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Ein Kommentar zur erneuten Diskussion über das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Von Eberhard Zastrau

Rund hundert Menschen besuchten am vergangenen Montag abend eine Diskussion im "Ort der Information" unter dem Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Trotz eher geringer Werbung waren sie gekommen, deutlich mehr Frauen als Männer, aber das kann eben auch der Art geschuldet sein, wie eingeladen wurde.

Bei der Diskussion ging es gar nicht mehr um Erinnerung oder Gedenken. Der Stiftungsdirektor der Brandenburgischen Gedenkstätten Günter Morsch stand auf verlorenem Posten mit seinem Bemühen, wenigstens die historischen Fakten gewürdigt zu wissen. Die Berichte über die Diskussion in der Süddeutschen Zeitung und in der Frankfurter Allgemeinen spiegelten das wider mit der FAZ-Überschrift: "Abschiedskuss für die Geschichte".

Unwissenheit ist Stärke

Unwissenheit ist Stärke - das schien das Motto für viele Anwesende. Besonders deutlich trat das in den Äußerungen Chantal Louis' hervor, die anstelle der Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer auf dem Podium saß. Zwar betonten die drei Frauen auf dem Podium immer mal wieder die Unterschiede in den Schicksalen schwuler Männer und lesbischer Frauen in der Nazi-Zeit, doch dann kamen erneut die verqueren Verweise auf eine angebliche Verfolgung lesbischer Frauen - an diesem Abend mit den wissenschaftlich unhaltbaren Beispielen von Helene G. (ursprünglich von Kokula kolportiert), Lotte Hahm und Elsa Conrad (Schoppmann wies bei beiden auf die wirklichen Verfolgungsursachen hin). Die beiden letzten wurden nicht einmal namentlich genannt. Es blieb dem Sachsenhausen-Forscher Joachim Müller überlassen, den wissenschaftlichen Ruf Schoppmanns zu retten.

Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit

Eine bemerkenswerte Rolle in der Diskussion spielte Klaus Müller, der Initiator des Films "Paragraph 175", der inzwischen für das US-Holocaust-Mermorial-Museum arbeitet. Er berichtete kurz über eine Luftballon-Aktion an der Denkmal-Stele, die kurz vor der Veranstaltung stattgefunden hatte: Zum Internationalen Tag gegen Homophobie hatten sich dort aus Osteuropa stammende Homosexuelle eingefunden, um die Kulisse dieses Denkmals für den Protest gegen die aktuellen Menschenrechtsverletzungen in Ländern des einstigen kommunistischen Staatenblocks zu benutzen. Männer waren bei der Aktion allerdings nur in verschwindender Zahl anwesend. Müller geriet diese Aktion zum leuchtenden Beispiel für die Akzeptanz des Denkmals für ganz gegenwärtige Zwecke. Und auch die vierte Podiumsdiskutantin Claudia Lohrenscheit vom Deutschen Institut für Menschenrechte machte sich die gegenwartsbezogene Perspektive des eigentlichen Geschichtsdenkmals völlig zu eigen.

Gedankenverbrechen

Schon zu Beginn der offenen Diskussion wies die Moderatorin Lea Rosh darauf hin, dass Beiträge nicht erwünscht seien, die das Wissen der Veranstaltungsteilnehmer hätten verbessern können. Fragen seien zulässig, längere Informationen würden nur stören. So blieb unausgesprochen, dass organisiertes lesbisches Freizeitvergnügen bis weit in die Kriegsjahre hinein unter den Augen der Gestapo aber unbehindert hatte gefeiert werden können. Die klare Unterscheidung blieb im Ungefähren, dass Männer wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden, Lesben aber wegen ihrer jüdischen Herkunft, ihrer politischen Auffassungen bzw. ihres Widerstands oder aber wegen krimineller Handlungen, die jede heterosexuelle Frau dem gleichen Schicksal ausgesetzt hätten.

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen.

Die Veranstaltung hat ein weiteres Mal versäumt, "per scientiam ad iustitiam" vorzudringen, wie es der vor 75 Jahren gestorbene Magnus Hirschfeld forderte. In einer Anlehnung an seine Forderung wäre es in diesem Konflikt darum gegangen, mit wissenschaftlicher Redlichkeit zu einer sachgerechten Bewertung der Verfolgungsgeschichte zu gelangen. Das war nicht gewollt. Gewollt war eine Alibi-Veranstaltung mit möglichst wenigen zum Widerspruch bereiten Teilnehmern, die die "Gutdenker" in ihrer gezielten Ignoranz hätten stören können. Die Chance, die verpasst wurde, hätte darin bestanden:

Die Wahrheit auszusprechen in Zeiten universellen Betrugs, ist eine revolutionäre Tat.

P.S.: Die fett markierten Zwiischenüberschriften sind Zitate George Orwells u.a. aus "1984".



