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In seinen Songs erzählt Sizzla, dass es Spaß macht, Schwule zu töten. Seine Botschaft sollen im Sommer auch deutsche und österreichische Fans hören.

Von Dennis Klein

"Sizzla Kalonji ist unbestritten eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren in der Reggae- und Dancehall-Szene", freuen sich die Veranstalter des seit 1995 stattfindenden Open-Air-Festivals "Chiemsee Reggae Summer". Dieses Jahr treten rund 40 Sänger oder Bands zwischen dem 27. und dem 29. August auf; Presenting-Sponsor ist die Bierbrauerei Beck's. Zudem hat sich Sizzla für Ende August auch zum österreichischen "Sunsplash Reloaded Festival" in Wiesen (Burgenland) angemeldet.

Am Chiemsee werden wie letztes Jahr ca. 25.000 Reggae-Fans erwartet. Sizzla scheint dabei den Veranstaltern besonders am Herzen zu liegen: "Beim Chiemsee Reggae Summer feiert der Jamaikaner 2010 seinen einzigen Festival-Auftritt in Deutschland", so die gegenwärtige Topmeldung im Nachrichtenticker des Festivals.

Die sonst schwache Nachfrage nach Sizzla hat seinen Grund: In einigen Liedern ruft er zur Ermordung von Schwulen auf. So heißt es in einem Song: "Lesben und Schwule, ich sage, tot sollen sie sein. Ich traue Babylon für keine Sekunde. Ich gehe und erschieße Schwule mit einer Waffe". Bei diesen Liedern handelt es sich nicht um eine "Jugendsünde", denn Sizzla steht nach wie vor hinter den gewaltverherrlichenden Texten, wie der 34-Jährige erst vor zwei Monaten in einem Interview beteuerte: "Ich kann nicht damit aufhören, diese Lieder zu singen, denn es gibt da eine Message in diesen Songs, die die Leute hören sollten" (queer.de berichtete).

Sizzla hatte bereits in den letzten Jahren Schwierigkeiten, seine Hasslieder in Deutschland und Europa zu verbreiten. So wurde er 2008 bei einer Konzerttour in Spanien verhaftet und abgeschoben, weil die deutsche Bundesregierung ein Einreiseverbot in den Schengenraum erwirkt hatte (queer.de berichtete). Ein Jahr später durfte Sizzla wieder einreisen und in einigen Städten auftreten, allerdings gab es groß angelegte Proteste. In Berlin konnte ein Auftritt von Sizzla verhindert werden (queer.de berichtete).

Toleranz gegenüber Intoleranten?

Hierzulande wird in der Homo- und der Reggae-Szene seit Jahren darüber diskutiert, wie man mit homophoben Sängern aus Jamaika umgehen kann. So setzen sich etwa in Österreich Homo-Aktivisten dafür ein, dass Proteste gegen die Band T.O.K. (Liedtext: "Meine Nigger und ich werden dafür schon sorgen: Schwule müssen sterben") ausgesetzt werden, weil sich die Band glaubhaft von ihrer mörderischen Ideologie distanziert habe (queer.de berichtete). Beim Schwulenhasser Sizzla ist eine solche Einsicht aber kaum zu erwarten.

Zwar gibt sich die deutsche Reggae-Szene homofreundlicher als die jamaikanische, allerdings wird auch hier Gewalt gegen Schwule bagatellisiert - stets mit dem Hinweis, dass man nicht deutsche Maßstäbe der Homo-Toleranz in einer "anderen Kultur" ansetzen könne - und es genüge, wenn Sizzla seine schlimmsten Hasslieder nicht auf Konzerten in Deutschland singe. So erklärte der Wuppertaler U-Club, dass die Mordaufrufe schließlich Teil der jamaikanischen Kultur seien und damit sakrosankt: "Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert" (queer.de berichtete).

Auch der Reggae-Sänger Gentleman, der sich selbst gegen jegliche Homophobie ausgesprochen hat, drückt bei seinen jamaikanischen Kollegen offenbar lieber ein Auge zu: "Ich kann ja auch nicht Kondomautomaten im Vatikan aufstellen. Oder im Iran gegen Kopftücher protestieren", so der 34-Jährige in einem Zeitungsinterview (queer.de berichtete). Er wird wie Sizzla beim Chiemsee Reggae Summer auftreten.

"Gegen verfassungsfeindliche Zensurbestrebungen"

Die Chiemsee-Veranstalter schlagen in dieselbe Kerbe: "Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen. Selbstverständlich achten wir und alle auftretenden Künstler darauf, dass beim Chiemsee Reggae Summer die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland eingehalten werden", erklärten sie trotzig auf ihrer Website. Morde an Homosexuellen außerhalb des Alpenvorlandes interessieren am Chiemsee offenbar nicht.

