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Volker Beck sucht die Diskussion

Reggae-Künstler wie der umstrittene Sänger Sizzla, der in einigen Liedern zum Mord an Schwulen aufruft, könnten sich nicht auf kulturelle Unterschiede und ihre Sozialisation berufen. Das sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck im Interview mit den Machern des Reggae-Forums "Reggae Town", das jetzt veröffentlich wurde.

Die meisten Künstler aus Jamaika seien nicht homophob, Sizzla und einige Kollegen hingegen nutzten "Klischees und Vorurteile, um daraus Prominenz und Gewinn zu ziehen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag. "Es handelt sich hier um Großverdiener, die auf dem Rücken von Minderheiten Geld machen". Das dürfe man ihnen nicht durchgehen lassen.

Das Forum "Reggae Town" positioniert sich nach eigenen Angaben "seit längerem aktiv, selbstkritisch und selbstbewusst gegen homophobe Aufrufe in jamaikanischen Songtexten" - auch wenn der eine oder andere Teilnehmer, wie in Foren üblich, ein wenig von der Meinung abweicht. Die Diskussion zwischen Reggae- und Schwulen-Szene hatte sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft, zumal es zu Demonstrationen, Einreiseverboten und erzwungenen Konzertabsagen kam. Gegen einen Auftritt von Sizzla im Wuppertaler U-Club gab es im letzten Jahr sogar einen Buttersäureanschlag (queer.de berichtete). "Gewalt ist nie eine Lösung. Ich setze auf Argumente und auf rechtsstaatliche, präventive Mittel", sagte dazu Volker Beck im Interview mit Foren-Moderator Malte Mackenrodt.

Fort- und Rückschritte


Sizzla will am Chiemsee auftreten

Und es gebe ja auch Erfolge: "Ich fand es (...) zum Beispiel beeindruckend, dass Shaggy bei seinem großen Benefizkonzert im Januar in Kingston seinen Kollegen Bounty Killer der Bühne verwies, als der mal wieder zum Schwulenbashing ansetzte", so Beck. "Das zeigt Zivilcourage und macht auch deutlich, dass nicht 'der Reggae' schwulenfeindlich ist, sondern nur einige wenige Interpreten."

In den letzten Jahren habe es gute Gespräche mit Künstlern und Branchenvertretern gegeben, so Beck weiter. "Umso mehr ärgert mich dann eine Presseerklärung des 'Reggae Chiemsee Summer', die Sizzla 'bewusst eingeladen' haben, gerade weil er wegen seiner homophoben Äußerungen kritisiert werde." Das sei "eine Solidarisierung mit dem Falschen". Ende August soll der Sänger dort auftreten (queer.de berichtete), vor rund 25.000 Musikfans.

Auf die Frage von Mackenrodt, wie die Reggae-Szene weiter an einer Entspannung der Situation arbeiten könne, sagte Beck: "Ich hoffe, dass die Fanszene selbst Aktionen startet um sich mit den homophoben Künstlern auseinander zu setzen - und Druck macht auf unverantwortliche Veranstalter wie dem 'Chiemsee Summer'". Fans könnten hier "glaubwürdig Stellung beziehen" und deutlich machen, dass ihre Musik nicht in Verruf gebracht werden solle. (nb)

Das gesamte Interview bei Scribd



Textfassung bei "Reggae Town"



#1 KonstantinEhemaliges Profil
  • 21.07.2010, 18:10h
  • diese rastas sind viel zu bekifft, um sachliche argumente zu verstehen. hat man hier ja schon oft genug erlebt!
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#2 Malte_MackenrodtAnonym
  • 21.07.2010, 18:44h
  • Vielen Dank für die schnelle Veröffentlichung, und die Verlinkung des vollen Interviews nebst Nennung unserer unkommerziell und ehrenamtlich arbeitenden Seite. Wir freuen uns über jede_n Besucher_in und hoffen, auf diese Weise zu einem Fortschritt in der Diskussion beitragen zu können.
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#3 Stammzahn_Kiki
  • 21.07.2010, 22:10h
  • ich finde das sehr gut das sich jetzt auch die Politik dazu äußert aber Vorsicht oft wird auch ganz gern wider alle Reggae Künstler unter ein Hut gesteckt, es ist auch nicht nur der Reggae Künstler an sich sondern auch teilweise die Soundsystems die Lieder spielen ohne es zu merken oder darüber Gedanken zu machen.
    Blöd erweise wird aber nicht bedacht das es schon Leute gibt die sich dagegen angaschieren wie z.b.
    www.reitschule.ch/reitschule/stopmurdermusic/
    oder Soundsytem wie auch Künstler die gegen Homophobie vorgehen und Leute rausschmeißen .

    in dem Sinn
    www.youtube.com/watch?v=pLR5pJINNB4
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.07.2010, 09:14h
  • Sizzla hin, Sizzla her! So langsam ist das Thema ja schon genug ausdiskutiert worden. Weshalb gibts keinen Bericht über die Weltaidskonferenz 2010?
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#5 FloAnonym
  • 22.07.2010, 15:08h
  • Sehr richtig!

    Man kann doch Gewalt- und Mordaufrufe nicht als Kultur rechtfertigen.

    Dann kommen demnächst die Nazis und rechtfertigen Mordaufrufe an Juden, Schwarzen, etc. als ihre Kultur...

    Auch mit freier Rede hat das nichts zu tun, denn Freiheitsrechte finden ihre Grenzen immer dort, wo andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Ansonsten hätten wir das Recht des Stärkeren.

