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In Berlin fordert eine Homo-Gruppe unter dem Titel "Schöner cruisen" Schwule zur Rücksicht auf. (Bild: Maneo)

In der schwulen Szenen häufen sich die Berichte von Überfällen in Cruising-Gebieten - aber auch die Behörden machen den Männern das Leben schwer.

Von Dennis Klein

Ein Waldstück an einem Autobahnparkplatz bei Castrop-Rauxel gilt in einschlägigen Foren als guter Treffpunkt für schnellen, anonymen Sex. "War letzte Woche mal wieder da. Ist ja wirklich echt Betrieb", schreibt dort etwa Dieter. Wie gefährlich es trotzdem am A42-Parklatz Castrop-Bladenhorst sein kann, zeigt der Polizeibericht: Demnach traf ein 27-Jähriger aus dem Münsterland am 21. September zwei hübsche junge Männer. "Gemeinsam beschloss man, sexuell aktiv zu werden", formulierte die Pressestelle der Behörde. Doch aus dem Spaß wurde ernst: Drei weitere Männer sprangen plötzlich aus den Büschen und raubten den verdutzten 27-Jährigen aus. Dabei schlug einer der fünf Räuber seinem Opfer mit einem Ast auf den Bauch - das Quintett verschwand anschließend mit reicher Beute.

Die Polizei klärte diesen Fall zwar in kurzer auf und nahm bereits drei Täter fest. Es handelt es um Jugendliche aus Herne und Dortmund im Alter zwischen 17 und 19 Jahren. Während der Vernehmung räumten die jungen Männer weitere Raubüberfälle nach dem gleichen Prinzip ein. Die Behörden konnten zwei weitere Überfälle den Tätern zuordnen, vermuten aber eine hohe Dunkelziffer. Denn viele Cruiser führen privat ein Doppelleben - und wenden sich selbst nach einem Überfall nicht an die Polizei.

Morde an Cruisern noch unaufgeklärt


Fahndungsplakat der Polizei nach dem Mord an zwei Cruisern. (Bild: Polizei Baden-Württemberg)

In Extremfällen kann Cruising sogar lebensgefährlich werden: So ermittelt die Polizei weiter nach dem Mord an zwei Männern in Cruising-Gebieten in Baden-Württemberg und Hessen (queer.de berichtete). Die beiden wurden mit der selben Waffe durch einen Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Ein dritter Mann, der ebenfalls nahe eines Cruising-Gebiets in Nordrhein-Westfalen ermordet aufgefunden wurde, steht nach Informationen der Polizei nicht mit den anderen Morden in Zusammenhang (queer.de berichtete). Die ermittelnden Polizeidienststellen warnen Schwule jedoch beim Cruising zu besonderer Vorsicht.

So offen sich die Behörden in vielen Landesteilen geben, so sehr verspielen sie das Vertrauen der Cruiser in anderen Gegenden. Es gibt Berichte, dass Zivilbeamte wie in der dunkelsten Adenauer-Ära noch immer Jagd auf Schwule machen. So berichtet das schwul-lesbische Regionalmagazin "GAB" über die "Razzia am Urinal", die in Frankfurt schon fast zur Tagesordnung gehört. "Wir standen nur nebeneinander, als kaum zwei Minuten später ein lautes, überfallmäßiges Geschrei zweier Stadtpolizisten schockte: 'Zeigen Sie sofort Ihre Ausweise, Sie haben eine Ordnungswidrigkeit begangen'", berichtet etwa Herr G. über eine Polizeiaktion in der Main-Metropole.

Gespräche zwischen Polizei und Homo-Gruppen


In Rotterdam hat die Stadt Hinweisschilder aufgestellt: In einem begrenzten Areal dürfen sich Schwule vergnügen, wer aber außerhalb der Cruising-Zone die Hosen runter lässt, muss mit einer Strafe rechnen.

Dabei gab es dort bereits 2001 Gespräche zwischen Homo-Gruppen und den Behörden, wie ein guter Umgang zwischen Cruisern und Polizei erreicht werden kann. Schwule Gruppen forderten die Cruiser auf, nur bestimmte öffentliche Toiletten zu nutzen, bei denen keine Unbeteiligten gestört werden - im Gegenzug sollten die Ordnungshüter auf Razzien in Zivil verzichten. Doch nach mehreren Personalwechseln sind diese Gespräche offenbar in Vergessenheit geraten.

