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Das abgebrannte Safe House in Kerbala (Bild: IraqiLGBT)

In Kerbala haben Polizisten offenbar ein schwul-lesbisches "Safe House" gestürmt und sechs Menschen festgenommen. Den Verhafteten droht die Hinrichtung.

Wie die in Großbritannien ansässige Homo-Gruppe IraqiLGBT mitteilte, hat sich die Polizeiaktion am 16. Juni abgespielt. Zwölf Polizisten sind demnach in das Haus eingedrungen, das sexuellen Minderheiten Schutz vor Übergriffen bieten soll. Sie sollen dann die sechs dort lebenden Menschen geschlagen und ihnen anschließend die Augen verbunden haben. Das Haus ist danach abgebrannt worden.

Einer der verhafteten Männer ist zwei Tage danach mit Verletzungen am Hals in einem Krankenhaus aufgetaucht. Er erklärte, er sei gefoltert worden. Von den anderen fünf Verhafteten - zwei Schwule, eine Lesbe und zwei Transsexuelle - fehlt bislang jede Spur. IraqiLGBT geht davon aus, dass die Männer und Frauen ins 150 Kilometer entfernte Innenministerium nach Bagdad gebracht und dort gefoltert wurden. In der Vergangenheit seien Schwule, Lesben und Transsexuelle dann an schiitische Milizen übergeben worden, die ihre Opfer wegen unislamischen Verhaltens töten.

Homosexualität soll "ausgelöscht" werden


Einer der Verhafteten wurde in einem Krankenhaus mit einer lebensgefährlichen Halsverletzung entdeckt. (Bild: IraqiLGBT)

Die Milizen um den Anführer Muktada al-Sadr haben immer wieder erklärt, dass sie gegen sexuelle Minderheiten vorgehen würden, weil diese laut Koran minderwertig seien. Al-Sadr sagte, sein Ziel sei es, Homosexualität "auszulöschen" (queer.de berichtete).

IraqiLGBT berichtet über mehr als 700 Fälle, in denen Schwule und Lesben im Irak verschleppt worden sind. Die Gruppe geht davon aus, dass die meisten der Opfer hingerichtet oder zu Tode gefoltert wurden. Kritisiert wird dabei vor allem die Untätigkeit der Besatzungsmächte: "Die britischen Medien und Politiker interessieren sich kaum für die Gewalt gegen Schwule und Lesben im Irak", erklärte IraqiLGBT-Chef Ali Hili. Daher könnten die Milizen und homofeindliche Kräfte in der Regierung ungehindert im Land agieren.

Bis 2001 war Homosexualität im Irak de facto legal, dann erließ der damalige Diktator Saddam Hussein ein Verbot. Bei Wiederholungs-"Tätern" war die Todesstrafe möglich. Derzeit gibt es zwar kein ausdrückliches Homo-Verbot, allerdings können Schwule wegen "unsittlichem Verhalten" oder "Verbreitung von Krankheiten" belangt werden. Die Milizen können unabhängig von den Gesetzen agieren. Aufgrund der prekären Lage hat Amnesty International europäische Staaten kritisiert, die nach wie vor homosexuelle Iraker in ihr Heimatland zurückschicken (queer.de berichtete). (dk)



#1 micha271
  • 25.06.2010, 16:13h
  • So lange ich lebe, wird es diesem Muktada al-Sadr nicht gelingen, Homosexualität auszulöschen. Und wenn ich weltweit der einzige überlebende Schwule sein sollte!! Er müsste mich demnach auch töten!!!
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#2 stromboliProfil
#3 warhorseAnonym
#4 AntifaschistaAnonym
  • 25.06.2010, 18:14h
  • Na bitte, da hat die "Befreiung" des Irak doch etwas gebracht!

    So sieht also Freiheit und Demokratie a la US-Imperialismus aus?

    Wo bleiben die Aktionen der US-Truppen und der US-Regierung gegen derartiges Vorgehen?

    @Michael Daiber: Tja, mit dem ausrotten ist das so eine Sache, denn mit jeder neuen Generation sind wir wieder da!

    @Stromboli: Ich glaube das Du da nicht der einzige bist, nur würde das dann wieder auf die Homosexuellen zurück fallen, oder?
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#5 GAY POLICEAnonym
#6 FloAnonym
#7 stephan
  • 25.06.2010, 20:11h
  • Fatalerweise muss man den Islamisten auch - zumindest in folgendem Punkt - recht geben:
    Dem Westen ging und geht es nie um Rechtsstaatlichkeit - weder im Irak, noch in Afghanistan. Hauptsache man hat die Hand drauf und kann im Hintergrund die Fäden ziehen. Welche Art von Staat sich dann unterhalb dieser Ebene entwickelt, ist offensichtlich unwichtig. Menschenrechte, die Absetzung eines menschenverachtenden Diktators und Mörders sind genau so vorgeschoben, wie die nie gefundenen Massenvernichtungsmittel. Was sind schon ein paar Angehörige von Minderheiten wert im Vergleich zu 'unseren' Rohstoff- und Wirtschaftsinteressen! Und wie praktisch: Jetzt definiert man ein 'befreites Land' als Rechtsstaat und kann um so leichter Menschen wieder los werden, die gerade ihr Leben gerettet glaubten! Menschenrechte, Moral, Geist und alles das, worauf sich der Westen immer so viel einbildet, das galt aber neben den Machtinteressen nie etwas!
    Die Rede von Hilary Clinton zum Pride Month klingt angesichts solcher Zustände leider nur noch wie Hohn ... so leid es mir auch tut!
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#8 seb1983
  • 25.06.2010, 21:10h
  • Antwort auf #4 von Antifaschista
  • Das Problem dabei:
    Wenn die Amerikaner versuchen schwule Männer zu beschützen, gar Gleichberechtigung oder Diskriminierungsschutz fordern, wird das MASSIV Proteste in der Bevölkerung auslösen. LEIDER, sage ich ganz klar! Man wird dieses Pulverfass also nicht öffnen und einfach ignorieren und zynisch diese Lynchjustitz akzeptieren um mit den Islamisten ins Gespräch zu kommen.
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#9 GulfoilbylAnonym
#10 AntifaschistaAnonym
  • 26.06.2010, 07:27h
  • Antwort auf #8 von seb1983
  • DAS PULVERFASS oder besser die Büchse der Pandorra wurde allein damit geöffnet, das die USA unter dem Deckmantel der "Terrorismusbekämpfung" und wegen angeblicher ABC-Waffen den Irak überfallen haben. Dabei ging es von Anfang an nur um die Öl- & Gasfelder, denn diese werden jetzt von US-Firmen ausgebeutet.

    Und: Warum sollten die US-Truppen nicht gegen diese Gruppierung vorgehen Sie selbst haben immerhin durch diese Geruppen massive Verluste.

    Nein, ich denke eher das es den USA scheißegal ist, denn wer mit Religiösen Fanatikern im eigenen Land gegen Schwule hetzt, wer Evangelikale Missionare nach Afrika schickt und wer als Präsident angeblich seine Befehle direkt von Gott erhält, wird niemals etwas für Schwule tun. Warum auch, das Feindbild ist das selbe.
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