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Meinungsmacher Glenn Beck: Homo-Ehe wird nicht mehr als Bedrohung für Amerika angesehen.

Noch immer wehrt sich die amerikanische Rechte gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben - doch die Widerstandsfront bröckelt.

Von Dennis Klein

Bis 2003 waren homosexuelle Handlungen in großen Teilen der USA verboten. Dem Gesetz nach drohten bis zu zehn Jahre Haft. Pro forma haben damals auch viele deutsche Austauschstudenten oder Touristen in Staaten wie Mississippi, South Carolina oder Florida tausende Jahre an Gefängnis angesammelt, obgleich die Gesetze jahrzehntelang so gut wie nicht angewandt wurden.

Für die politische Diskussion hatte das vor sieben Jahren vom obersten Gerichtshof ausgesprochene Verbot der homophoben Gesetzgebung jedoch immense Bedeutung: Konservative hatten sich in ihrer Ablehnung von Homo-Rechten gerne auf juristische Gründe berufen. Warum soll eine Gruppe geschützt werden, die immer und immer wieder das Gesetz missachtet?, hieß die Frage damals. Mit dem Verlust dieses Arguments schwindet auch die Ablehnung von Homosexualität - wenn auch äußerst langsam.

Republikaner oder rechte Demokraten in politischen Ämtern argumentieren zwar nach wie vor meist gegen Antidiskriminierungsgesetze oder die Aufhebung des Homo-Verbots im Militär. Sie haben nach wie vor Angst vor evangelikalen Aktivisten, die sich die "Verteidigung der Ehe" vor Schwulen und Lesben als sinnstiftendes Thema auf die Fahnen geschrieben haben.

Ihnen verdankte George W. Bush 2004 seine Wiederwahl, obwohl er wegen wirtschaftlichen Problemen und einer desaströsen Lage im Irak eigentlich unter Beschuss stand. Dann entdeckte Bush, dass er seine Anhänger nicht nur mit der Angst vor bärtigen Islamisten an die Wahlurne locken kann, sondern auch die Furcht vor überkandidelten Schwulen. Also warb er in Reden für ein Homo-Verbot in der Verfassung - und sicherte sich so Millionen Wählerstimmen. Dass eine Verfassungsänderung bei diesem Thema praktisch unmöglich ist, erwähnte Bush nicht.

Bibelzitate reichen nicht mehr aus


Ann Coulter wird von schwulen Konservativen als "Judy Garland der Rechten" verehrt.

Je weiter das Verbot in die Vergangenheit rückt, je schwerer fällt es den Konservativen, Schwule und Lesben zu verdammen. Bibelzitate alleine reichen nicht mehr aus - und so mancher Rechter überdenkt seine Position. So sprach sich etwa die ehemalige First Lady Laura Bush für die Ehe-Öffnung aus, die Familie des letzten republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain beteiligte sich sogar an einer Kampagne für die Ehe-Öffnung in Kalifornien.

Aktive Politiker halten sich mit homofreundlichen Statements jedoch auffallend zurück; sie wollen nicht den Zorn der mächtigen evangelikalen Lobbys auf sich ziehen, die schnell die Wahl kosten können. Da etwa Mitglieder des Repräsentantenhauses alle zwei Jahre wiedergewählt werden müssen, befinden sie sich praktisch dauernd im Wahlkampf. Politiker, die das Ende ihrer Amtszeit erreicht haben, sehen die Homo-Frage viel lockerer: Bestes Beispiel ist der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der noch vor wenigen Jahren die vom Parlament beschlossene Öffnung der Ehe verhindert hat, jetzt aber zum enthusiastischen Befürworter von "Gay Marriage" mutiert ist.

Die neuen Stars der fragmentierten politischen Landschaft der Rechten, die Fernsehkommentatoren im Fox News Channel und auf anderen Kanälen, wagen sich hier schon weiter vor - und ertragen die Kritik der evangelikalen Heißsporne. Das beste Beispiel dafür ist die Dauer-Quasselstrippe Ann Coulter: Ihr geplanter Auftritt bei einer Konferenz der republikanischen Homo-Gruppe GOProud sorgt in der evangelikalen Szene auf Aufregung.

