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Kritikerin der Szene: Judith Butler

Im Interview mit queer.de verrät die Gender-Theoretikerin, warum sie den Zivilcouragepreis abgelehnt hat, was beim CSD falsch läuft und was dagegen getan werden muss.

Von Christian Scheuß

Das war ein ganz schön lauter Knall, den Du mit der Verweigerung des Zivilcouragepreises erzeugt hast. Die Kommerzialisierung des Berliner CSDs war als einer deiner Kritikpunkte genannt worden. Aber Du hattest einen viel schwerwiegenderen Vorwurf erhoben: Rassismus in der Community...

Es gibt von meiner Seite aus weder besondere Kritik an der kommerziellen Ausrichtung der CSD-Parade noch habe ich gesagt, er sei zu oberflächlich. Ich liebe den "Pride" und das man sich dort mit anderen aus der LGBTQ-Community auf der Straße amüsieren kann. Doch es ist traurig, dass dieser Pride nicht genug getan hat, um Verbindungen zu weiteren Minderheiten zu knüpfen oder sich gegen jedwede Form von Rassismus zu erheben.

Das war "Großes Theater", so ein Kommentar zu Deinem Auftritt. Hattest Du das so von Anfang an geplant oder war es eher eine spontane Entscheidung?

Ich kam nach Berlin mit der vollen Überzeugung, den Preis annehmen zu wollen, aber ich wurde schnell von einer Anzahl von Gruppen angesprochen und gebeten worden, darauf zu verzichten. Ich habe mich mit ihnen getroffen, ihr Material gelesen und nach den Belegen gefragt, die zeigen, dass der CSD beziehungsweise dessen Sponsoren explizit rassistische Ansichten haben. Oder auch, wo der CSD es versäumt hat, sich von Mitgliedern, die solche Ansichten vertreten, zu distanzieren. Die Beweise, dass es eine Menge an Rassismus gibt waren so überzeugend, das ich am Tag vor der Verleihung entschied, den Preis ablehnen und meine Beweggründe dafür öffentlich machen zu wollen.

Woher kommen diese Ab- und Ausgrenzungen, die dir mitgeteilt worden sind?

Vielleicht sollten wir zunächst fragen, wer denn überhaupt die LGBT-Community ist. Denn sie sollte queere Menschen, die mit anderen Hautfarben und solche aus weiteren Minderheiten mit einbeziehen. Doch wenn wir uns verhalten, als gehöre LGBT den dominierenden Communities und sei vorrangig etwas für Weiße, dann haben wir bereits einen Fehler gemacht. Denn wir denken dann aus der Sicht der Unterschiede innerhalb dieser Vereinigung, seien es kulturelle, religiöse oder ethnische Verschiedenheiten. Viele der kleinen queer-Minderheiten haben Ängste entwickelt gegenüber der dominanten Gay-Community, die eine Politik des Rassismus entwickelt und fördert.

Weniger Caipirinha, mehr Kommunikation - oder wie sähe ein CSD aus, bei dem Du glücklich wärest, den Zivilcouragepreis anzunehmen?

Ich wünschte, die Umstände wären die richtigen gewesen, um diesen Preis anzunehmen. Mein Gefühl ist, dass der CSD eine stärkere Allianz mit dem Transgenialen CSD eingehen sollte. Das würde bedeuten, man träfe sich regelmäßig, um über das öffentliche Auftreten zu entscheiden, und es hieße, eine starke Position gegenüber Rassismus einzunehmen. Es kann keine starke Bewegung gegen Homophobie geben ohne eine starke Bewegung gegen Rassismus. Das fühle ich nicht nur als jemand mit einem jüdischen Hintergrund, sondern auch als jemand, der glaubt, dass Antisemitismus eine von vielen Formen des Rassismus darstellt. Bekämpfen müssen wir sie alle.

Die CSD-Organisatoren hatten nach dem Eklat angekündigt, den Dialog mit Dir suchen zu wollen. Wie ist das verlaufen?

Ich hatte selbstverständlich diesen Kontakt und ich habe auch klargemacht, dass ich keine Erstattung der Kosten dieser Reise mehr haben wollte. Sie haben das Geld in weiser Entscheidung den Gruppen gegeben, mit denen ich vorab die Gespräche geführt hatte. Ich glaube auch, dass die CSD-Organisatoren den Dialog mit diesen Gruppen eröffnen werden. Wenn das klappt, wäre es die glückliche Konsequenz eines unglücklich verlaufenen Events.

