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Diese Handreichung an Lehrer wurde seit 2005 nicht mehr eingesetzt

Die rot-grüne Landesregierung holt eine Unterrichtshilfe zum Thema Homosexualität aus dem Giftschrank und gratuliert zum SchLAu-Jubiläum.

Von Norbert Blech

Es war einer der deutlichsten Zeichen des Regierungswechsels in NRW: im Juli 2005 ließ die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf ein Aufklärungsprojekt der rot-grünen Vorgängerregierung über Homosexualität stoppen, gedruckte Broschüren einer Unterrichtshilfe wurden nicht mehr verteilt.

Das Handbuch "Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung" war Teil des europäischen Projekts "Triangle" (Transfer of Information to Combat Discrimination Against Gays and Lesbians in Europe), an dem Mitarbeiter des damaligen NRW-Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie unter Rot-Grün gearbeitet hatten. In das Projekt hatte das Ministerium 435.000 Euro investiert, die Schulfibel sollte eine Hilfestellung für Lehrer im Unterricht sein.

Doch die neue Rüttgers-Regierung machte den Plänen recht schnell ein Ende: Die umfassende Webseite des Projekts blieb zwar online (mit deutlicher Distanzierung des Ministeriums), die Broschüre wurde aber gestoppt. "Wir dürfen unseren Kindern nicht das Gefühl geben, dass schwul oder lesbisch zu sein bald Pflicht wird", zitierte eine das Handbuch selbst skandalisierende "Bild"-Zeitung einen anonymen Sprecher des Ministeriums, das damals unter der Leitung von Barbara Sommer (CDU) stand (queer.de berichtete). Ein anderer Sprecher sagte öffentlich, die Broschüre solle von Lehrern "nicht mehr unreflektiert" verwendet werden, es solle "keine Werbung für bestimmte sexuelle Ausrichtungen" geben. Volker Beck kritisierte darauf, die Entscheidung atme "den Geist der 50er Jahre" und sei Zensur.

"Zensurvermerk" aufgehoben


Das SchLAu-Projekt ist inzwischen Vorbild für andere Bundesländer (Bild: SchLAu)

Fünf Jahre später regiert eine rot-grüne Minderheitsregierung in NRW - und dreht das Rad um: Am Freitag kündigte die Staatssekretärin Marlis Bredehorst vom Nachfolgeministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter an, dass der "Zensurvermerk" für den Leitfaden aufgehoben sei. "Das von der EU geförderte Handbuch von 2004 mit einfühlsamen Texten und Materialien über die Lebenssituation von Schwulen und Lesben kann ab sofort wieder auch mit Billigung des Schulministeriums in Schulen genutzt werden", schreibt dazu die Pressestelle.

Die ehemalige Kölner Sozialdezernentin, eine Grünenpolitikerin wie ihre Ministerin Barbara Steffens, beglückwünschte zudem dem Schulaufklärungsprojekt SchLAu zum zehnjährigen Bestehen. "Hier setzen sich junge Frauen und Männer in vorbildlicher Weise für den Abbau von Diskriminierung und gegen die Ausgrenzung von Minderheiten ein", so Bredehorst. Eine wichtige Aufgabe, denn der Begriff "schwul" sei "leider mittlerweile ein gängiges Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen" geworden, so die Staatssekretärin.

Die Initiative, die an diesem Samstag in Anwesenheit von Bredehorst in der Königin Luise Schule in Köln ihr Jubiläum feiert, ist ein Netz aus überwiegend jungen Ehrenamtlern in vielen Städten, die in Schulklassen gehen und dort über ihr Leben erzählen. Voruteile abbauen und Mut aufbauen sind die Ziele der zumeist 90 minütigen Treffen, die auf moderner Sexualpädagogik basieren und deren Qualitätsstandards kontinuierlich weiterentwickelt werden. Der Einsatz von SchLAu wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, im letzten Jahr etwa mit der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks oder 2007 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Dass schwule und lesbische (und bisexuelle und Transgender-) Jugendliche Unterstützung brauchen, schrieb die neue NRW-Landesregierung auch in ihren Koalitionsvertrag: "Wir sind uns einig, dass Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Identität in Schule und Jugendhilfe besondere Unterstützung brauchen. Wir stellen dies durch Berücksichtigung im Landesjugendplan, durch Sicherung der Projekte 'Schule ohne Homophobie', des Landesprojektes 'SchLAu NRW' und Wiederzulassung des Handbuches 'Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung' sicher."