    Ich erwarte von Politik und Justiz, dass jeder, der zu Gewalt aufruft (egal gegen wen) oder Menschen diskreditiert nicht auftreten darf. Wenn es denen ans Geld geht, werden die nämlich auf einmal ganz kleinlaut.
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#6 marcoAnonym
  • 23.07.2010, 10:15h
  • ich frage mich schon die ganze zeit und werde mich aller vorraussicht nach auch weiterhin fragen müssen, wem mit einem auftrittsverbot geholfen wäre?? wem denn? um wen geht es denn? ja wohl nicht um die hiesige schwulenszene. denn dass die keine übergriffe von einem dancehallmob zu erwarten haben ist jawohl mehr als klar. hat es so noch nie gegeben und wird es wohl auch nicht geben.
    also geht es um die schwulen in jamaica, stimmts? stimmt! muss ja stimmen. dann müsste denen ja geholfen sein, wenn sizzla und co hier nicht mehr auftreten dürfen. hab ich recht? wohl kaum. gibt es hier keine auftritte mehr homophober künstler gibt es auch keine diskussion mehr. es wird kaum mehr einer reden über die situation der schwulen auf jamaica. und schon gar nicht wird es eine öffentliche diskussion geben. die schwulen hätten auf nationaler ebene alles bereinigt, ihr ego zurechtgerückt und könnten sich selbstgerecht zurücklehnen. schulterschluss mit den schwestern und brüdern auf jamaica? fehlanzeige. für die interessieren sich wenn überhaupt nur noch ein paar wenige die dann " oh, mein gott" kommentare unter queer.de beiträgen schreiben. kann man ja oft sehen bei berichten über die situation der homos in afrika.
    naja, hauptsache euch gehts gut und nichts trübt den schönen homosexuellen alltag hierzulande. hab ich recht? ja hab ich!
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#7 jochenProfil
  • 23.07.2010, 21:47hmünchen
  • Volker Beck beschreibts und bringts mal wieder sehr gut auf den Punkt.

    Ich frage mich nur, ob die Veranstalter noch ganz bei Trost sind, wenn die sagen, dass sie jemanden gerade deswegen einladen, weil er in seinen Liedern zum Mord und zum Hass auf Schwule aufruft und deswegen kritisiert wird.

    Meine Frage an diese Veranstalter.:
    Würdet ihr auch Gruppen einladen, die in ihren Liedern zum Mord und Hass auf Schwarze, Juden aufrufen und deswegen kritisiert werden?

    Wir leben im Plem-Plem-Land
    (Günther Grünwald)
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#8 stromboliProfil
  • 24.07.2010, 07:58hberlin
  • Die Gewissensfrage

    sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34385
    »Mein Bruder war kürzlich mit seinem Freund in meinem Lieblingsrestaurant, einem Türken in Berlin-Kreuzberg. Die beiden wurden von den Kellnern beim Turteln beobachtet, daraufhin zunächst nicht bedient und dann sogar des Lokals verwiesen. Für mich ist nach diesem Vorfall klar, dass ich in einem Restaurant mit schwulenfeindlichem Personal nicht mehr essen will. Ich habe auch all meinen Freunden verboten, dieses Lokal zu besuchen. Ist das in
    Ordnung?« Marlies B., Berlin

    "...Der Aufruf an Ihre Freunde, das Lokal zu boykottieren, ist deshalb gerechtfertigt. Aber nicht weil die Angestellten dort selbst intolerant sind, sondern weil sie mit ihrem Verhalten moralische Grundprinzipien unserer Gesellschaft negieren. Die aber darf und sollte man verteidigen."
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#9 marcoAnonym
  • 24.07.2010, 11:24h
  • Malte: Was muss sich Ihrer Meinung nach langfristig an der Situation auf Jamaica verbessern und wie weit reicht da der Arm der europäischen und amerikanischen LGBT-Verbände und sonstigen Menschenrechtsorganisationen? Gibt es auf dieser Ebene Verbindungen und aktives Engagement vor Ort, beispielsweise in Kooperation mit JFLAG?

    Volker Beck: Es ist leider so, dass viele der Aktivistinnen und Aktivisten mittlerweile Asyl in den Vereinigten Staaten oder Kanada gesucht haben, weil sie in ihrer Heimat nicht sicher sind. Etliche der Menschenrechtler sind in der Vergangenheit selbst Opfer von homophober Gewalt geworden. Es ist aber ermutigend, dass in diesem Jahr zum ersten Mal ein "Walk for Tolerance" stattfinden konnte, den verschiedene AIDS-Hilfe-Gruppen gemeinsam mit JFLAG organisiert haben. Es tut sich was in Jamaica – das macht Mut.

    auf die frage ob es eine kooperation zwischen lsvd und j-flag gibt, wird gar nicht eingegangen. in heuchlerischer politikermanier wird diese frage auch noch umschifft. das ist doch alles nur scheinheiliges getue. habt ihr euren willen, wird es sehr schnell sehr still werden um die wirklichen opfer. und das seid nicht ihr. auch wenn ihr immer so schön tut. im grunde wollt ihr doch nur beweisen, dass ihr die größeren penisse habt. nichts weiter. das ist armseelig und hilft in jamaica niemandem.
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#10 FloAnonym
  • 24.07.2010, 14:36h
  • Antwort auf #6 von marco
  • Du fragst, wem das hilft?

    Ganz einfach:
    all jenen, die es nicht gerade toll finden, wenn man zu Gewalt gegen sie oder gar Mord an ihnen aufruft...

    Und ebenfalls all jenen, die vielleicht wirklich Opfer von verbaler oder körperlicher Gewalt werden, weil solche Faschisten wie diese Reggae-Typen ein Klima der Gewalt erzeugen.
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