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Intellektuelles Starlet der Achtziger: Ronald M. Schernikau (Bild: Aufbau Verlag)

Claudia Müllers Film "Verliebt in die DDR - Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" feiert am Dienstag in Berlin Premiere.

Von Carsten Weidemann

Im Herbst 1989, als hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat fliehen, geht ein junger schwuler Schriftsteller den entgegengesetzten Weg, er zieht in ein untergehendes Land.

Ronald M. Schernikau siedelt am 1. September in die DDR um. Freiwillig. Zwei Tage vor dem Mauerfall erhält er seinen neuen Personalausweis. Niemand versteht seinen Entschluss. Wie kann man sich freiwillig für die Unfreiheit entscheiden? Ronald M. Schernikau überlebt die DDR nur um wenige Monate. Mit 31 Jahren stirbt er 1991 an den Folgen von Aids. Er liegt begraben auf dem Friedhof der St. Georgen-Gemeinde in Berlin-Friedrichshain.

Youtube | Schernikau 1980 zu Gast in der Talkshow "Club 2"

Matthias Frings´ Schernikau-Biografie erschien 2008

Die Regisseurin Claudia Müller erzählt in ihrem Film die ungewöhnliche Lebensgeschichte des Schriftstellers, die in kein Konzept passt und keinen Trend bedient. Ronald M. Schernikau war das erste männliche Fräulein-Wunder der deutschen Literatur, offen schwul, geschminkt und hochpolitisch, Kommunist. Als intellektuelles Starlet wurde er nach Erscheinen seiner "Kleinstadtnovelle" in den frühen achtziger Jahren herumgereicht, der ORF ließ ihn mit Elisabeth Noelle-Neumann über Deutschlands Zukunft und seinen Satz "Es gibt keine alternative zum nichtstun" streiten. Anhand seines Lebens wird auch das Panorama einer keine dreißig Jahre zurückliegenden Zeit gezeichnet: das künstliche Paradies Westberlin, diese Insel zwischen den Welten, deren Kunstleben und Lebenskünstler Mythos sind.

Viele von Schernikaus Lebens- und Weggefährten kommen in Claudia Müllers 45-minütiger Dokumentation "Verliebt in die DDR - Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" zu Wort, so sein Freund und Biograf Matthias Frings, seine Mutter Ellen Schernikau, sein Lebensgefährte Thomas Keck, die Sängerin Marianne Rosenberg, für die der junge Dichter einen Schlager schrieb, und Wieland Speck, Programmleiter der Sektion Panorama der Berlinale.

Am 11. Juli 2010 wäre Ronald M. Schernikau 50 Jahre alt geworden.

Am Dienstag, 14. September 2010 um 18 Uhr präsentiert das Berliner Kino BABYLON den Film in Anwesenheit der Regisseurin. Voraussichtlich am Montag, 4. Oktober 2010 um 23 Uhr wird er auf arte ausgestrahlt.

Youtube | Bilder und O-Töne aus Schernikaus Leben


Berlin: Gedenktafel für Ronald M. Schernikau

An seinem letzten Wohnort in Berlin-Hellersdorf erinnert seit Freitag eine Tafel an den schwulen Dichter Ronald M. Schernikau.
#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 LorenProfil
  • 13.09.2010, 16:19hGreifswald
  • Schernikaus "Kleinstadtnovelle" habe ich damals verschlungen, auch wenn sie keine leicht zu komsumierende Kost war. Sein "Die Tage in L." gilt als eine der bedeutensten Beschreibungen der letzten Jahre der DDR. Er selbst war ein schillernd-kontroverser Zeitgenosse (sind mir eigentlich die liebsten, wenn sie schön widersprüchlich und gegen den Strich gebürstet sind). In "Der letzte Kommunist" wird folgendes Gedicht von ihm zitiert, das mir sehr gefällt:

    "wenn es regnet, bin ich allein
    ich möchte nicht alleine sein.
    ich habe an die welt nur diese bitte.
    der regen hört sich manchmal an wie schritte."
  • Antworten » | Direktlink »
#3 M. L. ScholliAnonym
  • 13.09.2010, 16:53h
  • "Der letzte Kommunist" ist eine rasante Zeit- und Sittengeschichte der 80er Jhare, in der u. a. Elfriede Jelinek, Thomas Hermanns, Peter Hacks, Marianne Rosenberg, Alice Schwarzer u. v. m. auftreten.