#1 FloAnonym
  • 04.09.2010, 17:21h
  • Bravo!

    Es war ein Skandal, dass CDU und FDP nach dem Wechsel in NRW 2005 die von der EU erarbeiteten (und bereits vom Steuerzahler bezahlten!) Unterrichtshilfen zum Thema Homosexualität damals zurückgezogen hat!!

    Angeblich seien sie "nicht geeignet". Was genau daran "nicht geeignet" ist können CDU und FDP bis heute nicht erklären. Und warum sie in anderen Staaten mit großem Erfolg eingesetzt werden und auch schon manches zum besseren verändert haben, können auch weder CDU noch FDP erklären.

    Umso mehr freut es mich, dass die neue rot-grüne Regierung in NRW jetzt diese Unterrichtshilfen wieder einführen will und der schwarz-gelben Homophobie ein Ende setzen wird.

    Da sieht man wieder mal einen weiteren Beleg, wie homophob CDU und FDP sind. Die CDU ist wenigstens offen homophob. Aber die FDP ist noch perverser, denn sie versucht solche Dinge dann auch noch mit irgendwelchen dubiosen Ausreden zu rechtfertigen und gibt sich gerne als homofreundlich, obwohl sie in der Praxis komplett anders halndelt.
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#2 seb1983
#3 MarekAnonym
  • 04.09.2010, 18:07h
  • Schön, dass andere Parteien intelligenter, moderner und menschenfreundlicher sind als CDU und FDP!

    Und schön, dass andere Parteien keine Bildung verhindern, nur weil sie gegen ihre Ideologie geht.

    Jetzt müssen Union und FDP nur noch auf Bundesebene und in noch mehr Bundesländern weg und dann kann sich endlich richtig was zum Positiven ändern in Deutschland!!
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#4 Gandalf the GayAnonym
  • 04.09.2010, 18:19h
  • Ein Sieg für Bildung und Grundrechte!

    Nachdem CDU und FDP alles dafür getan haben, damit
    - Jugendliche nichts zu dem Thema erfahren
    - die Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen weiterhin 4-5x so hoch bleibt wie unter heterosexuellen Jugendlichen
    - heterosexuelle Jugendliche weiterhin intolerant bleiben und schwule/lesbische Mitschüler mobben
    - etc. etc.
    hat jetzt endlich die Vernunft gesiegt!

    Und all diejenigen, die ständig neue Ausreden für die homophobe Politik der FDP finden, sollen mal erklären, wieso man Jugendliche nicht aufklären darf? Und was gut daran ist, wenn homosexuelle Jugendliche sich für minderwertig halten, gemobbt werden, in den Selbstmord getrieben werden, etc.
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#5 gustiAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 04.09.2010, 18:56h
  • Was hat sich die schwarzgelbe Koalition eigentlich dabei gedacht, die Broschüre in den berüchtigten "Giftschrank" zu deponieren? Die sollte am besten in ganz Deutschland beim Sexualkundeunterricht verteilt und darüber gesprochen werden!
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#7 LorenProfil
#8 eMANcipation*Anonym
  • 04.09.2010, 23:16h
  • Antwort auf #7 von Loren
  • Eben, Loren!

    Was nützen uns die schönsten Broschüren, wenn deren Einsatz im Unterricht nicht für jeden Lehrer und für jede Lehrerin zur Pflicht erklärt wird?

    Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass der konkrete Schutz vor der alltäglichen, krankmachenden Gewalt, die sich nicht zuletzt in der Kommunikation manifestiert ("schwul" als eines der häufigsten Schimpfwörter schon unter Frühpubertierenden), allein durch Projekttage von Betroffenen-Organisationen geleistet werden kann, deren tatsächliche Präsenz auch wieder der Willkür des jeweiligen Lehrers überlassen bleibt.

