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In den USA heißt das Coming out auch "Aus dem Schrank kommen" (Bild: Keith Haring)

Lange vor Blogs und Twitter: Das Projekt "Mattenjahre" war eines der ersten Online-Coming-Out-Tagebücher. Im Web ist es jetzt wieder nachzulesen.

Von Christian Scheuß

Im Internetzeitalter vergehen die Tage scheinbar noch schneller. Vor zehn Jahren erschien zum ersten Mal auf einer Website die Geschichte eines schwulen Jugendlichen. Tim erzählt darin im Originalton von sich und seinem Weg zum Coming Out. Im wöchentlichen Abstand erfuhren die Leser oft über ganz banale Dinge, aber eben auch die kleinen wie großen Dramen bei der ersten Liebe und beim ersten Sex. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung haben sich die ehemaligen Macher entschlossen, das Projekt noch einmal online zu bringen. Die Webpage war 2003 zunächst "eingeschlafen", danach ganz aus dem Netz verschwunden.

Die "Macher", das ist zum einen Tim, deren 1996 begonnenen Originaltagebücher die Grundlage für die Onlineversion bildeten, und sein Freund Mitch, der das Projekt technisch betreute. "Auf die Idee, die Mattenjahre wieder zu veröffentlichen bin ich gekommen, weil ich auch jetzt noch regelmäßig Mails von ehemaligen Fans bekomme, die die Mattenjahre unbedingt wieder online sehen möchten", berichtet Mitch. Die Neuauflage ließ sich recht einfach realisieren, weil es mit der Blogsoftware inzwischen eine sehr einfache Möglichkeit gibt, Inhalte ins Web zu stellen.

Die Reaktionen, so erinnert sich Mitch, waren damals fast durchweg positiv. Durch den wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus entstand so etwas wie ein kleiner "Sog-Effekt". Somit sind die "Mattenjahre" auch eine der ersten "Diary-Soaps" im Internet gewesen. "Die User fieberten mit, wie es nun mit Tims Coming Out weitergeht", erzählt Mitch. Es entbrannten heftige Diskussionen über den Stil, ob man so etwas überhaupt veröffentlichen sollte oder dürfte. Und auch die Massenmedien stiegen auf das Thema ein. Das schönste Feedback erhielten die beiden aber auf persönlichem Wege, wie Mitch berichtet: "Von zwei älteren Lesern weiß ich, dass die Mattenjahre tatsächlich den Ausschlag gegeben haben, sich zu outen."

Und der komische Name? Ein spontaner Einfall: "Tim fängt mit dem Ringen an, die folgenden Jahre verbringt er halt als Ringer viel auf der Matte, somit sind das seine Mattenjahre. Natürlich steckt auch eine gewisse Metaphorik drin, er ringt nicht nur im Sport sondern natürlich auch mit sich, seinem Schwulsein, seinem Coming Out." Und wie geht es Tim heute? Mitch will nicht viel verraten. Es war nämlich nie die Absicht seines Freundes, sich ins Rampenlicht zu stellen, er wollte nur seine Geschichte erzählen. Aber, so zumindest gibt er preis: "Er lebt heute in Berlin". Klingt fast wie ein Happy End.



#1 flippProfil
  • 17.06.2010, 13:54hbayern
  • finde ich klasse, dass "mattenjahre" wieder online ist. ich hab schon viel davon gehört und so manches fragment noch im netz gefunden.

    bin schon gespannt, das jetzt in voller länge lesen zu können.
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#2 HomonormativAnonym
  • 17.06.2010, 14:19h
  • Schade, daß das so lange aus dem Internet in der Versenkung verschwunden war. Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger!
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#3 theory87
  • 11.07.2010, 20:54h
  • Weiß jmd, ob noch weitere blog-Einträge (ab 6. Juli) folgen oder ob das Tagebuch schon beendet ist?
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#4 thefreezerAnonym
  • 12.07.2010, 12:06h
  • ja, das würde mich auch interessieren...
    finde es total spannend, aber will weiterlesen.. weiß jemand, wann der Rest folgen wird?
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#5 TimbercomProfil
  • 09.03.2014, 20:02hHamburg
  • Und es geht tatsächlich wieder einmal weiter. Und das auch noch zweigleisig
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