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Thomas Mann, 1937 (Bild: Wikipedia)

Das intimste und privateste hielt der berühmte Schriftsteller in seinen Tagebüchern fest. Auch seine nie ausgelebte Liebe zu jungen Männern.

Von Carsten Weidemann

Die Geschichte der Tagebücher des Literatur-Nobelpreisträgers ist ein wahrer Krimi. Sein Leben lang hat er seinen Alltag in Kladden festgehalten. Nach seiner überstürzten Emigration in die Schweiz blieben die Tagebücher 1933 in München zurück, und Thomas Mann fürchtete, dass sie den Nationalsozialisten in die Hände fallen würden. Die Tagebücher wurden in einer abenteuerlichen Aktion von seinem Sohn Golo in die Schweiz gerettet. Alle Tagebücher aus der Zeit vor März 1933 hat Thomas Mann im Mai 1945 verbrannt.

Allein die Hefte aus der Zeit September 1918 bis Dezember 1921 blieben erhalten, da der Autor sie aktuell für die Arbeit an Doktor Faustus benötigte. Die noch vorhandenen und heute veröffentlichten Tagebücher umfassen die Zeiträume von September 1918 bis Dezember 1921 und von März 1933 bis Juli 1955. Thomas Mann hatte verfügt, dass die versiegelten Pakete mit den Tagebüchern erst zwanzig Jahre nach seinem Tod geöffnet werden dürfen.

Thomas Mann - Knabenliebe und Politik


Die Edition mit 830 Minuten auf 12 CDs (Bild: Der Hörverlag)

Thomas Mann hatte seine Homosexualität nur als Schwärmereien für junge Männer in der Literatur gezeigt - Buddenbrooks (Hanno/Kai Graf Mölln) - Tonio Kröger (Tonio Kröger/Hans Hansen), - Zauberberg (Hans Castorp/Pribislav Hippe) - Der Tod in Venedig (Gustav von Aschenbach/Tadzio). In seinem Vermächtnis sprach er wesentlich deutlicher von seinen unausgelebten Begierden.

Vom Frühstücksei bis zum Cocktail bei Präsident Roosevelt, vom gemütlichen Weihnachtsabend bis zu den Erfahrungen des Exils - Thomas Mann verbindet in den erhaltenen Journalen stets nahtlos das Alltägliche mit dem Weltgeschehen. Schonungslos erzählt er von familiären Zwistigkeiten, von Krankheiten und Knabenliebe, von Politik und literarischen Projekten.

Die interessantesten Einträge hat der Thomas Mann-Experte Hermann Kurzke für diese Hörbuch-Edition ausgewählt und mit einem Bonus-Feature über Leben und Werk des Autors mit zahlreichen Originaltönen ergänzt. Die Tagebücher auf 12 CDs selbst bringt mit gekonnter Balance und fein nuanciert der Schauspieler und Autor Hanns Zischler zu Gehör. Und so entsteht vor unserem geistigen Auge nicht nur das innere Portrait Thomas Manns, sondern das Bild einer ganzen Epoche.

Hörprobe aus der CD-Edition



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 goddamn. liberalAnonym
  • 26.09.2010, 17:05h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Gottseidank ist Thomas Mann und v.a. seiner 'jüdischen' Frau und seinem offen schwulen politisch sehr aktiven Sohn Klaus das Schicksal der Anne Frank erspart geblieben. Da juckte es so manchem Faschisten schon gewaltig in den Fingern...

    Für mich Thomas Mann derjenige, der den gleichgeschlechtlichen Eros als Idee nach der Einführung des Christentums endgültig wieder aus dem subkulturellen Schatten geholt und - höchst geschickt als braver Familienvater getarnt - in der europäischen Hochkultur reetabliert hat.
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#3 Sesemie Anonym
#4 Die WahlverwandtschaftenAnonym
#5 wälsungenblutAnonym
#6 goddamn. liberalAnonym
#7 gatopardo
#8 reformkleidAnonym
  • 27.09.2010, 22:45h
  • @goddamn.liberal

    Dass er leichter verdaulich ist als Brecht'sche Suppenküche, spricht für keinen der beiden.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 reformhausAnonym