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Zog persönliche Konsequenzen aus der Missbrauchs-Affäre in der Kirchengemeinde Ahrensburg: Maria Jepsen

Die homofreundliche Hamburger Bischöfin Maria Jepsen ist von ihrem Amt zurückgetreten, weil sie ihre Glaubwürdigkeit beschädigt sieht.

Von Carsten Weidemann

Tagelang wehrte sich Maria Jepsen gegen Vorwürfe, einen Missbrauchsfall in der evangelischen Kirche vertuscht zu haben - jetzt ist die Hamburger Bischöfin von ihrem Amt zurückgetreten. "Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt. Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe", sagte die 65-Jährige am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Der Rücktritt löste landesweit Bedauern aus - insbesondere bei Schwulen, Lesben und Menschen mit HIV und Aids. So verabschiedeten die Teilnehmer der Hamburger Veranstaltung "Trauer und Tod lassen das Leben und Lieben neu entdecken" - Zu den Anfängen von Aids-Seelsorge und Memento e.V.", an der Jepsen eigentlich teilnehmen wollte, eine spontane Solidaritäts-Erklärung. "Bischöfin Jepsen hat sich in besonderer Weise stets für Menschen engagiert, die sexuelle Diskriminierung erfahren und unter sexualisierter Gewalt gelitten haben", heißt es in der von Pastor Gunter Marwege verbreiteten Stellungnahme: "Ganz besonders verdankt ihr die Aids-Seelsorge seit ihrer Gründung im Jahr 1994 eine entschiedene und liebevolle Unterstützung."

Maria Jepsen gilt als eine der offensten Theologen im Führungszirkel der evangelischen Kirche. Ihre Wahl zur Bischöfin 1992 galt damals als Sensation: Nie zuvor hatte bei einer lutherischen Bischofswahl weltweit eine Frau gesiegt.

Jepsen wurde in den vergangenen Jahren häufig für ihre liberalen Ansichten kritisiert. So erklärte die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen vor wenigen Jahren, dass die homofreundlichen Ansichten Jepsens nicht mit der biblischen Botschaft zu vereinbaren seien (queer.de berichtete). Jepsen hatte damals erklärt, dass es in der Bibel keine Verbotsschilder gebe "für Andersdenkende, Anderslebende, für Homosexuelle".

Zuletzt hatte Jepsen Ende Mai bei einem Gottesdienst in der Hamburger St. Georgskirche die von christlichen Kirchen über Jahrhunderte durchgeführte Verfolgung von Schwulen und Lesben heftig kritisiert. (queer.de berichtete).



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.
#1 bastapapsta
  • 16.07.2010, 20:45h
  • "Kirchen laufen Sturm gegen Antrag auf Ehe-Öffnung"

    "Auch die Sprecherin der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg sieht die Ehe als "traditionelles Kulturgut" - und damit als exklusiv heterosexuelle Einrichtung."

    www.queer.de/detail.php?article_id=12431

    Wo ist bzw. war da die Gegenstimme der "homofreundlichen" Frau Jepsen ???

    "Jepsen hatte damals erklärt, dass es in der Bibel keine Verbotsschilder gebe "für Andersdenkende, Anderslebende, für Homosexuelle". "

    Aha, also als die evangelische Kirche ( neben der katholischen)

    Warum hat sie die Aüsserung der Sprecherin von der evangelischen Kirche nicht kritisiert ??
    Kein Wort kam da von ihr. Erst die grosse Klappe haben, aber wenn Ranghöhere was sagen brav kuschen....

    Auch die evangelische Kirche sehe ich nicht als Alternative...
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#2 schwulenaktivist
  • 16.07.2010, 20:51h
  • Ich bin zu weit entfernt von der geschätzten Bischöfin Jepsen, um einen Stein werfen zu können. Doch das Thema Missbrauch ist wohl endgültig zur modernen Hexenjagd ausgeartet.

    Ich erinnere daran, dass es früher auch Hexen-Kinder gegeben hat, die auf den Scheiterhaufen gezerrt wurden. Glücklicherweise wird ein solches Schicksal den Kindern heute erspart werden. Und kein Kind kann schon "zurücktreten" ...
    Aber immerhin finden sich auch heute 11jährige Knaben, die 10- und 9jährige Kinder "sexuell missbrauchen". Mädchen können das nicht... (Presse)
    Das wirkliche Übel ist die Tatsache, dass alle moralisch Empörten sich nirgendwo in der Prävention engagieren, denn Kinder haben in deren Augen überhaupt keine Sexualität.
    Also werden laufend Täter und Opfer produziert, um diese dann später abstrafen zu können, möglichst noch mit einer Unverjährbarkeit, wie sie in der Schweiz kürzlich installiert worden ist! Die Lust am Bestrafen ist wohl ebenso unredlich, wie die Lust am Kind, das können Homosexuelle noch immer täglich erfahren!

    Derweil gibt es Tausende von Kindersoldaten und KinderarbeiterINNEn - aber dabei kann ja dann keines davon nur irgendwann an Sexualität denken...
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#3 VerschwörerAnonym
#4 Timm JohannesAnonym
  • 16.07.2010, 23:27h
  • Schade, schade, schade,....

