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Das weltweite erste nationale Denkmal für homosexuelle Männer und Frauen: Homomonument an der Westerkerk (Bild: Teerapol Promsuk)

Der Herbst ist die beste Zeit, um die niederländische Grachtenstadt und ihre nach wie vor beeindruckende Szene unsicher zu machen.

Von Falk Stein

Die Tage werden kürzer, bunt gefärbte Blätter: Es naht der Herbst. Beste Zeit also, um Amsterdam unsicher zu machen. Die rummeligen und hysterischen Großveranstaltungen wie Canal Parade, Grachten Festival oder die nur alle fünf Jahre stattfindende Sail sind vorbei, es ist etwas Ruhe eingekehrt in die größte der kleinen Städte.

Fragen wir doch gleich den Experten: Warum Amsterdam? "Schwule sollten jede Stadt besuchen, die Freiheit und Toleranz bietet, und gerade Amsterdam hat Freiheit und Toleranz zu bieten!", sagt Hans vom Gay Tourist Information Centre (GAYtic). Die Niederlande waren das erste Land, das die Homo-Ehe erlaubte, und Amsterdam war die erste Stadt, in der ein nationales Denkmal für homosexuelle Männer und Frauen entstand, das Homomonument an der Westerkerk.

Natürlich gab und gibt es Probleme: Schwulen werden beschimpft, angegriffen und zusammengeschlagen - nicht selten von Menschen mit Migrationshintergrund, aber Hans würde Amsterdam keinesfalls als gefährlich bezeichnen: "Blödsinn! Das ist nicht schlimmer als in jeder anderen Stadt, in der es Leute gibt, die Probleme mit Schwulen haben. Das passiert leider, aber Amsterdam ist alles in allem eine sichere Stadt." Tolerant wie er ist, will er auch keine einzelne Bar oder Kneipe herausstellen oder empfehlen: "Wer Leder mag, wird in der Warmoestraat fündig, wer Lounge-Atmosphäre bevorzugt, sollte in die Reguliersdwarsstraat gehen, und in den Bars und Kneipen im Amstelviertel schließlich trifft man eher auf locals."

Wer sich über die (schwulen) Möglichkeiten informieren möchte, kann dies vor Ort bei GAYtic in der Spuistraat 44 oder im Pink Point direkt an der Westerkerk tun. Hier gibt es auch die kostenlose gay tourist bag mit Veranstaltungsflyern, Stadtplan, dem zweisprachige Magazin Gay Night und Coupons für gratis Drinks.


Die Fotoredaktion merkt freundlich an, dass die Coffee Shops nicht nur von Amis besucht werden: 10 Euro kosteten die 1,4 Gramm "Bubble Gum"... (Bild: Micha Schulze)

Wenn man in der erwähnten Warmoestraat die bekifften Amis und die besoffenen Engländer glücklich umschifft hat, kann man sich selbst dem Rausch hingeben - dem Kaufrausch. Fetischausstatter Mr. B hat im Haus mit der Nummer 89 seinen Flagship-Store und Mitbewerber RoB erwartet kaufkräftige Kunden im huisje mit der Nummer 71. Letzteres war übrigens - man nennt das wohl Ironie der Geschichte - einst eine Mädchenschule. Jetzt wird hier eine andere Facette von Erziehung vermittelt... Eher etwas für Freunde des Fetisches Unterwäsche oder Anzug ist das Kaufhaus de Bijenkorf. Hier kann man auf recht edle Weise viel Geld loswerden, bei den regelmäßig stattfindenden sales aber auch gehörig Schnäppchen schießen.

Schräg gegenüber im ehemaligen Postamt hinter dem Schloss, dem Magna Plaza, wartet das nächste Shoppingparadies. In atemberaubender, historischer Architektur macht das Geldausgeben noch mal so viel Spaß. Wer ungewöhnliche, witzige und zuweilen nutzlose Kleinigkeiten sucht, wird hinter dem Magna Plaza bei "Artika" fündig (Raadhuisstraat 2). Mein Favorit war eine Getränkeflasche mit Mutter Gottes-Bild und dem Aufdruck "Holy Water".

Noch ein paar Schritte weiter und man ist im Herzen des Jordaan, einem ehemaligen Arme-Leute- und Arbeiter-Bezirk, der sich fein herausgeputzt hat, vor allem die Negen Straatjes - also die neun Sträßchen - beherbergen Boutiquen und Designer, Schnickschnack- und Feinschmeckerläden.

