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Rund 1.000 Menschen haben am Sonntag in Belgrad Flagge gezeigt (Bild: Twitter)

Die erste öffentliche Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern in Belgrad war trotz der rechtsextremen Krawalle ein großer Erfolg.

Von Volker Beck

Die erste öffentliche Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern in Belgrad war ein großer Erfolg. Rund 1.000 Menschen haben Mut bewiesen und Gesicht gezeigt - und das angesichts massiver Gegendemonstrationen der Rechts-Nationalen. Ein guter Tag für Serbien!

Ein guter Tag? Kann man von einem Erfolg sprechen, wenn jedem Schwulen und jeder Lesbe zehn Neonazis gegenüber standen? Wenn mehrere hundert Menschen verletzt wurden und über 5000 Polizisten den CSD schützen mussten? Ja - man kann und man muss! Der serbische Rechtsstaat und die serbische Demokratie haben sich bewährt. Statt Verbote auszusprechen, hat sich die Polizei schützend vor die Lesben und Schwulen gestellt - das ist eine neue Qualität. Damit macht Serbien deutlich, dass es eine europäische Demokratie sein möchte!

Kampf um Homo-Rechte wird stellvertretend für Europäisierung geführt


Volker Beck ist Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion (Bild: Angelika Kohlmeier)

Zwanzig Jahre nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen tut sich was im Näheren Osten. In vielen ost-europäischen Metropolen fanden in diesem Jahr erstmalig öffentliche Demonstrationen für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern statt. Für manchen Beobachter aus dem Westen stellt sich ein Déjà-vu ein: Ost-Europa erlebt in diesen Monaten eine nachholende Entwicklung. In New York, San Francisco, Berlin oder Madrid stellten sich in den siebziger und achtziger Jahren mutige Menschen gegen eine homophobe und zum Teil staatlich-repressive Gesellschaft. Gerade dreißig Jahre sind vergangen - und in vielen dieser Städte ist offen gelebte Homosexualität eine Selbstverständlichkeit.

In den Metropolen Ost-Europas - Vilnius, Belgrad, Bratislava, Minsk (!), Moskau, St. Petersburg, Warschau - wiederholt sich Geschichte jetzt im Zeitraffer. Die polnische Hauptstadt ist dabei das Vorbild für viele der OrganisatorInnen der GayPride-Märsche: In den Jahren 2004 und 2005 wurde die Gleichheitsparade vom damaligen Bürgermeister verboten. Das polnische Verfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte haben diese Verbote als rechtswidrig aufgehoben. In den folgenden Jahren folgten dann immer mehr Menschen den Aufrufen der OrganisatorInnen und in diesem Jahr konnten über 10.000 Menschen friedlich und fast ungestört von Rechtsradikalen den Euro-Pride in Warschau feiern. Unterstützung finden die Schwulen, Lesben und Transgender dabei vor allem in der links-alternativen und pro-europäischen Szene Warschaus. Und auch dies ist allen ost-europäischen Bewegungen gemeinsam: Der Kampf um die Rechte von Homosexuellen wird stellvertretend für generelle Toleranz und Europäisierung der ost-europäischen Staaten geführt.

Sichtbarkeit provoziert - auch Widerstand


Trotz der Krawalle von Neonazis: Die Polizei hat sich schützend vor die Lesben und Schwulen gestellt (Bild: Twitter)

Die Antwort auf die Krawallszenen von Belgrad darf keine Ablehnung des Aufnahmeanliegens der Serben in die Europäische Union sein! Manch einer befürchtet, dass mit der Aufnahme weiterer osteuropäischer Staaten das progressive Profil Europas verwässert. Das Gegenteil ist richtig: Gerade die europäische Perspektive schützt die Anliegen der Demonstranten. Betrachtet man die CSD-Saison in diesem Sommer, so fällt eines auf: Während die CSDs in Minsk, Moskau und St. Petersburg verboten wurden, fanden alle CSDs innerhalb der Europäischen Union statt. In Bratislava und Vilnius wurden Verbote von Gerichten gekippt und die Demonstranten von der Polizei geschützt - in Moskau und Minsk war es wieder einmal andersherum. Auch in Belgrad war der Wunsch "europäisch" zu sein, ausschlaggebend für die Genehmigung und den Schutz des Pride-Marsches.

