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Von 1959 bis 2008 leitete Castro die Geschicke Kubas mit diktatorischen Befugnissen.

Der frühere kubanische Staatschef Fidel Castro nannte die Verfolgung von Homosexuellen nach seiner Machtübernahme eine "große Ungerechtigkeit" und übernahm die Verantwortung für die brutale Verfolgung.

Im Interview mit der mexikanischen Zeitung "La Jonada" beteuerte der 84-Jährige, er hege "natürlich" keine Vorurteile gegen Schwule und Lesben. Die Verfolgung von Homosexuellen in den 1960er und 70er Jahren nannte er eine "spontane Reaktion der Revolutionäre, die auf den Traditionen der Nation beruht". Bei den Vorgängerregierungen seien nicht nur Homosexuelle, sondern auch Schwarze und Frauen diskriminiert worden.

Homosexualität war zwar vor dem Umsturz durch Castro 1959 bereits illegal, gleich nach der Machtübernahme ließen die neuen Machthaber Schwule aber gezielt verfolgen und in Internierungslager stecken, in denen viele zu Tode kamen. Die Kommunisten begründeten die Verfolgung damals damit, dass es sich bei Homosexualität um eine kapitalistische Ausprägung handelte, die es auszurotten galt. Erst in den 1980er Jahren ließ der Verfolgungsdruck auf Schwule und Lesben nach. Homosexuelle wurden aber bis vor wenigen Jahren noch wegen "antisozialen Verhaltens" verfolgt.

Castro: Es gab wichtigere Probleme als Homo-Rechte


Das homofreundlichere Gesicht Kubas: Die Homo-Ehe-Befürworterin Mariella Castro

Laut Castro ist aber nicht die Kommunistische Partei für die Schwulenhatz verantwortlich, sondern er persönlich: "Wenn jemand Verantwortung trägt, dann bin ich das." Nach der Machtübernahme habe er andere Sorgen gehabt als das Schicksal von Schwulen und Lesben, so Castro, da die Auseinandersetzung mit den USA und andere politische Entscheidungen im Vordergrund standen.

In den letzten Jahren hat sich die Lage für Schwule und Lesben auf Kuba wesentlich verbessert. Insbesondere Fidels Nichte Mariela Castro, die das staatliche kubanische Institut für Sexualerziehung leitet, setzt sich für die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren ein. Derzeit wird über die Einführung von eingetragenen Partnerschaften diskutiert (queer.de berichtete). Das durch ein jahrzehntelanges US-Embargo geschwächte Land hat allerdings im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Staaten noch einige demokratische Defizite. So gibt es bislang weder freie Wahlen noch eine freie Presse und laut Menschenrechtsorganisationen gibt es auf Kuba noch mehr als 100 politische Gefangene. (dk)



#1 DonnyDAnonym
  • 01.09.2010, 12:28h
  • Hach Gottchen, Tante Fidelitas bekommt nach 84 Jahren Gewissensbisse und "übernimmt Verantwortung". Dürfen ihn jetzt die tausende verfolgte, vergewaltigte, gefolterte und ermordete kubanische Schwule (Lesben waren nicht betroffen) auf Schadensersatz für ein verpfuschtes Leben verklagen?

    Komm Fidel, geh sterben!
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#2 PierreAnonym
  • 01.09.2010, 12:53h
  • So viel Einischt und Reue vermisst man bei unseren 'demokratischen' Politikern.
    Lang lebe Fidel Carsto!
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#3 MinkAnonym
#4 GastAnonym
#5 KlofrauAnonym
  • 01.09.2010, 13:33h
  • Antwort auf #2 von Pierre
  • @ Pierre:

    Einem menschenverachtenden Diktator auch noch zu applaudieren, ist ja wohl so ziemlich das Allerletzte.

    Nur weil er jetzt mit 84 (!) bei den Schwulen zu Kreuze kriecht ...

    Hast Du vergessen, was dieser Typ dem gesamten kubanischen Volk angetan hat???

    Vielleicht hat ja auch noch der User "stromboli" eine ultimative Castro-Euloge parat?