Zwar hat die Bedeutung von Klappensex oder Cruising in den letzten Jahrzehnten abgenommen, weil es für Männer, die Sex mit Männern haben wollen, mehr und mehr Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt. Für viele Schwule ist Cruising dennoch Teil ihres Lebens - sei es, weil sie Frau und Kinder zu Hause haben und ihre Lüste geheim halten wollen oder weil sich einige die 20 Euro für einen Saunabesuch nicht leisten können. Für diese Männer wäre es gut, sich zumindest nicht mehr vor einem Outing durch die Polizei fürchten zu müssen.



#1 GeertAnonym
  • 30.09.2010, 13:25h
  • Der Unterschied zur "dunkelsten Adenauer-Ära"? Damals MUSSTE man sich aus Sicherheitsgründen zum schnellen Sex in der Anonymität treffen. Die Schwulenbewegung hat aber nicht Jahrzehnte für ihre Freiheit gekämpft, damit schwule Männer jetzt weiter Gruppensex in öffentlichen Parks und Toiletten haben. Wer sich trotzdem in dieses Milieu begibt, muss damit rechnen, dass davon auch Kriminelle angezogen werden - ähnlich dem Rotlichtmilieu im Heterobereich.
    Ich finde es gut, wenn die Polizei in im Jahre 2010 in diesem Milieu aufräumt! Sexuelle Handlungen im öffentlichen Bereich (öffentliche Toiletten, Parks) müssen -allein schon aus Jugendschutzgründen- verboten werden - sowohl für Heteros wie für Homos!
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#2 Julek89
  • 30.09.2010, 13:42h
  • Hmm... also... wohne ja in besagtem Castrop-Rauxel, nicht besoooonders groß, und dieser Parkplatz ist nicht so extrem weit entfernt. Habe aber noch nie von Jemandem (natürlich speziell unter schwulen Bekannten aus Castrop und Umgebung) was davon gehört, dass dort überhaupt ein Cruising-Gebiet ist. Kann damit zusammenhängen, dass ich pers. nicht viel davon halte und sowas nicht mache, aber vllt. spricht man auch nicht gerne drüber...

    Ein Tabu in unserer Szene?

    Ist das vllt. ein Mitgrund, dass es so gefährlich ist?
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#3 GastGastGastAnonym
  • 30.09.2010, 14:28h
  • Also ich persönlich kann auch nicht wirklich nachvollziehen, warum man sich seinen Sex denn unbedingt so ganz anonym an einem schmuddeligen Parkplatz holen muss, was denn daran so toll sein soll. Da suche ich mir doch echt lieber einen passenden Kerl bei GR (wenn der Server nicht gerade streikt).

    Aber nur weil ich damit nichts anfangen kann missbillige ich es nicht, wenn jemand nachts irgendwo cruisen will, das soll doch jeder machen wie er möchte.

    Insofern ist es natürlich immer schlimm, wenn dort jemand überfallen wurde oder Opfer einer unnötigen Razzia wird, das wünsche ich natürlich niemandem.
    Ich denke wenn sich nachts jemand irgendwo im dunkeln vergnügt ist es auch blödsinnig den Jugendschutz heranzuziehen. Dadurch wird doch nun wirklich niemand belästigt, daß jemand da seinen Spass hat.
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#4 MIZAnonym
  • 30.09.2010, 15:04h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Lieber Geert,

    mit der gleichen Argumentationsgrundlage könnte man auch behaupten, dass Frauen, die sich zu aufreizend anziehen, selbst schuld sind, wenn sie vergewaltigt werden.

    Nur weil eine Frau Minirock trägt, ist kein Straftäter dazu berechtigt, sie zu vergewaltigen.

    Und nur weil Schwule im Wald cruisen gehen, ist kein Verbrecher dazu berechtigt, sie zu überfallen.

    Mag ja sein, dass Klappen/Raststätten und Parks historisch zu betrachten sind. Es gibt aber auch heute noch viele Männer, die über keine schwule Identität verfügen oder bisexuell sind und deshalb den flüchtigen, anonymen Sex suchen.