Das frisch erworbene Gummi- oder Ledergewand kann man in einer der Lederkneipen in der Warmoestraat ausführen (der Klassiker "Cockring" musste wegen Ärger mit Drogen leider schließen), noch besser kann man es bei der monatlich stattfindenden XXX-Leather-Party in Szene setzen. Hin und wieder finden die Parties in der Church statt - nein, keine ehemalige Kirche, sondern ein charmant hutzeliges Häuschen in der Kerkstraat 52, in der auch andere Motto-Feten steigen. Heißer Tipp für Freitags ist (z)onderbroek, was so viel heiß wie "(k)eine Unterhose". Die meisten tragen zwar einen Schlüpper, aber der ist dann auch schnell in einem der Dunkelräume ausgezogen. Schwindel erregend sind dabei nicht nur die Begegnungen, sondern auch die steilen Treppen zu den Toiletten und Darkrooms. Nichts für Menschen mit Höhenangst.


Wer sich in Amsterdam von einem schwulen local abschleppen lässt, wird mit etwas Glück zu einer intimen Grachtenrundfahrt eingeladen (Bild: Micha Schulze)

Zwar auch ganz schön hoch, aber deutlich sicherer ist die Dachterrasse des Nemo. Dieses Wissenschaftsmuseum liegt wie ein dicker, grüner Walfisch im Hafen und bietet kleinen und großen Entdeckern Einblicke in die Welt von Naturgesetzen. Viel lohnenswerter aber ist der Ausblick, wenn man dem Wal aufs Dach steigt und im dortigen Café einen koffie verkeert genießt: Ein atemberaubender Blick über Grachtenhäuser und Neubauten, über Hafen und Kanäle ist garantiert!

Leckeren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen mit zuweilen sehr kreativen Kombinationen gibt es im Downtown, Reguliersdwarsstr. 31. Es kostete mich etwas Überwindung, Kürbiskuchen mit Curry zu probieren, aber ich wurde belohnt. Auch der Möhrenkuchen, wortel taart, schmeckte lekker.

Lekker ist ohnehin ein Wort, das die Holländer gern benutzen. Nicht nur Essen ist lecker, auch Wetter, Schlafen oder Jungs, z.B. die im Prik, Spuistr. 109, können lecker sein. Die Bar überzeugt mit angenehmer, unaufgeregter Atmosphäre und wurde wohl auch deshalb wiederholt zur besten Szenebar Amsterdams gewählt. Man kommt leicht ins Gespräch, und mit etwas Glück hat man eine Verabredung mit einem der locals, die Hans zu Beginn erwähnt hat. Mit noch mehr Glück gibt es dann auch eine Einladung zu einer kleinen, intimen Grachtenrundfahrt am kommenden Tag, denn ein Amsterdamer, der etwas auf sich hält und es sich leisten kann, hat natürlich ein Boot. Und Amsterdam muss man einfach mal vom Wasser aus gesehen haben. Wem das Glück nicht hold ist, kann natürlich auch mit einem der kommerziellen Anbieter übers Wasser gondeln, z.B. mit der Canal Company oder der Blue Boat Company.

Womit wir beim Thema Sightseeing wären. Ja, natürlich: Van Gogh Museum, Rijksmuseum, Stedelijk Museum (alle warten gespannt auf die Eröffnung des Neubaus, Hermitage, all das und noch so viel mehr gibt es. Infos zu aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen findet die geneigte Kulturhusche auf dem Portal iamsterdam.com. Mit der Iamsterdamcard kommt man in viele der Sehenswürdigkeiten gratis hinein, kann zudem Bus und Bahn für lau nutzen und bekommt zusätzliche Ermäßigungen.

Amsterdam ist eine Reise wert: Party und Nightlife, Shopping und lekker Essen, Kultur und Kunst vereinen sich zu einer bunten Melange - pardon: zu einem koffie verkeert. Also: Prettige reis!



#1 vingtans
  • 30.08.2010, 15:46h
  • also wenn ich lust auf nen städteurlaub hab interessier ich mich doch für die kultur und für die atmosphäre und nicht für irgendwelche sexschuppen...

