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Ungeachtet der Proteste zeigten 500-1000 Schwule und Lesben ihren Stolz

Die CSD-Demo muss abgesagt werden, nachdem Rechtsextreme Steine und Tränengas einsetzen. Am Nachmittag transportiert die Polizei die CSD-Teilnehmer von einer Kundgebung zu einem Partyboot.

Von Norbert Blech
Letzte Akt. um 23.35h (Video und Umfrage von sme.sk)


Die erste CSD-Demo in der Geschichte der Slowakei, die "Regenbogenparade" durch die Innenstadt der Hauptstadt Bratislava musste am Samstag in letzter Sekunde abgesagt werden, nachdem Gegendemonstranten die Versammlung mit Gewalt störten und Neonazis, größtenteils von der "slowakischen Volkspartei", in der ganzen Innenstadt gesichtet worden waren.

Eigentlich wollten sich die 500 bis 1000 Teilnehmer des "Dúhový Pride" auf einen mindestens einstündigen Marsch durch die Innenstadt begeben. Nachdem die Polizei die Veranstalter gewarnt hatten, dass sie nicht für die Sicherheit der Teilnehmer garantieren könne, sagten die Veranstalter die Demonstration ab. Stattdessen kam es direkt zu der Abschlusskundgebung am Hviedzoslavovo-Platz.

Unter Zwischenrufen von rund 80 Gegendemonstranten gab es Musik und Redebeiträge, die grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek aus Österreich wurde bei ihrer Ansprache mit kleinen Steinen und Eiern beworfen. Ein Gegendemonstrant hatte sich offenbar unter die CSD-Teilnehmer mischen können. "Er hat mich aber nicht getroffen", sagte Lunacek dem Standard. Sie war zusammen mit ihrer niederländischen Kollegin Marije Cornelissen nach Bratislava gereist.

Die Polizei tat sich Medienberichten zufolge schwer damit, die Lage unter Kontrolle zu halten. Der deutsche Grünenpolitiker Volker Beck kritisierte das Vorgehen der Behörden bereits kurz nach Eintreffen der ersten Meldungen: "Die Polizei in Bratislava ist offenkundig völlig überfordert. Es war ein Fehler, die Gegendemonstranten so nah an die Regenbogenparade zu lassen. Dabei war von vornherein absehbar, dass die Neo-Nazis die Strategie verfolgen, die Parade durch Gewalt zu sprengen." Die Verantwortlichen nähmen die Eskalation offenbar bewusst in Kauf.

Einer der CSD-Organisatoren, Peter Weisenbacher, kritisierte, die Polizei habe im Vorfeld nicht genügend abgesperrt. Aufgrund der großen Präsenz von Neonazis sei damit keine Möglichkeit mehr vorhanden, durch die Innenstadt zu ziehen. Allein auf dem Platz hatten die Polizisten alle Hände damit zu tun, die Veranstaltung zu schützen, Gegendemonstranten setzten sogar Tränengas ein. Mindestens vier Personen wurden am Rande der CSD-Veranstaltung festgenommen.

Auch in der Nähe kam es zu einem Übergriff: Rechtsradikale hatten des Haupt-Geschehens Personen in der Innenstadt angegriffen, die sie anhand einer Regenbogenflagge auf einer Tasche als schwul identifizierten. Ein Jugendlicher soll Verletzungen am Kopf davon getragen haben, auch Personen, die eingegriffen hätten, seien verletzt worden, einer davon ebenfalls am Kopf. Dem blutüberstömten Jugendlichen sei auch eine Digitalkamera gestohlen worden.

Youtube | Unkommentierte Originalbilder einer slowakischen Nachrichtenagentur, die auf den meisten slowakischen Portalen verbreitet wurde

Polizei erkämpft den Weg zum Partyschiff

Um 17 Uhr und damit eine Stunde früher als geplant begann die Polizei damit, die Teilnehmer der Kundgebung vom Hviedzoslavovo-Platz zum Ort der Abschlussparty auf einem Schiff an der Donau zu eskortieren.

Die Demonstranten bekamen damit doch noch eine Art CSD-Parade: nach einem Bericht des Portals Cas.SK grüßten die Teilnehmer die Menschen am Straßenrand, einige grüßten zurück.

Um diesen Marsch zu ermöglichen, musste die Polizei zuvor eine Brücke von Gegendemonstranten räumen. Auch hier warfen Rechtsradikale Steine und Tränengas, einige Polizisten und Demonstranten wurden verletzt, rund 20 Menschen wurden festgenommen. Zum Schluss hatte die Polizei den Weg mit Schlagstöcken freigeräumt.

Nun entspannte sich offenbar die Lage: "Die Demo hat das Partyschiff erreicht. Man versammelt sich vor dem Schiff. Überall Polizei, keine Gegendemonstranten mehr zu sehen", berichtet ein deutscher Besucher von einem Schiff aus gegenüber Queer.de.