Zwar ist die stets auf ihr Aussehen bedachte 48-Jährige keine intellektuelle Größe, da ihre Sprüche praktisch nie über Stammtischniveau hinauskommen; als Antwort auf die islamistische Bedrohung schlägt sie etwa vor: "Wir sollten in ihren Ländern einmarschieren, ihre Anführer töten und sie zum Christentum bekehren". Mit derlei Nonsens hat sie aber eine große Anhängerschaft aufgebaut, die begierig ihre Bücher kaufen - so auch die schwulen Konservativen von GOProud, die sich dafür rühmen, männlicher zu sein als linke Heteros. Zu ihrem Ende September geplanten Treffen "Homocon" luden sie die "Judy Garland der Rechten" ein - und sie sagte ohne Zögern zu.

Damit stieß sie unter anderem den Ultrakonservativen von "WorldNetDaily" vor den Kopf: Der einflussreiche konservative Nachrichtendienst lud Coulter umgehend von einer Konferenz aus - sie sei zu homofreundlich, hieß es. Coulter schlug zurück, wie man es von ihr gewohnt ist. Sie nannte den "WorldNetDaily"-Chefredakteur ein "Schwein" und eine "PR-Hure" - Anhänger der Organisation bezeichnete sie als "Pseudo-Christen". Derlei Liebenswürdigkeiten hat die Coulter normalerweise nur für "liberale Demokraten" übrig. Zur Homocon will sie weiterhin gehen.

Auch andere Anführer der Rechten scheinen nicht mehr auf Homosexuelle einzudreschen, um Popularitätspunkte zu ergattern. So erklärte Fox-News-Moderator Glenn Beck (nicht verwandt mit Volker Beck!), dass die Homo-Ehe keine Bedrohung für Amerika sei - ganz anders übrigens als Präsident Obama, den er als "Rassisten mit tief sitzendem Hass auf Weiße" umschreibt. Beck gehört zu den schillerndsten Figuren der Konservativen. In seiner täglichen Fernsehsendung erklärt er gerne, wie Amerika vom Ausland - etwa von Frankreich oder mexikanischen Immigranten - bedroht wird. Dabei weint er gerne live beim Anblick der amerikanischen Flagge.

Youtube | Fox-News-Bericht über Ann Coulter

Analsex ist böse!


Bryan Fischer ist ein Homo-Gegner alter Schule: Er kritisiert den "perversen" schwulen Sex.

Die American Family Association, eine Gruppe evangelikaler Hitzköpfe im Besitz von rund 200 Radiostationen in den USA, erinnerte dem 46-Jährigen daran, warum der anständige Konservative Schwule eigentlich immer gehasst hat: "Glenn, unsere göttliche Vorsehung als Nation schließt nicht die gesellschaftliche Anerkennung derer ein, die den Anus für Sex benutzen wollen. Die göttlichen Naturgesetze heißen ein solches Verhalten nicht gut. Und du solltest das auch nicht tun", erklärte AFA-Chef Bryan Fisher oberlehrerhaft.

Natürlich sieht die Mehrheit der Republikaner Homosexualität weiterhin als Gefahr für ihren Lebensstil - und glaubt, dass die eigene Ehe nicht mehr viel wert ist, wenn auch Schwule und Lesben heiraten dürfen. Wie viele deutsche Konservative sehen auch die US-Rechten Schwule als zügellose Minderheit an, die zu viel Sex hat, der auch noch versaut ist. Wenn diese Schwulen dann die monogame Ehe anstreben, ist das offenbar suspekt.

Im Mittleren Westen und im Süden der USA wird es sogar als "Freiheit" verstanden, wenn das Recht auf Ehe Heterosexuellen vorbehalten ist. Im Wahlkampf beschrieb der texanische Gouverneur Rick Perry diese Ansicht sehr eindeutig: "Es gibt noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Leute. Dieses Land heißt Texas", erklärte er bei einem Auftritt in einem Barbecue-Restaurant irgendwo in der Provinz. "Würden Sie lieber in unserem Staat leben oder in einem Staat, in dem ein Mann einen Mann heiraten darf?".

Youtube | Glenn Beck erklärt bei Fox News, dass er Homo-Ehen nicht bekämpfen will.


#1 FloAnonym
  • 31.08.2010, 16:54h
  • "Also warb er in Reden für ein Homo-Verbot in der Verfassung - und sicherte sich so Millionen Wählerstimmen. Dass eine Verfassungsänderung bei diesem Thema praktisch unmöglich ist, erwähnte Bush nicht."

