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Yoann Lemaire ist nach Ansicht seines früheren Vereins zu schwul zum Fußballspielen.

Ein schwuler Amateur-Fußballer ist in Frankreich aus seinem Verein hinausgeflogen, weil seine Homosexualität von Mitspielern nicht akzeptiert wurde.

Yoann Lemaire, der 14 Jahre lang für den kleinen Verein FC Chooz gespielt hatte, darf nach einer Entscheidung des Club-Präsidenten Frédéric Pretty nicht mehr spielen, "um weitere Vorfälle zu vermeiden", berichtet "Le Monde". Der Ausschluss aus dem Verein geht auf einen Vorfall im Mai 2009 zurück: Damals machten einige von Lemaires Teamkollegen homophobe Bemerkungen gegenüber Journalisten, die in ganz Frankreich auf Kritik stießen. Lemaire nahm daraufhin - mit Zustimmung des Vereins - eine Auszeit vom aktiven Sport. Als er nun wieder mitspielen wollte, stand er vor geschlossenen Türen: "Wir müssen beide Seiten schützen", erklärte Präsident Pretty den Ausschluss des schwulen Spielers. "Nachdem die Gefühle im Jahr 2009 hochgeschwappt sind, müssen wir alles daran setzen, weitere Zwischenfälle zu verhindern."

Lemaire erklärte in einem Interview, dass nur zwei von 60 Spielern Probleme mit seiner Homosexualität gehabt hätten. Anstatt diese Spieler zu bestrafen, würde er für den "Zwischenfall" verantwortlich gemacht, beklagte er im französischen Fernsehen.

Regierung in Paris kritisiert FC Chooz

Politiker zeigten sich entsetzt über den Ausschluss des schwulen Spielers. Rama Yade, die Staatssekretärin für Sport, forderte den Fußballverband Fédération française de football (FFF) auf, den Verein zu bestrafen. Deren Funktionäre winkten aber bereits ab: Es gebe keine rechtliche Handhabe, dem FC Chooz wegen des Spielerausschlusses die Lizenz zu entziehen.

Auch Homo-Gruppen kritisierten den Verein einhellig und forderten Konsequenzen. So beklagte SOS Homophobie, dass es im Fußball leider noch eine Hierarchie der Diskriminierung gebe: "Dort beschimpft man Spieler nicht mehr mit Begriffen wie 'schmutziger Neger', sondern wirft ihnen vor, wie eine 'Schwuchtel' zu spielen", erklärte SOS-Chef Bartholomé Girard. Der schwul-lesbische Fußballverband Paris Foot Gay forderte die Fußballwelt auf, endlich zu akzeptieren, dass "Homophobie genauso schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus". (dk)



#1 LorenProfil
  • 08.09.2010, 14:42hGreifswald
  • Die Franzosen sollten sich Gedanken darüber machen, ob sie nicht langsam schleichend Kurs nehmen auf Zustände, in denen "liberte, egalite, fraternite" zu hohlen Worthülsen aus vergangenen Tagen werden. Die gesellschaftliche Ausgrenzung zu vieler Menschen in den banlieues, die mit einem "Wegegeld" abgegoltenen Abschiebungen der Roma oder der Rauswurf des schwulen Fußballers Yoann Lemaire, den die Funktionäre der Französischen Fußballverbandes offenbar hinzunehmen bereit sind: Hoffentlich besinnen sich die französischen Nachbarn in ihrer überwiegenden Mehrheit schnellstens wieder auf die Grundwerte ihrer Republik.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 08.09.2010, 17:38h
  • Da haben wir es wieder: erst bei der Fußball-WM in Südafrika schon nach der Vorrunde rausfliegen und nun schwule Spieler aus Vereinen ekeln! Da hört sich doch alles auf!
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#3 Liedel
  • 08.09.2010, 18:36h
  • Naja @ Loren, "liberté, égalité, fraternité" hab ich schon seit Chirac immer für leere Worthülsen gehalten, mit unserem "Einigkeit und Recht und Freiheit" fang ich lieber gar nicht erst an... allerdings mache ich mir bei unseren französischen Nachbarn durchaus noch Hoffnungen. Die Roma- Abschiebung ist eine rein populistische Aktion Sarkozys, die einer mit dem Verstand gesegneten Präsidentin Royale nie in den Sinn gekommen wäre... aber was will man(n) von kleinen Männern in Führungspositionen schon erwarten

    Allerdings beobachte ich gerade bei facebook eine von Frankreich ausgehende Bewegung für einen europäischen Generalstreik.
    "Die" Franzosen scheinen meinem Empfinden nach mal wieder ein ausgeprägteres Gefühl für den drohenden, sich verschärfenden Kahlschlag zugunsten der Verursacher der Krise zu haben als die bereits von Merkel, Brüderle und Co. eingeschläferten Deutschen, die sich mit schwarz-gelber Kuschelrhetorik schon wieder einen Aufschwung herbeisäuseln lassen ...