Wöchentliche Umfrage

» Was sagst du zu Judith Butlers Auftritt auf dem Berliner CSD?
    Ergebnis der Umfrage vom 21.6.2010 bis 28.6.2010


#1 MarekAnonym
  • 27.06.2010, 18:47h
  • "dass der CSD beziehungsweise dessen Sponsoren explizit rassistische Ansichten haben. "

    Das ist nicht nur sachlich falsch, sondern geradezu beleidigend.

    Damit beweist Frau Butler die Falschheit ihrer These, da sie auf die Propaganda anderer Gruppierungen reinfällt.

    Man muss immer sehen, wer der Agressor ist und wer darauf reagiert. Und da hat sich Frau Butler wohl einseitig informiert bzw. beeinflussen lassen.

    Fakt ist:
    jeder mir bekannte CSD in Deutschland steht allen Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen offen. Er steht sogar allen Heteros offen, die sich für Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen wollen. Und das unabhängig von Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Hautfarbe, etc.

    So gibt es bei den meisten CSDs schwul-lebische Türken, Griechen, etc. die mit eigenen Gruppen mitgehen.

    Aber:
    genauso muss klar sein, dass ein CSD in erster Linie zur Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transexuellen dient. Es gibt sicher noch genug andere Probleme auf der Welt, aber man kann nicht alles in einer Aktion zusammenfassen. Dann wird es so sehr verwässert, dass man am Ende gar keine Aussage mehr hat und niemandem geholfen ist.

    Wenn z.B. bestimmte Migrantengruppen Homosexualität ablehnen oder gar gewalttätig werden, dann muss man das doch sagen können. Wem hilft das Verschweigen der Wahrheit?

    Aber genauso ist aus denselben Migrantengruppen jeder willkommen, der kein Problem damit hat. Nur wenn jemand ein Problem mit Schwulen und Lesben hat, muss man das auch kritisieren dürfen, egal welche Hautfarbe oder Nationalität er hat.

    Wir sind ja nicht die Leute, die von uns aus jemanden ausschließen, sondern bei uns ist jeder willkommen. Nur wenn jemand ein Problem mit uns hat, kritiseren wir das auch. Das ist aber weder populistische Hetze noch sonst was.

    Wir können einfach nicht auf CSDs auch noch tausend andere Forderungen stellen, dazu fehlt uns Geld und Personal. Erst recht nicht, wenn uns Leute wie Frau Butler in den Rücken fallen, statt uns zu unterstützen.

    Aber nur weil wir nicht auch noch tausend andere Forderungen stellen, heißt das nicht, dass wir diese nicht auch teilen! Nur geht es bei einem CSD halt in erster Linie um unsere Gleichstellung und nicht um andere Minderheiten, Umweltschutz, Globalisierung oder was sonst noch alles Demos wert wäre.

    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Und eines darf man auch nie vergessen:
    von allen Minderheiten stehen wir nochmal ganz unten (alleine schon durch Art. 3 GG, wo wir im Gegensatz zu Hautfarbe, Religion, etc. nicht genannt werden)! Sollte Frau Butler da nicht eher fordern, dass die anderen Minderheiten, die schon viel weiter sind als wir erst mal uns unterstützen, bevor wir uns jetzt auf andere Themen als Homogleichstellung konzentrieren?
    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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#2 UweBerlinProfil
  • 27.06.2010, 18:57hBerlin
  • Antwort auf #1 von Marek
  • Frau Butler soll endlich KLARE Beweise für Rassismus von CSD-Ausrichtern benennen.
    Kann ich mir kaum vorstellen sowas.

    Eine "normale" Kritik an Islam-Gläubigen und deren schwierigen Rollenbildern muss erlaubt sein genauso wie Rassismus und unberechtigte Ablehnung nicht ok wäre.

    Außerdem muss nicht nur der CSD und seine Organisationen in Richtung Migranten gehen, sondern die Migranten sollen sich endlich mal aus ihren Parallelwelten heraus- und auf die Menschen ihrer Umgebung zu bewegen.

    Gestern beim t CSD habe ich Migranten überwiegend bis fast ausschl. als Gastronomen am Straßenrand erlebt. Nett, freundlich und die Kassen klingelten eben.

