Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?12677

Schwulen Jugendliche bleibt oft nichts anderes übrig, als auf Selbstaufklärung zu setzen (Szene aus "Another Gay Movie")

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat am Donnerstag die Ergebnisse ihrer neuen Studie zum Sexualverhalten Jugendlicher vorgestellt. Für die in Zusammenarbeit mit TNS Emnid Bielefeld erstellte Studie wurden 2.800 Jugendliche und zusätzlich 732 Jugendliche gezielt mit Migrationshintergrund befragt, alle im Alter von 14 bis 17 Jahren, Jungen und Mädchen dabei halbwegs im gleichen Verhältnis.

Die vermeintliche "Generation Porno" ist den Ergebnissen zufolge "braver als ihr Ruf", wie "Spiegel Online" die Studie unter dem Titel "Keusche Kuschler" zusammenfasst. Die Jugendlichen haben ingesamt leicht später Sex als vor einigen Jahren und erleben ihn oft in einer festen Partnerschaft. Ein Nebenergebnis der Studie verblüfft: erheblich weniger als der Hälfte der Schüler und Schülerinnen wurde im Sexualkundeunterricht über Homosexualität aufgeklärt.

Nur 92 Prozent der befragten Mädchen und 89 Prozent der Jungen hatten Sexualunterricht. Von diesen war nach eigenen Angaben nur bei 40 Prozent Homosexualität Teil des Unterrichts - bei Jungen. Bei Mädchen waren es nur 36 Prozent, bei Mädchen mit Migrationshintergrund 34 Prozent. Nimmt man das alles zusammen, wird nur ein Drittel der Jugendlichen bis zum Alter von 17 Jahren über Homosexualität aufgeklärt.

Dabei ist deutlich mehr Interesse vorhanden: Bei den Mädchen gaben 20 Prozent der deutschen Jugendlichen und 21 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund an, gerne mehr über das Thema Homosexualität zu wissen; bei Jungen jeweils 10 Prozent. Die BzgA ordnet Homosexualität in der Analyse wie Selbstbefriedigung und Prostitution als Tabuthema ein.

Vergessenes Tabuthema


Neue BzgA-Studie: Repräsentativ, aber exklusiv hetero

In ihren Fragen zum Sexualverhalten der Jugendlichen geht die BzgA in der Studie selbst nicht auf Homo- oder Bisexualität ein. Auch in den zahlreichen Broschüren der Zentrale, die sich an Jugendliche richten, ist Homosexualtität nur ein selten erwähntes Thema. In der Regel wird auf die BzgA-Seite loveline.de verwiesen, die selbst kaum Infos zum Thema enthält. Auf bzga.de selbst findet man nur als PDF den Ratgeber "Heterosexuell? Homosexuell?", der sich hauptsächlich an Eltern richtet und von kleinen Überarbeitungen abgesehen schon Mitte der Neunziger erhältlich war.

Die BzgA ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums für Gesundheit. In der Einleitung zu der Studie heißt es, eine der Aufgaben der Zentrale sei "die Entwicklung von Aufklärungskonzepten und Informationsangeboten zur Sexualaufklärung. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist die BZgA auf wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zielgruppe, ihre Themen und ihr Informationsverhalten angewiesen und fördert und entwickelt in diesem Rahmen Forschungsprojekte und Expertisen." (nb)



#1 joshiProfil
  • 02.09.2010, 16:46hBerlin
  • na was will man von dieser heteronormativen gesellschaft auch anderes erwarten? und das bildungssystem hängt ja nicht nur in diesem fall in den 30er jahren des vorigen jahrhunderts fest und bewegt sich eher richtung kaiserzeit als umgekehrt,man denke nur daran das jetzt 1.&2. klasse und 3.&4. klasse zusammen unterrichtet werden, das ist wie nach dem krieg....
  • Antworten » | Direktlink »
#2 eMANcipation*Anonym
  • 02.09.2010, 16:57h
  • Wie man sieht, ist die deutsche Gesellschaft im Jahr 2010 so weit entfernt von sexueller Gleichberechtigung wie nie zuvor seit Ende der 1970er Jahre.

