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Bald Standard: schwul-lesbisches Lesefutter als E-Book.

Schwul-lesbisch Lesen mit iPad, Kindle und Co. Die Szeneverlage folgen so langsam dem E-Book-Trend.

Von Dennis Klein

Die schöne, neue Bücherwelt nimmt mit dem Verkaufsstart des iPads richtig Fahrt auf. Mit ein paar Klicks kann jeder Bücher auf den handlichen Kleincomputer hochladen und so eine komplette Bibliothek mit sich führen - und zwar ohne unter dem Gewicht zusammen zu brechen. Experten sagen eine Revolution voraus: Wie der MP3-Spieler iPod das Zeitalter der CDs ablöste, soll das iPad nun Bücher ins digitale Nirwana verschwinden lassen. Gemeinsam mit den E-Book-Readern wie dem Kindle von Amazon.

Aber wann kann man schwule Kurzgeschichten wie "Brokeback Mountain" oder lesbische Leckerbissen wie "Tango mit Inés" auch mit den kleinen elektronischen Kästen lesen? Noch nicht, denn das Angebot dünn. So hat sich der Bruno Gmünder Verlag noch wenig Gedanken über E-Books gemacht. Man warte ab, wie sich das Geschäft entwickle, heißt es aus dem Berliner Verlagshaus. Immerhin bekamen die Verlagsautoren in den vergangenen Wochen Vertragsergänzungen nach Hause geschickt, in denen die Verwertung und Entgütung für künftige elektronische Titel geregelt wird.

Kleinere Verlage sind hier weiter: Detlef Grumbach von Männerschwarm ("Chronik der Schwulen") bietet etwa seit wenigen Wochen einen Roman bei libri.de und buch.de an. "Es läuft schlecht", fasst er seine Erfahrungen aber nüchtern zusammen. Für kleine Verlage sei es zunächst aufwändig, Bücher ins EPUB-Format zu konvertieren. EPUB steht für "Electronic Publication" und ist der internationale Standard bei E-Büchern. Allerdings heißt dieser Standard nicht, dass etwa das iPad von Apple oder der Amazon-Konkurrent Kindle dieselbe Buchdatei anzeigen. Beide benutzen unterschiedliche Formate und Formen von Kopierschutz (DRM), die nicht miteinander austauschbar sind.


Die Krimis von Jan Stressenreuter gibt es jetzt bei iTunes.

Grumbach will zunächst keine weiteren E-Books bieten, bis klar ist, welches Format sich durchsetzt. Denn handfeste Bücher in E-Book-Dateien umzuwandeln, ist nervenaufreibender, als er sich das zunächst vorgestellt hat: Mal wird die Kursivschrift nicht angezeigt, dann stimmt der Seitenumbruch nicht und am Ende finden sich sämtliche Textstellen auf anderen Seiten wieder. "Ich habe es selbst versucht und bin daran verzweifelt. Es gab ein Problem nach dem anderen. Jetzt mach ich's wie die Bundesregierung - ich warte ab", so Grumbach.

Jim Baker vom Querverlag ("Der Bärenkult") ist optimistischer. Der erklärte Apple-Fan bietet eine Handvoll seiner Bestseller bei iTunes-Shop an. Seine Autoren hätten Druck gemacht, die Verkaufszahlen zu erhöhen, so Baker. "Ein E-Book kostet ja kaum was", so Baker. Zwar hat auch er mit einem Grafiker Tage vor dem Computer verbracht, um die Bücher auf Format zu bringen und die automatischen Fehlermeldungen von Apple zu interpretieren ("Error 1009"). Für ihn ist der Konzern mit dem coolen Image aber ein guter Partner: Die US-Firma will lediglich 30 Prozent des Umsatzes und den Verkaufspreis festlegen, so dass die Bücher in die eigene Preisstruktur passen. Allerdings hat Apple auch die Möglichkeit, umstrittene Bücher abzulehnen. Das hat in der Vergangenheit zu Verstimmungen geführt, da Apple den amerikanischen Maßstab beim Jugendschutz ansetzt - und hier kann schon mal ein nackter Oberkörper Grund für Beanstandungen sein.

