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Ein melancholischer Blick zurück in die 80er

Rosa von Praunheim besucht in "New York Memories" seine Lieblingsstadt, in der er in den 70er und 80er Jahren das volle schwule Leben kennen lernte - heute hat sich einiges verändert.

Von Dennis Klein

Erzählt der inzwischen 67-jährige Regisseur von Manhattan, dann kommt er schnell ins Schwärmen. Von der kämpferischen Atmosphäre, in der schwule Aktivisten nicht weniger als die Welt verändern wollten. Vom Meatmarket-Distrikt, in dem er große, starke Männer in dunklen Hinterzimmern traf. Oder von den Lagerhallen am Ende der Christopher Street, in denen immer eine schnelle Nummer geschoben werden konnte. So war es bis in die 80er Jahre - dann kam Aids, Rudy Giuliani und Nine/Eleven.

In mehreren Filmen hat Praunheim bereits seiner Stadt ein Denkmal gesetzt. 2009 kehrte er zurück, um zu sehen, was aus seinen alten Freunden geworden ist und wie die nächste Generation zurecht kommt. Er porträtiert eine Reihe von deutschen Migrantinnen, denen er schon 20 Jahre zuvor in "Überleben in New York" ein Denkmal gesetzt hatte. Wie damals ringen sie noch um ihre Lebensentwürfe - sind aber im Laufe der Jahre etwas gesetzter geworden.

Heute sieht die ganze Stadt ganz anders aus. Manhattan ist aufgeräumt, relativ sauber, relativ sicher und relativ langweilig geworden, so Praunheims Fazit. Die Mieten für ein kleines Apartment sind von 300 Dollar auf 3.000 Dollar gestiegen - und damit haben Lebenskünstler und Aktivisten die Herrschaft abgegeben an Banker und Versicherungsangestellte.

Youtube | Trailer "New York Memories"

Glamour-Journalistin statt Gogo-Tänzerin


Rosa von Praunheim dreht seit über vier Jahrzehnten Filme und Dokumentationen.

Es wird viel diskutiert über die Rolle von Bürgermeister Rudy Giuliani, der von 1994 bis 2001 die Geschicke der Stadt leitete. Nicht alle Protagonisten des Films sind unglücklich über den Law-and-Order-Republikaner. So berichtet die Münchnerin Claudia, wie sie früher im unsicheren, alten New York eine Vergewaltigung in der eigenen Wohnung erlebte. Heute fühlt sich die ehemalige Gogo-Tänzerin sicherer - und ihrer bewegten Vergangenheit ist eine eher mondäne Gegenwart gefolgt: "Geld verdient man heute im Journalismus mit Glamour", verkündet sie.

Der Geist der Rebellion, den Praunheim in der Schwulenbewegung der Stadt geliebt hat, ist immer schwieriger zu finden. Das zeigt sich etwa an der Geschichte eines jungen Transsexuellen: Praunheim trifft in dem Film seinen alten Regisseur wieder, mit dem er 1989 "Überleben in New York" gedreht hatte. Dessen Tochter hat sich im Alter von zwölf Jahren auf YouTube als transsexuell geoutet und lebt jetzt - 13-jährig - als Isaac mit seinen Eltern. Anders als seine Vorgängergeneration will er nicht auf die Barrikaden, sondern ist genervt, dass ihn seine Mutter immer auf "Gender-Events" schleppen will.

Überlebenswillen ohne soziales Netz

In New York spürt Praunheim jedoch weiterhin die "unvergleichliche Energie" und den "Überlebenswillen" seiner Einwohner, die aus der ganzen Welt kommen, um ihr Glück zu versuchen. "Hier gibt es kaum soziale Absicherung, und das macht die Leute so vital und erfinderisch", erklärte der Regisseur in einem Interview. Und tatsächlich hat man bei den Protagonisten den Eindruck, dass sie geradezu darin schwelgen, es ohne Kranken- und Arbeitslosenversicherung geschafft zu haben. Das soziale Netz wartet über dem großen Teich.