Berlin: Kranzniederlegung für homosexuelle Nazi-Opfer

Der LSVD und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas laden am 27. Januar zu einer Gedenkfeier am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten ein.
#1 chrisProfil
  • 19.05.2010, 19:34hDortmund
  • Ja so sind sie unsere Feministinnen. Ergaunerte Emanzipation ist meiner Meinung nach ein Schlag ins Gesicht für alle wirklich emanzipierten Frauen. Diese Vergangenheitsmanipulation ist in meinen Augen schon fast zwanghaft Männerfeindlich.
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#2 Sven_
#3 schwulenaktivist
  • 19.05.2010, 19:54h
  • Die heutige Situation ist das Resultat des Schweigens in den vergangenen Jahrzehnten. Männer waren immer die ("pädophilen") Täter und die Frauen hielten Abstand.
    Wenns dann ums gesellschaftliche Ansehen geht, sind sie sehr schnell "adabei"...
    Diese Strategie ist hinterhältig und klar heterA!

    Das kennt man in den USA so nicht!
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#4 KameliendameEhemaliges Profil
  • 19.05.2010, 20:13h
  • Ich war bei der Diskussion und für mich ist vor allem eines deutlich gewurden. Das Mahnmal kann all die zutiefst verschiedenen Ansprüche die vollkommen unterschiedliche Leute darin verwirklicht sehen wollen nicht erfüllen.

    Es gab beispielsweise mehrere Männer die an dieser Diskussion teilgenommen haben, die aufgrund des noch aktuellen Film, in dem sich zwei Männer küssen, die schwulen Opfer der Verfolgung im Nazionalsozialismus abgeschnitten und vergessen sehen.
    Ich denke nur dieses eine Beispiel macht deutlich wie diffizil das ganze ist.
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#5 KameliendameEhemaliges Profil
  • 19.05.2010, 20:13h
  • Ich war bei der Diskussion und für mich ist vor allem eines deutlich gewurden. Das Mahnmal kann all die zutiefst verschiedenen Ansprüche die vollkommen unterschiedliche Leute darin verwirklicht sehen wollen nicht erfüllen.

    Es gab beispielsweise mehrere Männer die an dieser Diskussion teilgenommen haben, die aufgrund des noch aktuellen Film, in dem sich zwei Männer küssen, die schwulen Opfer der Verfolgung im Nazionalsozialismus abgeschnitten und vergessen sehen.
    Ich denke nur dieses eine Beispiel macht deutlich wie diffizil das ganze ist.
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#6 KameliendameEhemaliges Profil
  • 19.05.2010, 20:16h
  • SORRY ZU FRÜH GESENDET. HIER DER GANZE TEXT DEN ICH POSTEN WOLLTE:

    Ich war bei der Diskussion und für mich ist vor allem eines deutlich gewurden. Das Mahnmal kann all die zutiefst verschiedenen Ansprüche die vollkommen unterschiedliche Leute darin verwirklicht sehen wollen nicht erfüllen.

    Es gab beispielsweise mehrere Männer die an dieser Diskussion teilgenommen haben, die aufgrund des noch aktuellen Film, in dem sich zwei Männer küssen, die schwulen Opfer der Verfolgung im Nazionalsozialismus abgeschnitten und vergessen sehen.
    Ich denke nur dieses eine Beispiel macht deutlich wie diffizil das ganze ist.

    Allgemein denke ich, muss man sich wohl entscheiden was das für ein Mahmal seien soll.
    Eines das ausschliesslich an die verfolgten Homosexuellen im 3. Reich erinnert und dann auch wirklich nur auf diesen Zeitabschnitt bezogen ist ( und zb den Wunsch mancher schwuler Männer die auch über diese Zeit hinaus die Opfer des Paragraphen 175 berücksichtigt sehen wollen, außer Acht lässt) oder ob man ein allgemein gültiges Mahnmal gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität mit starkem jetzzeitigen Bezug herstellt.

    In jedem Fall ist eines aber ganz deutlich.
    Es reicht nicht so einen Klotz in den Tiergarten zu stellen. Was eklatant fehlt sind weiterführende Informationen. Ein Ort der Information wie es ihm bei dem Mahnmal für die ermordeten Juden gibt, wäre, in jedem Fall, dringend nötig.

    Ansonsten fällt mir nur noch ein zu bemerken das ich es bezeichnend finde das Frau Schwarzer lieber nach Köln gefahren ist um nen Preis einzusacken statt selber wie angekündigt an der Diskussion teilzunehmen.

    Ach und ich möchte auch noch bemerken das ich die im Artikel an Lea Rosh geübte Kritik nicht nachvollziehen kann.
    Sie hat gesagt man solle bitte Fragen stellen. Aber sie hat jedem vor dieser Frage durchaus die Möglichkeit gegeben die eigene Meinung, nen eigenes Statement mit einzubinden.
    Wovon im übrigen auch rege Gebrauch gemacht wurde...
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#7 stephan
  • 19.05.2010, 20:58h
  • Der Kommentar ist sehr gut und bringt es auf den Punkt!