Die Zeitung "SME" kommentiert am Abend, der Tag habe ein "doppeltes Versagen" gezeigt: Zum einen brächte die Gesellschaft Menschen hervor, die anderen mit Gewalt ihre Meinung aufdrücken wollten. "Man kann zwar argumentieren: Primitive gibt es überall. Aber in der Slowakei addiert sich das zweite Versagen: das des Staates". Was hätten die Veranstalter denn noch mehr machen sollen, um einen akzeptablen Polizeischutz zu bekommen, fragt der Kommentator Lukáš Fila. Egal was man von Homosexualität halte, jeder Bürger des Landes müsse die Vorkommnisse verdammen. Zumindest Scham scheinen die Bürger tatsächlich zu empfinden: auf die SME-Online-Umfrage, ob Bratislava an dem Tag als tolerante Hauptstadt oder "Provinzloch" gewirkt habe, antworteten 84 Prozent mit letzterem.

Die Grünenpolitikerin Ulrike Lunacek hält den Tag trotz allem für erfolgreich: "Auf jeden Fall: die heutige Kundgebung, das Fest hier am Hauptplatz macht trotz der Bedrohung vielen Leuten, Mut. Und es ist ein erster Sieg, dass es überhaupt stattfindet", schreibt sie in ihrem Blog.

Der Chef der slowakischen Nationalpartei (SNS), Ján Slota, veröffentlichte am Nachmittag hingegen eine Presseerklärung, in der er den CSD kritisierte. "Wir glauben, dass Sexualität nicht in die Öffentlichkeit gehört", so der Politiker. Die Demonstranten hätten nicht nur moralische Werte in Gefahr gebracht, sondern hätten Gewalt provoziert und enorme Kosten für die Polizei verursacht.

Direktlink | Bilder des Tages vom Portal sme.sk

Heftig umstrittener CSD

Bereits im Vorfeld hatte es Proteste gegen den ersten CSD der Slowakei gegeben. Gerade Ján Slota hatte vor einer "gesellschaftlich inakzeptablen" Demonstration von Schwulen und Lesben in Bratislava gewarnt und gedroht: "Ich werde persönlich kommen, um sie anzuspucken" (queer.de berichtete). Der Chef der kleinen Partei, die mit den Sozialdemokraten von Premier Robert Ficos reagiert, hatte zuvor Schwule mehrfach als "Schmutz" bezeichnet.

Es gab im Vorfeld aber auch Unterstützung. Die Europäische Kommission und 16 Botschaften, darunter die Deutsche, verschickten am Freitag eine solidarische Presseerklärung, einige EU-Botschaften wurden Sponsor der Veranstaltung. Homo-Aktivisten aus ganz Europa sowie Amnesty International unterstützten den CSD vor Ort.

Gleichgeschlechtlicher Sex ist (in der Tschechoslowakei) seit 1962 erlaubt und seit 1990 gibt es das gleiche Schutzalter wie für Heterosexuelle. Während das liberalere Tschechien inzwischen Eingetragene Lebenspartnerschaften kennt, gibt es im Nachbarland weiterhin keine Pläne zur Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnern. Durch EU-Richtlinien sind allerdings Antidiskriminierungsgesetze in Kraft.

Youtube | Videobilder der Gegendemonstration am Hviedzoslavovo-Platz


#1 goddamn. liberalAnonym
  • 22.05.2010, 15:22h
  • Auch hier spielt wieder die kath. Kirche (die Slowakei ist bei weitem nicht so säkularisiert wie Tschechien) eine böse Rolle im Hintergrund.

    Bratislava (Preßburg) ist quasi ein Vorort von Wien. Die Einschläge des homophoben Terrors rücken näher...
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#2 bastapapsta
  • 22.05.2010, 15:40h
  • Antwort auf #1 von goddamn. liberal
  • Für alle, die aus der Kirche austreten möchten, hier findet ihr anschauliche Infos zu diesem Vorgang :
    Link zu www.kirchenaustritt.de

    MeinKirchenaustritt.at

    Empfehlung in Gay Romeo, der Club

    KirchenaustrittJetzt

    Setzt euer Zeichen als Antwort auf katholische Attacken !
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#3 LorenProfil
  • 22.05.2010, 15:45hGreifswald
  • Es ist empörend, wie in einem EU-Mitgliedsstaat die Bürger-und Menschenrechte von LGBTI mit Füßen getreten werden und die staatlichen Organe nicht in der Lage sind, eine friedliche Demonstration zu gewährleisten. Meine Hochachtung den mutigen Demonstranten, die dies über sich ergehen lassen müssen.
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#4 LorenProfil
  • 22.05.2010, 15:47hGreifswald
  • P.S.
    Es wäre interessant, wenn Journalisten darüber berichten könnten, ob dort religiöse und rechtsextremistische Kräfte gemeinsame Sache machen.
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#5 eMANcipation*Anonym
  • 22.05.2010, 15:49h
  • Was nützen "solidarische Presseerklärungen" und "Antidiskriminierungsrichtlinien", die nicht konsequent und explizit genug sind und ohnehin nicht eingehalten werden?