    Immer her damit!
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#6 xapplexAnonym
  • 01.09.2010, 13:33h
  • "Das von einem jahrzehntelangen US-Embargo geschwächte Land"
    Das durch jahrzehntelange kommunistische Misswirtschaft geschwächte Land - das triffts wohl eher.

    "Einige demokratische Defizite" ist auch leicht untertrieben. Seit 1959 haben über 100000 Kubaner in Internierungslagern gesessen, über 15000 wurden füsilliert. Castros Geheimpolizei wurde von der Stasi ausgebildet, Kubaner überlegen es sich deshalb zweimal, ob sie ein kritisches Wort über die Regierung sagen.
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#7 DemagogeAnonym
  • 01.09.2010, 13:51h
  • Wenn ein Mann mit einem Fuß auf einem heißen Ofen und mit dem anderen in einer Kühltruhe steht, würde ein Statistiker sagen, daß der Mann sich durchschnittlich in angenehmer Temperatur befindet.

    Wenn einer eine Million hat und der andere nichts,
    sind die beiden statistisch recht wohlhabend.

    Kuba Platz 51

    de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index

    HIV-Infizierte je 1000 Einwohner 2008
    Mexiko (Nord- und Mittelamerika) 1,66
    Kuba (Nord- und Mittelamerika) 0,29
    Brasilien (Südamerika) 4,09

    Ärzte je 1000 Einwohner 2008

    Mexiko (Nord- und Mittelamerika) 1,59
    Kuba (Nord- und Mittelamerika) 6,12
    Brasilien (Südamerika) 2,43

    Einem Bericht für das Parlament ist zu entnehmen, dass in Schottland in den letzten
    fünf Jahren alle vier Tage ein Mensch verhungert ist.

    Exakt 452

    www.dailyexpress.co.uk/posts/view/192310/Scots-patients-left
    -to-starve-on-our-wards/


    schwul, alt und arm ?
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#8 stephan
  • 01.09.2010, 13:53h
  • Antwort auf #6 von xapplex
  • Ich würde jetzt auch nicht in Jubel ausbrechen, wenn Castro endlich einen so schweren Fehler einsieht, dennoch finde ich das schon bemerkenswert.
    Zumindest zeigt es, dass Altsein keine Entschuldigung für Menschen sein kann, die in ihren intoleranten, boshaften Meinungen verharren. Man kann auch mit über 80 noch zu neuen Einsichten kommen. Das sollten sich manche Altpolitiker, 'Kirchenfürsten' und manch andere hinter die Ohren schreiben!
    Die Schuld für das Leiden und Sterben vieler Homosexueller bleib allerdings und ich hoffe, dass Castros Gewissen ihm wirklich heftig zu schaffen macht.
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#9 LorenProfil
  • 01.09.2010, 13:54hGreifswald
  • Das Interview in englischer Übersetzung:

    kasamaproject.org/2010/08/31/castros-self-criticism-for-anti
    -gay-persecutions/


    Immerhin erstaunlich, dass Castro sich so äußert, obwohl er durch persönliche Übernahme von Verantwortung nicht die Frage der systematischen staatlichen Verfolgung, Internierung etc. überdecken kann (und damit auch nicht die Verantwortung anderer). Möge es ein Anlass sein, die gesamten Menschenrechtsverletzungen gegenüber Lesben und Schwulen dort geschichtlich aufzuarbeiten und die überlebenden Verfolgten zumindest ansatzweise zu rehabilitieren und zu entschädigen. Darüberhinaus ist eine Entschuldigung gegenüber den Opfern am Anfang eines solchen Prozesses unabdingbar.
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#10 stephan
  • 01.09.2010, 14:03h
  • Antwort auf #4 von Gast
  • Keine Ahnung, wie es auf Kuba mit den Lesben war, aber bei den Nazis gab es keine Frauen, die explizit wegen ihres Lesbischseins verfolgt wurden! Zumindest konnte mir bis heute niemand einen Namen nennen? ... Ich wäre - aus Dokumentationsgründen - immer noch an solchen Fällen interessiert, wenn mir jemand Fakten liefern könnte!
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