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In der Tat: Der Berlin-CSD 2010 war anders als normal

Die Diskussion um die Rassismusvorwürfe von Judith Butler geht weiter. Der Berliner CSD e.V. nimmt Stellung:

Für uns überraschend hat Judith Butler am 19. Juni 2010 auf der Hauptbühne den Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. abgelehnt. In keinem der Vorgespräche, auch nicht unmittelbar vor ihrem Auftritt, hat Butler die gegen den CSD e.V. gerichteten Vorwürfe kommuniziert. Wir bedauern das außerordentlich, denn sie war offensichtlich schlecht und einseitig informiert.

Sie bezichtigte die Veranstalter rassistische Äußerungen gemacht zu haben, oder sich davon nicht zu distanzieren und wollte den Preis weiterreichen an GLADT, LesMigraS, SUSPECT und ReachOut. Wir haben auch nach diesem Vorfall den Kontakt mit Judith Butler aufrechterhalten und sie schrieb: "Ich verstehe, dass es besser gewesen wäre mit Euch vor oder nach der Veranstaltung ein Gespräch zu führen und diese Unhöflichkeit tut mir leid. Aber vielleicht am wichtigsten ist, dass der CSD mit den Gruppen Gespräche aufnimmt, die mich kontaktiert haben und deren Kritik am CSD und dessen angeschlossenen Organisationen tiefschürfend ist."

Der CSD Berlin wird ausschließlich vom Berliner CSD e.V. getragen und organisiert. Es gibt keine "angeschlossenen" Organisationen. Der Berliner CSD e.V. wendet sich seit jeher gegen jede Form des Rassismus, Sexismus und anderer Ausgrenzung und hat dies in seiner Arbeit auch immer kommuniziert. Eine der von Butler genannten Gruppen - die Lesbenberatung mit ihrem Antigewalt- und Antidiskriminierungsbereich LesMigraS - hat genau für diese Tätigkeit im Jahr 2006 bereits den Zivilcouragepreis erhalten: "Diese Einrichtung ist eine Institution - und weit über Berlins Grenzen hinaus bekannt. Seit 25 Jahren arbeitet sie dort, wo oft kein Glanz hinfällt, womit kein Ruhm zu ernten ist: Frauen zu helfen - in Coming-out-Fragen, in anderen Lebenslagen ebenso. Das Haus an der Kulmer Straße 20a ist ganz besonders für Migrantinnen zur ersten Adresse geworden, ihr "Schicksal" quasi nicht allein tragen zu müssen - als "Fremde" in Deutschland, oft rassistisch beäugt, als Lesbe obendrein. Für diese Arbeit gebührt der Lesbenberatung Berlin jede Anerkennung - und selbstverständlich der Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V."

