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Aus einer Arbeitsbeziehung zwischen zwei Juden entwickelt sich eine erotische Faszination

Jetzt auf DVD: Im israelischen Film "Du sollst nicht lieben" verliebt sich der streng gläubige Jerusalemer Metzger Aaron in seine Aushilfe Ezri.

Von Dennis Klein

"Gibt es denn Geschichten von großer, allesumkrempelnder Liebesleidenschaft nur noch unter Schwulen?" fragte die Süddeutsche Zeitung in ihrer Rezension zum Kinofilm "Du sollst nicht lieben". Jetzt gibt es den in der Tat bewegenden israelischen Film auch auf DVD.

Familienvater Aaron (Zohar Strauss) ist ein rechtschaffender Mann: Der Melancholiker lebt in einer einfachen Welt, in der das Wort Gottes zählt - oder zumindest die orthodoxe Interpretation der jüdischen Schriften. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er dessen Metzgerei und sucht nach einer Aushilfe. Er hat Mitleid mit dem jungen Ezri (Ran Danker), der gerade mutterseelenallein einen Studienplatz sucht - und stellt ihn trotz fehlender Erfahrung ein. Da der Bursche keine Bleibe hat, bietet Aaron dem Zugezogenen ein Bett im Hinterzimmer der Metzgerei an.

Einblicke in das straff organisierte ultrareligiöse Leben in Jerusalem


Fleischer Aaron muss sich zwischen Liebe und Tradition entscheiden

Zwischen dem Metzger und seiner Hilfskraft entwickelt sich langsam eine Beziehung. Aaron fühlt sich von Ezri zwar angezogen, weiß aber nicht, wie ihm geschieht. Das bleibt auch seinem Rabbi nicht verborgen, der das enge Verhältnis mit Sorge betrachtet. Als Gerüchte umgehen, dass Ezri aus seiner alten Gemeinde herausgeschmissen wurde, übt die Gemeinschaft Druck auf Aaron aus: Er soll sich von seinem Freund lossagen oder mit den Konsequenzen leben, machen ihm aggressive Tora-Schüler unmissverständlich klar.

"Du sollst nicht lieben" gibt interessante Einblicke in das straff organisierte ultrareligiöse Leben in Jerusalem. In dieser Welt stehen die "göttlichen" Normen über allem - sie dürfen auch mit Selbstjustiz verteidigt werden. So wird in einer Szene gezeigt, wie Aaron als Teil dieser Welt mit anderen Gemeindemitgliedern einen Mann in dessen Wohnung Prügel androht. Sein Vergehen: Er hatte sich in einer andere Frau verliebt. So spezifisch diese jüdische Welt auch ist, die Argumente, die von den Sittenwächtern zum Besten gegeben werden, kennt man auch von christlichen, islamischen oder anderen Fundamentalisten. Der Streit zwischen der offenen, liberalen und der geschlossenen, engstirnigen Welt ist universell.

Youtube | Trailer zum Film

"Ich brauche ihn einfach. Ich war tot, jetzt lebe ich"


Provokation in Jerusalem: Bei den Dreharbeiten wurde die Filmcrew mit Steinen beworfen

Aaron merkt sehr schnell, wie er auf die vermeintlich andere Seite der Gesellschaft gerät. Aber er weiß auch, dass er das erste Mal sein Leben - und die Liebe - richtig genießen kann: "Ich brauche ihn einfach. Ich war tot, jetzt lebe ich", erklärt er in einer Szene. Als seiner Frau und Bekannten die allzu enge Männerfreundschaft suspekt wird, muss er sich entscheiden, wie sein Leben weitergehen soll.

Die schauspielerische Leistung insbesondere der beiden Hauptdarsteller ist fantastisch. Sie spielen sehr zurückhaltend, so dass man in Teilen des Filmes das Knistern zwischen den Beiden förmlich spüren kann. Auch die ruhige Erzählweise von Erstlingsregisseur Haim Tabakman trägt zur dichten Atmosphäre bei.

Wie kontrovers dieser vom ZDF koproduzierte Film in manchen Teilen der israelischen Gesellschaft ist, zeigte sich schon bei der Produktion. Regisseur Tabakman wollte eigentlich im orthodoxen Jerusalemer Viertel Me'a Sche'arim drehen. Seine Filmcrew wurde allerdings von den Bewohnern daran gehindert und mit Steinen beworfen. Hat man den Film gesehen, wundert man sich nicht mehr über diese Reaktion.

Du sollst nicht lieben, Spielfilm, D, Isr, F 2009, Regie: Haim Tabakman, Darsteller: Zohar Strauss, Ran Danker, Tinkerbell, Tzahi Grad, Isaac Sharry, FSK 16, , 90 Min., Farbe, dt. SF, hebräische OF, Salzgeber

Galerie:
Du sollst nicht lieben
11 Bilder


#1 hwAnonym
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 07.10.2010, 17:44h
  • Endlich wieder ein Film, den es sich anzuschauen lohnt! Und ich freue mich, daß es endlich mal ein Film ist, der auf Deutsch synchronisiert wurde!
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