Sichtbarkeit provoziert - auch Widerstand. Der massive Aufmarsch von Rechtsradikalen und orthodoxen Geistlichen in Vilnius, Belgrad oder Bratislava zeigt, dass auch die Gegenseite weiß, was die Stunde geschlagen hat. Der Rückzug in die Anonymität ist aber keine Alternative. Vorurteile und Klischees entstehen durch Fremdheit - und Gewalt speist sich oftmals aus der Angst vor den Unbekannten. Hartnäckigkeit und Ausdauer sind gefragt - und unsere Solidarität!

Der Kommentar von Volker Beck erscheint auch auf aidshilfe.de.



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CSD und Krawalle in Belgrad

In der serbischen Hauptstadt haben am Sonntag über 1.000 Menschen für LGBT-Rechte demonstriert. Die Polizei sperrte sie von nationalistischen Krawallmachern ab, die mit Steinen und Brandbomben warfen.
#1 willyAnonym
  • 11.10.2010, 18:51h
  • Sehr geehrter Herr Beck,

    einerseits gebe ich Ihnen Recht. Schwule und Lesben konnten, zwar abgeschirmt von der Polizei, ihre Parade des Stolzes in Belgrad abhalten und durch die perversen Ausschreitungen von sogenannten Christen und Nationalisten, ich sage Faschisten, auch eine weltweite Aufmeksamkeit erzeugen. Das sehe ich auch als durchaus positiv an.

    Aber andererseits, wenn ich mir diverse Videos auf youtube anschaue, wo die brutale Hatz auf Menschen gezeigt wird, die einfach nur Menschen des gleichen Geschlechts lieben, stellt sich für mich ernsthaft die Frage, ob eine Gesellschaft, die wohl sehr unter dem Einfluss von orthodoxen, weder friedliebenden, noch toleranten Monotheisten steht, überhaupt in die EU gehört.

    Ich weiß, Sie selbst haben homophope Gewalt in Moskau erleben müssen und ich achte Ihren Einsatz für die Rechte von Schwulen und Lesben.
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#2 jochenProfil
  • 11.10.2010, 19:19hmünchen
  • Natürlich ist es ein Erfolg und ein guter Tag, wenn sich die Schwulen und Lesben eben nicht einschüchtern lassen. Wenn man sich nicht unterdrücken und kleinmachen lässt.
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#3 willyAnonym
  • 11.10.2010, 19:21h
  • Sehr geehrter Herr Beck,

    einerseits gebe ich Ihnen Recht. Schwule und Lesben konnten, zwar abgeschirmt von der Polizei, ihre Parade des Stolzes in Belgrad abhalten und durch die perversen Ausschreitungen von sogenannten Christen und Nationalisten, ich sage Faschisten, auch eine weltweite Aufmeksamkeit erzeugen. Das sehe ich auch als durchaus positiv an.

    Aber andererseits, wenn ich mir diverse Videos auf youtube anschaue, wo die brutale Hatz auf Menschen gezeigt wird, die einfach nur Menschen des gleichen Geschlechts lieben, stellt sich für mich ernsthaft die Frage, ob eine Gesellschaft, die wohl sehr unter dem Einfluss von orthodoxen, weder friedliebenden, noch toleranten Monotheisten steht, überhaupt in die EU gehört.

    Ich weiß, Sie selbst haben homophope Gewalt in Moskau erleben müssen und ich achte Ihren Einsatz für die Rechte von Schwulen und Lesben.
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#4 gegenSerbienEUAnonym
  • 11.10.2010, 19:30h
  • Wer ernsthaft meint Serbien ist in den nächsten Jahren bereit für die EU hat keine Ahnung!
    Ich bin aus Slowenien und zwischen uns und Serben liegen Welten was fortschrittliches Denken betrifft und das war schon lange vor der Aufnahme Sloweniens in die EU!
    Wo bleibt die Vergangenheitsbewältigung der Serben und ihres Staates mit den Jugoslawienkriegen? Warum konnten viele der Strippenzieher von damals noch bzw. wieder erfolgreich in Politik und Wirtschaft einsteigen?
    Was bringt Toleranz anderen gegenüber wenn diese keine zurück geben?
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#5 RealitaetsverlustAnonym
  • 11.10.2010, 19:37h

  • Natuerlich ist es schoen das trotz der massiven Proteste, der CSD, wenigstens dieses Jahr, durchgefuehrt werden koennte. Jedoch grenzen die im Text gemachten Schlussfolgerungen schlicht an Realitaetsverlust.

    Haben die die You-Tube Videos wirklich angesehen? Oder die vielen verletzten Polizisten und deren Kollegen, die voller Wut uns, statt die faschistischen Ortodoxen verfluchen?