Wöchentliche Umfrage

» Sizzla ruft in seinen Songs zum Mord an Schwulen auf - soll er in Deutschland auftreten?
    Ergebnis der Umfrage vom 17.5.2010 bis 25.5.2010


#1 GayPride
  • 12.05.2010, 11:26h
  • Sizzla wird sich sicherlich an die Gesetze hierzulande halten. Dass es in der BRD keine homophoben Tiraden geben wird, hat die Vergangenheit gezeigt.

    Auch Dancehall Künstler haben das Recht aufzutreten, wenn keine Äußerungen zu erwarten sind, die Rechte Dritter verletzen.

    Verbote müssen Ultima ratio bleiben. Schlíeßlich leben wir in einem Rechtsstaat.

    Man sollte das Konzert eher dazu nutzen, um mit Sizzla in Dialog zu treten.
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#2 anonymusAnonym
  • 12.05.2010, 11:56h
  • Deja vu Deja vu Deja vu ....

    Ist das nicht ein trauriges immer wiederkehrendes Dauerthema???
    Sollte diesen "Künstlern" nicht ein für allemal die Einreise in die gesamte EU verboten werden - und das auf Lebenszeit? Damit wäre dieses immerwieder kehrende Problem gelöst.
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#3 schwulenaktivist
  • 12.05.2010, 12:20h
  • Ich finde es interessant, dass niemand je vorschlägt oder vorgeschlagen hat, dass Juden mit Neonazis "in Dialog" treten sollen...

    Schwule aber sollen das?

    Es gibt Leute, die lernen erst etwas, wenn sie selber tätlich angegriffen werden, aber dann können sie ganz "toll Opfer spielen" und die "ganze Welt" soll dann ihr Elend betrauern. Das ist meine Erfahrung in 40 Jahren.
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#4 dummfugAnonym
  • 12.05.2010, 12:35h
  • Einreise - ja
    Verurteilung - ja

    Aufruf zum Mord ist strafbar und sollte bestraft werden - Kultur hin oder her. Und diesen Aufruf zu Vermarkten dürfte wohl illegal sein.

    Der Hinweis Meinungsfreiheit und freie Äußerung kann niemanden erlauben, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen.

    Schließlich darf auch diemand es als seine private Meinung deklarieren und öffentlich den Holocaust leugnen.