    Was sonst beweisen die immer wiederkehrenden, unerträglichen Akte der Gewalt und Angriffe auf die Versammlungsfreiheit von Schwulen und Lesben, von Lyon bis Bratislava, wenn nicht die völlige Unzulänglichkeit der bisherigen "Antidiskriminierungspolitik"?

    "Ausnahmen" - für wen auch immer - darf es beim Diskriminierungsschutz nicht geben, sonst führt er sich selbst ad absurdum.

    Wann handelt die EU endlich und beendet insbesondere die Straflosigkeit der "ganz alltäglichen", xenophoben Hassverbreitung und Hassrede?

    Es muss ein für allemal und mit entsprechend wirksamen Sanktionsinstrumenten klargestellt werden, auf wessen Seite demokratische Staaten in der EU zu stehen haben: auf der Seite von Tätern oder auf der Seite von Opfern gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit?

    Diese Frage bzw. die nach konkreten Maßnahmen sollten wir an jeden einzelnen Abgeordneten des Europäischen Parlaments richten (natürlich auch des Bundestages) und die Antworten öffentlich machen. Wäre doch mal eine Idee für eine interessante "Interview"-Reihe bei queer.de, oder?!
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#6 bastapapsta
#7 hwAnonym
  • 22.05.2010, 16:25h
  • Antwort auf #1 von goddamn. liberal
  • aktuell:

    ...Schlechter schaut die Lage in Irland aus, wo die Arbeitslosenquote 13,2 Prozent beträgt, auch die Slowakei liegt mit 14,1 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt...(wiener zeitung)

    KIRCHE
    Hitlers Hirte
    Der katholische Priester Jozef Tiso regierte von 1939 bis 1945 die Slowakei – und ließ 60.000 jüdische Bürger in den Tod schicken. Die Kirche des Landes verehrt ihn bis heute

    Der Hass ist zurückgekehrt. In Polen hetzt der katholische Sender Maria gegen Homosexuelle und Juden. Vier Millionen Menschen in dem nationalkonservativ regierten Land hören täglich die Tiraden – etwa gegen die »jüdische Lobby«, die den polnischen Staat fest im Griff habe.

    www.zeit.de/2007/40/A-Tiso
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#8 bastapapsta
#9 pro CSD StgtAnonym
  • 22.05.2010, 17:01h
  • Antwort auf #6 von bastapapsta
  • Deine schreiben sind an unkenntnis kaum mehr zu übertreffen.
    Hitler hat nicht die Kirchensteuer eingeführt.
    So beginnt 1827 in Lippe-Detmold die Einführung der Kirchensteuer, nachdem sie 1808 in Preußen noch gescheitert war. Es folgen 1831 Oldenburg, 1835 die preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen durch die rheinisch-westfälische Kirchenordnung, 1838 Sachsen, 1875 Hessen, 1888 Baden, 1892 Bayern und 1905/1906 Preußen.
    weiter auf die heutige Zeit bezogen:
    Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland übernahm 1949 durch seinen Artikel 140 die Weimarer Regelung. Es heißt dort: „Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.“
  • Antworten » | Direktlink »
#10 so wahr mir....Anonym
  • 22.05.2010, 17:19h
  • Antwort auf #9 von pro CSD Stgt
  • Hast du das für möglich gehalten ?

    RATTENLINIEN

    (galt mal als "Verschwörungstheorie !!!)

    de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinien

    ..Der rumänische Nazi-Außenminister Gregorij Gafencu, der polnische Botschafter beim Vatikan, Casimir Papee, Monsignor Bucko, der spirituelle Führer der ukrainischen Widerstandsbewegung, oder der frühere slowakische Außen- und Innenminister und gesuchte Kriegsverbrecher Ferdinand
    Durcansky waren seit Vorkriegszeiten britische Intermarium-Agenten, wieder Führer der ukrainischen Nationalisten, Stephan Bandera oder der Führer der Galizischen SS, General Shandruck, auch. Und
    die meisten, die über die Ratlines in Sicherheit gebracht wurden, waren auch keine Deutschen.
    Die meisten Nazi-Massenmörder waren nicht unbedingt Deutsche. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gab es Zehntausende aus Zentral- und Osteuropa, die genauso schuldig waren wie ihre deutschen Schutzherren. Sie waren die Führer von Nazi-Marionetten-Regimes Verwaltungsbeamte, Polizeichefs und Mitglieder lokaler Polizeieinheiten, die desgleichen am Holocaust beteiligt waren. Viele von....

    www.commonwood.de/Spirit/pope.htm
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