Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?12413

Holte in den Zwanzigern die Revueoperette von Weltformat nach Berlin: Erik Charell

Das Schwule Museum in Berlin präsentiert die weltweit erste Ausstellung zu Leben und Werk des schwulen Tänzers, Choreographen und Theaterleiters Erik Charell (1894-1974), einem der großen ‚Macher' der glanzvollen Revueoperetten der Zwanziger Jahre in Berlin. Zugleich widmet sich diese Ausstellung international erstmalig dem Thema "Homosexualität & Operette".

Erik Charell holte in den Zwanziger Jahren die Revue und Revueoperette von Weltformat nach Berlin und erzielte mit Produktionen wie "Von Mund zu Mund" (mit Claire Waldoff und Marlene Dietrich), Casanova (mit den Comedian Harmonists), "Drei Musketiere" (mit Siegfried Arno) und "Im weißen Rössl" (mit Max Hansen, Otto Wallburg und Paul Hörbiger) Erfolge, die bis heute Maßstäbe setzen, was die Verbindung von Bewegung, Musik, Ausstattung, Stars und Glamour angeht. Aber auch was die Verflechtung von homosexuellem Subtext mit massentauglicher Unterhaltung betrifft (alle Titel mit Musik von Ralph Benatzky).

Anfang der Dreißiger Jahre wechselte Charell zum neuen Erfolgsmedium Tonfilm und lieferte mit "Der Kongress tanzt" (Musik W.R. Heymann) einen weiteren Welterfolg, der bis heute international als Klassiker des Genres Musikfilm gilt. 1950 kreierte Charell mit "Feuerwerk" ("O mein Papa!") die erfolgreichste Operette der Nachkriegszeit (Musik Paul Burkhard). Danach zog er sich aus Frustration über die deutsche heimatfilmselige Operettenszene vom öffentlichen Leben zurück und sammelte professionell Kunst.


1950 kreierte Charell mit "Feuerwerk" ("O mein Papa!") die erfolgreichste Operette der Nachkriegszeit

Thomas Hermanns gründete kürzlich als Hommage an Charell die Interessensgemeinschaft "East End: Das Theaterviertel in Berlin". "Erik Charell ist bis heute in der breiteren deutschen Kulturszene kein household name - und das muss sich ändern", sagt Hermanns. Der Regisseur verkörpere für ihn "bis heute den Glamour und den Schwung des wohl unterhaltsamsten Theaterjahrzehnts der deutschen Hauptstadt": "Hier war unter Charells Regime immer schon Witz, Musik, Glanz und Sexiness Trumpf, hier turnten schöne Tänzer in knackigen Lederhosen durch ein üppiges Bühnenbild vom Wolfgangsee, hier war ‚Camp' König, bevor es den Begriff überhaupt gab."

Für die Ausstellung im Schwulen Museum konnten viele Zeugnisse zu Charells Leben und Wirken aus Berlin, München, Köln, Zürich und New York zusammengetragen werden, inkl. eines 3D-Architekturmodells vom Großen Schauspielhause, originale Kostüm- und Bühnenbildentwürfe von Ernst Stern, Fotos der Charell-Stars und der legendären Bühnen- und Filmproduktionen aus Berlin, München, Paris, London, Broadway und Hollywood.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Kevin Clarke (Direktor des Operetta Research Centers in Amsterdam, Autor mehrerer Bücher und Artikel zu Charell), Wolfgang Theis (Vorstand des Schwulen Museums) und Anke Vetter. (pm)

Glitter and be Gay - Erik Charell und die schwule Operette, Eröffnung am Mittwoch 7. Juli 2010 um 19 Uhr im Schwules Museum, Mehringdamm 61, 10961 Berlin, Dauer: 8. Juli bis 27. September 2010