    Wir leben in Deutschland, Gäste müssen sich an unser Recht halten. Das dürfte auch in Bayern gelten...
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#5 Jörg B.Anonym
  • 12.05.2010, 13:06h
  • In unserem Land sollte absolutes Vergot gegen diesen Sänger verhängt werden, der will sich bei uns nur bereichern, und sich wichtig machen.... und wagt es in unserem Land Volkshetze zu betreiben....das muss in jedem FAll unterbunden werden. Es ist schon armselig genug wenn in Jamaika die schwulen diskriminiert werden...dann aber nicht bei uns....
    Wir dürfen solchen Leuten keine Plattform bieten und das zulassen.
    Die Brauerei Becks profitiert von der schwulen Community besonders.....auch diese sollten sich mal überlegen ob Sie mit solchen Personen sich identifizieren wollen.....
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#6 GayPride
  • 12.05.2010, 13:38h
  • Liebe Freunde unserer Verfassung,
    in Anbetracht der Tatsache, dass hier unzählige Beiträge gepostet werden, die Dancehall-Künstlern jegliche Rechte absprechen, sehe ich mich zu einer rechtlichen Klarstellung veranlasst.
    Leider sind immer wieder Kommentare zu lesen, die den Eindruck suggerieren, homophob-gewaltverherrlichendes Denken verstoße gegen die Meinungsfreiheit bzw. entsprechende Äußerungen außerhalb Deutschlands würden per se zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit der Dancehall-Sänger hierzulande führen.
    Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Birnen sollten nicht mit Äpfel verglichen werden.
    Grundsätzlich ist es richtig, wenn gesagt wird, homophobe Äußerungen dürften in Deutschland nicht getätigt werden. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sie zu Gewalt aufrufen.
    Da allerdings auch Dancehall-Sängern der Protest nicht entgangen sein dürfte, ist wohl keiner so dumm und lässt sich während eines Deutschlandkonzerts zu homophoben Äußerungen verleiten.
    Genau dieses Ausbleiben entsprechender Äußerungen ist allerdings für die rechtliche Bewertung entscheidend.
    Voraussetzung einer Meinung i. S. d. Art. 5 I GG, ist eine Äußerung. Es wird also zwingend eine Kundgabe vorausgesetzt. Dies ist Art. 5 I GG immanent.
    Sind homophob-gewaltverherrlichende Äußerungen im Geltungsgebiet unserer Rechtsordnung nicht zu erwarten, so besteht überhaupt keine Möglichkeit der Einschränkung.
    Würde ein Konzert bei dem Vorliegen der geschilderten Tatsachenlage abgesagt, käme dies einer Bestrafung für „falsches Denken“ gleich.
    Dann allerdings handelt es sich nicht mehr um die Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie sie der Art. 5 I GG schützt, sondern um eine der „Denkfreiheit“. Das freie (wenn auch moralisch angreifbare) Denken wird allein von der Menschenwürde i. S. d. Art 1 GG geschützt. Diese ist allerdings gar nicht einschränkbar!!!
    Der bloße Eingriff in die Menschenwürde führt zur Rechtswidrigkeit der Maßnahme. Der Mensch (also auch ein Dancehall-Sänger) darf nicht zum bloßen Objekt staatlichen Handelns verkommen. Insofern besteht also ein Unterschied zu sonstigen Grundrechten, die im Falle einer Kollision mit denjenigen Dritter, im Wege einer praktischen Konkordanz in einen gerechten Ausgeleich zubringen sind.
    Davon abgesehen, wäre im Falle der Nicht-Äußerung bereits eine Kollision mit Grundrechten Dritter (hier: der Homosexuellen) gar nicht denkbar.
    Das Gesagte gilt analog grundsätzlich auch für die Religionsfreiheit i. S. d. Art. 4 I. Aufgrund der bloßen inneren Überzeugung (sog. forum internum) ist eine Einschränkung mangels Kollisionsfähigkeit mit Grundrechten Dritter nicht möglich.
    Wie sich die Künstler in der Vergangenheit geäußert haben oder jenseits unserer Rechtsordnung äußern, ist insofern irrelevant. Auch gelten die Grundrechte für jedermann, insbesondere unabhängig davon, ob ein Künstler den Reggae-Compassion-Act unterzeichnet hat oder nicht.
    Da sich die Dancehall-Künstler HIERZULANDE, in der jüngeren Vergangenheit, ordentlich Verhalten haben, besteht mangels Gefahr erneuter homophober Äußerungen keine Rechtsgrundlage für ein behördliches Auftrittsverbot. Dass es zu keinen Äußerungen in der jüngeren Vergangenheit kam, wurde auch durch polizei- und verfassungsrechtliche Überwachung bestätigt.
    Um Auftritte der Dancehall-Stars zu verhindern, bliebe nur noch die Möglichkeit eines Einreiseverbotes. Am Versuch ein solches gegen Sizzla (einem Reggae-Sänger) durchzusetzen, ist im Herbst 2009 Volker Beck grandios gescheitert. Auf die Frage Becks, warum die Bundesregierung die Einreise Sizzlas nicht verhindert habe, antwortete Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, kühn, dass "das Bundesministerium des Innern die Innenressorts der betreffenden Länder nochmals gebeten hat, notfalls durch ordnungsbehördliche Maßnahmen sicherzustellen, dass kein strafbewehrtes Liedgut vorgetragen wird. Dadurch werden die Belange der öffentlichen Sicherheit auch weiterhin angemessen gewahrt. Auch sei zu berücksichtigen, dass (...) bei zurückliegenden Konzerten IN EUROPA keine Liedtexte mit strafrechtlich relevantem Inhalt bekannt geworden sind.
    Zur Frage, ob die Bundesregierung bereit sei, eine erneute Eintragung Sizzlas ins Schengen-Informationssystem zu prüfen, antwortete der Parlamentarische Staatssekretär, dass wir IN EINEM RECHTSSTAAT LEBEN, DER FÜR ALLE GELTE (also auch für Dancehall-Sänger; Anm. des Autors). Die Einstellung in das Schengener Informationssystem sei ein sehr WEITREICHENDER SCHRITT UND NICHT MIT DEM RECHTSSTAATLICHEN PRINZIP DER VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT ZU VEREINBAREN.

    dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17006.pdf

    Daher kann es nur ein Ergebnis geben:
    "Ich mag verdammen, was du denkst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du denken darfst".
    Der Geist ist frei.

    Diese Ausführungen sollen aber nicht bedeuten, dass es nicht sinnvoll ist zu protestieren. Protest ist wichtig und richtig. Art. 8 I GG ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie i. S. d. Art. 20 III GG. Allerdings ist das Forderung nach einem Konzertverbot per se verfassungsrechtlich problematisch. Es sollte daher vielmehr gegen Homophobie als solche protestiert werden.

