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Eingetragen nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz (Bild: Screenshot BILD)

Warum es gut ist, dass Guido Westerwelle vor das Standesamt getreten und Ole von Beust seinen jungen Geliebten vorgestellt hat.

Von Christian Scheuß

Meine Güte, dieses Wochenende ist ja angefüllt mit überraschenden Enthüllungen aus dem Leben ansonsten - na sagen wir mal - eher verschlossener Politiker. Das private Ereignis des deutschen Außenministers sorgt selbst im Ausland für Schlagzeilen. So freut sich RTL Luxemburg: "Guido Westerwelle huet säi Frënd Michael Mronz bestuet" "Bestuet" ist ein schönes Wort, da assoziiert man gleich, dass sich die beiden ja 2003 bei einem Reitturnier kennengelernt hatten.

Für die deutschen Medien hat er dagegen schlicht "geheiratet", ist im "Hafen der Ehe" gelandet. Die verheiratete Kanzlerin wünscht ihrem Vize "Von Herzen Glück und alles Gute" und auch der unverheiratete Klaus Wowereit gratuliert über das Magazin "Focus": "Ich wünsche dieser Ehe alles Gute und viel Glück." Man achte auf die Wortwahl: Der Ehe wünscht er alles Gute, nicht den Eheleuten. Volker Beck dagegen kann sich eine leichte Spitze via Twitter nicht verkneifen: "Ist doch schön, dass ihr nicht zum Notar musstet."

Apropos "Heirat", hab ich da was verpasst? Ach so, naja, "Verpartnerung" oder das "Eingehen einer Lebenspartnerschaft" klingt auch neun Jahre nach Einführung dieses Rechtsinstituts irgendwie sperrig und passt auch nicht so gut in die Überschriften wie "Heirat", Hochzeit", "Homo-Ehe". Aber wir sollten nicht vergessen, dass die Öffnung der Ehe - meinetwegen auch gern die Abschaffung derselben - nach wie vor aussteht, und dass die Lebenspartnerschaft nicht nur nach Krücke klingt, sie ist es nach wie vor auch rechtlich.

Die Chancen stehen wohl schlecht, zu erfahren, warum Welli seinen Mronzi gerade jetzt geehelicht hat, ist ja schließlich deren "Privatsache". Ob sie eines Abends bei einem guten Glas Wein daheim auf dem Sofa gesessen haben? Guido schickt noch ein paar SMS an Angie, Michael starrt gedankenverloren an die Wand, wo die Gemälde von Norbert Bisky mit den jungen blonden Männern hängen und plötzlich sagt er: "Du, was ist, wenn Du bei einem Besuch in Afghanistan von einer Horde Taliban in die Berge verschleppt und anschließend gezwungen wirst, vor den bärtigen Männern in Frauenkleidern zu tanzen, bevor sie dich vergewaltigen? Oder was ist, wenn ich plötzlich bei einem Reitturnier vom Pferd falle? Du Guido, das macht mir Angst." Guido überlegt kurz und sagt dann: "Komm, lass uns schnell bestueten." Vielleicht war es so. Vielleicht ist aber auch nur der Steuerberater schuld.

Romantik auf die hanseatische Art


Sie tragen Ringe nur als "Zierstücke" (Bild: Screenshot MoPo)

Und derweil in Hamburg? Ole trägt jetzt auch einen Ring am Finger, allerdings nur ein "Zierstück", geheiratet haben der Ex-OB und der Medizinstudent nicht. Lästereien über den großen Altersunterschied von 36 Jahren bereiten ihm keine Sorgen, bekräftigte er gegenüber dem Focus: "Wichtig ist, dass man zuverlässig, anständig und nach Gesetz lebt. Das tue ich." Gesetzestreue Liebe? Das ist Romantik auf die hanseatische Art. Hamburger Medien reagieren dagegen verzickt. So kommentiert das Hamburger Abendblatt Oles Auftritt mit seinem Lebenspartner bei der Eröffnung eines Modeshops: "Damit stellt von Beust das Stilempfinden der Hamburger Bürger nach seinem merkwürdigen Rücktritt zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen auf eine harte Probe."

"Shieet op dat Stilempfinden" wäre da unser Rat auf gut Norddeutsch. Wir erleben hier offensichtlich einen Mann, der sich mit 55 Jahren ein Stück weit sein Privatleben zurückerobert und sich - endlich - das selbstverständliche Recht nimmt, sein privates Glück öffentlich zu zeigen, wohl wissend, wie viele sich bei dieser Konstellation das neidische Maul zerreißen werden.

