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"Lip Service": Frankie (Ruta Gedmintas) und Ex-Freundin Cat (Laura Fraser)

Mit "Lip Service" ist eine Serie über das Leben dreier Lesben in Glasgow angelaufen. Derweil ist ein Film über Christopher Isherwoods Zeit in Berlin fertig.

Von Norbert Blech

Während es bei deutschen TV-Sendern kaum eigenproduzierte TV-Filme oder -Serien zu schwul-lesbischen Themen gibt, setzen die BBC und die Kollegen von ITV und Channel 4 weiterhin Maßstäbe. So startete am Dienstag die Mini-Serie "Lip Service".

In dem Sechsteiler, dessen erste Folge ein Quotenhit für den digitalen Jugendkanal BBC Three wurde, geht es um das Leben dreier Lesben in Glasgow. Frankie (Ruta Gedmintas, "The Tudors") kehrt nach dem Tod ihrer Tante von New York nach Schottland zurück, wo sie schnell auf Cat (Laura Fraser) trifft, ihre Ex-Freundin aus Teenager-Zeiten. Während die gerade eine Polizistin kennenlernt, sucht ihre beste Freundin Tess (Fiona Button) ihr Glück bei einer Schauspielerin.

Dabei wirkten die Charaktere in der ersten Folge noch recht flach und überspitzt, auch langweilen einige Strecken. Eine provokante Sex-Szene zum Schluss hätte eher zu den Männern von "Queer as folk" gepasst, obwohl das Zeigen von lesbischem Sex jenseits der Bedürfnisse heterosexueller, männlicher Zuschauer sowohl gelungen als auch wichtig ist. Glasgow sieht glamouröser aus, als es ist, und dass nur die Männer den örtlichen Akzent sprechen, schadet der ansonsten durchaus vorhandenen Authentizität.

Als Zuschauer(in) hofft man, in der zweiten Folge mehr von einer Polizistin zu sehen - eine Besprechung des Guardian bringt als Hauptkritik, dass die Serie keine "sexy butch" zeige, dabei sei das der vorherrschende Typ Frau in der Szene. Doch trotz aller Schächen bahnt sich hier eine überfällige Serie an: Nach der großen Vorleistung der unterhaltsamen Coming-out-Serie "Sugar Rush" (Channel 4) werden nun erstmals in Großbritannien erwachsene Lesben gezeigt, wie sie leben und lieben.

Youtube | Einer der Trailer zu "Lip Service"

2011: Isherwood in Berlin


Christoper Isherwood (Matt Smith, u.) genießt die Freiheit in Berlin, solange sie noch möglich ist

Derweil hat die BBC einen TV-Film über die Zeit des Schriftstellers Christopher Isherwood in Berlin fertig gestellt. Für die Hauptrolle konnte Matt Smith gewonnen werden - der in Deutschland noch unbekannte 27-Jährige ist als amtierender Doctor Who der bekannteste Jungschauspieler des Landes. Die Kollegen der "Gay Times", die "Christopher and his kind" schon sehen konnten, bezeichneten ihn bereits als "wichtigsten Film des Jahres". Seitdem ist die Ausstrahlung allerdings auf 2011 verschoben worden.

Smiths Partner bei den "heißen, verschwitzten Sex-Szenen" ("Gay Times") wird von Douglas Booth gespielt. Der erst 18-Jährige war im Frühjahr als Boy George in einem TV-Film der BBC über die jungen Jahre des Sängers zu bewundern. "Worried about the boy" ist dabei so gut gelungen, dass der Film auch im Kino hätte laufen können.

Youtube | Trailer zu "Christopher and his kind", mit einem Nollendorfplatz am Drehort Belfast

Noch mehr Homo-Content bei der BBC


Die Doku "Boy Cheerleaders" aus der Reihe "Wonderland" läuft am Mittwoch

Eine Studie der Homo-Gruppe "Stonewall" hatte im Frühjahr ergeben, dass es nur wenige positive Darstellungen von Schwulen und Lesben in Sendungen der BBC gebe (queer.de berichtete). Es ging dabei speziell um die 20 beliebtesten Formate bei jungen Zuschauern. Vielleicht liegt es auch daran, dass die letzten Folgen der Schulserie "Waterloo Road" ein Coming-out eines jungen Schülers thematisierte.