    Es ist für mich undenkbar, dass das Video im Denkmal gegen ein Frauen-Video ausgetauscht würde, da die Fakten der Verfolgungsgeschichte klar auf dem Tisch liegen und unwiderlegt sind. Wer - wie Frau Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen - die Wahrheit nicht zur Kenntnis nehmen wollen, ja auch keine Gründe - d.h. keine neuen historischen Fakten beibringen können - verhöhnt die tatsächlichen Opfer der Verfolgung. Es ist falsch und moralisch bodenlos pervers, dass man hier aus ideologischen Gründen die Wahrheit verzerrt und sich - fälschlicherweise - in die Opferrolle drängt.

    Dieser gute Kommentar erinnerte mich an eine Äußerung von Max Planck, dessen Sohn ja auch als Widerständler hingerichtet worden ist:
    "Die Wahrheit triumphiert nie, ihre Gegner sterben nur aus!"

    Ich weiß nur nicht, ob ich in diesem Fall darauf warten möchte!
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#8 Tim BergerAnonym
  • 19.05.2010, 21:29h
  • Wieder einmal in der langen Geschichte der Schwulenverfolgung sollen homosexuelle Männer von der Bildfläche verschwinden.

    In der Nazizeit wurden unzählige Schwule verfolgt, gefoltert und ermordet. Doch die Verfolgung hörte mit dem Ende des Dritten Reichs nicht auf. Kriminalisierung und Verfolgung mittels des Paragraphen §175 dauerten noch Jahrzehnte lang an.

    Und selbst heute sind schwule Männer noch längst nicht frei von Verfolgung und Unterdrückung. Wir brauchen gar nicht bis in den Iran zu schauen, wo beinahe täglich homosexuelle Männer hingerichtet werden. Die katholische Kirche und der Vatikan verfolgen weiterhin ihre antischwule Diffamierungskampagne und selbst im ach so toleranten Berlin werden homosexuelle Männer regelmäßig angepöbelt und krankenhausreif geschlagen.

    Es hat lange gedauert, bis die verfolgten, gefolterten und ermordeten Schwulen mit diesem Mahnmal ein würdiges Gedenken erhalten haben. Doch dieses Gedenken scheint scheint - zumindest in einigen einflußreichen Kreisen - nun nicht erwünscht zu sein.

    Das Gedenken an die schwule Verfolgung soll anscheinend nicht nur im Mahnmal-Video von der Bildfläche verschwinden, sondern wohl auch aus der kollektiven Erinnerung getilgt werden.

    Es ist eine Schande. Keine andere Opfergruppe würde sich eine derartige Relativierung von Verfolgung, Folter und Massenmord gefallen lassen.

    Nur wir Schwulen, wir schauen wieder einmal treu und brav zu. Oder doch nicht?
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#9 Liedel
  • 20.05.2010, 00:15h
  • Und wisst ihr, was ich für DEN absoluten Burner bei der ganzen Diskussion halte?

    "Wohl versuchte Chantal Louis von der Zeitschrift Emma mit Beispielen verfolgter Lesbierinnen ihre Position historisch ein wenig zu stärken. Aber an der weit schlimmeren Verfolgung männlicher Homosexueller zweifelte auch sie nicht. Trotzdem wünschte sie sich im kommenden Film für die Stele ein lesbisches Paar neben einem schwulen; ein heterosexuelles (sic!) könne aber auch mitmachen."

    www.sueddeutsche.de/kultur/350/511456/text/5/

    Damit wäre dann die endgültige Verhöhnung der schwulen Opfer des Nazi-Terrors erreicht. Was maßt diese unsägliche Person sich eigentlich an?

    Pfui auf den LSVD, dass solchen Leuten überhaupt ein Forum gegeben wird!
    Schämt euch!!!
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#10 JungerSchwulerAnonym
  • 20.05.2010, 02:27h
  • Eure Sorgen hätten die damals gerne gehabt!
    Die sind elendig umgekommen und ihr streitet euch!
    Meine Meinung ist die sollten ein Mahnmal für ALLE verfolgten Gruppen der Nazis machen, egal ob Juden, Homosexuelle usw.

    Warum klärt man nicht mit dem Mahnmal auf das Homosexuelle als "Gruppe" allgemein verfolgt wurden und erklärt dabei das homosexuelle Männer noch schlimmer betroffen waren als Frauen und sogar KZ fürchten mussten?

    Ich finde den Streit wegen dem Denkmal einfach daneben, sowohl von den Lesben als auch von den Schwulen aus!
    Den Opfern bringt das erst recht nichts mehr
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