Und vergessen wir auch, dass sich der Außenminister mit seinem Freund unter den Schutz eines Rechtsinstituts stellt, das er mal für verfassungswidrig hielt und der uns alle zum Notar statt zum Standesamt schicken wollte. Er traut sich jetzt - endlich - sein Privatleben nach seinen Vorstellungen auszugestalten. Das ist, um es mit Wowis Worten zu sagen, schlicht "gut so." Im Berliner Szenemagazin "Siegessäule" gab es mal die Rubrik "Dafür haben wir nicht gekämpft", in der sich die Redaktion über Auswüchse in der Schwulenbewegung und der Community lustig machte. Hier sage ich: Doch dafür haben "wir" gekämpft. Dass auch einst so versteckte und verstockte Männer mal ein bisschen lockerer werden.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 18.09.2010, 17:32h
  • Ganz gut, daß Beustis neueste Eroberung schon volljährig ist! Nur drei Jahre jünger und es wäre nicht zu verantworten gewesen!
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#2 gatopardo
  • 18.09.2010, 17:40h
  • Christian, das war Dein bester Kommentar, auch wenn´s sicher wieder Kritiken hageln wird.
    Sollen sie´s doch erst mal besser machen !
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#3 alexander
  • 18.09.2010, 18:07h
  • na das ole als spätentdecker nun zu seinem privatleben zurückgefunden hat (hatte er vorher eins ?) sei ihm von herzen gegönnt. nach dem väterlichen arschtritt und seinem politischen kungelbruder schill ist er ja scheinbar,zwangsläufig seiner selbst mächtig geworden. die hanseatische zurückhaltung sehe ich mal sehr kritisch, schon im bezug auf sein intimgesponst, den abartigen kusch, vom schill in diesem zusammenhang gar nicht erst zureden.
    er hat in HH eine gute politik betrieben, insidermässig. aber man sollte doch überlegen welcher partei man angehört, vor allem was die treibt und charakter beweisen !
    insofern bleibt mit seinem 19 jährigen "gespusi" die frage offen, was das soll ? braucht er jüngelchen um vor sich selbst zu bestehen ? da macht er keine ausnahme zu anderen heteropolitikern ! ich schliesse bewusst den sexuellen aspekt aus, da speziell die hetenpolitiker (kohl) wohl nur noch im geiste kopulieren !
    aber ok ! nur charakter beweist das nicht, als erwachsener mensch, sollte man schon in der lage sein einen entsprechenden partner zu überzeugen und glücklich zu machen, schliesslich ist man ja kein schulschiff !

    das verfassungswidrige verhalten von quitscho und mronzerl, ist eh indiskutabel, lol !

    schlimm, das aus parteipolitischen gründen, unreifen menschen, die bereits positionen bekleiden, aber ihr persönliches leben überhaupt nicht im griff haben, geschweige dazu stehen, eintscheidungsgewalt zugebilligt wird !

    wahl hin, wahl her, erst mal durchleuchten und kompetenz abfragen, wird in der wirtschaft auch verlangt !
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#4 goddamn. liberalAnonym
  • 18.09.2010, 18:31h
  • Schön ist doch, dass das selbsternannte 'bürgerliche Lager' durch solche Wahrnehmung von Bürgerfreiheiten durch bürgerliche Politiker hierzulande in eine Identitätskrise gestürzt wird. Auf dass die klemmigen Klerikalinkis an Selbstzweifeln verzweifeln mögen!!!
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#5 Knueppel
  • 18.09.2010, 18:40h
  • @Christian Scheuß

    Klar ist es gut, wenn Schwule (und Lesben) endlich ganz selbstverständlich öffentlichen zu ihren (Lebens-) Partner/innen stehen.

    Wenn dies bei (Semi-) Prominenten stattfindet, erregt es die Aufmerksamkeit der Medien und deren Konsumenten ... auch gut!

    Ansonsten bleibe ich bei meiner grundsätzlichen Kritik (siehe Kommentar # 27 im "Westerwelle-Thread") und möchte dort noch auf die hervorragend auf den Punkt gebrachten Kommentare # 37 'MIZ' und # 41 'alex' hinweisen.

    'MIZ' erklärt es sehr gut:
    Es geht überhaupt nicht darum, ob "wir" die Ehe für überholt halten oder nicht ... ich will einfach die gleichen Rechte haben, denn ich bin kein Mensch 2. Klasse!!! Es bleibt jedem überlassen, ob er eine Ehe eingehen will oder nicht, dafür muss er aber erst einmal die Möglichkeit bekommen zu wählen, ob oder ob nicht, nicht wahr?

