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Nadja Benaissa in einem PR-Foto

Das Amtsgericht Darmstadt hat die "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa am Donnerstag zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie einen Mann bei ungeschütztem Sex mit dem HI-Virus angesteckt hat.

Damit folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Außerdem muss die 28-Jährige 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich Benaissa der versuchten gefährlichen Körperverletzung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat.

Sie hat demnach 2004 einen Sexpartner mit HIV infiziert. Obwohl sie von ihrer Infektion wusste, bestand sie nicht auf Safer Sex und verschwieg ihrem Partner die Infektion. Am Mittwoch hatte ein Gutachter erklärt, dass sie mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" die Quelle für die HIV-Infektion war, da beide eine seltene Forum des Virus in sich tragen. Die "No Angels"-Sängerin hat nach Ansicht des Gerichts zudem mit einem weiteren Mann ungeschützten Sex gehabt, ihn aber nicht angesteckt.

Benaissa hatte während des Verfahrens mehrfach erklärt, dass sie "einen riesigen Fehler" gemacht habe und diesen bedauere. Das Gericht forderte sie deshalb auf, sich "zur Aufarbeitung ihrer Vergangenheit" in psychologische Behandlung zu begeben.

Linke kritisiert Urteil


Klaus Lederer (Die Linke) (Bild: Wiki Commons / Franz Richter / CC-BY-SA-3.0)

Kritik am Urteil kam aus der Politik: Der Berliner Linkspartei-Landeschef Klaus Lederer nannte die Strafe "rechtlich fragwürdig". "HIV/AIDS stigmatisiert und grenzt aus. Es ist daher auch heute für viele Infizierte nach wie vor schwierig, offen über ihre Infektion zu sprechen", erklärte das offen schwule Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. "Das Strafrecht ist nicht das geeignete Mittel, um dagegen wirksam etwas zu tun".

Die Deutsche Aids-Hilfe hatte bereits vor der Urteilsverkündung einen Freispruch für Benaissa gefordert (queer.de berichtete). Die Organisation kritisierte, dass einseitig nur positiven Menschen die HIV-Prävention aufgebürdet werde. Bei einvernehmlichem Geschlechtsverkehr trügen aber beide Partner Verantwortung dafür, für den nötigen Schutz zu sorgen. (dk)



Nachdenken über Nadja B.

Die Bundestagsabgeordnete Barbara Höll (Die Linke) befürchtet, dass die Verurteilung von Nadja Benaissa negative Folgen für die HIV-Prävention haben könnte.
Aids-Hilfe fordert Freispruch für Benaissa

Kurz vor der Urteilsverkündung hat die Deutsche Aids-Hilfe bekräftigt, dass Nadja Benaissa keine Bestrafung verdient hat.
Prozess gegen No-Angels-Sängerin beginnt

Nadja Benaissa hat gleich zu Beginn des Prozesses in Darmstadt zugegeben, ihre Verantwortung als HIV-Positive beim Sex mit Partnern vernachlässigt zu haben.
#1 xdaAnonym
  • 26.08.2010, 15:13h

  • schade, nur bewährung, sie hätte wenigstens nen richtigen knastaufenthalt verdient. aber halt starbonus ... armes rechtssystem.
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#2 BerlinerAnonym
  • 26.08.2010, 15:43h

  • Dass die Präventionsarbeit durch implizite Stigmatisierung (Boulevardmedien!) jetzt womöglich Schaden nimmt finde ich bedauerlich. Oder direkter: Beschissen.

    Dass jemand sich für seine WISSENTLICHEN Taten nicht mit den Fehlern Anderer herausreden kann finde ich gut. Die Verurteilung ist angemessen.

    Was das Strafmaß angeht: Keine Ahnung, ich kenne den Fall nicht. Und sogenannte Stars interessieren mich auch nicht sonderlich.

    Ein Berliner
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#3 MinkAnonym
  • 26.08.2010, 16:23h

  • Ein schreckliches Urteil. HIV + lerInnen droht nun die Kriminalisierung. Solidarität muss aber die Antwort sein. Werden auch Grippeinfizierte verurteilt, die Bahn fahren. Die Mortalität der Influenza ist zig Mal höher als bei HIV!
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#4 gvmucProfil
  • 26.08.2010, 16:24hMünchen
  • Leider kenne wir die Urteilsbegründung (noch) nicht. Ich erwarte, dass der Richter eine erhebliche "Mitschuld" des Nebenklägers feststellt. Laut Pressemitteilungen soll er gesagt haben "Ich weiß nicht wie viele ich nun schon infiziert habe". Das zeigt doch wie verantwortungslos er ist.
    Noch gilt die Feststellung "Ich habe mich infiziert" und NICHT "ich wurde infiziert".
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#5 eMANcipationEhemaliges Profil
#6 Ein BerlinerAnonym
  • 26.08.2010, 16:38h

  • #4

    "Mitschuld"/Mitwirken des "Opfers" drückt sich im Strafmaß aus. Wahrscheinlich daher Bewährung trotz einer Vollendung und eines Versuchs. Aber hier rate ich blind.

    #5

    Mild? Na ich weiß nicht. Wer es als Erwachsener unsafe mit einer/einem Fremden treibt, sollte sich auch seiner Eigenverantwortung bewusst sein.

    Ein Berliner
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#7 MichaProfil
  • 26.08.2010, 17:08hMünchen
  • Ich finde, ein salomonisches Urteil. Sie ist bestraft worden, aber muss nicht - wenn sie nichts mehr zu schulden kommen lässt - ins Gefängnis.
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#8 MIZAnonym
  • 26.08.2010, 17:20h
  • Was für Lehren werden die Leute jetzt daraus ziehen?
    Besser nicht zum Test gehen! Wenn ich nix weiß, dann kann mein Sexualverhalten auch nicht bestraft werden, falls ich unwissentlich jemand infiziere.

    Echt klasse!

    Die deutsche Justiz hat der HIV-Prävention in Deutschland heute einen Bärendienst erwiesen!
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 26.08.2010, 17:36h
  • Ich finde, sie kann mit dem Urteil ganz gut leben. Der Prozess wäre ihr aber erspart geblieben, wenn sie ihren Sexpartner von der HIV-Infektion sofort vor dem Geschlechtsakt informiert hätte! Diesen Vorwurf muß sie sich gefallen lassen!
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#10 MIZAnonym
  • 26.08.2010, 17:45h
  • Antwort auf #8 von MIZ
  • Vielleicht sollte ich der Vollständigkeit halber aber noch darauf hinweisen, dass der HIV-Test, der bei den Gesundheitsämtern und mittlerweile auch bei vielen Aidshilfen angeboten wird, anonym ist. Und das bleibt er auch dann, wenn er positiv ausfällt.

    Mach ich den Test beim Hausarzt, dann ist es nicht anonym, denn das Ergebnis ist dort in meiner Krankenakte dokumentiert.

    Deshalb der Tipp:
    Wegen des Urteils nicht auf das Testen verzichten, sondern lieber anonyme Testmöglichkeiten aufsuchen!
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