ist, dass es fast nur Täter und keine Täterinnen gibt, dass die Knaben eher geschützt werden sollen als die Mädchen und die Schwulen.
    Der Heterror, unter dem alle Orientierungen leiden, wird nicht in Frage gestellt.

    Beachtet auch, dass immer davon ausgegangen wird, dass schon die gleichgeschlechtliche Kombination allein einen "Missbrauch" darstellt, und dass meistens von einer heterosexuellen Orientierung von Opfern ausgegangen wird.
    Andererseit müssen Täter immer "pädophil" sein, auch wenn es ganz gewöhnliche Männer sind, die durch ihre Handlungen nicht in ihrer sexuellen Orientierung definiert werden dürfen.

    Ich schlage deshalb den Begriff "sexuell motivierte Gewalt" vor, der endlich Abstand nimmt vom Penis und von der Penetration als Tatwerkzeuge, sowie der fremden Zuschreibung einer nur "gesehenen Orientierung".
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#3 FloAnonym
  • 26.04.2010, 18:38h
  • Das wundert doch wohl niemanden:
    solange Politik und andere mächtige Institutionen Schwule als Menschen 2. Klasse hinstellen (was sie zwar bestreiten, was aber effektiv der Fall ist) wird das auch so bleiben.

    Manche bezweifeln dies zwar, da sie sagen, dass Schwachmaten, die Schwule zusammenschlagen, z.B. kaum die entsprechenden Parteiprogramme lesen werden, aber der Zusammenhang ist längst empirisch bestätigt. Selbst wenn Gewalttäter dies nicht tun, weil irgendeine Partei oder Organisation uns diskriminiert, so verursachen diese doch ein gesellschaftliches Klima, dass uns als minderwertig darstellt und Gewalttätern erst die Rechtfertigung für ihre Gewalt gibt.
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#4 SeXXX-VibeZZZAnonym
  • 26.04.2010, 19:16h
  • Endlich einmal eine Studie aus den USA, die auch richtigen Leben der Wahrheit entspricht!
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#5 beobachterAnonym
  • 26.04.2010, 23:17h
  • Genau deshalb darf nichts - aber auch gar nichts - uns davon abhalten, erreichbar zu bleiben für solche Jungs. (Natürlich nicht rund um die Uhr.) Es wird zusehends versucht, das zu verunmöglichen, indem die Schwulen als "doch alle pädophil" verdächtigt, heute legale (ephebophile) Beziehungen mit Jugendlichen zur Pädophilie geschlagen werden. Aufwachen und sich wehren, bitte endlich auch beim LSVD!
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#6 BjoernX
  • 27.04.2010, 11:27h
  • Jetzt haben wir es auch mal schwarz auf weiß - auch wenn es wahrlich keine neue Erkenntnis ist. Ich habe mich in der Schule auch nie geoutet. Selbst wenn es in der Oberstufe keine Prügeleien mehr gab - Ausgrenzung und wegsehende Lehrer waren an der Tagesordnung. Homosexualität wurde nie thematisiert und im Biologieunterricht nur in zwei Sätzen erwähnt - so schafft man bei Jugendlichen keine Sensibilität für das Thema.
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#7 KokolemleProfil
  • 27.04.2010, 12:12hHerschweiler
  • Da gibt es eine Lösung. Homophobe Gewalt in Schulen und überhaupt anderswo muß sztrafrechtlich konsequent geahndet werden. Dann löst sich das Problem von selbst. Zumindest nimmt es ab, weil nich jeder gerne strafrechtliche Konsequenzen tragen will. Der Wille der Politik feht das einzuführen. Und da unterstelle ich der konservativen Politik Absicht.
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 27.04.2010, 13:20h
  • Antwort auf #1 von seb1983
  • Gerade bei diesen Zahlen habe ich erhebliche Zweifel.

    Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer gerade bei Jungs und Männern deutlich höher liegt, da sie Gewalterfahrungen und auch psychische Probleme erfahrungsgemäß in noch stärkerem Maße verdrängen bzw. in noch geringerem Umfang offen "zugeben".

    Man sollte sich also davor hüten, wieder einmal die massive Gewalt, der gerade junge Männer bei ihrer sexuellen Selbstentdeckung ausgesetzt sind, herunterzuspielen bei gleichzeitiger, einseitiger Priorisierung der Belange von Mädchen/Frauen.

    Es gibt zahlreiche empirische Daten, die den Schluss nahelegen, dass junge Männer inzwischen wesentlich unfreier sind, wenn es um ein selbstbestimmes Entdecken und Ausleben ihrer Sexualität geht, als dies bei weiblichen Jugendlichen der Fall ist.

    Insgesamt wurde die oftmals schwierige Situation junger Männer in unserem "Erziehungs-" und "Bildung"swesen in den letzten Jahrzehnten erwiesenermaßen sträflich vernachlässigt, weshalb die hier postulierte "stärkere Diskriminierung von Lesben" uns nicht zu falschen gesellschaftlichen und politischen Schlussfolgerungen veranlassen sollte.
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#10 eMANcipation*Anonym
  • 27.04.2010, 13:34h
  • Antwort auf #9 von eMANcipation*
  • PS: Es reicht auch, mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag zu gehen.

    Bezeichnenderweise ist das Schimpfwort Nr. 1 unter Jugendlichen,

    inzwischen schon dreist-frech befördert von Werbespots wie für den neuen Film "Kick-ass" von Universal Pictures,

    eben das Attribut "schwul" und nicht etwa "lesbisch".

    Und es kommt sofort zum Einsatz, wenn sich Jungs auch nur für einen Augenblick körperlich/emotional "zu nahe" kommen.

    Wobei unbestritten bleibt, dass die kollektive Begeisterung für die "sexy" Intimät zwischen Frauen ebenfalls dann endet, wenn sich die Betroffenen tatsächlich als lesbisch outen. Aber zumindest ist die Nähe zum eigenen Geschlecht da zunächst einmal "erlaubt".
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