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Daniel Schmid (Bild: Salzgeber)

"Daniel Schmid, Le chat qui pense" ist die Hommage an einen großen Schweizer Kinokünstler.

Von Carsten Weidemann

Daniel Schmid war einer der größten Kinokünstler der Schweiz - und ein begnadeter Geschichtenerzähler. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in den beherzten Lebensentwurf eines Mannes, dessen Ausstrahlung fesselte und dessen Werk eine Strahlkraft besitzt, die lange nachglühen wird. Der Film zeichnet sein Leben nach.

Daniel Schmid wuchs in einem Hotel auf. Seine Familie betrieb den "Schweizerhof" im bündnerischen Flims. Im Winter, wenn das Haus geschlossen war, wohnte die Familie im ersten Stock. In der Vorsaison zog sie in den dritten Stock um. Im Sommer, wenn das Hotel ausgebucht war, quartierte sie sich unter dem Dach ein.

Die Gäste brachten Geschichten mit, ins Exil, aus der weiten Welt, aus der Vergangenheit. Auch Douglas Sirk war mal dort, über den Schmid später ein dokumentarisches Porträt drehen sollte. Schon als Kind träumt Daniel Schmid vom Reisen, von einer Welt "jenseits der Berge".

Von Berlin nach Paris


Schnappschuss aus dem Fotoautomat (Bild: Salzgeber)

Den Sprung aus dem mondänen Kosmos des Belle-Epoche-Hotels machte Schmid mit dem Umzug nach Berlin, 1961. Dort studierte er zunächst Geschichte und Literatur und verfolgte den Aufbruch einer ganzen Generation voller aufklärerischer Ideale. Auch er selbst brach auf, politisierte sich und lebte seine Homosexualität aus. 1967 wechselte er an die neu gegründete DFFB, drehte dort aber nur einen Film: "Miriam". 1969 überzeugte ihn Rainer Werner Fassbinder (der bei der gleichen Aufnahmeprüfung an der DFFB abgelehnt worden war), sein Studium abzubrechen und lieber Filme zu machen.

Schmid ging 1970 aus dem sich radikalisierenden Berlin fort. Er lernte seine Lieblingsschauspielerin Ingrid Caven kennen, die ihn ermunterte, seinen ersten Film in Angriff zu nehmen: "Heute Nacht oder nie". Gedreht wurde in der Hotelhalle des Schweizerhofs. Der Film passte - wie auch "La Paloma" - nicht in seine Zeit und Schmid geriet unter Rechtfertigungsdruck. Sein melodramatischer Camp-Ansatz wurde als unpolitisch und dekadent empfunden. Doch auf seinem persönlichen Weg zwischen Oper und Avantgarde fand er neue Freunde und Verbündete: neben Ingrid Caven waren das vor allem Werner Schroeter (die drei lebten eine Zeitlang zusammen in einer Münchener WG) und Kameramann Renato Berta. Den wichtigsten Impuls aber, der eigenen kreativen Vision zu vertrauen, bekam er von seinem Freund Rainer Werner Fassbinder, mit dem er 1976 den Film "Schatten der Engel" drehte.

In den Zeiten von Aids


Schauspielertalent bereits in der Jugend (Bild: Salzgeber)

1974 zog Schmid (wie auch Schroeter, Caven und Berta) nach Paris, das für 20 Jahre Ausgangspunkt seiner Projekte und Ideen wurde. Er drehte u.a. "Violanta", "Hecate", "Il bacio di tosca" und "Jenatsch" und wurde damit der international erfolgreichste Schweizer Regisseur. Daneben inszenierte er Opern in Zürich und Genf und entwickelte den triumphalen Liederabend von Ingrid Caven 1978 in einem Nachtclub in Pigalle, der sie in Frankreich zum Star machte. Er erlebte seine erste große Liebe mit dem Filmausstatter Raúl Gimenez, der auch Schauspieler in den Filmen von Fassbinder war. Mit "Hecate" (1981) begann die langjährige Zusammenarbeit mit Produzent Marcel Hoehn. Bei "Jenatsch" (1987) verfilmte er erstmals ein Drehbuch von Martin Suter.

In den 1980ern verlor sich die kreative Szene um Schmid in Paris. Einige Freunde starben an Aids, Fassbinder kam 1982 ums Leben, bei Schmid wurde Kehlkopfkrebs diagnostiziert. 1992 drehte er seinen persönlichsten Film nach Erinnerungen an seine Kindheit, "Zwischensaison". Er kehrte wieder in die Schweiz zurück, bezog eine Wohnung im Schweizerhof und eine andere in Zürich. 1999 erhielt er nach der Präsentation des neuen Films "Beresina" in Locarno einen Ehren-Leoparden für das Lebenswerk. Auf die Frage der Zeitung "Libération", "Warum filmen Sie?", antwortete er: "Um weniger allein zu sein." Durch seine Kontakte nach Japan kam es zum Projekt "Das geschriebene Gesicht" über Kabuki- und Butoh-Tanz, aussterbende Kunstformen (wie vielleicht der Film auch). 2005 sollte der sorgfältig vorbereitete Spielfilm "Porto Vero" realisiert werden, doch eine erneute Krebs-Diagnose zwang Schmid zum Abbruch der Dreharbeiten nach nur vier Tagen.

Kurz zuvor hatte er seine Einwilligung gegeben, zusammen mit den jungen Filmregie-Studenten Benny Jaberg und Pascal Hofmann einen Film über sein Leben zu drehen - er selbst hatte Hofmann, den er seit dessen Jugend kannte, damals zum Regiestudium gedrängt. Am 5. August 2006 erlag Daniel Schmid seinem Krebsleiden. Die beiden Regisseure fuhren kurz darauf mit Schmids Partner Thomas nach Shanghai, einem Ort, den Schmid immer bereisen wollte, seit er die Filme von Josef von Sternberg gesehen hatte. Dieses Shanghai fanden sie nicht. Aber etwas zu suchen, das man nicht finden kann, sei ganz in Daniels Sinn gewesen, sagen sie.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 KameliendameEhemaliges Profil
  • 05.09.2010, 02:05h
  • Ich bin sehr gespannt auf den Film.
    Allein schon die Verbindung zur schlichtweg göttlichen Ingrid Caven machts sehr interessant.
    Vorfreunde!
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