    Die Veranstalter des Chiemsee Reggae Festivals vertreten den einzig richtigen und rechtlich unangreifbaren Standpunkt, gleichwohl es sich nur um eine Widergabe deutscher Rechtsprechung und Gesetzeslage handelt. Eine Einschränkung der Kunstfreiheit ist im Falle der Nichtwidergabe allein schon mangels kollisonsfähiger Rechtsgüter Dritter nicht möglich.

    Eine Auseinandersetzung mit Sizzlas Kultur halte ich für überflüssig. Zum einen rechtfertigt auch diese keine Beleidigenden Äußerungen, zum anderen sind ja überhaupt keine Äußerungen zu erwarten.

    Man darf gespannt sein, ob sich Volker Beck wieder zum Gespött deutscher Juristen macht, indem er aus Frust über seine Machtlosigkeit mit Anzeigen und Einreiseverboten "umsich wirft". Ich denke Ole Schröder erklärt im die Rechtslage gerne nochmals. Würde mich trotzdem der Schadenfreude wegen auf "Aktionen" freuen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sich Sizzla im November so vorbildlich verhalten, dürften die Erfolgsaussichten Beck´scher Agitationen nochmal stärker gegen Null tendieren.

    Die Stelle an dem der Artikel behauptet, Sizzla hätte Schwierigkeiten gehabt, seine Hass-Lieder zu verbreiten, trägt im Übrigen nicht zu einer Befriedung des Konflikts bei. Zum einen hat er seit Jahren nichts mehr entsprechendes in Europa kundgetan (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage: dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17006.pdf), zum anderen wird damit konkludent Konzertbesuchern unterstellt, sie würden wollten entsprechendes hören. Dies ist wirkt schlichtweg unseriös.

    Leider muss ich mir immer häufiger die Frage stellen, warum die Homo-Community eine solche ungeradlinige Einstellung zu unserer Verfassung vertritt. Zum einen fordert sie entsprechend unserer Verfassung - völlig zu Recht ein - mit Heterosexuellen gleich gestellt zu werden. Andererseits will man Sizzla gar keine verfassungsrechtlichen Schutz gewähren, obwohl gar keine Rechtsverletzungen Dritter auf dem Geltungsgebiet unserer wunderbaren Verfassung drohen. Wie passt so etwas zusammen. Nur weil er sich im nicht-europäischen Ausland in der Vergangenheit unpassend verhalten hat, wird er deswegen nicht zum Rechtlosen.

    Das Sizzla eine Person der Gegensätze ist, ist völlig unstreitig. Dass er Proteste hervorruft ebenfalls. Dass man ihn allerdings behandelt, als würden in wir noch in unserer braunen Vergangenheit leben, ist untragbar.

    Deswegen :
    Proteste gegen Homophobie: JA.
    Konzertverbote: NEIN.
    Und will ich auf keinen Fall das Volker Beck-Gelaber hören i. S. v. "Wir wollen so einem keine Bühne bieten".
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#7 DialogAnonym
#8 tina wirschAnonym
  • 12.05.2010, 14:24h
  • Antwort auf #7 von Dialog
  • so richtig ausserhalb der gravitätischen juristischen schreittänze ?

    geil. voll pluralistisch. die einen im dialog, die anderen im boycott, welche bei der drohung
    und manchmal gemischt.
    und jeder distanziert sich von allen.

    ne computerstimme auf sizzla getrimmt brabbelt von ner bombe, vom neuen babylon und ich knalle sizzla ab.
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#9 Klaus MayerAnonym
  • 12.05.2010, 14:36h
  • Musste beim Lesen des Artikels etwas schmunzeln. Passt ganz gut zum Thema, dass ausgerechnet aus "Get to the point" zitiert wird, indem es darum geht, wie Sizzla von der Homo-Community beleidigt wird. Unterzieht man dieses Lied einer rechtlichen Bewertung, so ist festzustellen, dass Sizzla zum Zwecke der Beleidigungstiradenabwehr zur Waffe greift. Spielte sich dieses fiktive Szenario in der Realität ab, so wäre allerdings nach deutschem Recht nich notwendigerweise eine Strafbarkeit gegeben. Im Falle einer Beleidigungstirade kann Sizzla auch nach dem deutschem Notwehrrecht (vgl. § 32 StGB) zur Waffe greifen, wenn ihm kein milderes, gleich effektives Mittel zur Gefahrenabwehr zur Verfügung steht. Selbst, wenn die Waffe wegen zu "heftiger" Abwehr, nicht mehr geboten ist, kommt ein sog. Notwehrexzess, vgl. § 33 StGB in Betracht. Der als Rechtsfolge ebenfalls eine Straflosigkeit hat, soweit er aus Angst, wegen der Übermachtslage der Gegner unverhältnismäßig hart abgewehrt hätte.
    Hätte Sizzla nicht das Wort "Batty Bwoy" als pars pro toto für die gesamte Protestbewegung verwendet, wäre wohl die Aufregung ausgeblieben. Oder hat sich jemand beschwert, als Bob Marley ein ähnliches Notwehrszenario in "I shot the sheriff" besungen hat?