Praunheims Porträt der Stadt ist spannend - auch für Leute, die mit seinem teils oberlehrerhaften Ton nicht viel anfangen können. Er zeigt melancholisch, wie die alte Spielwiese New York inzwischen Starbucks mehr zu lieben scheint als kleine Theater und Galerien. Ob das Publikum dem großen alten Mann der deutschen Schwulenbewegung noch wie früher an den Lippen hängt, ist allerdings fraglich: In der Kölner Pressevorführung von "New York Memories" haben sich gerade mal zwei Journalisten ins Kino verirrt.

Galerie:
New York Memories
4 Bilder


14 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 16.07.2010, 11:51h
  • Wie die Geschichte gelehrt hat, ist New York 1969 durch den Stonewallaufstand erstmals zu schwulen bzw. lesbischen Ehren gelangt. Hoffentlich wird es die Doku auch ins Fernsehen schaffen. Denkbar wären eine Ausstrahlung auf TIMM und ARTE bzw 3sat. Ich würde sie mir auf jeden Fall ansehen.
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#2 fatiguantAnonym
#3 MarkAnonym
  • 16.07.2010, 17:30h
  • ah wieder praunheim stunde!

    also es verhält sich ja wie bei a.schwarzer: man schätzt die leute was sie für die menschheit erreicht haben, aber schüttelt immer auch den kopf darüber, wie sie autonomie definieren.
    ich muss mir halt keine federboa umhängen um gegen den strom zu schwimmen. autonomie zeigt sich im denken/fühlen, dann wird auch immer vernünftig und tolerant gehandelt.

    lehrt uns/ihnen bitte empathie statt rebellion!
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#4 MiseryAnonym
  • 16.07.2010, 17:56h
  • "Hier gibt es kaum soziale Absicherung, und das macht die Leute so vital und erfinderisch"

    Er sollte sich wohl eher einen "Gays FOR Guido"-Sticker anstecken, wenn er so einen Schwachsinn verzapft. Armut und fehlende soziale Absicherung machen krank, während die Räuber des Volksvermögens Champagner schlürfen!
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#5 Liedel
  • 17.07.2010, 04:06h
  • "Die Mieten für ein kleines Apartment sind von 300 Dollar auf 3.000 Dollar gestiegen - und damit haben Lebenskünstler und Aktivisten die Herrschaft abgegeben an Banker und Versicherungsangestellte."

    Willkommen in Berlin 2020. Entwicklungen wie diese bereits dank Gentrifizierung in Prenzlberg und Friedrichshain zu beobachten, demnächst auch Nord- Neukölln.

    Ich mag Praunheim- Filme. Doch...
    "In der Kölner Pressevorführung von "New York Memories" haben sich gerade mal zwei Journalisten ins verwaiste Kino verirrt."
    Egal ob homo oder hetero: bei allem Respekt vor dem Wirken und Schaffen betagterer Herrschaften MUSS irgendwann einmal Platz für Jüngere geschaffen werden, gerade auch finanziell, sonst wirkt das Lebenswerk (auch dank der ständigen Lobhudelei) irgendwann abgegrapscht, mit einem zu starken Drang ins Konservative: siehe Alice Schwarzer, siehe auch R.v.P....
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#6 FelixHHProfil
  • 18.07.2010, 22:30hHamburg
  • Ja klar, die alten praunheim-Klischees dürfen natürlich nicht fehlen

    wer den film gesehen hat, weiss, dass Rosas Statements bzgl. kreativität nicht auf arme menschen abzielen, sondern auf künstler.

    egal, toller film - ich habe ihn gesehen. originelle Typen und interessante lebenstentwürfe in einer fazinierenden stadt.
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#7 gatopardo
  • 19.07.2010, 13:43h
  • Antwort auf #3 von Mark
  • Schade, dass einer der wenigen aufmischenden schwulen Künstler wie Praunheim so wenig Achtung in seiner Heimat findet. Aber auch er ist nicht perfekt, so wie z.B. die mangelnde Beherrschung der schwierigen deutschen Deklinationen, wo man LEHREN immer mit dem 4.Fall beugen sollte !
    Auch eine Form von Empathie !
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 MarkAnonym
#10 stromboliProfil
  • 19.07.2010, 21:53hberlin
  • Antwort auf #9 von Mark
  • schade.. das würde dein gehör schulen für kommendes ...
    gerade wenn man etwas erlernen will muß man den ursprung , seine herkunft erarbeiten.. dann macht der genuss, seis musik, seis deine sexualität mehr spass! &
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