    Fuer EU Beitrittskandidaten muesste als ein Zulassungskriterium die Einfuehrung einer eingetragene Partnerschaft In den jeweiligen Laendern sein! Fordern wir dies nicht, drohen diese konservativen, dumm-religioesen und faschistisch-nationalistisch verblendeten Gesellschaften weitere emanzipatorischen Fortschritte in unseren westlichen Laendern zu blockieren.

    Als Glueck im Unglueck gilt anzumerken, dass in Folge der desastroesen finanziellen Lage der EU baldige Beitritte sowieso nicht zur Diskussion stehen!
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#6 stromboliProfil
  • 11.10.2010, 20:18hberlin
  • Antwort auf #5 von Realitaetsverlust
  • so paradox es klingt, aber ich gebe beck hier recht: nur eine aufnahme in die EU verhindert ein weiteres abrutschen dieser nationen in einen national-faschismus!
    Das wird kosten , weil nur mittels alimentierter mindestmaßstäbe sich soziale erhebungen dämpfen oder vermeiden lassen.
    Dass weiss das kapital ebenso!
    Wir also gefangene eines system, dass grade diese verwerfungen hervorbringt.
    Und der bezug auf die kirche nur treffend wiedergibt, was ursächliches da unten gährt!
    Ein marrodierendes system der kriegsgewinnler und neokons, die die verblieben wirtschaftliche produktivität auswringen wie einen gebrauchten putzlappen! Das macht massenhaft verlierer! Und das braucht religion, um zulauf zwecks trostvergabe zu bekommen!

    Das sich die ordnung/polizei selbst nicht als hüter von recht versteht , sondern als "opfer" eines, seitens einer minderheit aufgezwungenen arbeitseinsatzes, ist als geschäftkollateral zwischen die interessen geraten, zu bezeichnen...
    als beitrittskriterium dient die innere verfassung der polizei und des militär, weltweit nicht als maßstab für zulassungen... ansonsten wäre wohl kein staat in irgendwelchen gremien vertreten!

    Machen wir uns nichts vor; irgend wann wird es nicht mehr nur vor unserer haustür rumsen, sondern im haus selbst!
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#7 KameliendameEhemaliges Profil
  • 11.10.2010, 22:47h
  • Ich denke schon das es richtig ist das die "europäische Perspektive" den Schwulen, Lesben und Transgendern ein bisschen nützt.
    ABER solange es keine GRAVIERENDEN Verbesserungen gibt ( und von denen ist Serbien Lichtjahre entfernt) muss es bei der Perspektive bleiben und es darf KEINEN Eu-Beitritt geben.

    Es hatt mich schon damals beim Beitritt von Polen extrem gestört das Minderheitenrechte so wenig Priorität hatten.

    Und man sollte auch eines nicht vergessen:
    Jedes Land das man sich neu in die EU holt hat dort auch Einfluss... Ich möchte mir nicht vorstellen wie Länder wie Polen, Serbien und andere, zusammen mit alteingessesenen wie Italien bei Anti-Diskriminierungsrichtlinien zusammen blockieren.

    Ich verweise darauf das sich Polen ja bereits schon mal nen Sonderweg erpresst hat:

    www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25600/1.html
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#8 Liedel
  • 11.10.2010, 23:23h
  • "Gerade dreißig Jahre sind vergangen - und in vielen dieser Städte ist offen gelebte Homosexualität eine Selbstverständlichkeit."

    Lieber Herr Beck,

    keine Ahnung, ob es nun schon 30 Jahre sind, aber seit ich als Schüler angefangen habe, mich für Politik zu interessieren, steht ihr Name stellvertretend für LGBT- Rechte, vom abgedrehten Telefon in Bonn bis zu ihren mutigen Auftritten z.B. in Russland, bei denen Sie teilweise selbst homophobe Gewalt erfahren haben.

    Die Grünen beweisen uns in letzter Zeit, dass sie in gewissen Politikfeldern immer standhaft geblieben sind: LGBT- Rechte ohne wenn und aber, raus aus der Atomkraft ohne wenn und aber! Bitte bleiben Sie standhaft, auch wenn es einmal schwarz-grün in unserem Land werden sollte...
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.10.2010, 23:45h
  • Habe ich es mir doch wieder einmal gedacht! Die Gallionsfigur der LGBT-Szene und die ungekrönte Königin des CSDs Volker Beck war an vorderster Front! Ob es ein guter Tag für Serbien war, wird sich noch herausstellen! Lieber Voker Beck, jetzt nur nicht übermütig werden!
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