Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?12570

Die Existenz von gleichgeschlechtlichen Paaren soll in niederländischen Schulbüchern nicht länger verschwiegen werden.

Der größte holländische Schulbuchverlag hat angekündigt, schwule und lesbische Paare künftig in allen Fächern zu berücksichtigen, etwa auch in Mathematik oder Fremdsprachen.

Frans Grijzenhout, der Direktor des Verlages Noordhof Uitgeverij, erklärte in einem Radio-Interview, es sei "sehr wichtig", alle Aspekte der niederländischen Gesellschaft in den Büchern zu berücksichtigen. So seien dort bereits muslimische Mädchen mit Kopftüchern oder andere Minderheiten zu sehen. "Auf ähnliche Weise machen wir für Kinder auch Homosexualität erkennbar", verspricht Grijzenhout. In einem Mathematik-Lehrbuch könnte etwa die Frage auftauchen: "Zwei Väter kaufen ein Sofa für 1.399 Euro mit 25 Prozent Rabatt. Wie viel müssen sie bezahlen?".

Bislang sei das Thema Homosexualität nur in Biologie oder Geschichte aufgetaucht, so Grijzenhout. Ansonsten seien Familien stets als Vater, Mutter, Kind dargestellt worden. Das sei aber diskriminierend. Der Verlag folgt damit einem Aufruf mehrerer Politiker, unter ihnen auch Eberhard van der Laan, der sozialdemokratische Bürgermeister von Amsterdam.

Nachlassende Toleranz gegenüber Homosexuellen

Die Homo-Gruppe COC zeigt sich "sehr erfreut" über den Schritt des Verlags. "In Schulbüchern herrscht Heteronormativität vor, also die Aussage, dass Ehefrau und Ehemann die gesellschaftliche Norm ist". Mit dem Schritt könne etwas gegen die "nachlassende Toleranz gegenüber Homosexuellen" getan werden, die man mit Sorge beachte. Paare berichteten immer häufiger von Angriffen, oft durch Kinder von Einwanderern. Mit guter Erziehung könnte dieser Trend umgekehrt werden.

Protest gegen die Schulbuchpläne kam zunächst aber von christlicher Seite: Der Schule dürfe keine "Homo-Emanzipation aufgezwungen werden", kritisierte das "Reformatorisch Dagblad", die wichtigste Zeitung orthodox-protestantischer Christen. Und die Vereinigung für christlich-reformierte Bildung (VGS) kündigte an, dass es in ihren Einrichtungen keine "Homo-Schulbücher" geben werde.

Homosexualität in Schulbüchern ist in vielen Ländern ein sehr umstrittenes Thema, auch in Deutschland. So ließ in NRW 2005 die neu gewählte CDU/FDP-Landesregierung eine Unterrichtshilfe zum Thema Homosexualität zurückziehen, weil man keine "Werbung" für Schwule machen wolle, erklärten Konservative und Liberale damals (queer.de berichtete). In den USA gibt es bereits seit Jahren Auseinandersetzungen um Unterrichtshilfen für Kinder. So versuchen homofeindliche Aktivisten etwa, das bebilderte Buch "And Tango Makes Three" aus Schulbibliotheken und öffentlichen Büchereien zu verbannen (queer.de berichtete). Der "unmoralische" Inhalt: Zwei männliche Pinguine ziehen ein Pinguin-Baby groß. (dk)



18 Kommentare

#1 seb1983
  • 10.08.2010, 17:20h
  • Wenn das umgetzt wird Respekt dafür! Da bleibt man sich der Vorreiterrolle was Homorechte angeht mal wieder treu während im Iran die Baukärne auf Arbeit warten und afrikanische Staaten fröhlich die Todesstrafe einführen.
    Insbesonder die Konfrontation von Mirgratenkindern mit dem Thema halte ich für enorm wichtig da in dem Alter noch Vorurteilen entgegengewirkt werden kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 grenzanwohnerAnonym
#3 GerritAnonym
  • 10.08.2010, 17:55h
  • Sehr gut!

    Es ist wichtig, dass nicht nur in Biologie und Geschichte das Thema in den entsprechenden Unterrichtseinheiten behandelt wird, sondern dass Homosexualität in allen Fächern als selbstverständlicher Bestandteil der Gesellschaft und des Mensch-Seins behandelt wird!!

    Das zeigt die Vielfalt und Buntheit der Menschen und wird viel bewegen....

    Bei Homorechten waren uns die Niederländer ja immer schon voraus. Ich wünschte, in Deutschland wäre man da auch schon viel weiter, aber mit der schwarz-gelben Regierung ist das wohl ausgeschlossen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 hwAnonym
  • 10.08.2010, 18:00h
  • Ganz prima. Aber man sollte noch Formulierungs-
    und Darstellungshilfen geben.