    Außerdem solltest Du als Lutheraner doch wissen, dass so eine Nummer in Gottes freier Natur durchaus ihre Reize haben kann. Sonst erzählst Du uns doch auch immer, wie sexualitätsfreundlich die lutherische Kirche ist! ;-)
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#5 CarstenFfm
  • 30.09.2010, 15:39h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Nun nicht überall sthet eine Infrastruktur an Gay Bars etc. zur Verfügung.... auf dem Land nicht... selbst in Frankfurt ist das Angebot überschaubar.

    Und bevor man stundenlang in GR rumhängt, endlos chattet und doch nicht zum Zuge kommt, geht man doch schneller mal gerade in den Busch.

    Und selbstverständlich sollte man dabei diskret vorgenhen und keine Nur-Pipi-Macher und Nur-Parplatz-Ausruher belästigen - ist doch klar.

    Und wenn man niemanden belästigt, sollte einen die Polizei auch nicht belästigen.... was die "gab" über Frakfurter Polizeikontrollen schreibt: Polizei in Zivil, Polizei schaut über die Trennwände in Kabinen erwartet man ehr in den USA oder in finsterer Vergangenheit, als jetzt und hier.
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#6 GeertAnonym
  • 30.09.2010, 15:41h
  • Antwort auf #4 von MIZ
  • Lieber MIZ,

    es muss sich wohl um eine Verwechselung handeln, wenn du mich jetzt schon zum zweiten Mal als Lutheraner bezeichnest. Ich war nie einer und ich werde auch kein Lutheraner werden.
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#7 FranziAnonym
  • 30.09.2010, 16:03h
  • Hab ichs nicht gesagt !? Durch derartige "Schläger Leitsysteme" (Hinweisschilder) wie in Rotterdam isses doch vorprogramiert, das es zu Konflikten und Übergriffen kommt !! :-(
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#8 VolumeProProfil
  • 30.09.2010, 16:33hMönchengladbach
  • Der Bericht hier bei queer.de weist einen sachlichen Mangel auf. Die Stadtpolizei Frankfurt ist keine Polizei im normalen Sprachgebrauch, sondern der Außendienst des Ordnungsamtes Frankfurt.
    Korrekt ist aber, wie hier dargestellt, dass sie die Aufgabe haben Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen und entsprechen zu ahnden. Aus ermittlungstaktischen Gründen wäre es vollkommen widersinnig, wenn die Beamten bei solchen Ermittlungen Uniformen bzw. Dienstkleidung tragen würden.

    Es gehört sich einfach nicht, auf öffentlichen Toiletten Sex zu haben. Das wird nicht zu Unrecht als Ordnungswidrigkeit nach § 119 OwiG (Ordnungswidrigkeitengesetz) oder anderen eventuell spezielleren Vorschriften geahndet.
    In entsprechenden Bars mag das okay sein, wenn man auf der Toilette sich vergnügt, aber auf öffentlichen Toiletten hat das nichts zu suchen. Das hat auch nichts mit der Schwulenverfolgung in der Adenauer-Ära oder in der Nazi-Zeit zu tun. Mit den gleichen Gesetzen wird auch gegen verbotenen Heten-Sex in der Öffentlichkeit vorgegangen, das sollte man auch mal bedenken.
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#9 sylviafeeProfil
  • 30.09.2010, 17:30hBerlin
  • Antwort auf #8 von VolumePro
  • dazu darf man(n) nicht vergessen, das es schon ein alter brauch ist, dass schwule sex anbahnungen und aktiv (kabine) sex haben auf klappen.
    WARUM?????
    Weil sie den geruch so mögen????
    Nein weil die HETEN ihnen über jahre keine alternative liesen.
    Unsinnig allerdings auch bei klappen sex auf heten zu verweisen (dennoch passiert auch in dieser richtung auf den autobahnen genug)
    Selbst habe ich es noch nicht erlebt das cruisen von heten (pärchen) von ordnungskräften oder auch von der polizei in dieser form verfolgt wird.
    Also schon bei den tatsachen bleiben. Unter nazi- deutschland und adenauers knüppel-ära ging es oft nicht anders.
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#10 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 30.09.2010, 17:42h
  • Das muß man den fünf Jugendlichen lassen - zwei baggern die Cruiser an, die anderen drei hopsen aus dem Gebüsch! Solche Szenen findet man oft in Krimis oder Actionfilmen! Schade, daß dem Typ aus dem Münsterland so übel mitgespielt wurde! Hätten die fünf Anderen ernste Absichten gehabt, wäre das eine feuchtfröhliche Orgie geworden!
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