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Masturbator der Zukunft: Das "Virtual Hole" simuliert dank eingebauter Motoren die Bewegungen des Dildos am anderen Ende der Leitung

Elektronische Toys, die per Computer kontrolliert werden, können Schwule an unterschiedlichen Orten miteinander erotisch vernetzen.

Von Christian Scheuß

In der ganzen Welt arbeiten kreative Produktdesigner und Technikfreaks bereits am Sex der Zukunft. Ihre Prototypen und Testmodelle werden unter dem Begriff "Teledildonics" geführt und über das Web vorgestellt. Teledildonics (oder auch Cyberdildonics) sind hauptsächlich elektronische Sextoys, die per Computer kontrolliert werden. Der US-Soziologe Ted Nelson, der sich seit Jahrzehnten über Computernetzwerke und ihre Schnittstellen zum Menschen Gedanken macht, prägte diesen Begriff bereits in den Siebzigern.

In Deutschland hat mit der Verbreitung von Heimcomputern und der Schaffung der Mailbox-Szene sowie dem grafisch orientierten BTX, dem Vorläufer des Web, auch das Zeitalter des Cybersex begonnen, als Weiterführung des bereits beliebten Telefonsex. Zwei oder mehr Menschen sitzen räumlich voneinander getrennt vor dem Computer und stimulieren sich durch den Austausch von Text- oder Bildbotschaften. Mit der Webcam kam später auch noch das Livevideo dazu. Der kontaktlose Geschlechtsverkehr entwickelte sich zur selben Zeit, in der die Aids-Krise ausbrach. Cybersex galt - trotz all seiner Behelfsmäßigkeit (man war schließlich nach wie vor allein beim Sex) - plötzlich als saubere und gesunderhaltende Methode. In schwulen Pornofilmen saßen die Models nun vor dem Monitor, aus dem dann der Sexpartner entsteigt - als Traumsequenz in einem virtuellen Raum inszeniert.


Für virtuelle Knutscher: Die Lippen des KissPhones erfassen Geschwindigkeit, Druck und Temperatur

Doch ein fortgeschrittener Cybersex hat sich bislang nicht durchgesetzt, vom Camchat-Wichsen einmal abgesehen. Denn bislang fehlt es noch immer an vernünftigen Schnittstellen. Das eigentliche Ziel der computergesteuerten Toys ist noch nicht erreicht: die möglichst einfache, realitätsnahe Lustverschaffung, entweder als Selbstbefriedigung oder als gemeinsam erlebter Sex durch Vernetzung mehrerer Personen an unterschiedlichen Orten. Doch es gibt experimentierfreudige Fortschritte, zum Teil sogar schon käuflich erwerbbar.

Von der französischen Firma ProInvention stammt beispielsweise die Idee des KissPhone. Auf dem Mobiltelefon, das wie Kinderspielzeug aussieht, prangen dicke Kunststofflippen, die in der Lage sind, Geschwindigkeit, Druck und Temperatur zu erfassen. Presst man seine eigenen Lippen darauf oder saugt an der Unterlippe, wird dies genauso an das Knutschinterface des Partners weitergeleitet und simuliert. Niemand braucht mehr "mumumu", "Knutschi" oder ähnliches zu formulieren, wenn er einen Kuss durch die Telefonleitung senden will. Der Nachteil: Es sieht garantiert albern aus, wenn man in der vollbesetzten U-Bahn Küsse mit seinem Telefon austauscht.

Vibratoren und Sensoren im T-Shirt

Etwas weiter geht man beim Konzept des Hug Shirts der Firma Cutecurcuit, das Serienreife besitzt und bereits auf einem Festival für Cyberkunst in Bilbao prämiert wurde. Im Shirt sind an verschiedenen Körperstellen flache, flexible Sensoren und Vibratoren angebracht. Diese Pads, die man zum Waschen entfernen kann, sind über die Bluetooth-Funktechnik drahtlos mit dem eigenen Handy verbunden. Auf dem Mobiltelefon läuft die HugMe-Software. Sobald man die auf dem T-Shirt farbig markierten Punkte drückt, unter denen die Sensoren liegen, wird diese Berührung an den Liebsten über dessen Telefon an sein Hug Shirt übertragen. So kann man miteinander knuddeln, egal, wie weit man voneinander entfernt ist. Die Sensoren aus dem Shirt demnächst in Unterhosen zu verfrachten, wäre folgerichtig der nächste Schritt.


HugShirt: Sobald man die farbig markierten Punkte drückt, uird diese Berührung an den Liebsten über dessen Telefon an sein eigenes Hug Shirt übertragen

Virtual Hole heißt die für 200 Dollar käuflich erwerbbare Weiterentwicklung der Masturbatoren, der per Web mit einem Dildo verbunden ist. Der Dildo, der wie ein Mikrofon geformt ist, ist über seine ganze Fläche hinweg mit Bewegungs- und Drucksensoren versehen. Der Masturbator dagegen hat mehrere kleine Motoren eingebaut. Setzt man sich auf diesen Dildo, der per USB an den PC angeschlossen ist, wird diese Bewegung synchron über das Internet an den Partner mit dem Masturbator über dem Schwanz übermittelt, die Motoren simulieren das Rein und Raus. Wer möchte, kann noch die Webcam dazu schalten.