Der Berliner CSD e.V. unterstützt den Transgenialen CSD

Der CSD e.V. hat bereits 2004 den Berlin Pride (zuerst nur als Kulturprogramm in der sogenannten Pride Week und seit 2008 auch als politisches und gesellschaftspolitisches Begleitprogramm) ins Leben gerufen. Das Ziel des PRIDE ist die Förderung schwullesbischer Kultur und die Darstellung der Community in Ihrer ganzen Vielfalt. Im Rahmen dessen fanden dieses Jahr mehr als 200 Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Comedy, Shows; Ausstellungen; Film; Sport; Vorträge, Konferenzen und Partys statt, unter anderem auch der Vortrag von Fr. Butler in der Volksbühne zum Thema "Queere Bündnisse und Antikriegspolitik." Wir sind stolz, dass wir es ganz im Sinne von Butlers "queeren Bündnissen" geschafft haben, hier Partnerschaften mit den unterschiedlichsten Organisationen zu bilden und deren Events, Ansichten und Anliegen an die breite Öffentlichkeit zu befördern. Dazu gehört im Übrigen auch der Transgeniale CSD, den der Berliner CSD e.V. als sehr gute Ergänzung des CSD ansieht und bereits seit zwei Jahren derartig unterstützt. Das Team des CSD Berlin wird auch dieses Jahr wieder am transgenialen CSD mitdemonstrieren, wie jedes Jahr in dem die beiden Veranstaltungen nicht parallel stattfinden und die Möglichkeit dazu besteht. Wir verstehen den CSD Berlin allerdings nicht als rein antikapitalistische Veranstaltung, sondern wenden uns mit der CSD Parade und anderen CSD Veranstaltungen gegen Trans- und Homophobie in allen Gesellschaftsbereichen und sind der Meinung, dass es auch in einem marktwirtschaftlichen System Trans- und Homophobie vehement bekämpft werden muss. Wir sehen selbst in der Teilnahme von den Lesben und Schwulen in der Union (LSU) an der CSD-Parade keinen Widerspruch in dieser Aussage, da diese Gruppe wichtige Aufklärungs- und Gleichstellungsarbeit in einer Partei betreibt, die als Ganzes Homo- und Transrechten eher negativ gegenübersteht. Gleichzeitig hat sich der Berliner CSD e.V. auch nicht davon abhalten lassen, die Parade vor der CDU-Parteizentrale anzuhalten, die Musik am Führungswagen auszuschalten und mit zahlreichen Engeln und Vuvuzelas, wie die Trompeten von Jericho, gegen das Konrad-Adenauer-Haus Sturm zu blasen.

Dem CSD e.V. ist der Streit und die Rassismusvorwürfe zwischen GLADT & LesMigraS und dem LSVD & Maneo durchaus bekannt, aber wir lassen uns dafür nicht in Geiselhaft nehmen. Der LSVD und Maneo haben nicht mehr Einfluss auf die Inhalte, Ausrichtung und Organisation des CSD als GLADT oder LesMigraS. Judith Butler hat, wahrscheinlich aus Unwissenheit, dem Berliner CSD e.V. für andere Organisationen eine Ohrfeige verpasst, womit wir allerdings problemlos leben können. Wir werden das zum Anlass nehmen, verstärkt ALLE Gruppen besser einzubinden.

Respektloses Theater gegenüber der Laudatorin

Auf der Website des transgenialen CSD kommentieren die Organisatoren den Auftritt von Judith Butler mit den Worten: "Wir finden das große Klasse, ganz großes Theater! Danke, Judith!" Der Berliner CSD e.V. sieht das ganz genauso. Auch wir finden es große Klasse, dass nach dem CSD heftigst über politische Aspekte von Homo- und Transphobie diskutiert wird. Wir sind auch der Meinung, dass es ganz großes Theater war! Gleichzeitig bedauern wir ausdrücklich, dass dieses Theater einerseits respektlos gegenüber ihrer Laudatorin und dem anderen, ebenfalls sehr verdienten Preisträger Martin Dannecker ist und andererseits respektlos gegenüber der Berliner queeren Community, die sich wie jedes Jahr vor dem CSD in fünf basisdemokratischen CSD Foren auf das Leitthema, Motto und die Forderungen des CSD Berlin geeinigt hat. Gerade 2010 hat sich gezeigt, dass die Berliner Community mit dem Thema "Normativität/Normalität" und der Hauptforderung Intersexuellen und Trans* Menschen ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben zu ermöglichen sehr wohl in der Lage ist, auch Minderheitenthemen innerhalb der Community vornan zu stellen. Diese berechtigten Forderungen sind nun in der Aufregung rund um Judith Butler fast vollkommen untergegangen.

