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In einem zweiseitigen Interview mit der Welt am Sonntag gesteht der Altkanzler, dass ihn die Situation von Homosexuellen nie interessiert habe.

Anlass des Offenbarung war ein Leserbrief, den der 91-jährige Sozialdemokrat im vergangenen Monat auf einen Welt-Artikel von Rainer Haubrich verfasst hatte (queer.de berichtete). In dem Text war Schmidt vorgeworfen worden, in seiner Amtszeit nichts für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben getan zu haben, obwohl das von Teilen seiner Partei und insbesondere dem Koalitionspartner FDP gefordert worden war. "Wahr ist vielmehr, dass ich mich nie mit der Sache befasst und deshalb mich auch zu keinem Zeitpunkt gegen die Streichung gestellt habe", hieß es in Schmidts Leserbrief. Auch die oft zitierte Aussage, er sei "Kanzler der Deutschen, nicht Kanzler der Schwulen" sei "frei erfunden". Die Zeitung lud ihn daraufhin zum Gespräch ein.

Im aktuellen Interview wies der Altkanzler das Zitat erneut als falsch zurück: "Da hat wieder ein Journalist vom anderen abgeschrieben." Warum er es jedoch nicht früher dementierte, begründete Schmidt nicht. Zum Paragraf 175 meine er: "Ich will gerne glauben, dass es eines unter vielen Themata der Koalitionsverhandlungen war. Es kamen ja alle möglichen Themata zur Sprache. Aber was ich nicht glaube, ist, dass ich mich generell zum Paragrafen 175 geäußert habe. Vielleicht habe ich mich geäußert zu dem Schutzalter von 14 Jahren. Aber für mich war der Paragraf 175 oder seine Streichung nie ein Problem."

Obwohl sich FDP-Politiker anders erinnern und im Spiegel damals stand, Schmidt hätte die Streichung mit den Worten "Da müssen Sie sich einen anderen Koalitionspartner suchen" abgelehnt, will der Altkanzler heute nicht der Buhmann gewesen sein: "Das ist doppelter Quatsch. Erstens war der 175 für mich ein unwichtiges Thema, zweitens hätte ich nie solche Drohungen ausgesprochen. Wahrscheinlich ist, dass es sich einer der Teilnehmer zurechtgebogen und dann einem Journalisten erzählt hat. Aber einen anderen Koalitionspartner suchen? Wegen 175? Das ist eine ziemliche Unterschätzung meines politischen Verstandes."

Helmut Schmidt lehnte es gegenüber der Welt am Sonntag ab, über offen schwule Politiker wie Klaus Wowereit, Ole von Beust oder Guido Westerwelle zu sprechen: "Die haben es selber zum Thema gemacht. Mit denen kann man darüber reden, man kann auch über sie reden, wenn man das will. Ich will das aber nicht." Das "Privatleben" von Politikern gehe die öffentliche Meinung nichts an, so der Altkanzler. "Das ist seine Sache" meinte Schmidt denn auch zur Praxis von Außenminister Westerwelle, seinen Lebensgefährten mit auf Dienstreisen zu nehmen.

Auf die Frage der Welt am Sonntag, ob ein Homosexueller heute Bundeskanzler werden könne, meinte Schmidt: "Möglich war das immer, aber praktisch passiert ist es nicht. Für mich ist das damals überhaupt kein Thema gewesen." (cw)



33 Kommentare

#1 pseudonymAnonym
#2 NimboAnonym
  • 09.05.2010, 12:26h
  • Verlogener alter Mann! In Hamburg ist es allgemein bekannt, dass der Mann in seiner Zet als Innensenator schwule Klappen ausspioniert und bespitzelt hat.
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#3 SeXXX-O-MaticAnonym
  • 09.05.2010, 12:33h
  • Antwort auf #2 von Nimbo
  • Und Du warst auch mit dabei und kannst es auch bestätigen! Wieso ist Helmut Schmidt ein alter verlogener Mann? Auch im Alter kann man seine Meinung über ein bestimmtes Thema ändern ohne dafür Repressalien befürchten zu müssen!