    Auch auf der inhaltlichen Ebene - also was die Lerninhalte angeht - bedarf es keines Nischenthemas "Homosexualität", das Stigmatisierung und Aus-/Abgrenzung eher noch stärker befördert, sondern eines umfassenden, jahrgangs- und fächerübergreifenden Mainstreamings der Vielfalt sexueller Identitäten. Letzere muss schlichtweg überall, wo es um Sexualität, Liebe, Partnerschaft etc. geht, ganz selbstverständlich berücksichtigt und die identitäre Selbstfindung der Schülerinnen und Schüler respektiert werden! Alles andere ist nichts anderes als erzieherische Gewalt! Wann findet hier endlich eine grundlegende Überarbeitung der Lehrpläne statt, die menschlicher Vielfalt gerecht wird?

    Wer nicht mehr dabei zusehen will, wie junge Homosexuelle in letzter Konsequenz um ein Vielfaches stärker gefährdet sind, sich das Leben zu nehmen, sollte über symbolische Alibi-Aktionen langsam, aber sicher hinauskommen!

    Es geht um die grundlegende Pflicht des Staates, seine Schutzbefohlenen gerade im Erziehungs- und Bildungswesen konkret und einklagbar vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen!

    Wer sich also wie die neue NRW-Landesregierung als "gay-friendly" geriert, muss sich die Frage gefallen lassen, warum er auch nur einen Tag länger nicht das tut, was in anderen EU-Ländern bereits selbstverständlch ist:

    Nämlich jeden Lehrer und jede Lehrerin zu verpflichten, jeden einzelnen Fall homophober wie allgemein rassistischer Sprache und Gewalt in ein Hass-Register aufzunehmen und über dessen Bearbeitung Rechenschaft abzulegen. Die SchulleiterInnen müssen wiederum in regelmäßigen Zeitabständen über ihre Hass-Register und über erfolgte Aufklärungs- und Fortbildungsmaßnahmen sowie schulinterne Diversity-Konzepte Bericht erstatten! Auf diese Weise wird der Schutz vor Diskriminierung und Gewalt zu einem Qualitätskriterium, dessen Nichtbeachtung sich kein Schulleiter, keine Schulleiterin und auch kein Lehrer und keine Lehrerin mehr erlauben kann!

    Vor allem ist diese Sofortmaßnahme angesichts der herrschenden Verhältnisse absolut unerlässlich, und nur so kommt von den schönen "Leitfäden" auch tatsächlich etwas bei den Opfern von verbaler, psychischer, struktureller und teilweise roher Gewalt an!

    Ich wiederhole daher meine Frage: Wie kann es angehen, dass ein verantwortlicher Politiker auch nur einen Tag länger solche dringenden Schutzmaßnahmen unterlässt und dabei zusieht, wie homosexuell empfindende Jugendliche weiterhin verletzt, stigmatisiert, angefeindet, gemobbt und teilweise bis in den Suizid getrieben werden?

    stupendousness.queersighted.com/2009/12/14/schools-must-reco
    rd-homophobic-bullying/


    jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/424329

    PS: Findet ihr nicht auch, dass das ein dringendes Thema für ein queer.de-Interview mit Vetretern der neuen Landesregierung in NRW und überhaupt mit Landesregierungen in ganz Deutschland wäre? Irgendwann müssen die Verantwortlichen endlich Farbe bekennen und erklären, was sie gegen die schockierenden Fakten zunehmender Homophobie unter jungen Menschen und die perversen Folgen der Gewalt für junge Homosexuelle zu tun gedenken! In Großbritannien wurde das Ganze auch wesentlich von der Homo-Organisation Stonewall angestoßen, die anscheinend begriffen hat, dass sich schwule und lesbische Gleichberechtigung und überhaupt das Recht auf ein würdiges Leben nicht erst auf dem Standesamt entscheidet...
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#9 Watching youAnonym
#10 stromboliProfil
  • 05.09.2010, 09:48hberlin
  • je nachdem, wer mal wieder den gärtner spielt, wird das zarte pflänzchen schulaufklärung über homosexualität rausgerupft oder wieder eingepflanzt; anwachsen kann das kraut nicht, weil keine kontinuität und keine zwingende " verbindlichkeit vorhanden!
    Also bleibts bei absichtserklärungen die am ende nicht den schüler /schwulen erreicht!

