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Ex-Bürgermeister Juri Luschkow (Bild: Wiki Commons / Andrey Surikov / CC-BY-SA-3.0)

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat den Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow, der sich über Jahre als CSD-Gegner profilierte, aus politischen Gründen entlassen.

Medwedew habe sein Vertrauen in den 74-Jährigen verloren, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Dienstagmorgen. Der Schritt war erwartet worden, weil das Staatsfernsehen bereits seit Wochen gegen den seit 18 Jahren regierenden Politiker mobil machte. Ihm wurde Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen. So soll er seiner Ehefrau, die es als Chefin eines Immobilienkonzerns zur reichsten Frau Russlands gebracht hat, städtische Aufträge zugeschanzt haben. Außerdem sollen Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin der in der Bevölkerung beliebten Luschkow zunehmend als Konkurrenz angesehen haben.

Der Moskauer Bürgermeister ist von Menschenrechtsaktivisten besonders wegen seiner homofeindlichen Politik kritisiert worden. Der Bürgermeister hat von 2006 bis 2010 fünf Mal in Folge die Austragung des CSDs in seiner Stadt verboten und bezeichnete die Veranstaltung als "satanisch" (queer.de berichtete). Die "offene Propaganda von gleichgeschlechtlicher so genannter Liebe" ist für ihn eine "gesellschaftliche Plage". Sie stehe auf einer Stufe mit "Drogenmissbrauch, Ausländerfeindlichkeit und ethnischen Fehden", so Luschkow.

Als Schwule und Lesben in den letzten Jahren trotz des Verbots für ihre Rechte auf die Straße gegangen sind, ließ Luschkow die Polizei die Demonstranten verhaften. In der aufgeheizten Atmosphäre machten auch Rechtsradikale Jagd auf die Aktivisten. Das bekam auch der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck zu spüren, der die Veranstaltung Jahr für Jahr unterstützte: 2006 wurde er von Rechtsradikalen verprügelt, ein Jahr später verhafteten Polizisten den Politiker.

Luschkow begann seine politische Karriere Ende der 1960er Jahre in der kommunistischen Partei. Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion wurde er 1992 vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin zum Bürgermeister ernannt. Während seiner Zeit als Bürgermeister hat er stets seinen orthodoxen Glauben betont, mit dem er die CSD-Verbote rechtfertigte. Dabei weiß er die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite: Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2008 erklärten 84 Prozent der Russen, dass Homosexualität "unmoralisch" sei (queer.de berichtete). (dk)



#1 SvenAnonym
  • 28.09.2010, 09:14h
  • Hmm, normalerweise finde ich es nicht gut, wenn Leute Opfer vom System werden, aber hier kann ich mir die Schadenfreude nicht verkneifen :-p

    Andererseits befürchte ich, dass es sich nicht wirklich bessern wird...
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#2 Timm JohannesAnonym
#3 Knueppel
  • 28.09.2010, 09:18h
  • Endlich ist dieser "offenbar korrupte", aber eindeutig homophob agierende Politiker seines Postens enthoben worden. Sicher "hatte auch er bei den beiden Verhaftungen von Alekseev (Russischer Schwulen-Aktivist und CSD-Organisator) seine Hände im Spiel ..." -
    www.freitag.de/community/blogs/sexpower/wird-der-fall-nikola
    i-alekseev-zum-fall-juri-luschkow


    Zwar wäre es schön gewesen, Luschkow wäre auch (für die Öffentlichkeit sichtbar) wegen seines Verstoßes gegen die Menschenrechte von schwulen Männern und lesbischen Frauen (siehe dazu die diversen Aritkel hier bei 'Queer.de') entlassen worden aber immerhin ist er jetzt nicht mehr Bürgermeister von Moskau.
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#4 herve64Profil
  • 28.09.2010, 09:24hMünchen
  • Trotzdem gibt es keinen Anlass zu Freudentänzen: schließlich ist er nicht wegen seiner Homophobie gefeuert worden.

    Also, erst einmal abwarten, was da nach kommt.
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 Roman BolligerAnonym
  • 28.09.2010, 11:55h
  • Eine LGBT-freundlichere Politik ist in Russland noch lange nicht zu erwarten. Zu stark ist die Homophobie in der durch die machistische Orthodoxie geprägten russischen Kultur verankert. Man sieht ja: Luschkow bedient sich eines religiösen Vokabulars, wenn er CSD's als "satanische Veranstaltungen" bezeichnet. Selbstverständlich erachtet er wohl die eigenen korrupten Praktiken und den dadurch entstandenen Reichtum seiner Frau als etwas Engelhaftes und Gottgefälliges.

    Eine Abnahme der gesellschaftlich verankerten Homophobie ist wohl nur im Schneckentempo möglich und nur auf der Basis wirtschaftlicher Faktoren (Gays als finanziell interessante Zielgruppe?). Russland war noch nie bekannt als guter Boden für die Menschenrechtsidee, Leninismus hin oder her.

    Ich wage zu bezweifeln, dass Medwedew fähig (oder willens?) ist, daran etwas zu ändern. Putin wird dies verhindern.
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#8 VolumeProProfil
  • 28.09.2010, 17:02hMönchengladbach
  • Schade ist es mit Sicherheit nicht, dass er abgesetzt wurde. Aber man darf jetzt nicht erwarten, ohne Probleme eine CSD-Parade in Moskau abhalten zu können.
    Egal wer in Moskau an der Macht ist, die CSD-Paraden werden immer Probleme bereiten.
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#9 Hannu, TampereAnonym
  • 29.09.2010, 03:19h
  • Der Erfrischungsurlaub in seinem 2 Millionen Euro gekosteten Albluxusferienhaus im österreichischen Kitzbühel hat wahrscheinlich nicht den Herrn Bürgermeister genügend belebt. Zum Glück kann er nach diesem kleinen Rückschlag zu seinem 10-Millionen Ferienhaus in Marbella ziehen. Das Eigentum Luschkows beträgt 2,9 Milliarden Dollar, das zufälligerweise im Besitz seiner Frau ist. Herr Luschkow hat sein Eigentum natürlich von seinem Gehalt gespart, so dass wir in diesem Fall gar nicht über Korruption reden können, nicht wahr?

    Es gibt keine Demokratie und Menschenrechte in Russland seit tausend Jahren. Wir können ja alles hoffen und wünschen. Russland wird demokratisch und ich gewinne im Lotto, ne?
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#10 Tinnitus IesusAnonym
  • 29.09.2010, 03:41h
  • @Foxxxyness

    Ich finde es sehr diffamierend und herabwürdigend von dir, dass du Herrn Luschkows Glatze hier mit lauter negativen Dingen in einem Atemzug nennst.
    Sicher, dieser Mann ist nun endlich weg, das ist eine gute Nachricht aus Moskau.
    ABER für seine Glatze kann er nichts, das ist erblich bedingt. Mit hoher, ja sogar sehr hoher Wahrscheinlichkeit hatte der Vater der Mutter von Herrn Luschkow auch eine Glatze, so ist das bis zu ihm vererbt worden. Auch wenn er sehr viel schlechtes über uns gesagt hat, darf er nicht wegen des Aussehens diskriminiert werden!
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