    Das zeigt, mit welchen Tricks diese Homohasser arbeiten und wie sehr die die Leute belügen und betrügen. Die sind sich echt für nichts zu schade.
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#2 Katrin
  • 31.08.2010, 17:06h
  • Das Homohassthema hat sich halt abgenutzt in Amerika. In Deutschland dauert es ein wenig länger, aber wir sind auch bodenständiger und leisten uns die Kirche und die Fernsehunterhalter, während dieselben in den USA für ihre Zuschauer und ihr Einkommen arbeiten müssen. Allerdings, wenn nach der nächsten Wahl in Deutschland die Konservativen nicht mehr regieren, wird sich zeigen ob die Versprechen von heute auch morgen noch umgestzt werden, oder ob wir Entwicklungsland bleiben.
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#3 FloAnonym
  • 31.08.2010, 17:54h
  • Antwort auf #2 von Katrin
  • Die aktuelle Entwicklung zeigt ja, dass wir hier in Deutschland wohl erst dann voll gleichgestellt werden (Eheöffnung, Art. 3 GG, umfassendes AGG ohne Ausnahmen, Adoptionsrecht, etc.) wenn sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat Union und FDP in der Minderheit sind.

    Am besten wäre, wenn Union und FDP zusammen nicht mehr als ein Drittel der Sitze hätte, sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat. (wegen nötiger 2/3-Mehrheit bei Verfassungsänderungen)

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf!

    Wir dürfen nicht aufgeben, nur weil sie es uns schwer machen!!
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#4 LinksstaatlerAnonym
  • 31.08.2010, 21:24h
  • Gut, daß bei den Gegnern der Homoehe endlich die breite Front des Widerstandes bröckelt! Bald kommt sie sowieso zum Einsturz!
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#5 Liedel
  • 01.09.2010, 01:48h
  • "So erklärte Fox-News-Moderator Glenn Beck (...), dass die Homo-Ehe keine Bedrohung für Amerika sei - ganz anders übrigens als Präsident Obama, den er als "Rassisten mit tief sitzendem Hass auf Weiße" umschreibt."

    Naja, aber bei solchen Äußerungen (Umkehrung der "Opfergruppe" des Rassismus), ist der Schritt zur "Meinungsdiktatur", den "totalitären Homos", die anderen ihre "Meinung" über Umpolung, "Sündhaftigkeit" der Homosexualität oder "Same-sex-marriage" aufdrücken wollen, ja nicht soo weit entfernt, oder?
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#6 futziAnonym
#7 futzis restAnonym
  • 01.09.2010, 08:14h
  • In seiner täglichen Fernsehsendung erklärt er gerne, wie Amerika vom Ausland - etwa von Frankreich oder mexikanischen Immigranten - bedroht wird.... "

    Er sollte in jeder Hinsicht mal abschalten. Die amerikanische Staatsverschuldung ist die einzelne grösste Bedrohung der nationalen Sicherheit, laut Admiral Mike Mullen, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs.

    Die Steuerzahler werden 600 Milliarden Dollar an Zinsen für die Staatsschulden bis 2012 aufbringen müssen, erklärte er Studenten und politischen Führern in Detroit am vorvergangen Dienstag. „Das ist so viel wie das Verteidigungsbudget für ein Jahr“, bemerkte er.

    Paul Craig Roberts, ehemaliger US-Vizefinanzminister, sagte jüngst in einem im Interview, die Chinesen könnten in 10 Sekunden Amerika zerstören. Sie müssten nur verkünden, keine Schuldscheine Washingtons mehr zu akzeptieren, dann bricht der Dollar sofort zusammen.

    Auf die Frage, warum sie es nicht tun, antworte Roberts, weil sie kein Interesse haben eine Weltkrise herbeizuführen.

    vimeo.com/13772932

    "Es gibt noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Leute. Dieses Land heißt Texas"

    Vielleicht hat er ja recht ?

    www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,714878,00.html
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#8 sojaAnonym
#9 FloAnonym
  • 01.09.2010, 17:14h
  • Antwort auf #3 von Flo
  • "Am besten wäre, wenn Union und FDP zusammen nicht mehr als ein Drittel der Sitze hätte, sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat. (wegen nötiger 2/3-Mehrheit bei Verfassungsänderungen)"

    Übrigens:
    das ist gar nicht so abwegig, wie es zunächst mal klingt. Die Union wird wohl auf absehbare Zeit nicht mehr über 33% hinauskommen. Es kommt nur darauf an, ob die FDP es noch reinschafft oder ob sie an der 5%-Hürde scheitern...
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