    Es ist einfach erbärmlich, so pauschale Kritik gegen eine Organisation zu äußern und keinerlei konkrete Belege dafür zu liefern.
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#3 marek 007Anonym
#4 NorthsideProfil
  • 27.06.2010, 19:06hHamburg
  • Ich kann Marek nur zustimmen. Frau Butler macht einen Denkfehler und meint wohl ausschließlich nur die Muslime mit der Rassismuskritik, wenn sie ehrlich ist. Wenn ich mich gegen die Ideologie des Islam äußere, dann bin ich nicht automatisch gegen Menschen die aus diesen Kulturkreis kommen, sondern sehe zum Beispiel schwule Muslime auch als Opfer diese Ideologie, die sich in der Regel nicht aussuchen durften.
    Darum sticht es auch mit der angeblichen Doppeldiskriminierung nicht. Sehr gut ist der Satz "Man muss immer sehen, wer der Agressor ist und wer darauf reagiert". Das ist ein wahres Wort. Schwule die Muslime auf offene Straße verprügeln oder auch nur beleidigen sind mir nicht bekannt und ich habe bislang auch keine islamischen Vereinigungen gehört, die das behaupten. Manche Homosexuelle sind leider wie dumme Schafe, die meinen das der Wolf Vegetarier ist. Leider macht diese Dummheit auch bei vermeintlich intellektuellen Personen keinen Halt.

    Ein weiteres wahres Wort von Marek ist auch "Nur wenn jemand ein Problem mit uns hat, kritisieren wir das auch". Ja, so ist es! Das gilt für die Katholiken, orthodoxen Juden, Konservative Parteien/Gruppen etc. Wieso das ausgerechnet nur bei Muslime Rassismus sein sollte, geht mir nicht in den Kopf.
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#5 UweBerlinProfil
  • 27.06.2010, 19:16hBerlin
  • Antwort auf #4 von Northside
  • Zutsimmung.

    Das Interview ist da leider wenig erhellend.
    Man sollte Frau Butler mal auf klare Aussagen festnageln.

    Sie will eine Zusammenarbeit zwischen dem transgenialen und dem großen CSD - wie sollte das funktionieren? Wenn ich mich nicht irre, hat sich die Veranstaltung bewusst gespalten, weil eben einigen der große CSD nicht zu politisch genug, aber zu kommerziell und oberflächig war.

    So große Unterschiede konnte ich gestern beim t CSD nicht erkennen, außer natürlich, dass das alles wesentlich "niedriger" und "primitiver" angesiedelt war, weil keine großen Sponsoren dahinter standen.

    Einen höheren Anteil, größeren Einbezig von Migranten konnte ich ebenfalls nicht sehen, es sei denn, man bewertet die - wohl eher heterosexuellen - Betreiber der Gastronomiestände als solche. Aber da stand wohl eher der Kommerz und klingelnde Kassen im Vordergrund.

    Die "deutschen" Schwulen, Lesben, Transgender etc blieben in einem großen Haufen von Sehen und Gesehen-werden unter sich. Wir sind dann nach 2 teuren Caipirinha (mag kein Bier) gegangen - zumal mir noch nicht mal die Musik gefiel. Die Bühnenshow war ganz ok. Aber so umgemünzte Schlager (Aber bitte mit Sahne etc) sind auch nicht so mein Fall.
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#6 marek 008Anonym
#7 NorthsideProfil
  • 27.06.2010, 19:26hHamburg
  • Gähn, ist wieder die "ich sehe einen Fred überall"-Krankheit bei Dir ausgebrochen? Wieviel Usernamen hast Du eigentlich?
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#8 darkon
  • 27.06.2010, 19:35h
  • Wer kam eigentlich auf die Idee einer Person die sich für Vorwürfe ala "Rassismus" aufs Hörensagen verlässt einen Zivilcouragepreis zu verleihen?

    Klar, wenn ich ins Ausland gehe und mir dort irgendwer sagt "das sind hier alle ganz böse Leute außer mir" stelle ich mich sofort auf die Bühne und verbreite die Botschaft, daß da alle ganz böse sind... da hab ich mich ja ausgiebig informiert gehabt und mit verschiedenen Quellen befasst...

