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Strapse unter dem Sakko: vier feshe Scissor Sisters (Bild: Universal Music)

Was, wenn es die Aids-Krise nie gegeben und man nahtlos hätte weiterfeiern können? Das neue Album "Night Work" der Scissor Sisters gibt eine Antwort darauf.

Von Carsten Weidemann

Es war das Jahr 2009, und Jake Shears befand sich gerade in Berlin. Genauer gesagt im Club. Auf der Tanzfläche. "Es gab Nächte, in denen ich mir die tanzende Menge anschaute und bei diesem Anblick jegliches Gefühl für die Zeit verlor. Ich hätte nicht einmal sagen können, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befanden."

Dabei ist es gar nicht so schwer, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen: Drei Jahre waren seit der Veröffentlichung des zweiten Albums der Scissor Sisters vergangen; und es sollte noch ziemlich genau ein Jahr dauern, bis das dritte Werk seiner Band erscheinen würde. Und wie Jake so die tanzenden Massen beobachtete, sprang plötzlich der Funke über und ihm war mit einem Mal klar, wohin die Reise dieses Mal gehen musste: Er sah in diesem Moment gewissermaßen das Feuer, das im Kern von "Night Work" lodert, ihrem neuen Longplayer, der zum Durchtanzen der Nacht einlädt. Jede Menge eingängige Melodien gepaart mit Dancefloor-Klängen, die aus ganz unterschiedlichen Dekaden stammen könnten. "Die Platte ist einfach nur ein Traum", klopft sich Jake heute zufrieden auf die Schulter. "Sie vereint all das, woran wir uns früher vergeblich die Zähne ausgebissen haben."

Youtube | Die erste Single "Fire With Fire" aus dem neuen Album

Erscheint am 25. Juni: "Night Work"

Die fast schon rührselige Stimmung des Vorgängers "Ta-Dah" ist dieses Mal, wie Jake sagt, "durch ein eher düsteres Element ersetzt, was mich jedes Mal umhaut! Dieses düstere Element ist sexuell sehr stark aufgeladen. Weite Teile des Albums handeln davon, die eigenen Grenzen zu überschreiten und vielleicht sogar einen Tick zu weit zu gehen." Passenderweise beginnt das Album mit dem aufforderndem Ausgeh- und Party-Song "Night Work", um nach 11 weiteren Tracks keineswegs mit einer zerknirschten Katerstimmungs-Ballade zu enden. "Invisible Light" peitscht nochmal richtig auf.

Die Entstehungsgeschichte von "Night Work" beginnt nach ihren ausverkauften Headliner-Shows in der Londoner O2-Arena im Jahr 2007: Direkt im Anschluss gingen die Scissor Sisters nämlich wieder ins Studio und arbeiteten fleißig an neuen Songideen. Doch letztlich kam nichts Zündendes dabei heraus. Also beschloss die Truppe, sich erst einmal eine Weile mit anderen Dingen zu beschäftigen. Jake schrieb ein Musical - und er ging nach Berlin: um zu tanzen, um sich voll und ganz dieser Stadt und ihren Clubs auszuliefern.

Mitten auf der eingangs erwähnten Tanzfläche fiel er dann in das besagte Zeitloch, und während er sich fragte, in welchem Jahr bzw. Jahrzehnt er sich eigentlich befand, dachte er: Was würde wohl als nächstes passieren, wenn ich beispielsweise im Jahr 1984 gelandet wäre? "Und dann dachte ich über New York und die New Yorker Clubszene der siebziger und achtziger Jahre nach: Da lag so viel Energie in der Luft, alles wurde dort vorangetrieben, bis mit einem Mal alle tot waren. Die Party in New York hätte kein dramatischeres Ende nehmen können. Eine ganze Generation war mit einem Mal ausgelöscht. Eine der Fragen, die ich mir nun stellte, lautete: Wie wäre es wohl mit dieser Musik von damals weitergegangen? Was hätten Sylvester, Frankie und der ganze Rest der Bande wohl als nächstes gemacht? Was wäre passiert, wenn diese ganze Ära nicht so ein jähes Ende gefunden hätte? Und: wie würde es wohl klingen, wenn man heute da ansetzt, wo sie aufgehört haben? Ich wollte herausfinden, wie diese Art von Musik im Endeffekt geklungen hätte." Damit war die Idee zu "Night Work" geboren. Das Album erscheint am 25. Juni.



#1 FloAnonym
  • 21.06.2010, 16:39h
  • Genau das habe ich mich auch schon oft gefragt:
    wie würde die Welt wohl aussehe, wenn damals all die Schwulen, die noch nichts von AIDS wussten und wie man sich schützt, nicht gestorben wären. Und auch all die Toten danach, die es vielleicht wussten, aber dennoch mal unvorsichtig waren, o.ä.

    Wenn die alle noch leben würden, wie viel bunter wäre dann heute unsere Welt. Nicht nur in der Musik, auch in vielen anderen Bereichen. Und wie viel unberschwerter wäre heute das Leben...

    (Und vielleicht wären wir aufgrund der Masse an Aktivisten schon längst komplett gleichgestellt und der Kampf wäre endlich vorbei und wir könnten endlich alle glücklich und in Frieden miteinander leben...)

    Zum Album:
    Ich habe noch nichts davon gehört (das Video im Artikel funktioniert leider auch nicht) und hatte schon Angst, dass man nie mehr was von denen hören wird. Aber jetzt gibt es endlich ein neues Album. Ich hoffe, es ist so gut wie die ersten beiden, denn da waren wirklich einige ganz grandiose Titel drauf.

    Was ich klasse fände:
    ich finde es ja gut, dass die Sisters ihre eigenen Titel schreiben und keine Coverband sind, aber es gibt einen schwulen Klassiker, den ich echt gerne von den Sisters gecovert sehen würde:

    "There's more to love (than boy meets girl)" von Jimmy Sommerville

    Das würde in modernisiertem Sound toll zum Sound der Band passen. Und gerade bei dem Thema des Albums wäre das ein tolles Cover und eine tolle Huldigung schwuler Klassiker gewesen...
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 JulianSGBAnonym
#4 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 24.06.2010, 10:23h
  • Die Scheibe geht wirklich voll ab. Neben der ersten Singleauskopplung "Fire with Fire" hat es mir bsonders "Invisible Light" und "Skin Tight" angetan.
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