    "wir fahren in den puff nach barcelona" sag ich da nur..

    und warum sollte man im ausland ständig die schwule szene besuchen?! das ist nichts anderen als würde ich in paris nur in deutschen restaurants essen gehen!

    party- und lifestyleghettorisierung ist doch mal voll arm! wir leben schließlich nicht mehr in den fünfzigern!
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#2 daveAnonym
  • 30.08.2010, 16:02h
  • Man muss dazu sagen, auch das offene, freie Amsterdamm ist nicht mehr so offen wenn es um einen bestimmten Bereich der homosexuellen Sichtbarkeit geht.

    Es haben sich in den letzten 20 Jahren 2 Strassen des Rotlichtviertels auf homosexuelle Kundschaft spezialisiert. Das Problem für die Stadt war das die normalen Touristen, also auch Familien und Kinder, durch Zufall durch diese Strassen gelangen konnten weil in Amsterdamm das Rotlichtviertel im allgemeinen Vergnügungsviertel liegt und nicht wie in anderen Städten ausserhalb als extra Bezirk.

    Während es für die Stadt kein Problem war das die Touristen an Frauen in Schaufenstern vorbeigehen, hat man bei der homosexuellen Prostitution schnell gehandelt und diese in entferntere Grachtenstrassen verlegt und das sichtbare Anbieten von Jungs verhindert
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#3 ohneAnonym
#4 MarekAnonym
  • 30.08.2010, 17:03h
  • Antwort auf #2 von dave
  • Da stimme ich Dir zu:
    wenn, dann gleiche Regeln für alle!

    Wenn man mit Heteroprostitution so offen umgeht, sollte das auch bei Homoprostitution der Fall sein!

    Was aber ein viel größeres Problem in Amsterdam ist:
    in den letzten Jahren haben sich durch Segregation einzelne Migrantenstadtteile gebildet, wo Schwule und Lesben auf keinen Fall hin sollten, da dort nicht für deren Sicherheit gesorgt ist und sie dort sehr leicht Opfer von schlimmster Gewalt werden können. Selbst die Polizei traut sich da nicht mehr hin. Da sollte man sich auf jeden Fall vorher informieren, wo man nicht hin kann.

    Das ist eine ganz fatale Entwicklung von Parallelgesellschaften, die Populisten wie Wilders erst möglich machte. Arte hatte mal eine interessante Doku dazu. Schlimm, dass in dieser paradiesischen Stadt jetzt solche Tabuzonen entstehen wie in US-Städten. Eine ganz böse Entwicklung, die noch schlimme Folgen haben wird, wenn nichts dagegen unternommen wird.
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#5 HeinerAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 30.08.2010, 17:43h
  • Amsterdam ist einfach eine Reise wert und das ja nicht nur am Pride oder dem Koniginnendag!
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#7 Liedel
  • 31.08.2010, 02:50h
  • @feles18

    Wenn du dir den letzten Satz gespart hättest, hätt ich dir sogar fast mal zugestimmt

    "Party- und Lifestyleghettoisierung" (falls überhaupt existent) ist zeitgeschichtlich den miefigen Fünfzigern zuzuordnen? So? Nicht differenziert nach Ost,West und den Niederlanden? Nun ja, das lernst du alles sicher noch in deinem Duisburger Studium ne

    Was Städtereisen angeht liegste nicht ganz so falsch. Genau im verschmähten Barcelona hab ich das diesen Monat erst erlebt
    Da ist alles, wo "gay" draufsteht, von vornherein teurer, aber nicht unbedingt von besserer Qualität, manchmal sogar eher mieser als der ganze kommerzielle Touristenschrott, den du sowieso schon überall aufgedrückt bekommst.
    Ich hatte eigentlich für Ende September nen Trip nach Amsterdam geplant, musste aber feststellen, dass es da eigentlich zu keiner Zeit Hotels unterhalb der 100€- Grenze (pro Übernachtung) gibt. Selbst keine mit **, die vielleicht nicht so ganz im Zentrum liegen...
    Okay, selten leiste ich mir diesen "Gay-Comfort" auch mal (wie neulich in Sitges).

    Ansonsten sollte das eher nicht die Art der berühmten "Diversity" sein, für die unsere Community gerne stehen will, aber letztlich nicht steht, weil der Zugang zu "Diversity" - ganz im neoliberalen Sinn - erst ab einem Jahreseinkommen ab ca. 50.000€ möglich ist.