    Für was sollte die Frau eigentlich den Preis bekommen? Im Netz konnte ich nichts finden über ihre "Gender-Theorie" (hat sie die Theorie aufgestellt, daß es mehr als ein Geschlecht gibt oder was? )
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#9 darkon
  • 27.06.2010, 19:39h
  • Antwort auf #1 von Marek
  • Zitat von Marek:
    Und eines darf man auch nie vergessen: von allen Minderheiten stehen wir nochmal ganz unten (alleine schon durch Art. 3 GG, wo wir im Gegensatz zu Hautfarbe, Religion, etc. nicht genannt werden)!

    Das ist ja der Knackpunkt.
    Diese Frau Butler hat offensichtlich gar keine Ahnung über unsere Gesetze, den Zustand unserer Gesellschaft, die Aktivisten der CSDs etc. etc. aber sie nimmt sich das Recht heraus vom hohen Roß herab zu Urteilen.

    Wenn sie wissenschaftlich genauso gut arbeitet sollte ihr schnellstens jeglicher akademischer Titel aberkannt werden.
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#10 Mister_Jackpot
  • 27.06.2010, 20:16h
  • Boah seid doch wenigstens ehrlich. Dass es unter Schwulen viel Rassismus gibt ist jawohl nichts neues. Als halber Ausländer UND schwuler Mann weiss ich das nur allzu gut...auch wenn hier einige wieder versuchen das Thema auf Muslime zu lenken um die es hier überhaupt nicht geht und die Butler auch überhaupt nicht meinte, wenn man das Interview mal wirklich richtig lesen würde...aber auch hier unter den Kommentatoren zeigen sich wieder rassistische Züge. Und nein ich bin kein Muslim. Man muss auch mal Kritik annehmen können und genau das hat Frau Butler jetzt vielleicht positiv erreicht. Daher stehe ich weiterhin hinter der supergeilen Aktion von Frau Butler.
    Wie oft höre ich von sorry politisch gesehen dummen Schwuppen rassistische Vorurteile und hatte deswegen auch schon öfter mal Streit. Da heisst es dann sie könnten sich niemals vorstellen mit z.B. einem Türken zusammen zu sein...wegen des "kulturellen" Hintergrundes! Da könnt ich echt kotzen....kommt es bei der Liebe denn wirklich auf den kulturellen Hintergrund an? Das ist lächerlich. Viele denken auch, dass sie dann die Coming Out Probleme des Partners noch mehr zu spüren bekämen als wenn es ein deutscher Partner wäre! Aber auch wenns so wäre...ist eine Partnerschaft nicht dazu da sich gegenseitig zu unterstützen und eben keinen Ego Trip zu fahren nach dem Motto..ich will ne Beziehung, aber mit den Problemen des Partners will ich nichts zu tun haben. Das ist eindeutig KEINE Beziehung und ich finde sogar diesen Egotrip vieler Schwuler, der sich eben auch rassistisch ausdrückt (aber nicht nur, denn auch dickere und ältere Menschen werden gerne mal von Schwuppen attackiert!!!!!!!) viel schlimmer.
    Denkt mal bitte vernünftig über diese Kritik nach, denn im Grunde wisst ihr alle, dass ich recht habe....ich bin übrigens auch ein Szenegeschädigter aus Köln. Mittlerweile lehne ich die schwule Szene genau aus diesen Gründen immer mehr ab und ertrage es nicht zu lange nur unter schwulem Volk zu sein (am Kölner CSD werd ich dieses Jahr wohl nicht großartig teilnehmen)...ich würde mir mehr Solidarität unter sexuellen Minderheiten wünschen....egal welcher Herkunft, Körperfülle oder Alter...egal ob Frau oder Mann...egal ob Transsexuell oder Bisexuell. Ach und bevor ichs vergesse: Mir geht die steigende Frauenfeindichkeit unter Schwulen ebenfalls schwer aufen Senkel...von wegen die würden unten ja stinken und ähnliches bekommt man da von einigen ernsthaft zu hören....(woher will das ein schwuler Mann eigentlich wissen?)

    Frau Butler hat also ALLE diese Felder angesprochen ...NICHT nur Muslime...wobei es ihr wenn überhaupt nicht um den Dialog zu Muslimen ansich, sondern eher zu muslimischen SCHWULEN UND LESBEN ging....manche wollens echt nicht kapieren und rote Kästchen sind mir jetzt auch egal...

    Und bitte hört auf mit der dummen Islam Diskussion...die geht nämlich vollkommen am eigentlichen Thema vorbei...
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