Dabei lässt sich die Homo-Bilanz der BBC durchaus sehen: Mit "Grandma's House" hatte kürzlich eine Comedy-Serie des offen schwulen Comedians Simon Amstell Premiere. Der 30-Jährige moderierte zuvor das hippe Quiz "Never mind the buzzcocks". Mit Stephen Fry und Graham Norton bietet die BBC ohnehin die beliebtesten schwulen Moderatoren der Insel.

Erst vor wenigen Wochen wurde zudem ein Film über den offen schwulen TV-Autoren Tony Warren ausgestrahlt. Er erfand "Coronation Street", die Mutter aller Seifenopern, die erst 2003 den ersten schwulen Charakter einführte. Mittlerweile haben alle Soaps und Dauerserien wie "Shameless" schwule oder lesbische Charaktere, die oft mehr sind als ein Klischee. Und auch die Jugendsoap "Hollyoaks" (Channel 4), die derzeit mit einer Transgender-Story auf sich aufmerksam macht, bekommt wieder eine schwule Rolle. Darsteller Kieron Richardson hatte sich gleichzeitig öffentlich geoutet.

Doch es sind auch die kleinen Doku-Perlen, die bei britischen Sendern überzeugen. Am Mittwoch zeigt die BBC etwa eine einstündige Dokumentation über einige 8 bis 14-Jährige aus einer harten Gegend von Leeds. Ihr Hobby: Cheerleading.

Youtube | Trailer zu "Worried about the boy"


#1 Daniel_Anonym
  • 13.10.2010, 20:15h
  • Schön zu lesen das sich wenigstens BBC für LGBT engagiert.
    Ist zu hoffen das der eine oder andere Fernsehsender Deutschlands das als Vorbild nimmt.

    Positiv ist das deutsche Vorabendserien einige schwule Charaktere haben, im sonstigen deutschen TV kann davon nicht die Rede sein. leider
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.10.2010, 19:39h
  • Da können die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender sich gerne an der BBC ein Beispiel nehmen!
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#3 eMANcipation*Anonym
  • 16.10.2010, 11:41h
  • Antwort auf #1 von Daniel_
  • Wenn wir weiterhin widerstandslos ein öffentlich-rechtliches Fernsehen finanzieren,

    das den Anteil schwul-lesbischer Protagonisten und Themen im Hauptabendprogramm gezielt bei gerundet 0% hält,

    während sogar in den USA die vier großen Sender inzwischen bei rund 5% liegen,

    brauchen wir uns einmal mehr über nichts zu wundern!
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#4 FloAnonym
  • 16.10.2010, 13:02h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation*
  • Und nochmal (das wurde bereits in einem anderen Thread erwähnt):
    das stimmt nicht!!

    Natürlich könnte es noch etwas mehr sein! Und die BBC ist vielleicht wirklich schon weiter (ebenso wie z.B. das niederländische Fernsehen), aber dennoch ist auch im deutschen öffentlich-rechtlichen Abendprogramm der Anteil nicht "gerundet 0%"!

    1. Auch arte und 3sat sind öffentlich-rechtliche Sender und die bringen sogar ziemlich oft schwul-lesbische Filme, Dokus, etc.

    2. Auch wenn man nur ARD und ZDF nimmt, stimmt das nicht:
    die ARD hat vor wenigen Wochen Brokeback Mountain (ungeschnitten) im Abendprogramm gezeigt. Das ZDF hat vor kurzem einen Film gezeigt, wo ein schwuler Migrant durch eine Scheinehe hier bleiben wollte.

    Wie gesagt:
    gerne mehr, dafür sollten wir uns auch einsetzen. Aber es stimmt nicht, dass der Anteil bei 0% liegt!!
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#5 LarsAnonym
  • 16.10.2010, 16:33h
  • Antwort auf #4 von Flo
  • Okay, der Anteil liegt nicht bei 0%. Vielleicht bei 0,1%? Müsste wirklich mal jemand ausrechnen.