    Außerdem frage ich mich, warum es schwulen Sex auf öffentlichen Toiletten gibt. Sicherlich, es gibt Sex an ungewöhnlichen Orten, muß es aber dann aber ausgerechnet dort sein? Ja, ist es überhaupt erwiesen, daß es auch Hetensex auf öffentlichen Toiletten gibt? Wenn ja, müssen wir denen denn alles nachmachen, oder war es umgekehrt? Mich würde es abturnen (Schmuddelcharakter)!
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#4 antos
#5 TimonAnonym
  • 09.05.2010, 13:26h
  • "Das "Privatleben" von Politikern gehe die öffentliche Meinung nichts an, so der Altkanzler."

    Dass das Privatleben von Menschen (sprich: wen sie lieben) überhaupt ein öffentliches Thema ist, liegt ja nicht an den Schwulen und Lesben, sondern an homophoben Politikern und anderen homophoben Menschen....

    Ansonsten:
    wer jetzt damals was gesagt hat, lässt sich wohl kaum noch genau rekonstruieren. Aber wenn jemand mir ein falsches Zitat in die Schuhe schiebt, das mir nicht passt, dann hätte ich schon längst die Sache richtig gestellt.

    Und alleine schon, dass man nichts für Schwule tut, weil einen das Thema nicht interessiert, und dass man hinnimmt, dass Menschen diskriminiert werden, nur weil sie lieben, ist schon schlimm genug!!

    Aber endgültig ins Reich der Phantasie driftet er ab, wenn er behauptet, ein Schwuler hätte immer schon Bundeskanzler werden können, es wäre nur nie passiert. In den muffigen 50er Jahren? Oder auch noch bis in die 90er hinein? Erst jetzt ändert sich das ganz langsam...
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#6 stephan
  • 09.05.2010, 13:39h
  • Ja, es ist sehr enttäuschend, dass ein so gescheiter und in vielen Punkten sehr reflektierter Mann wie Helmut Schmidt das Unrecht, dass vielen Schwulen angetan wurde, nie bedacht hat.
    Andererseits - und obwohl ich mich zum linken Flügel der SPD zähle - schätze ich die Lebensleistung von Schmidt hoch und schlage mir zuerst an die eigene Brust: Wie viele Minderheiten, denen Unrecht getan wird und wurde, habe ich wohl nie bedacht ... ?
    Keine Frage: Es ist ein Makel von Schmidts Regierungszeit, aber - wenn das auch irrational ist und ich sonst gegen die Ignoranz vieler Personen in Homofragen wettere - so richtig schwer wiegt es für mich nicht!
    Aus seinen Worten lese ich zwischen den Zeilen auch, dass er seinen Fehler wohl sieht ... Schade, dass er es nicht deutlicher sagt und bekennt, dass es ein großer Fehler war, einer so stark verfolgte Minderheit nicht mehr Aufmerksamkeit zu schenken!
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#7 schwulenaktivist
  • 09.05.2010, 14:14h
  • Ich glaube, das Thema Schwule und Altkanzler ist abgehakt. Brauchen wir ihn heute noch?