Wer lieber seinen Lieblingspornostar ficken möchte, der kann mit dem RealTouch diesem Traum etwas nachhelfen. In dem Elektromasturbator sind oben wie unten gerippte Gummilaufbänder aufgespannt, die per Motor vor- und zurücklaufen. Ein Gleitgelreservoir sorgt dafür, dass das Band geschmeidig über den Schwanz schubbert. Gesteuert werden die Motoren, per USB mit dem Computer verbunden, über speziell kodierte Pornofilme. Flutscht in einer der Szenen der Schwanz in den Arsch von Brent Corrigan rein und raus, rubbeln die Bänder synchron mit Vor- und Rückwärtsbewegungen. Auch dieses Gerät ist bereits auf dem Markt.

Sensible Miniservos für den Tastsinn

Die Teledildonics werden wohl erst perfekter werden, wenn der Computer nicht mehr als Gerät auf dem Tisch steht, sondern sich als Multifunktionsgerät unsichtbar in unsere Wohnung oder auch die Kleidung integriert hat und ständig mit dem Internet verbunden ist. Eine Utopie, an der die Ingenieure und Softwareentwickler arbeiten. Sensible Miniservos für den Tastsinn, Materialien, die Körperteile perfekt vom Hautgefühl bis zum Geschmack und Geruch nachbilden, 3D-Videotechniken und die Vernetzung werden zukünftig in Hightech-Toys Einzug halten. Sollte es dann noch GayRomeo geben, werden dort die Tappsen "Gruß zwischendurch" oder "Sex jetzt?" wohl eine sehr direkte Wirkung beim Gegenüber erzielen.



#1 Liedel
  • 19.06.2010, 13:09h
  • Und falls man(n) dann eines Tages von dem ganzen technischen Jedöns die Nase voll haben sollte, gehts "back to the basics": NAGGISCH ist dann wieder angesagt
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#2 schwulenaktivist
  • 19.06.2010, 14:58h
  • Ich denke, diese Gesellschaft strebt an, nur noch virtuell homosexuell zu sein und später auch nur noch virtuell sexuell...
    Wer sowas ernst nimmt, hat schon verloren!
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#3 eMANcipation*Anonym
#4 KameliendameEhemaliges Profil
  • 19.06.2010, 15:47h
  • Man könnte ja tatsächlich auch einfach direkt Sex mit einem anderen Menschen haben. Voll veeeeeeeeeeeeerrückt die Idee oder?
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#5 vingtans
  • 19.06.2010, 16:48h
  • ganz schön unerotisch diese technik,..ich hab dann doch lieber ECHTEN sex mit meinem REALEN freund!
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#6 VolumeProProfil
  • 19.06.2010, 20:35hMönchengladbach
  • Das ist die Manifestation des Technischen im Bereich des absoluten humanen Seins.
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#7 Der RickAnonym
  • 20.06.2010, 02:00h
  • Ihr klingt ja altmodisch.

    Früher wollte auch niemand ein Handy, bzw. nur "Wichtigtuer”.....

    die Toys kaufen sich auf jeden Fall Hannibal und Konstantin, die machen sowas..
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#8 FloAnonym
  • 20.06.2010, 13:55h
  • Wieder mal Nerd-Toy für die Computer-Kellerkinder, die nur vor ihrem Rechner hocken, Chips in sich reinfuttern und in ihrer virtuellen Phantasiewelt leben. Die bekommen halt keinen echten Sex ab, also müssen sie solche Hilfmittel nutzen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

    Schlimm ist nur, dass sie dann gar keinen Anlass mehr sehen werden, das normale Leben kennenzulernen. Und dann werden sie nie erfahren, was sie verpassen.
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#9 GastGastGastAnonym
  • 20.06.2010, 14:07h
  • Ich frage mich was das denn jetzt mit der Unterordnung unter den Heterosexismus zu tun hat. Das hier ist einfach nur ein Sexspielzeug, wie es das übrigens genauso für Heten gibt. Insofern soll doch jeder der möchte damit spielen, bzw. es lassen wenn er kein Interesse hat.

    Mich spricht das Ding bisher nicht an, weil es noch sehr technisch unausgegoren ist. Aber auch da steht die Entwicklung ja noch ganz am Anfang. Was spricht denn dagegen ein perfektes und nahezu originalgetreues Sexspielzeug zu entwickelt. Ob man das dann nutzt liegt immer noch im Ermessen des Einzelnen...
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#10 WillstuAnonym