    Wie ich ebenfalls in dem anderen Thread schon schrieb: Brokeback Mountain lief werktags spät am Abend. Aber wieso betonst du, dass er ungeschnitten lief? Soll man jetzt schon ein Lob dafür aussprechen, dass ein FSK12-Film um 23 Uhr ungeschnitten läuft? Eher andersrum: Wieso laufen so viele sehenswerte jugendfreie Filme (ganz unabhängig vom Thema) zu so besch... Sendezeiten?

    Arte und 3sat bringen ziemlich oft schwul-lesbische Filme? Mich würde mal deine Definition von "ziemlich oft" interessieren. Alle paar Wochen mal eine Sendung, zumeist versteckt zu unattraktiven Zeiten, finde ich jedenfalls nicht ziemlich oft.

    Und nehmen wir mal ein anderes Genre: Die Talkshow. Es gibt davon unzählige. Und da wird diskutiert über alle möglichen und unmöglichen Themen und über verschiedenste gesellschaftliche Probleme und gesellschaftliche MInderheiten - aber eine Sendung über Homosexualität oder speziell zum Thema Homophobie?

    Da fällt mir am ehesten noch die Doku über Homophobie im Fußball ein. Bezeichnenderweise wurde die allerdings nicht im Rahmen der ARD-Sportschau gezeigt, sondern im DSF (sonst eher bekannt für nackte Brüste im Nachtprogramm als für anspruchsvolle Dokus)...

    Im Vergleich zum britischen TV haben wir offenbar noch einen weiten Weg vor uns - und ich bin skeptisch, ob es überhaupt Schritte in diese Richtung geben wird.
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#6 eMANcipation*Anonym
  • 16.10.2010, 22:52h
  • Antwort auf #4 von Flo
  • Es war hier die Rede von den großen Fernsehsendern, die die Masse der Zuschauer auch erreicht.

    Wie gesagt: Sogar in den USA Anteil von 5% in der Hauptsendezeit 20.00 - 22.00 Uhr !

    Bei ARD und ZDF: gerundet 0%

    Da ändert auch Brokeback Mountain im Nachtprogramm nichts.

    Ansonsten wird entweder die x-te Variation der im Kern immergleichen Heten-Schnulze oder ein "Quiz-"/"Unterhaltungsprogramm" gezeigt,

    wo in jedem zweiten Satz dümmlichste heterosexistische Geschlechterklischees aufgewärmt werden.

    Und man beachte insbesondere den Kinderkanal, wo eine angemessene

    Repräsentation schwuler und lesbischer Identifikationsfiguren besonders wichtig wäre.

    Schließlich tötet heteronormative Gewalt bevorzugt Kinder und Jugendliche!

    Das ist ein Skandal, den aber erstaunlicherweise kaum jemanden in der Community interessiert.

    Und wieder andere machen es sich zur Aufgabe, die Fakten zu leugnen.

    Wer sich ein wenig in der Welt umsieht, inner- und außerhalb Europas,

    kann nur den Kopf schütteln angesichts des immer mehr und rundherum zurückgebliebenen

    homopolitischen Kurses und Diskurses in diesem unseren Lande!
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#7 eMANcipation*Anonym
  • 16.10.2010, 23:04h
  • Antwort auf #5 von Lars
  • Hallo @Lars,

    danke für deine interessanten Beobachtungen und Beispiele.

    Ob es Schritte in diese Richtung geben wird, hängt - wie in allen anderen Bereichen, in denen Deutschland immer mehr ins Hintertreffen gerät

    (siehe institutionalisierte Bekämpfung von Homophobie und allgemein Rassismus im Bildungswesen, umfassendes Gesetz gegen Hassverbrechen und die ganz alltägliche Hassrede und vieles mehr) -

    ganz entscheidend davon abhängen, ob wir uns endlich wieder von unten organisieren und die Dinge beim Namen nennen.

    Dass die Anbiederungsstrategie gleichgeschalteter bürgerlicher Interessenverbände,

    die seit 18 Jahren im Wesentlichen mit ihrer Kopie der Hetero-Ehe beschäftigt sind,

    und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern noch nicht einmal in diesem Punkt gleiche Bürgerrechte für Schwule und Lesben erreicht haben,

    sang- und klanglos gescheitert ist und nicht nochmal für weitere zehn Jahre das Einzige sein kann und darf,

    was die Community hierzulande zu bieten hat, liegt auf der Hand.
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