Aus den uns vorliegenden Rückmeldungen ist ersichtlich, dass die Aktion von Judith Butler eher Gräben aufgerissen hat, als eine gemeinsame Gesprächsbasis zwischen den Organisationen zu schaffen. Der CSD e.V. wird selbstverständlich weiter das Gespräch mit den von Butler genannten Gruppen suchen, vermittelnd wirken und versuchen alle Positionen produktiv in die Gestaltung künftiger CSDs einzubinden. Wir laden GLADT, SUSPECT, LesMigraS und ReachOut hiermit ausdrücklich öffentlich ein - und nicht nur wie bisher über die allgemeinen E-Mails und in den Medien publizierten Aufrufe - sich ebenfalls an den CSD Foren zu beteiligen, ihre Forderungen einzubringen und in einem von Butler geforderten queeren Bündnis auch auf dem "großen" CSD ihre Forderungen zu kommunizieren.

In Ihrer Mail bat uns Fr. Butler, die in diversen Medien und Kommentaren aufgekommenen Vorwürfe über ihre Reisekosten klarzustellen, was wir gerne tun werden. Der CSD e.V. hat Fr. Butler kostenlos ein Zimmer im Hotel Adlon zur Verfügung gestellt. Außerdem hat der CSD e.V. 1.400 Euro für den Flug von Fr. Butler bereit gestellt, die vom Suhrkamp Verlag und Queer Nations e.V. co-finanziert wurden. Auf diese Flugkosten hat Fr. Butler im Nachhinein verzichtet. Wir werden diese 1.400 Euro unseres Zivilcouragepreisbudgets nun im Sinne der von Fr. Butler eingeforderten Weiterreichung ihres Preises an die vier von ihre genannten Organisationen zur Finanzierung ihrer wichtigen Arbeit spenden.

Wöchentliche Umfrage

» Was sagst du zu Judith Butlers Auftritt auf dem Berliner CSD?
    Ergebnis der Umfrage vom 21.6.2010 bis 28.6.2010


30 Kommentare

#1 Liedel
  • 28.06.2010, 19:26h
  • "Außerdem hat der CSD e.V. 1.400 Euro für den Flug von Fr. Butler bereit gestellt, die vom Suhrkamp Verlag und Queer Nations e.V. co-finanziert wurden."

    Das war dann aber keine Business- Class. Höchstens die von Air Berlin und das auch nur one way
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#2 GAY RUSSIAAnonym
  • 28.06.2010, 20:20h
  • Help us !

    GAZPROM Germania GmbH
    Markgrafenstraße 23
    D-10117 Berlin
    Telefon +49 (0)30 20195-0
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#3 schwarzwaldbub
#4 stephan
  • 28.06.2010, 23:17h
  • Antwort auf #1 von Liedel
  • Zurückfordern! Inhaltliche Stellungnahme gleichgültig! Aber wenn man seine Finanzquellen brüskieren will, dann sollte man so anständig sein, den Flug und die sonstigen Kosten selbst zu bezahlen und ... das gilt für Mrs. Butler wie für jede(n) Nobelpreisträger(in)! Alles andere ist unanständig - auch wenn man einen genialen Streich auszureichen meint!
    So viel Anstand muss sein - von den inhaltlichen Positionen völlig abgesehen"
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#5 schwarzwaldbub
  • 29.06.2010, 01:01h
  • Ich möchte Judith Butler für die „Homo-Gurke“ vorschlagen.

    Begründung:

    Judith Butler hat den CSD Berlin 2010 als rassistische Veranstaltung bezeichnet und die politische und soziale Arbeit der lgbt Gemeinschaft in Berlin mit Füßen getreten.
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#6 die karawaneAnonym
#7 predigerAnonym
  • 29.06.2010, 02:03h
  • Antwort auf #3 von schwarzwaldbub
  • danke für den link.
    feddersen hat ja noch nie so recht begriffen, dass es politische arbeit auch jenseits von auf die juristische ebene zielendem lobbyismus gibt. aber diese arbeit nicht nur nicht anzuerkennen, sondern sogar komplett zu leugnen ("nie ging es um anderes denn um bürgerInnenrechte"), das ist in seiner ignoranz und anmaßung schon einigermaßen schockierend.
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#8 AntifaschistaAnonym
#9 kleinkunstAnonym
#10 astlochAnonym