    Nach Bischöfin Kässmann die zweite echt tolle Frau, die ihren Rücktritt in Deutschland erklärt.

    Meines Erachtens aber hätte es dieses Rücktrittes nicht bedurft. Sowohl bei Bischöfin Kässmann als jetzt auch bei Bischöfin Jepsen sind diese Rücktrittsentscheidungen überzogen und zu vorschnell .....

    Denn für mich haben beide Frauen uneingeschränkte Glaubwürdigkeit und mußten daher auch nicht zurücktreten.

    Wenn einige Bischöfe zurücktreten müßten, dann doch wohl eher bei den Katholiken, wo Kindesmissbrauch in Massen über Jahrzehnte ablief. Dort aber "kleben" die katholischen Bischöfe an ihren Ämtern und haben doch schon längst ihre Glaubwürdigkeit verloren.

    Das gerade vermag ich aber bei Bischöfinnen wie Kässmann und Jepsen nicht zu erkennen, die beide für mich ethisch weiterhin absolut integer und glaubwürdig sind.

    Für mich treten da genau die falschen Personen zurück und hätten besser bleiben sollen.
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#5 HandoAnonym
  • 16.07.2010, 23:28h
  • Bischöfin Jepsen - im besten Sinn eine aufrechte und ehrliche Protestantin! Vorbild für unsere Politiker und für Menschen in diesem Land, die Verantwortung tragen. Ihr Rücktritt ist ein großer Verlust nicht nur für christliche Schwule und Lesben, für die sie sich von Anfang an vorbehaltlos eingesetzt hat - gegen alle Widerstände aus der evangelikalen Ecke und der sogenannten Ökumene (römisch-katholische Kirche). Eine solche Persönlichkeit wie sie wird nicht leicht zu ersetzen sein.
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#6 Timm JohannesAnonym
  • 17.07.2010, 00:17h
  • So bedauerlich ich den Rücktritt ansehe; Bischöfin Jepsen ist dieses Jahr 65 Jahre alt geworden und wäre bald "sowieso" in Rente gegangen. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Nordkirche beschlossene Sache und 2012 wird im Norden Deutschlands dann die Fusion der nordelbischen Landeskirche mit der mecklenburgischen und vorpommerschen Landeskirchen erfolgen.

    Spätestens dann muss dort im Norden ein neuer Bischof/Bischöfin in Verantwortung, der diese grosse entstandene Nordkirche leitet, wobei ich dann auf Bischof Maltzahn in Schwerin wette, das der dies machen wird.

    ----

    Das ist auch ein grosser Unterschied der Landeskirchen der EKD: die Leitungsspitze der evangelischen Bischöfe besteht aus Menschen, die zwischen 50 Jahre und Ende 60 liegen. Dort hören evangelische Bischöfe früher in ihrem Amt auf.

    Bei den Katholiken sind die Bischöfe älter; dort liegt das Alter katholischer Bischöfe zwischen 50 und 75 Jahre. Teilweise bleiben sie sogar nach 75 Jahre, wenn ihr Rücktrittsangebot mit 75 Jahren in Rom abgelehnt wird.

    Vielleicht ist darin auch ein Mitgrund verborgen, warum die katholische Kirche gesellschaftspolitisch hinterherläuft, während die evangelischen Kirchen "schneller" reagieren:

    Der Altersdurchschnitt katholischer Bischöfe ist im Vergleich zu evangelischen Bischöfen höher.
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#7 Timm JohannesAnonym
  • 17.07.2010, 00:49h
  • Und wie wenig die Katholiken aus ihren ganzen Missbrauchsfällen in Rom gelernt haben, zeigt diese Meldung auf hpd:

    *
    hpd.de/node/9956

    Für mich als Lutheraner bleibt es ein Armutszeugnis der Katholischen Kirchenleitung, das sie weiterhin die Zulassung von Frauen in den Klerikerstand und zur Priesterin verweigern.

    Wie kann man nur als Frau überhaupt Mitglied bei den Katholiken sein, wo es doch bessere christliche Kirchen gibt !!!!
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.07.2010, 09:48h
  • Sehr schade! Aber Frau Jepsens Entscheidung soll respektiert werden, immerhin hat es sie sich nicht leicht gemacht. Bleiben Sie gesund, Frau Jepsen!
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#9 alexander
#10 GastGastGastAnonym
  • 17.07.2010, 13:41h
  • Na das war ja mal wieder klar, daß jeder öffentlich sein Bedauern und zugleich den großen Respekt davor ausdrückt, was für eine unglaubliche Heuchelei.

    Also ich kann dabei nur soviel sagen. Wenn eine Bischöfin seit über 10 Jahren über den Kindesmissbrauch durch einen Pastor informiert ist, wie ja mehrere unabhängige Quellen bestätigen, und wenn sie das jahrelang leugnet bzw. nichts dagegen unternimmt, dann hat sie nun wirklich ihre Glaubwürdigkeit und ihr Vertrauen verspielt.

    Insofern gut daß sie endlich weg ist...
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