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Michael Mronz (l). und Guido Westerwelle in Zeiten von "wilder Lebenspartnerschaft"

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat am Freitag seinen langjährigen Lebensgefährten Michael Mronz geheiratet. Die Verpartnerung habe der Oberbürgermeister von Bonn, Jürgen Nimptsch, im Standesamt an der Poppelsdorfer Allee in Bonn in kleinem Kreis abgehalten, berichtet die "Bild"-Zeitung online. Von der "heimlichen Hochzeit" um 18 Uhr wussten ersten Berichten zufolge selbst enge Parteifreunde nichts.

Die offizielle Zeremonie, an der nur Familienangehörige teilgenommen haben sollen, wurde inzwischen auch von einem Parteisprecher gegenüber Nachrichtenagenturen bestätigt. Westerwelle und Mronz betrachteten die Verpartnerung als "rein private Angelegenheit", sagte der Sprecher. Die "Bild"-Zeitung wusste in dem Vorabbericht allerdings ein weiteres Detail: "Westerwelle und Mronz trugen beide dunkle Anzüge, der FDP-Chef dazu eine hellblaue Krawatte, sein Ehemann eine gelb-grüne", berichtet die Zeitung. Anschließend habe das Paar "die nun eingetragene Lebenspartnerschaft in einem Kölner Lokal ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit" gefeiert, berichtet der "Bonner General-Anzeiger".

Der 48-jährige FDP-Chef hatte den Event-Manager Michael Mronz (43) 2003 bei einem vom ihm organisierten Reitturnier kennengelernt, seitdem sind die beiden Männer ein Paar. Im Sommer 2004 kamen sie gemeinsam zur Geburtstagsfeier von Angela Merkel, womit die Beziehung (und die Homosexualität des Politikers) erstmals, unter Zuhilfenahme des Titels der "Bild"-Zeitung, offiziell bekannt wurde.

Schwules Paar unter Beobachtung


Bei den Gay Games begrüßten Westerwelle und Partner einige Besucher (Bild: Bernd Rosenbaum)

Zuletzt war das Paar, das in Berlin-Charlottenburg und Köln lebt, gemeinsam bei der Eröffnung der Gay Games in Köln gesichtet worden, wo der Außenminister zu Beginn seiner Rede von Teilen des Publikums ausgepfiffen wurde. Denn der FDP-Chef leht Antidiskriminierungsgesetze ab und hat auch früher gegen bestimmte Gesetze wie etwa die Einführung der Homo-Ehe gestimmt. Die Lebenspartnerschaft in Deutschland ist noch immer nicht mit der Ehe gleichgestellt, was größtenteils auf Westerwelles Wunsch-Koalitionspartner CDU/CSU zurückzuführen ist. In Baden-Württemberg ist es Schwulen und Lesben unter einer CDU/FDP-Regierung teilweise immer noch unmöglich, wie in NRW im Standesamt zu heiraten. Dort wird in Landratsämtern verpartnert, und die verlangen von Homo-Paaren teilweise deutlich höhere Gebühren als Standesbeamte bei Trauungen.

Anfang des Jahres war Westerwelle in Kritik geraten, weil sein Partner ihn auf einer Dienstreise nach Südamerika begleitet hatte und auch potentielle Geschäftspartner von Mronz teilnahmen. Auch hatte der Außenminister bei einer von seinem Lebensgefährten organsierten Hoteleröffnung in Bonn (im Wahlkreis Westerwelles) teilgenommen und dabei werbende Worte für das Hotel verloren. Die FDP konterte den Vorwurf, es würden private und dienstliche Interessen vermischt, mit dem Vorwurf der Homophobie und Diskriminierung (queer.de berichtete). Mronz ließ verlautbaren, er sammle lediglich Kontakte für seine Arbeit an "Ein Herz für Kinder" - eine ehrenamtliche Arbeit, die er eine Woche zuvor begonnen hatte (queer.de berichtete).