Kritisch sieht das Achim Albers vom Himmelstürmer-Verlag ("Sexparty! Mehr Spaß bei Dreier, Gangbang und Orgien"). Er bietet seit wenigen Monaten E-Books bei libri.de und buch.de sowie beim iTunes-Shop an. "Der Verkauf an iPads ist schwierig, weil Apple eine sehr starke Zensur ausübt. Diese bezieht sich auf Coverabbildungen und auch Inhaltsangaben", so Albers. Für ihn sei das ein "zutiefst undemokratisches Vorgehen", was auch ein Fall für Politik und Kartellbehörden sei.

Alle Verleger sind sich jedoch einig, dass das E-Book gerade bei der schwul-lesbischen Zielgruppe gut ankommen wird. "Ich glaube, dass sich Bücher mit viel Sex am Besten verkaufen werden", erklärte Albers. Jim Baker denkt, dass vielen, die in der Öffentlichkeit lesen, ein elektronisches schwules Buch lieber ist - in der U-Bahn erhält man keine schiefen Blicke mehr wegen eines allzu freizügigen Umschlagbildes. Und da es nur noch in einigen Großstädten schwule Buchläden oder Frauenbuchläden gibt, ist die Konkurrenz in diesem Segment klein. Besonders beim schwulen Nachwuchs sind die iPod-Dateien beliebt, wie die E-Mail eines 16-Jährigen an den Himmelstürmer-Verlag deutlich macht: "Ich möchte E-Books haben, weil meine Eltern sie dann in meinem Zimmer nicht finden können".



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#1 schwulenaktivist
  • 22.08.2010, 20:59h
  • Während uns die Heteros ihre Busen bis zum abwinken auf die Augen schlagen, wollen unsere Kids nicht, dass die Eltern sehen, wenn der Kleine ein freizügiges Buch mit einer homosexuell orientierten Geschichte liest.
    Schöne Akzeptanz und schöne Emanzipation! Das geht ja fast wie in den 50er Jahren zu und her! :-(
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#2 RackerAnonym
  • 22.08.2010, 22:31h
  • Ich hab mir schon viele schwule eBooks vom Dead Soft Verlag und Himmelstürmer aufs iPhone geladen. Dank dem Programm Stanza kein Problem! Ich hatte mich nämlich auch über die Zensur von Apple geärgert, der iTunes-Store wurde ja ziemlich abgespeckt!
    Hier steht, wie es geht:

    www.ebook-journal.de/iphone
  • Antworten » | Direktlink »
#3 schwulenaktivist
  • 23.08.2010, 10:19h
  • @2: Sehr schönes Beispiel von Gebrauchsliteratur. Da soll keiner sich wundern, wenn diese mit Literatur verwechselt wird. Wenn nur solche Verlage e-literatur anbieten gibt das ein sehr einseitiges Bild für Leser...
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#4 eMANcipation*Anonym
  • 23.08.2010, 10:35h
  • Antwort auf #1 von schwulenaktivist
  • Und wenn dann noch jemand fordert, junge Männer über ihren Körper und ihre Sexualorgane und Lustgewinn an sich selbst aufzuklären, stehen die AufpasserInnen auch in diesem Forum kollektiv auf der Matte.

    Stichwort 50er Jahre ist auch gut, denn spätestens seit damals weiß jeder, der es wissen will, was von der heterosexuellen "Norm" und "Mehrheit" zu halten ist. Antworten » | Direktlink »
#5 anonymusAnonym
  • 23.08.2010, 15:20h
  • "Sex verkauft sich am Besten"

    Das ist falsch!
    Lebensmittel verkaufen sich am besten!
    (u.a Gurken, Zucchini, Auberginen, Rettiche ...)
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 Liedel
  • 26.08.2010, 03:11h
  • @emancipation

    Problemlos daran anzuschließen: das Dilemma unserer "sozialen" Marktwirtschaft, in der schwules Selbstbewußtsein dem Interesse an Gewinnmaximierung (in diesem Falle "großer" Verlage) diametral entgegensteht.

    "Für kleine Verlage sei es zunächst aufwändig, Bücher ins EPUB-Format zu konvertieren."

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