    Es ist ein unfassbarer Skandal, dass in der aktuellen Wiederholungsbefragung menschliche Sexualität von A bis Z mit Heterosexualität gleichgesetzt und zum ersten Mal seit Beginn der Untersuchungsreihe nicht einmal mehr auf homosexuelle Erfahrungen eingegangen wird.

    DAS ist also das Ergebnis unseres angeblichen Kampfes um Gleichberechtigung und Gleichstellung! Ich nenne es einen gigantischen Rollback und Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten!

    Hier wird deutlich, wie die so genannte Sexualwissenschaft, öffentlich finanziert, statt objektiver wissenschaftlicher Arbeit nichts anderes macht als ihre heterosexistischen Herrschaftsdiskurse zu kultivieren und sexuelle Herrschaftsverhältnisse zu zementieren, indem sie Homosexualität vollständig ausgrenzt und allen teilnehmenden Jugendlichen eine heterosexuelle Orientierung unterstellt.

    Kann es eigentlich eine perversere Form des sexuellen Missbrauchs an dieser Altersgruppe geben, deren Identitätsfindung unter den herrschenden Verhältnissen ja in den allermeisten Fällen gerade erst in vollem Gange ist? Eben dieses Recht auf Selbstfindung wird ihnen aber schon im Ansatz dieser "Studie" umfassend verwehrt!

    Was erlauben sich die Verantwortlichen eigentlich, eine solche Erhebung dazu zu missbrauchen, sexuell begründeten Rassismus zu befördern und Schwule und Lesben als nichtexistent zu behandeln?

    Empirische sexualwissenschaftliche Grundlagenforschung kann es wohl kaum gewesen sein, sonst müsste man im Jahre 2010 allermindestens das anerkennen, was schon Kinsey sehr deutlich belegt hat: Menschliche Sexualität ist mitnichten gleich Heterosexualität.

    Immerhin bleibt uns damit der für 2010 zu erwartende weitere Tiefpunkt gefühlter und effektiver sexueller Freiheit von homosexuell empfindenden jungen Männern, wie er sich als Trend in den letzten Befragungen der Reihe immer deutlicher verfestigt hat, erspart.

    Wenn wir allerdings spätestens jetzt nicht aufwachen und ein Ende dieses sexuell begründeten Rassismus gerade auf Seiten öffentlicher Institutionen einfordern, die von uns allen finanziert werden und die genau mit ihrer hier vorgeführten widerlichen, heterosexistischen Ignoranz wesentlich mitverantwortlich sind für das viermal höhere Suizidrisiko junger Homosexueller, können wir uns jede auch nur ansatzweise Gleichberechtigung endgültig abschminken!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 holger
  • 02.09.2010, 17:13h
  • kann ich nur bestätigen.

    obwohl ich zu beginn es schuljahres, in dem für meinen sohn sexualkunde auf dem lehrplan stand, die lehrerin darauf aufmerksam gemacht habe, auch das thema homosexualität anzusprechen, tat sie es nicht.

    nach meinem eindruck, lag der grund einzig und allein in der person der lehrerin. sie schämte sich schlicht.

    ich denke, kein einzelfall
  • Antworten » | Direktlink »
#4 eMANcipation*Anonym
  • 02.09.2010, 17:20h
  • Antwort auf #3 von holger
  • Dass die massive psychische und strukturelle Gewalt gegenüber jungen Schwulen und Lesben in unserem Erziehungs- und Bildungswesen skandalös ist, steht außer Frage.

    Bei der vorliegenden "Studie" liegt der eigentliche Skandal aber in diesem Machwerk selbst.

    Es handelt sich dabei nämlich um das widerlichste Stück von sexuell begründetem Rassismus, das mir seit langem untergekommen ist.

    Homosexualität kommt praktisch überhaupt nicht vor, abgesehen von ein paar Nebensätzen, in denen sie mit "Tabuthemen" wie sexuelle Gewalt und Prositution gleichgesetzt wird.

    Dabei sorgen die Urheber dieser lachhaften "Studie", die noch nicht einmal grundsätzliche Erkenntnisse der Sexualwissenschaft berücksichtigt, zielstrebig selbst dafür, dass es auch bei diesem "Tabu" bleibt.