    Zwei Väter kaufen* ein Sofa für 1.399 Euro mit 25 Prozent Rabatt. Wie viel müssen sie bezahlen?".

    Für die Gartenlaube des Vatertagsvereins ?

    *für ihre Tochter/Sohn
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MarekAnonym
  • 10.08.2010, 18:19h
  • "So ließ in NRW 2005 die neu gewählte CDU/FDP-Landesregierung eine Unterrichtshilfe zum Thema Homosexualität zurückziehen, weil man keine "Werbung" für Schwule machen wolle, erklärten Konservative und Liberale damals"

    Ohne Worte!

    Mit Union und FDP werden wir auf solche Fortschritte hierzulande wohl ewig warten können.

    (Und ich halte jede Wette, dass die FDP wieder eine Möglichkeit findet, das als gut darzustellen und sich als ach so homofreundlich zu positionieren.)

    ------------

    "Und die Vereinigung für christlich-reformierte Bildung (VGS) kündigte an, dass es in ihren Einrichtungen keine "Homo-Schulbücher" geben werde."

    Schlimm, wie sehr die ihren Hass ausnutzen, um sogar Bildung einzuschränken und schon Kinder voller Hass zu erziehen.

    Wenn Schulbücher, Kinderbücher, etc. die gesellschaftliche Realität zeigen und Toleranz vorleben, dann ist das weder 'Werbung für Homoesexualität' noch sonstwas! Niemand wird schwul, nur weil er weiß, dass es Homosexualität gibt und dass das völlig normal ist. Genausowenig wie wir hetero geworden sind, nur weil unsere Schul- und Kinderbücher streng hetero-normativ waren.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 FloAnonym
  • 10.08.2010, 18:39h
  • Da kann ich mich nur anschließen:
    das heteronormative Weltbild bekäme erste Kratzer, wenn schon in den Schulbüchern Homosexualität als normal und alltäglich dargestellt wird. Und zwar in allen Fächern, bei Fremdsprachen kann statt der Hetero-Musterfamilie auch mal ein schwules oder lesbisches Paar (mit oder ohne Kinder) für Beispiele herhalten. Wobei wichtig ist, dass das auch deutlich wird (siehe den Kommentar von hw): zwei Väter unternehmen oft was zusammen, aber es muss auch erkennbar sein, dass die zusammen sind.

    Aber ich stimme zu:
    mit CDU/CSU und FDP ist das unmöglich. Das zeigt nicht nur das im Artikel erwähnte Beispiel NRW, sondern das dürfte mittlerweile wirklich jedem klar sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 eMANcipation*Anonym
  • 10.08.2010, 19:58h
  • Bitte nicht nur "Paare", sondern einfach Menschen!

    Und zwar immer und überall!

    Nicht nur einfach vorkommen nach dem Motto "die da", sondern in jeder Situation deutlich machen und respektieren, dass viele Schülerinnen und Schüler selbst NICHT heterosexuell sind. Ob nun als Paar oder Single oder Dreiergruppe oder was auch immer.

    Wir müssen in dieser Gesellschaft endlich mit der heterosexistischen Unkultur aufräumen, allen Menschen von kleinauf Heterosexualität zu unterstellen und als vermeintliche Norm aufzuherrschen. Denn genau da fangen die Probleme nämlich an!

    Man könnte das auch als "Mainstreaming" sexueller Vielfalt bezeichnen, und selbiges ist schon lange überfällig!

    Ach ja, das Ganze bitte in einem Erziehungs- und Bildungswesen, das nicht per se rassistisch und sozial ausgrenzend ist - nur so kann wahrhaftige Veränderung gelingen!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 predigerAnonym
  • 10.08.2010, 21:39h
  • gut und schön.

    dann brauchen wir nur noch lehrerInnen, die keine roten ohren kriegen, wenn sie diese aufgabe vorlesen, und die welt ist wieder ein stückchen entspannter. die haltung der lehrer ist nämlich wesentlich wichtiger als die schulbuchtexte. wenn die schüler merken, dass sogar der lehrer nervös mitgickelt, sobald das wort "schwul" fällt, geht der schuss nämlich gewaltig nach hinten los.

    ein wermutstropfen, gleichzeitig lesen zu müssen, dass diesem kleinen schritt nach vorne ein homophpber flashback gegenübersteht, der immer größere teile unserer gesellschaften zu ergreifen scheint.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
#10 maaaartinAnonym
  • 11.08.2010, 10:52h
  • gute sache, aber hat schon mal jemand die kommentare zu der meldung auf den diversen nachrichtenportalen gelesen? z.b. spiegel. wir haben noch einen sehr weiten weg vor uns...
  • Antworten » | Direktlink »