    Auch das gerne zitierte "Pump up" ist nur halb so wild, wie es das zusammenhangslose Zitat, vermuten ließe.

    "Di woman seh pump up har pum pum pump up har pum pum
    Shot battybwoy my big gun boom!!!"

    In der Situation hat Sizzla mit einer Frau Geschlechtsverkehr.
    Was also soll dieses aus dem Zusammenhang gerissene "Shot battybwoy my big gun boom!!!"
    Nach meiner Einschätzung steht die "Big gun" wegen des Pistolenlaufes für ein Phallussymbol. Die schießende Pistole ist also dann der ejakulierende Penis - in seinem Fall, laut eigener Angabe, einer von beachtlicher Größe ("my big gun"). Was aber heißt vorliegend "Shot battybwoy". Da man ihm nicht unterstellen sollte, mit einem Homosexullen zu verkehren, bedeutet es so viel wie "fertig machen". Im Ganzen soll also das Stattfinden eines Penisvergleichs symbolisiert werden, aus dem Sizzla als Sieger hervorgeht. Sizzla behauptet also, seine Potenz würde diejenige eines Schwulen (wohlmöhlich ist auch nur "Weichei" gemeint) übertreffen.
    Natürlich ist der Text ordinär und heftig, andere würden es als non sens bezeichenen, aber durch Gewaltverherrlichung eine erotische Stimmung erzeugt wird, hat auch in Deutschland Tradition. Oder kennt ihr etwa "Hänsel und Gretel" nicht?!? Dort war auch alles voller Phallussymbole, es wurde ständig irgendwo, irgendetwas hineingeschoben. "Hänsel und Gretel" stellt wie "Pump up" faktisch einen Porno dar. Und bei Erstgenanntem ist dies nicht meine Behauptung. Vielmehr war mir dies, als ich von diesem Märchen im Kindesalter erfahren habe, ebenfalls nicht bewusst. Aber bei Sizzla ist es nicht unintelligent, wenn er mit seinem Text Freunde von Pornos und Freunde von Actionfilmen gleichzeitig anspricht. Diese Interpretation ist gerade vor dem Hintergrund, dass Patois ein sehr metaphernreiche Sprache ist durchaus vertretbar und scheint mir im Hinblick auf den in-dubio-pro-reo-Grundsatz bei einem solch heiklen Thema für geboten.

    Dies soll keine Rechtfertigung für das Spielen entsprechender Lieder darstellen, da diese Lieder aus objektivem Empfängerhorizont in unserem Kulturkreis zweifellos ehrrührig und hetzerisch wirken. Allerdings sollte man genauer hinsehen, wenn man derart unverhältnismäßige staatliche Maßnahmen fordert.
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#10 GayPride
  • 12.05.2010, 15:02h
  • Antwort auf #7 von Dialog
  • "Fändest du Bombendrohungen -ohne Bombe- o.k. ?"
    Hatte ich bei meiner Bewertung nicht eindeutig vorausgesetzt, dass er NICHTS gewaltverherrlichend-homophobes singt?

    "So und jetzt mach' mal Umsatz."
    Weiß nicht, was du damit meinst? Umsatz könnte ich erst machen, wenn es verboten wird. Aber hatte ohne Bereicherungsabsicht die einzig richtige rechtliche Schlussfolgerung dargestellt, damit man nicht vergessen wird, dass Sizzla auch als Ausländer nicht rechtlos ist.
    Mich stört eben immer die unjuristische Volksmeinung. Das ist für mich dasselbe, wie man es schon häufig nach einer Kinderschändung erlebt hat. Dort stimmetn bei Umfragen auch immer 80 % für die Todesstrafe. Und ich nehme mir eben das Recht heraus, eben an unsere Verfassung zu erinnern und dieses Trotverhalten "anzuklagen". Unrechtes Verhalten, hat nunmal nicht die Rechtlosigkeit des sie Äußerenden zur Folge. Und, wenn er entsprechendes auf dem Geltungsgebiet unseren Grundgesetzes nicht widergibt, genießt er vollkommenen Rechtsschutz. So einfach ist das.
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