    Inzwischen sind wir also im 21. Jahrhundert so weit, dass noch nicht einmal mehr homosexuelle Erfahrungen anerkannt, respektiert und als solche abgefragt werden!

    Bringen wir es auf den Punkt: Hier geht es nicht um Wissenschaft, sondern um die Ausgrenzung und Unterdrückung von Homosexualität und Homosexuellen !
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LorenProfil
  • 02.09.2010, 18:44hGreifswald
  • Eine Studie zum Thema "Jugendsexualität", die Homosexualität komplett ausspart, ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wird. Sie tabuisiert und signalisiert, dass Homosexualität nicht wünschenswert, homosexuelles Erleben und Empfinden etwas ist, worüber nicht zu sprechen ist. Für die Befragten, die homosexuell empfinden, ein Schlag ins Gesicht und eine bewusste Zuweisung in die "Schmuddelecke".
    Wie die Würde der homosexuellen Befragten hier mit Füßen getreten wird, ist beschämend. Dass dies steuerfinanziert geschieht, skandalös.
    Welche politischen Absichten sich hinter diesem Vorgehen verbergen, darüber darf spekuliert werden, hält man es doch nicht für unwichtig, die Einstellung der Befragten zu Schönheitsoperationen abzufragen, während Einstellungen, eigenes Empfinden oder Erleben von Homosexualität keine Zeile wert sind.
    Wie gesagt, beschämend und skandalös.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 anfrageAnonym
  • 02.09.2010, 19:25h
  • da sind eigentlich nur noch die näheren umstände rund um die sog. "studie" von interesse.

    wer ließ für wen (bis hin zu den einzelnen befragern) wieviel kohle fließen und warum.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 alexander
  • 02.09.2010, 19:45h
  • da wird ein solcher schmarrn mit steuergeldern finanziert !!!
    man sollte die verantwortlichen zur rechenschaft ziehen !

    ein zufall ist das nicht !

    (eigentlich eine lachnummer, wenn der hintergrund nicht so widerlich wäre !)
  • Antworten » | Direktlink »
#8 MichaelAS
  • 02.09.2010, 20:17h
  • Ich habe heute eine nette Mail an die BzGA gesendet. Mal sehen was sie mir antworten und wie sie sich rausreden...
  • Antworten » | Direktlink »
#9 stromboliProfil
  • 02.09.2010, 20:33hberlin
  • Antwort auf #1 von joshi
  • " Die BzgA ordnet Homosexualität in der Analyse wie Selbstbefriedigung und Prostitution als Tabuthema ein."
    kicher... Selbstbefriedigung und Prostitution ein Tabuthema ...
    ich würd mir gern mal den fragebogen anschauen!
    Nun , fragen nehmen oft auch die antworten vorweg; hier scheint das "tabu" sich verselbstständigt zu haben!

    Ansonsten ist die schwule partytitanic auf ihren gesellschaftlichen eisberg gestoßen... schauen wir nun zu, wie die tunten sich um die verbliebenen rettungsbote kloppen.. die erste klasse ist schon abgefahren richtung heterogenormten heimathafen.

    Ach, gabs da noch welche die sich aufregen , wenn hier ständig "gejammert" wird dass die verantwortlichen schlafen?
    Die schweinerei die uns da von einer "aufklärungsbehörde" vermittelt wird , wird nur getoppt von der betriebsblindheit, die unter uns selbst herrscht! &
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Widerstand!Anonym
  • 02.09.2010, 23:18h
  • Zuerst ignorieren sie dich,

    dann lachen sie über dich,

    dann bekämpfen sie dich und

    dann gewinnst du.

    Scheint so, dass wir schon wieder auf die erste Stufe zurückgefallen sind.

    Angst vor dem "Lachen" der anderen und Unfähigkeit zu einem wirklichen Kampf, an dem die scheintoten Verbände mit ihrer Anbiederungsstrategie noch nie interessiert waren, sind als Hauptursachen auszumachen.
  • Antworten » | Direktlink »