    PS Wenn sich einige (Medien) jetzt vielleicht das Maul zerreißen über den großen Altersunterschied zwischen von Beust und seinem Partner, verweise ich wiederum auf gleiches Recht für alle und nenne als Beispiele: Joschka Fischer und seine Partnerinnen (die allesamt seine Töchter sein könnten) oder auch Gerhard Schröder und Münteferings 2. Ehefrau.

    Dass übrigens alte Männer an der Seite sehr junger Partner/innen noch älter wirken, weil der Altersunterschied sofort in's Auge springt, ist eine andere Sache, die ich zwar belächle, die mich aber nichts angeht. Jeder blamiert sich so gut er kann
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#6 ichAnonym
  • 18.09.2010, 19:02h

  • wenn es passt, ist es doch ok! Ich für meinen teil, wäre auch dafür, das sich das gleiche recht auf diese (ehe / ehen) ausbreitet. Dafür müßte es für mich aber auch nicht unbedingt um ehe "ehe" handeln. Und wenn ehe, dann mit allen drum und dran, betonung auf " MIT ALLEN DRUM UND DRAN"
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#7 alexander
  • 18.09.2010, 19:41h
  • Antwort auf #5 von Knueppel
  • vielen dank für deinen kommentar, mir gehen bei soviel geschwammerlten selbstverständnissen und beweihräucherungen mal gern die gäule durch !
    denn diese herrschaften achten , egal wie, immer darauf, möglichst keinen persönlichen schaden zu nehmen, zivilcourage kennen "die" nicht, das ganze heisst dann "diskretion" !

    ole....... na ja ? er hat uns nicht bewusst geschadet, hanseatische "diskretion" und persönliche inkompetenz !

    aber die "freiheitsstatue germaniens" ist an unverschämtheit der absolute hammer und sollte nach afghanistan abgeschoben werden mit mronz in burka ! pfui deibel diese schmarotzer !
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#8 stromboliProfil
  • 18.09.2010, 19:55hberlin
  • ach kinners... der beste kommentar ist doch längst geschrieben ...
    "Ansonsten freut mich die Heirat von Westerwelle sehr und möge die FDP nunmehr endlich auch die Reform bei der Besoldung/Versorung der Bundesbeamten/Soldaten und in der Einkommenssteuer durchsetzen und diese an die Lebenspartnerschaft anpassen."
    und im wiederholen , um den sinn zu verstehen:
    "Möge jetzt auch noch endlich die Reform bei Besoldung/Versorgung der Bundesbeamten/Soldaten kommen sowie die Anpassung der Einkommenssteuer an die Lebenspartnerschaft, liebe FDP."

    Zwei haben getan was sie tun mussten um die kommende steuererklärung aufzubessern.
    Notare kosten geld; Selbst ein spätrömiisch dekadenter weiss um die verlusste die drohen, wenn nicht schnell die zuvor bekämpfte legalität eingeheimst werden...
    Selbst beck hat recht; die hamstern nun, was zuvor heftigst bekämpft wurde..; mal sehen, wie schwesterwelle im bundestag die strategie seiner partei erklärt, wenns mal wieder zur gesetzesvorlage kommt, dass schwule einen besonderen schutz gemäss Artikel 3 benötigen.. die gegenreden möcht ich nicht verpassen, die den kasper blos zu stellen!

    Einem opportunisten gratulier ich nicht, wie ich auch nie die hand reichen würde...
    damit werden die leben können
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#9 Knueppel
#10 Liedel
  • 18.09.2010, 20:15h
  • Und die Moral von der Geschicht?
    Engagier dich für LGBT- Belange nicht!
    Denk erstmal an die Karriere,
    dann kommt dir keiner in die Quere.
    Stimmt die Kasse, ists okay,
    damit tust du dir nicht weh.
    Doch winken die etablierten Kreise,
    fragst du dich oft, mal laut, mal leise: bin ich mir jetzt eine Schlagzeile wert?
    Ein bisschen Trommeln ist nicht verkehrt,
    grad wenn du ihn bald ertragen musst:
    den Höllenschlund des Bedeutungsverlusts!

    Erst wenn du fest im Sattel sitzt
    wirst du auch von Reportern geblitzt
    belobhudelt und triefend vor Schleim
    darfst du ein Vorzeigeschwuler sein!
    Den blitzenden Euro im schicken Jackett
    nimm ihn ruhig den anderen weg
    halte Partner und Moneten fest
    was interessiert schon der dreckige Rest
    soll er geifern, und geht er pleite
    DU bist auf der sicheren Seite!

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