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Travestie und Genderfragen im Schwimmbecken (Bild: Pandora Film)

"Männer im Wasser" ist der passende Film nach den Gay Games! Eine Komödie über echte Kerle, die sich im Synchronschwimmen versuchen.

Von Carsten Weidemann

Mit einer Mischung aus ungezwungenem Humor und erfrischenden Charakteren inszenierte der schwedische Regisseur Måns Herngren seine Komödie mit leichter Hand und verliert dennoch nie an Tiefe.

Die Story: Fredrik, ein arbeitsloser Journalist und Möchtegern-Athlet in der Midlife-Crisis, ist unterfordert von der Belanglosigkeit seiner Existenz. Seinem Lebensmittelpunkt, dem wöchentlichen Uni-Hockeytraining mit Kumpels, wird durch ein schlagfertiges Frauenteam jäh ein Ende gesetzt. Als wäre das nicht schon genug, zieht auch noch übergangsweise die 16-jährige Tochter Sara bei ihm ein, da seine Exfrau Lotta in London Karriere macht. Vater und Tochter haben einige Startschwierigkeiten im eingespielten Singlehaushalt und leben vorerst klassisch aneinander vorbei. Inspiriert durch Saras Synchronschwimmen feiern die sieben Hockeykumpels einen Junggesellenabend mit einer ausgelassenen Performance als Kunstschwimmerinnen verkleidet in der Schwimmhalle, in der Fredriks bester Freund Charles arbeitet und auch Sara trainiert. Ein Video davon wird auf der Hochzeit zum Renner des Abends und eine gut betuchte Lady bucht die Jungs für 10.000 Euro als Partygag. Gezwungenermaßen vertieft das Team seine synchronen Ambitionen, doch ihr Auftritt floppt.

Trotz der Blamage stürzt sich Fredrik, der eine neue sportliche Herausforderung wittert, mit kindlicher Begeisterung und angestachelt von Tochter Sara in die Unterwasserwelt. Mit dem historisch richtigen Verweis, dass dieser Sport ursprünglich eine Männerdomäne war, überredet er seine Hockeykumpels zur Gründung des einzigen männlichen Teams von Synchronschwimmern in Schweden. Ziel ist die Teilnahme an der ersten männlichen Synchronschwimm-WM in Berlin seit 100 Jahren, im Sommer ein halbes Jahr später.

Fredrik geht in der neuen Aufgabe des Coachs voll auf. Da seine Truppe vom Synchronschwimmverband ausgeschlossen wird, filmt und belästigt er Saras Trainingseinheiten. Sara ist sauer und schämt sich für ihn. Der von seinem Loserstatus geplagte Fredrik sieht sich überfordert mit der Rolle als allein erziehender Vater und will Sara zurück zu ihrer Mutter schicken, doch Lotta ist nicht erreichbar. Frederik reißt sich zusammen und überrascht Sara mit einem neu eingerichteten Zimmer. Die Beiden nähern sich an und Sara wird die neue Trainerin des Teams, welches von nun an in einer baufälligen Schwimmhalle trainiert und sich das Becken mit einer Tauchschule teilen muss.

Youtube | Der Trailer zum Film

Sara feiert Weihnachten in London mit ihrer Mutter, die keineswegs begeistert ist von den gemeinsamen WM-Plänen. Währenddessen spornt Fredrik den ungelenken Charles, der aufgeben will, auf ihrer Weihnachtsfeier mit Trockenübungen an. Weil sie für die Anmeldung zur WM mindestens acht Schwimmer brauchen, verdonnert das Team kurzerhand noch den jungen Ex-Knacki Bobo von Bewährungshelfer Kjelle zum Sport. Auch der talentierte schwule Synchronschwimmer Jarmo schließt sich dem Team an, was den homophoben Viktor zusammen mit der Tatsache, dass sie vor der WM noch einen Auftritt bei der Stockholm Pride haben, zusehends in Bedrängnis bringt. Mutter Lotta, die gekommen ist um Sara endgültig nach London zu holen, lässt sich auf keine Diskussion ein. Erst als Lotta mit dem Bestechungsgeld für Fredrik argumentiert, packt Sara ihre Sachen. Am Flughafen kehrt sie um, denn die Jungs brauchen sie.

Das Team macht Fortschritte und nach intensiven Wochen des Trainings sind alle im Tourbus unterwegs zum Stockholm Pride Festival. Da Viktor erneut wegen seiner Homophobie aufgezogen wird, verlässt er fluchtartig den Tourbus, taucht aber glücklicherweise kurz vor dem Auftritt wieder auf. Die Show wird ein Erfolg. Volker, deutsches Komitee-Mitglied der WM, verfolgt den Auftritt begeistert und hält sie für Goldanwärter. Allerdings erfährt Fredrik erst jetzt, dass anstelle der geplanten neun nur acht Schwimmer bei Olympia starten können. Ausgerechnet seinen besten Freund Charles soll er laut Anraten Volkers ausschließen.

Mit Klassenfahrtsfeeling in den Wohnwagen gequetscht, erreichen sie Berlin. Ohne die Anderen zu informieren, streicht Fredrik Charles am Tag vor der WM einfach von der Teilnehmerliste. Erst als daraufhin die schockierte Sara spurlos verschwindet, begreift Fredrik, dass es nicht immer ums Gewinnen, sondern um Teamgeist geht. Aber ist es da schon zu spät? Fredrik muss Sara finden, sonst gehen alle baden.

Herngren, der das Drehbuch in Zusammenarbeit mit der Synchronschwimmtrainerin Jane Magnusson geschrieben hat, widmet sich neben den diskriminierten Sportskanonen, die vorbildlich emanzipiert ihre feminine Seite entdecken, besonders der lebensnahen Darstellung einer chronisch kommunikationsgestörten Vater-Tochter-Beziehung. Da im ironischen Umkehrspiel mit der klassischen Rollenverteilung die Frauen hier generell das Sagen haben, muss auch Hauptdarsteller Jonas Inde als Fredrik mit seiner verbissenen Wettkampfeuphorie immer wieder hinter seiner taffen, im Leben stehenden Tochter Sara zurückstecken.

Galerie:
Männer im Wasser
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