    Und über was wird aufgeklärt?
    Da stellt sich die nächste frage: was vermitteln genervte hetenlehrer, wenn sie etwas vermitteln sollen, das nicht auf ihrem geistigen "bio-beet" wächst.
    Woher eigentlich sollen sie die "notwendigkeit her fühlen sich mit einem ihnen unangenehmen randproblem zu beschäftigen? DAs ist doch in umgekehrter wahrnehmung ebenso; was interssieren uns heterosexuelle dramen, ausser sie spiegeln unsere eigenen wünsche wieder...!
    Das erklärt ja auch ihre indifferenz im umgang mit ihnen anvertrauten schwulen schülern; sie ignorieren oder nehmen partei für die "mehrheit" ; ihrer mehrheit, eben nach dem gefühlten... da bleibt nicht viel raum für den schwul/lesbischen im konfliktfall!

    Eine positive aufklärung und vermittlung schwuler bedürfnisse und werte ( !) kann nur durch schwule/ lesben selbst vermittelt werden!
    Und dies führt uns zu dem nächsten punkt der "aufklärung", nähmlich der der werbung für schwule inhalte!
    Für heteroinhalte wird geworben um den jugendlichen ein lebenskonzept anzubieten.. das ist in den lehrplänen verankert... es wird zeit, das die werbung für schwule inhalte ebenso "verankert" wird im öffnetlichen lehrauftrag!

    Weg von der bitte, auch mal über homosexualität sprechen zu dürfen , hin zur forderung und festschreibung homosexueller ethik im unterricht!
    Das muss von uns erarbeitet und erstritten sein!

    Also , wie es schwule soziologen gab/gibt die gezielt ein studium aufnahmen um ihre eigene situation zu verändern, den anstoss und entwicklung der schwulen im allgemein gesellschaftlichen voran brachten ( Dannecker z. b.!) , muss es schwule erziehungswissenschafftler geben, die einwirken auf den wissenschaftlichen prozess der eingliederung ! Wir dürfen unsere erziehung nicht den heten überlassen , auch nicht den uns wohlmeinenden!

    Jede minderheit hat mittlerweile, auf ihre spezifische eigenschaft und verfolgungsthematik spezialisierte fachleute!
    Ich sehe keinen herausragenden rechtswissenschaftler, der übergreifend sich gedanken macht, wo die grenzen der strafwürdigkeit von hassrede die grenzen von menschen/würde und rechten überschreitet und entsprechend klagen vorbereitet, die entweder als sammelklage oder als einzelklagen geführt und gewonnen werden können.
    Wir sind auf die liberale rechtauslegung des lsvd angewiesen, der aber ebenso sein parteiorientiertes spiel um macht und einfluss betreibt..
    Am ende sind es dann klagen von einzelbürgern, die momentan die "erfolge" auf rechtlichem wege " erlangen.

    Wir müssen uns einen forderungskatalog/e erarbeiten, der proritäten setzt und pointiert zuspitzt, was sache zu sein hat.

    1.) ein hassgesetz muss her, dass explezit bei strafe verbietet, sexuelle lebensentwürfe öffentlich in irgend einer form zu diskriminiren, anzuzweifeln , als unmoralisch oder schädlich zu bezeichnen!
    Das muss (!) alle gesellschaftlichen gruppen einbeziehen und keine ein sonderrecht einräumen... den juden wird dies auf grund ihrer erfahrung mit "mehrheiten" berechtigter weise ebenso eingeräumt.. gleiches recht für alle, in diesem sinne!
    Und es hat eingang zu finden im grundgesetz.. als anhang oder als eigenständiges gesetz .

    Wir müssen die politiker ansprechen persönlich, via net, und eine stellungnahme abfordern zu ihrem verhalten in der hassfrage; wie stellen sie sich zur möglichkeit/tatsache, dass auf schulhöfen , öffentlichen plätzen, verkehrsmittel, etc., schwul/lesben ob ihrer sexualität körperlich und verbal angegriffen werden. Warum kann ein gemeinwesen wie die brd, nicht gesetze formulieren die schützen und den angreifer unter empfindliche strafen setzt? Und bitte in der antwort nicht den üblichen hinweis auf bestehendes recht, das angeblich alles bereits abdeckt! Nehmen sie stellung , weil nur so die wirklich verantworlichen feststellbar werden. Auch -nichtreagieren - macht schuldig!
    ... das ist mal so im kopf rotirend formuliert und bedarf weiterer anregungungen und ideen!!!

    Wenn wir nicht selbst initiativ werden, werden wir bei der kommenden abwahl in nrw wieder eine rücknahme unangemessener schulbücher erleben.. und haben kein recht , uns drüber zu beschweren!
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