    "die welt ist ein quiz für die götter. die welt ist groß und übersichtlich. wenn wir auf einen berg steigen, können wir alles sehen. aber wo ist der berg."

    www.konkret-verlage.de/kvv/kt.php?texte=01

    Lieber Ronald M. Schernikau!

    Vielen Dank für Ihren Brief, das Buch ist heute gekommen. Ich werde es gleich lesen. (Dank auch dafür!) Ich habe natürlich über Sie gelesen (Sie geben immer noch eine Westberliner Adresse an?)

    Es würde mich sehr interessieren, wie Ihr neues Leben sich anläßt, aber es scheint ja kein neues zu sein, Sie kennen sich ja aus!

    Hier sehen wir jeden Tag im Fernsehen die glücklichen jungen Aussiedler in bunten Jogginganzügen, die die Freiheit begrüßen wie den lichten Tag. Ich verstehe das nicht. Das heißt, ich verstehe es schon, aber auch wieder nicht. Sicher habe ich nicht das Recht, überhaupt etwas dazu zu sagen, denn ich habe immer alles gehabt, aber ich würde es gerne verstehen.

    Vielleicht erzählen Sie mir einmal etwas mehr über Ihr neues Leben drüben, es interessiert mich wirklich sehr.

    Mit allen guten Wünschen und schönen Grüßen

    Ihre Elfriede Jelinek
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#4 gatopardo
  • 13.09.2010, 18:17h
  • Antwort auf #3 von M. L. Scholli
  • Ja, das sind so die Sternstunden im deutschen Sprachraum. Und wie auch @Loren schon so treffend über einen "schillernd-kontroversen" Zeitgenossen formuliert, so werde ich mir das Buch Ende September am Bodensee besorgen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LorenProfil
#6 gatopardo
#7 ScholliAnonym
  • 13.09.2010, 18:51h
  • Antwort auf #4 von gatopardo
  • Guter Plan

    Der altjunge Mann und der See.

    Die uralten Damen hier, Liz Mohn und Friede Springer, belärmen die Menschen mit ihrem Kasperltheater.

    Kulturbanausen, Kasperl als Krokodilzüchter !
    Langsam reicht's.

    "Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin, wie ein Bauchredner seine Puppe"

    Ein Gespräch mit Wolfgang Lieb, einer der Betreiber der NachDenkSeiten, über die rechtskonservative politische Meinungsmache der Springer-Presse.

    www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33301/1.html
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#8 vingtans
  • 13.09.2010, 19:42h
  • er ist ein absolutes idol von mir, schon vor dem buch (was aber auch klasse ist)..

    vielleicht deswegen die "kleinschreibung"?!
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#9 gatopardo
  • 13.09.2010, 20:41h
  • Antwort auf #7 von Scholli
  • Und die Steinbach treibt das Kasperltheater auf die Spitze. Wie kommt sie dazu, subtile antipolnische Gefühle zu schüren, indem sie mal so ganz nebenbei in den Raum stellt, dass sie nichts dafür könne, dass Polen kurz vorm deutschen Einmarsch mobil gemacht hat und man dürfe ja nichts mehr sagen in dieser "linken" Demokratie. Sie ist noch eine Spur dreister als Mohn und Springer.
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#10 GeorgFalkenhagenProfil
  • 14.09.2010, 02:22hBremen
  • Noch ganz unter dem Eindruck des heute um 22 Uhr fünfzig dankenswerterweise nochmals vom MDR gesendeten movies "coming out" gedenke ich gerne einer Begegnung mit Ellen, Ronald M.'s Mutter. An der Bar anlässlich der Vernissage. Wir haben uns sehr gut verstanden!

    Die Ausstellungseröffnung fand am 2.10.2001 statt, im Schwulen Museum zu Berlin, was ich mit Hilfe meines Mannes ins Internet brachte. Das kam diesem Verein verdächtig vor, man fürchtete einen Domain-Klau. Darüber lachte die unmittelbar benachBARte AHA herzlich.

    Konsequent wie mein Mann und meine Wenigkeit nun einmal sind, schmissen wir den Job hin, was den Herrschaften offensichtlich bis heute gewisse Personalprobleme bereitet. Schwul und heiraten wollen, unerhört sowas? Denkste!

    Umso mehr freue ich mich darüber, dass Claudia Müller & Co. das Leben eines Menschen würdigt, der Anerkennung verdient. Heute mehr denn je!!!

    gez. Georg W. Falkenhagen
    geb. 7. Oktober 1949
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