    Der Innensenator war damals ein Herr Staak und die Dokumentation aus dem Jahr 1980 (24 S., verantwortlich: Jan Feddersen) erwähnt ihn auch nirgendwo zuvorderst.
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#8 gatopardo
  • 09.05.2010, 14:29h
  • Antwort auf #6 von stephan
  • Deine Stellungnahme halte ich für sehr ausgewogen. So oder ähnlich hätte ich auch argumentiert. Natürlich wäre ein Schmidt niemals meine Idealvorstellung von einem Kanzler gewesen, muss mir aber ebenfalls die Frage gefallenlassen, für welche Minderheiten ich mich ausser meiner eigenen Zugehörigkeit denn schon interessiert hätte ? Wem von uns ist es denn nicht egal, ob z.B. Frauen abtreiben dürfen, ob Transgender auch behördlich als Angehörige des angepassten Geschlechts behandelt werden und ob Flüchtlinge aus repressiven Ländern abgeschoben werden sollten ?
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#9 ChristianAnonym
  • 09.05.2010, 16:49h
  • Damals in den Koalitionsverhandlung forderte Walter Scheel (FDP) von Helmut Schmidt (SPD) die Streichung des Paragrafen 175. Und Schmidt sagte: "Da hört der Spaß aber auf" und Walter Scheel antwortete: "Woher wollen Sie das denn wissen"?
    Helmut Schmidt war damals auf jeden Fall homophob und gegen die Aufhebung des Schandparagrafen 175.
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#10 sylviafeeProfil
  • 09.05.2010, 17:56hBerlin
  • Antwort auf #9 von Christian
  • Hallo bitte einmal beachten Schmidt war vor fast vierzig Jahren Kanzler und fast fünfzig Jahren Senator für Inneres.
    Ihm eine homophobe Haltung anzukreiden ist lächerlich, dann bitte macht es mit 90 % der Bevölkerung in dieser Zeit. Als eine von denen, die auch in der SPD, gerade zu der Zeit, für Veränderungen offen eingetreten ist, damit jegliche politische Karierre auf Eis gelegt hat. Kann ich euch sagen Schmidt war nicht schwulenfeindlicher als der Rest der Politik, einige wenige in der FDP echte liberale Politker machten den zaghaften Versuch, Homosexualität zum Thema zu machen.
    Gerade Politiker, über die hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, das sie womöglich schwul wären oder schwule Aktivitäten ausüben, hielten sich völlig bedeckt. Genauso wie auf vielen deutschen Arbeitsplätzen die schwulen die größten Homophoben waren und deftige unerträgliche Witze über schwule risen. In der SPD keimte so langsam das Thema, durch damals relativ politisch gestandene, mutige Schwusos und starker Jusos
    Unterstützung (Bundesvorsitzender Gerhard Schröder 78-80). In Sigmaringen BAWÜ) gründeten sich rosa Jusos ziemlich paralell mit den SCHWUSOS Stuttgart, möglich nur mit Unterstüzung der JUSOS, Die Gruppe The BOOTS hatte im Song aufstehen eine Strophe, mit feuchten Händen erinnere ich mich wie ich alleine stand in der Stadthalle Sigmaringen voll (1000 Leute) bis endlich meine Jungs und Mädels der Jusoso mit aufstehen konnten dann immer mehr in der Halle. Trotzdem und trotz vieler folgender Outings habe ich heute noch nasse Hände. Also bitte glaubt es einfach dem "alten Mann" Schmidt das es einfach nicht Thema war.
    Diskriminierung ??????? Es war nicht das Thema höchsten ein wenig das Frau nicht gleichgestellt war.
    79 CSD in Berlin das klägliche Häuflein am Savignyplatz stand einem übermächtigem Aufgebot von Polizei entgegen, viele uns bekannte Schwule standen am Straßenrand einige schimpften uns .......
    Trotzdem war der Zug am Schluß bestimmt 20 X so stark wie zu Beginn. Ist schon eigenartig wie heute einige junge Hüpfer die damalige Situation beurteilen.
    Für die Transsexuellen war es 79/80 ein Glück das sie nicht unter Homosexuellen Verdacht standen (auch FDP und SPD dachten so) denn sonst hätten sie das TSG nicht bekommen. Damals war das TSG noch eine westliche Revolution.

    Toll finde ich das einige einmal nachdenken welche diskriminierte Minderheit sie eigentlich unterstützen. Bravo so ist der Weg richtig
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