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Seymour Pine als NYPD-Beamter

Kommissar Seymour Pine leitete 1969 die Razzia in der Schwulenbar Stonewall Inn, die zu dreitägigen Krawallen in New York führte. Er ist letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren gestorben.

Der Stonewall-Aufstand in der New Yorker Christopher Street gilt als Beginn der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung: Erstmals widersetzten sich Schwule und Transsexuelle am 28. Juni den teils brutalen Polizeiaktionen, die in der Community damals an der Tagesordnung waren. Pine erklärte nach seiner Pensionierung zunächst, er habe Befehle ausgeführt und die Gesetze aufrecht erhalten. Später räumte er ein, dass die Gesetzgebung unfair gewesen war und entschuldigte sich bei Schwulen und Lesben für sein Vorgehen.

Polizei ging gezielt gegen Schwulen-Bars vor


Das Stonewall Inn wurde 1969 auf einen Schlag weltberühmt. (Bild: Wiki Commons / D.Davies / CC-BY-SA-3.0)

Während der Razzia waren besonders viele schwule Besucher in der Stadt, die an der Beerdigung der Schwulenikone Judy Garland teilnehmen wollten. Die Schwulenbars waren damals - weil Homosexualität illegal war - fast ausnahmslos in der Hand der Mafia, die sich ihre Lizenz mit Schmiergeldzahlungen sicherten. Die Polizei ging aber damals mit "Lockvogelmethoden" gegen Homosexuelle vor, so auch im Stonewall Inn: Vor der Razzia befanden sich bereits zwei Polizisten und zwei Polizistinnen in Zivil in der Bar, um "Beweise" für "unmoralisches Verhalten" zu finden. Seymour und ein Kollege starteten dann die Razzia gegen ein Uhr morgens.

Die rund 200 Gäste der Bar schlugen erstmals zurück und vertrieben die Polizisten, was zu einer Solidarisierung im Schwulenviertel führte. Nach den Ausschreitungen organisierte sich die Homo-Bewegung erst in der Stadt und schließlich im ganzen Land und forderte die Gleichberechtigung mit der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft. Gleichgeschlechtlicher Sex sollte aber noch bis 1980 im Staat New York illegal bleiben, in anderen Teilen des Landes sogar bis 2003.

Pine, der 1919 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen in Manhattan geboren wurde, erklärte zwar wiederholt, dass ihm die Razzia leid tue und er nur Menschen belästigt habe, "die eine gute Zeit miteinander verbringen wollten" - die Aktion sei aber nach damaligem Verständnis rechtmäßig gewesen. Dennoch hätten die Behörden natürlich Vorurteile gehegt gegen Schwule, sagte er bei einer Rede vor der New York Historical Society im Jahr 2004. "Die hatten ja keine Ahnung, was für Menschen Homosexuelle sind", so Pine. Er selbst habe Schwule nicht gehasst, "sondern meine Befehle ausgeführt, ohne sie zu hinterfragen". Das bedauerte er zuletzt in der erst im Juni diesen Jahres erschienen Dokumentation "Stonewall Uprising" Pine sagte darin über die Besucher des Stonewall Inn: "Sie haben das Gesetz gebrochen. Aber das war ein sehr dummes Gesetz." (dk)



16 Kommentare

#1 non imeldificAnonym
#2 Liedel
  • 10.09.2010, 18:25h
  • "die eine gute Zeit miteinander verbringen wollten" - die Aktion sei aber nach damaligem Verständnis rechtmäßig gewesen.

    Irgendwie erinert mich das jetzt an diesen "Ruhrbischof" Overbeck und seine "zwei Menschen, die in Frieden leben". Der leitet zwar keine Razzien, aber er vertritt die krude Sexualmoral seiner unheiligen Kirche ...
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#3 alexander
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 10.09.2010, 19:15h
  • Möge der Mann in Frieden ruhen! Immerhin hat er diesen mit der LGBT-Community bereits gemacht.

    Daß er als Razzialeiter sein Vorgehen nach der in den zu Ende gehenden 60er Jahren der damaligen Gesetzgebung einen Befehl ausführte und das nun bitter bereut, nehme ich ihm auch ab.

    Ob sich jedoch andere Cops, die damals ebenfalls dabeiwaren, sich für ihr Vorgehen entschuldigten, ist nie geklärt worden. Fraglich ist auch, ob diese heute noch leben oder auch bereits das Zeitliche gesegnet haben.
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#5 stromboliProfil
#6 XDAAnonym
  • 10.09.2010, 23:29h
  • Den Polizisten kann man insofern vor Overbeck vorziehen, dass er damals in einer vollkommen anderen Gesellschaft wohnte. Die Mehrheit fand Homosex. widerlich und abartig. Es ist klar, dass ein Gesetz da vielleicht nicht so hinterfragt wird, man es annehmen könnte. Overbeck lebt in einer liberalen Gesellschaft, wo man die seine Haltung absolut nicht nachvollziehen kann. Ich finde seine Entschuldigung glaubwürdig und ehrlich ...
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#7 stromboliProfil
  • 11.09.2010, 09:56hberlin
  • Antwort auf #6 von XDA
  • glaubst du wirklich, die mehrheit fände heute schwulen sex nicht wiederlich und abartig?

    Du wirst dich wundern über die wahrheit hinter den kleinmütigen kleingeistern.

    Wie auch in anderen "fragen" der gesellschaft , die uns heute plagen, "wird man ja mal wieder sagen dürfen was man denkt" , so des volkes stimme!
    Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch wir voll im visier stehen... der wind als furz bei sarrazin geboren wird sich zum strum entwickeln wenn erst die richtigen, die richtigen worte finden!
    Da ist overbeck nur die kirchliche variante; demnächst werden wir politiker laut nachdenken hören!
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#8 KokolemleProfil
  • 12.09.2010, 10:12hHerschweiler
  • Das ist eben das Problem, das unsere Gesellschaft hat. Das Befehle nur ausgeführt und nicht hinterfragt, notfalls verweigert werden. Es täte den Ordnungskräften gut das öfters zu tun. So sind auch die Taten des Nationalsozialismus entschuldigt worden. Wenn genügend Beamte nicht nur blindlings Befehle ausführen würden, diese auch hinterfragen notfalls verweigern würden, kämen nicht solche Ereignisse heraus. Und das Argument dann macht es ein Anderer lasse ich auch nicht gelten. Was will ein Staat machen, wenn alle damit nicht einverstanden sind? Siehe Stuttgart 21, wo endlich mal die Bevölkerung gegen die Obrigkeit aufsteht. Wenn dort die Plizei die Befehle verweigern würde, dann wollte ich mal wissen wie Herr Mappus &Co da agiren wollen. Es hätte uns gutgetan, wenn vor der Hartz IV Gesetzgebung es schon solche Proteste gegeben hätte. Jedenfalls ist nicht weiter hinnehmbar, das der Staat macht was er will.
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#9 MeinungAnonym
  • 12.09.2010, 12:30h
  • Antwort auf #7 von stromboli
  • "glaubst du wirklich, die mehrheit fände heute schwulen sex nicht wiederlich und abartig?"

    Bei der Menge an Menschen die heimliche Bineigungen haben, kann ich mir das nicht vorstellen. Was sagen ( Schwuler Sex ist ekelig usw.) und es wirklich meinen sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
    Die Menschen mit Bineigung, die Schwulen und die heterosexuellen Menschen die tolerant sind, zusammengenommen bilden die ( teilweise leider schweigende und sich verleugnende) Mehrheit.
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#10 stromboliProfil