    Und das wird sich sicher auch nicht dadurch ändern, dass queer.de mittlerweile im Monatsrhythmus Städtetrips nach Amsterdam anpreist
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#8 GeertAnonym
  • 31.08.2010, 09:55h
  • Früher war die Deutschfeindlichkeit der Niederländer ein Problem. Sie ging bis in die schwule Szene hinein. Das hat sich in den letzten Jahren etwas gebessert. Jetzt haben sie in Amsterdam das Problem mit den marokkanischen Jugendlichen, die in den Seitenstraßen der Ausgehviertel die Schwulen auflauern. Nein, Amsterdam ist nicht das schwule Paradies, als das es sich so gerne verkauft.
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#9 KlofrauAnonym
  • 31.08.2010, 11:09h
  • Jede Stadt hat "ihre" Zeit. Und ich denke, dass Amsterdam die beste Zeit hinter sich hat, jedenfalls, wenn man die 60'er oder 70'er Jahre als Maßstab nimmt. Und wenn man in Amsterdam keine Drogen konsumieren möchte, kann man sich in manchen Stadtteilen abends schon mal etwas deplaziert fühlen, zwischen all den bekifften Gestalten.

    Das ist aber nichts, was nur auf Amsterdam zutrifft. Ich denke, viele Städte haben solche Veränderungsprozesse durchgemacht, viele leider auch in Richtung Gentrifizierung. Denken wir an Viertel wie Prenzlauer Berg oder Friedrichshain in Berlin - da wurde und wird so schnell gentrifiziert, dass die alteingesessenen Bewohner nicht mal mehr Papp sagen können. Kreuzberg ist als nächstes dran.

    Was ich damit sagen will: jede Stadt verändert sich in die eine oder andere Richtung, da ist ganz einfach so. Der Zeitgeist, oder was auch immer da am Werk ist ...

    Trotzdem ist Amsterdam nach wie ein tolles Reiseziel, keine Frage - wenn man eben auch das "alte Flair" dort so nicht mehr wiederfinden wird. A'dam ist komplett durchkommerzialisiert, bis hin in die Privatunterkünfte bei schwulen Zimmervermittlern, die kaum preiswerter als die sündteuren Hotels zu haben sind. Ich habe zur Gay Pride für ein DZ 109 EUR/Nacht bezahlt - aber hatte das bereits 4 Monate früher gebucht. Keine Ahnung, was das 3 Wochen vorher gekostet hätte.

    Aber es gibt eben genug Schwule, die 109 EUR/Nacht für wahnsinnig preiswert halten (und auch für den doppelten Preis anreisen würden). Ich tue das nicht. Mein diesjähriger Urlaub hat mich zusammen mit meinem Mann nach Ostdeutschland geführt, abseits der schwulen Epizentren. Da liefen dann zwar nicht so viele Szene-Tucken rum wie in Sitges oder im Friedrichshain, aber schön war es trotzdem (oder deswegen?).

    Nichts gegen schwule Infrastruktur, aber an diesem Vorwurf der Ghettoisierung ist auf jeden Fall etwas dran.

    Ich nehme davon auf Reisen ganz gerne mal Abstand ...
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#10 bananasEhemaliges Profil
  • 31.08.2010, 11:21h
  • Antwort auf #1 von vingtans
  • Ich habs immer so gehalten, daß ich getrennt habe, ob ich eine "echte Städtereise", oder einen Sex.-und Party-Urlaub machte. Zugegeben, Amsterdam eher das Letztere.
    @Liedel: In Amsterdam habe ich noch nie ein Hotel gefunden zu moderaten Preisen. Und wenn "preiswert" in Amsterdam ab 100 Euro bedeutet, waren diese Hotels immer dreckig und versüfft. Gay- Hotels am schlimmsten. War mir dann aber auch egal. Zu meinen "Hoch"zeiten, habe ich mich nur Nachts und nicht bei Tageslicht ausgekannt. Da habe ich dann meist auch die Dröhnung ausgeschlafen, wenn nicht gerade Afterhour war.
    Naja, die nächsten Tage bin ich bei den Ösis für gepflegte 50 Euro mit Frühstück. Ob ich bei dem Sauwetter Spielzeug mitnehme ?
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