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Von Norbert Blech

Berlin Bis zu 300.000 Menschen feierten am Samstag den 26. Berliner CSD unter dem Motto "Homokulturell, Multisexuell, Heterogen". Eröffnet wurde die Parade mit 53 Wagen von Berlins Regierenden Schwulen Klaus Wowereit (SPD). Die Veranstalter sprachen von 500.000 Besuchern, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl am Nachmittag auf maximal 200.000. "Es sind eindeutig nicht so viele Menschen dabei wie im letzten Jahr", sagte ein Sprecher.

"Das ist eine lustige, eine bunte Demonstration", die aber auch politisch sei, so Wowereit zu Anfang. Politisch war vor allem der LSVD, der auf seinem Wagen großflächig die Regierung zum Handeln aufforderte (wobei aus LSVD-Sicht wohl nur Gerhard Schröder zu kritisieren ist, nicht etwa das eigene Mitglied Volker Beck). Die Grünen kamen diesmal ohne dicken Wagen und ohne dicke Claudias aus und fuhren Fahrrad, Volker Beck lief hingegen neben dem LSVD-Wagen her. Auffällig: die Wagen von FDP und LSU ziehen von Jahr zu Jahr mehr junge Besucher mit sich. Andere Wagen warben für Berlin als Austragungsort der Gay Games und setzten sich kritisch mit dem Thema Bareback auseinander. Einige Lesben demonstrierten gegen Kürzungen in der Frauenarbeit, junge Mütter mit Kindern für ein Adoptionsrecht.

Bei der Abschlusskundgebung an der Siegessäule kündigte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) rechtliche Verbesserungen für Lesben und Schwule an. "Wir werden die Stiefkindadoption zulassen, und ich bin mir sicher, dass wir auch etwas bei der Hinterbliebenenversorgung regeln werden", so Zypries. Der erste der beiden neuen Gesetzentwürfe, der unter anderem die Stiefkindadoption bringen soll, wird als Fraktionsentwurf am Freitag im Bundestag behandelt. Ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht werde es aber vorerst nicht geben, offenbar ebenso wie ein Antidiskriminierungsgesetz im Zivilrecht, dass auch Lesben und Schwule schützt. Hier gelte der Satz, dass "nicht jede Unterscheidung Diskriminierung" sei, so Zypries. Zudem gebe es im Privatrecht "keinen Handlungsbedarf". Dass man sich auch ohne Gesetz gegen Diskriminierung wehren könne, zeige ja gerade der CSD.

Der Koalitionspartner Volker Beck lenkte von diesen Unzulänglichkeiten in der deutschen Politik ab, in dem er seine Kritik an Polen mit viel Pathos erneuerte. Dort hatte es Gewalt gegen des CSD in Krakau und ein CSD-Verbot in Warschau gegeben. Das sei "einfach nur empörend", so Beck. Für "die Beseitigung von Diskriminierung" und "den Ausbau von Gleichberechtigung" müsse man in Polen und auch in Deutschland kämpfen, schließlich habe Bayerns Justizministerin erklärt, "die rot-grünen Pläne seien gegen die Werteordnung und gegen die Familie gerichtet." "Diese Gegenüberstellung - hier Homosexuelle und dort Familie - ist nicht nur falsch, sondern regelrecht perfide", so Beck, der das sicher auch schon seiner Parteikollegin und Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer erklärt hat. Auch Beck kündigte die Erneuerungen in der Lebenspartnerschaft an und forderte wie der LSVD "gleiche Pflichten und gleiche Rechte" - zum Antidiskriminierungsgesetz und zum Adoptionsrecht äußerte er sich nicht.

Mit dem mittlerweile inflationär verteilten Zivilcouragepreis wurden Andreas Wieske und das Xenon-Kino-Team, die Aktivistin Mahide Lein, der Comiczeichner Ralf König, die lesbische Bibliothek Spinnboden, das Schwule Museum und die Planer des CSDs in Warschau ausgezeichnet.

Keinen Preis zu gewinnen gab es hingegen beim Transgenialen CSD in Kreuzberg. Vor allem Klaus Wowereit stand wegen der Abschaffung des BVG-Sozialtickets in der Kritik. Der alternative, wenngleich wachsende CSD startete am Rathaus Schöneberg und machte am Heinrichplatz Pause, wo es einige Reden und eine Stürmung der örtlichen Karstadt-Filliale gab. Die Veranstalter hatten gefordert, das Kaufhaus mit mitgebrachten Second-Hand-Moden zu "beschenken" und somit auf Teuerungsraten und Lohnausbeutung hinzuweisen. Bei Karstadt zeigte man sich darüber nicht amüsiert; die Polizei war schnell zur Stelle, ließ niemand mehr rein und nahm drinnen von einigen die Personalien auf.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, auf dem Heinrichplatz und im angrenzenden SO 36 wurde bis spät in die Nacht gefeiert - ausgelassen und ausgesprochen multikulturell. Vielleicht sollten sich einige Vertreter des Berliner LSVDs und auch der ein oder andere schwule Redakteur mal hierhin trauen, um demnächst differenzierter über dem Umgang "der" Migranten mit den Homosexuellen berichten zu können.



#1 BerlinerinAnonym
  • 28.06.2004, 18:16h
  • Verschrieben oder schlecht recherchiert? Der Kreuzberger Transgeniale CSD startete mitnichten am Rathaus Schöneberg, sondern am Rathaus Neukölln.
    *scnr*
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