    Zum Fall selbst: es ist ein kleiner Verein, in dem diese Diskriminierung stattfand, aber er hat Chancen, einer auch in Frankreich bisher eher verdrängten Diskussion die dringend notwendige öffentliche Aufmerksamkeit zu "bescheren". Ich hoffe, dass Lemaire Verbündete im Kampf gegen Homophobie im Fußball finden wird und die Solidarität wächst, so dass sich auch andere Spieler ohne die Gefahr eines "Karriereverlustes" outen können!

    In dieser Hinsicht traue ich der französischen "Sturm auf die Bastille"- Mentalität etwas mehr zu als der bekannten angepassten, schläfrigen Haltung ihrer Nachbarn aus Allemagne, die sich schlimmstenfalls im Nicht-Handeln-aber-schöne-Worte-Säuseln eines Theo Zwanziger widerspiegelt...
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#4 Knueppel
  • 08.09.2010, 19:37h
  • Wie bitte?

    '(...) Als er nun wieder mitspielen wollte, stand er vor geschlossenen Türen: "Wir müssen beide Seiten schützen", erklärte Präsident Pretty den Ausschluss des schwulen Spielers. "Nachdem die Gefühle im Jahr 2009 hochgeschwappt sind, müssen wir alles daran setzen, weitere Zwischenfälle zu verhindern" ...'

    Und deswegen wird das "Opfer" der homophoben Ausfälle bestraft, anstatt die Täter zu reglementieren?

    Obwohl "Nazi-Vergleiche" immer hinken:
    Einst haben Nazis Juden in angebliche "Schutzhaft" genommen, um sie vor dem "Volkszorn" zu schützen, den die Nazis zuvor mit ihrer Hetze erst angefacht hatten.

    Präsident Pretty treten Sie zurück!
    Sie haben bewiesen, dass Sie menschlich und moralisch ungeeignet sind, ein solches Amt zu bekleiden!
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#5 realistAnonym
#6 JensAnonym
  • 08.09.2010, 20:02h
  • "dass "Homophobie genauso schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus".

    Ganz genau! In meiner Schulzeit vor ein paar Jahren war genau dass das Problem.
    Ich war auf einer linksorientierten Gesamtschule und dementsprechend wurde Rassismus stark bestraft. Hat ein Lehrer mitgekriegt das ein ausländischer Schüler mit Nigger oder Kanacke beschimpft wurde gabs (zurecht) richtig Ärger.
    Das Wort "Schwuchtel" und ähnliches gegen Schwule, wurde mehr oder weniger als Modewort hingenommen und galt als weniger schlimm.
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#7 LorenProfil
#8 herve64Profil
#9 eMANcipation*Anonym
  • 08.09.2010, 22:50h
  • Richtig, Loren!

    Und in anderen Ländern werden keine verlogenen Alibi-Aktiönchen veranstaltet,

    sondern der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor verbaler Gewalt wird konsequent und einklagbar durchgesetzt!
    jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/424329

    www.pinknews.co.uk/2009/12/10/schools-to-record-all-homophob
    ic-sexist-and-racist-bullying/


    Wenn wir uns fragen, warum das dort geht und hier nicht,

    sollten wir uns fragen, warum dort eine starke Bewegung von unten und unter Beteiligung führender schwul-lesbischer Medien die Politik seit Jahren immer wieder in die Pflicht genommen hat,

    während hierzulande die altbekannten Verbandsfunktionäre vorwiegend darauf bedacht sind, ihre Pfründe zu wahren und dabei dem Staat bloß nicht zu sehr auf die Finger zu klopfen.

    Wir erleben doch gerade, wie die skandalöse Ausgrenzung von Homosexualität und jungen Homosexuellen durch eine VON UNS ALLEN finanzierte Aufklärungsbehörde in ihrer neuesten "Studie" zur "Jugendsexualität 2010" von diesen Handlangern der Herrschenden in keiner Weise thematisiert wird.

    Bei queer.de hieß es dazu übrigens:

    "Homosexualität selten Thema in der Sexualkunde"

    Aufarbeitung des Skandals? Fehlanzeige!

    Denn in den hiesigen schwulen Medien interessiert sich praktisch niemand dafür, dass junge Homosexuelle immer noch um ein Vielfaches stärker gefährdet sind, pathologisiert, krankgemacht und im Extremfall in den Suizid getrieben zu werden. Und dass eine Bundeszentrale für Gesundheit und Aufklärung zur gleichen Zeit ein derart gezieltes Ausgrenzen und Totschweigen praktiziert.

    Warum lese ich bei queer.de nicht ein einziges Mal:

    HOMOPHOBIC BULLYING IS KILLING GAY KIDS!

    www.pinknews.co.uk/news/articles/2005-8969.html

    Fazit:

    Es ist alles andere als Zufall, dass wir genau da stehen, wo wir stehen!
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#10 RealistAnonym
  • 09.09.2010, 04:17h
  • Antwort auf #8 von herve64
  • Habe ich irgenwas "frankophobes" gesagt? Ich haben nur "....Frankreich!...." gesagt. Wenn Du das als "Frankophob" oder sonstwas deutest tust Du mir leid.

    Das war vollkommen anders gemeint.

    Eben Frankreich und nicht irgendwo in der dritten Welt!!
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