Mronz hatte Westerwelle zuvor bereits auf einingen Dienstreisen begleitet. In Boulevardblättern wie "Bunte" oder "Bild" sprachen sie gelegentlich über ihre Beziehung. "Wir sind beide sehr positiv denkende Menschen, eben rheinische Frohnaturen", sagte Mronz etwa 2006 (queer.de berichtete). Im August erklärte Westerwelle in der "Bunten", dass er zusammen mit Mronz nicht mehr in Länder reisen wolle, in denen Homosexualität unter Strafe steht: "Wir wollen den Gedanken der Toleranz in der Welt befördern. Aber wir wollen auch nicht das Gegenteil erreichen, indem wir uns unüberlegt verhalten", so der 47-Jährige (queer.de berichtete).

Der Kölner Express berichtet am Abend: "Flitterwochen sind erst mal nicht geplant." (nb)



#1 CarstenFfm
  • 17.09.2010, 20:52h
  • Herzlichen Glückwunsch!

    Und er setzt ein tolles Zeichen... gerade Ländern gegenüber, die noch nicht so weit sind.
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#2 gatopardo
#3 eMANcipation*Anonym
#4 ralfAnonym
  • 17.09.2010, 21:16h
  • Leider wohnt Westerwelle nicht in einem baden-württembergischen Landkreis. Sonst hätte er seine Hochzeit dank der Landes-FDP womöglich auf der KFZ-Zulassungsstelle feiern dürfen.

    Naja, in den Umfragen sinken die Werte der FDP ohnehin ständig, nun sind wir schon bei 5%. Die Entwicklung braucht sich nur ein wenig bis März 2011 fortsetzen und der Landtag von Baden-Württemberg ist sein CDU-Anhängsel los.
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#5 HundAnonym
#6 godddamn. liberaAnonym
  • 17.09.2010, 21:17h
  • Antwort auf #2 von gatopardo
  • Joo,

    ist doch gut, wenn Bürger Bürgerrechte in Anspruch nehmen, die sie anfangs bekämpft haben, weil sie u. a. in ihrem Studium der Rechte soweit nach rechts gedreht wurden, dass ihnen das Rechtsempfinden abhanden gekommen ist....
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#7 jojoAnonym
  • 17.09.2010, 21:31h
  • was soll eigentlich diese betonung, es handele sich um eine "rein private angelegenheit"? was zum teufel soll es denn sonst sein?

    ach, ich vergaß: man muss ja ungefragt klarstellen, dass homosexualität und alles, was damit zusammenhängt, generell niemals politische angelegenheiten sein können. sonst könnte noch jemand auf die verrückte idee kommen, ein politiker und außenminister könnte sich womöglich auch beruflich ab und zu mal mit diesem thema beschäftigen - und das kann ja niemand ernsthaft verlangen, oder?
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#8 Liedel
  • 17.09.2010, 21:36h
  • Glückwunsch den beiden!

    Auf dass Herr W. nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Außenministers spätestens 2013 die steuerlichen Vorteile der Eingetragenen Lebenspartnerschaft voll wahrnehmen kann und zwecks Brötchenerwerb weder zum BDI, noch zur Energiewirtschaft, noch nach Brüssel entsorgt wird
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#9 pferdAnonym
#10 MIZAnonym
  • 17.09.2010, 21:58h
  • Freut mich, dass Herr Westerwelle jetzt auch von der eingetragenen Lebenspartnerschaft Gebrauch macht!
    Als das Gesetz 2001 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung eingeführt wurde, hat er es selbst abgelehnt: "Das könne man auch per Vertrag vor dem Notar privatrechtlich regeln".

    Ich hätte ihm eine schöne Homo-Hochzeit in einer KFZ-Zulassungsstelle in BaWü gegönnt, wo seine FDP mit der CDU regiert. Aber der Herr Minister zieht eine standesgemäße Zeremonie vor dem Oberbürgermeister in Bonn vor.....
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