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Sex ohne Kondom: Die Infektionsgefahr ist bei einer erfolgreichen Therapie sehr gering - die Gefahr einer juristischen Verfolgung jedoch nach wie vor hoch (Bild: Tomizak / flickr / by-nd 2.0)

Ein HIV-positiver Mann muss seinem Sexpartner wegen ungeschütztem Analverkehr 1.140 Euro Schadenersatz zahlen - obwohl seine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze liegt und eine Infektion unwahrscheinlich war.

Die beiden Männer hatten sich im September 2009 über eine schwule Datingplattform kennengelernt. "Sollen wir uns schützen?", fragte der spätere Kläger, ein russischer Austauschstudent. "Nicht nötig", antwortete ihm sein Sexpartner. Später aber räumte er ein: "Ach übrigens, ich bin HIV-positiv." Das Virus könne er aber aufgrund seiner erfolgreichen antiretroviralen Medikamenten-Therapie nicht übertragen.

Der russische Austauschstudent geriet daraufhin in Panik und ging am nächsten Tag zum Arzt. Er bekam Tabletten, die eine mögliche Infizierung nach dem Sex verhindern können. 1.520 Euro musste er für die so genannte Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) bezahlen. Der Student ist nach wie vor HIV-negativ.

Richter: Kläger hat Mitschuld von 25 Prozent

Vor dem Kölner Amtsgericht verlangte er nun von seinem Sexpartner die Arztkosten zurück. Im Urteil sprachen die Richter dem Russen am Freitag 1.140 Euro plus Zinsen zu (Az.: 113 C 598/09). Er bekam nicht den vollen Betrag, da das Gericht ihm eine "Mitschuld von 25 Prozent" anlastete, selbst für geschützten Sex hätte sorgen zu können. Die Viruslast des Verurteilten spielte für die Richter keine Rolle: "Wer mit einem Dritten ungeschützten Geschlechtsverkehr ausübt, obwohl er HIV-inifiziert ist, begründet naturgemäß bei dem anderen die Angst infiziert worden zu sein, sobald dieser von der Infektion erfährt", heißt es in der Urteilsbegründung.

Deutsche Gerichte urteilen sehr unterschiedlich in Fällen, bei denen ein Sexpartner zwar HIV-positiv ist, sich aufgrund der antiretroviralen Medikamente aber keine Infektion mehr nachweisen lässt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine Übertragung von HIV bei sexuellen Kontakten ohne Kondom unwahrscheinlich, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens muss die Viruslast des HIV-positiven Partners seit sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegen. Zweitens müssen die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen werden. Drittens dürfen bei den Sexpartnern keine Schleimhautdefekte vorhanden sein.

Bei One-Night-Stands rät die Deutsche-Aids-Hilfe (DAH) jedoch weiterhin zum Gummi: "Beim Sex mit Gelegenheitspartnern empfiehlt sich weiterhin die Verwendung von Kondomen, da die Bedingungen der regelmäßigen Kontrolle [von sexuell übertragbaren Krankheiten] (um die Abwesenheit von Schleimhautdefekten bei beiden Partnern zu überprüfen), der Kommunikation und der gemeinsamen Entscheidung hier in der Regel nicht gegeben sind."



#1 MinkAnonym
#2 EnyyoAnonym
  • 23.10.2010, 12:25h
  • @1 Allerdings!

    ... und das russische Frettchen sorgt somit auch noch für die Bestätigung etlicher Vorurteile!

    Naja, die Gerichtskosten u.v.a. hat ja der deutsche Steuerzahler zu tragen...
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#3 moornAnonym
  • 23.10.2010, 12:43h

  • Also wenn zu mir einer sagt Kondom nicht nötig! Dann Schrillen bei mir die Alarmglocken. So nach dem Motto der kann sich nicht mehr Infizieren. Aber wie man sieht, Geilheit Schützt vor Blödheit nicht!
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#4 VolumeProProfil
#5 spontiAnonym
  • 23.10.2010, 15:57h
  • die kriminalisierung derjenigen, die mit HIV leben, wird immer schlimmer.

    schweinerei
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#6 VolumeProProfil
  • 23.10.2010, 16:39hMönchengladbach
  • Antwort auf #5 von sponti
  • Das siehst du falsch!

    Hier geht es nicht um Strafrecht sondern um Zivilrecht.
    Der Beklagte ist dazu verurteilt wurden, einen Schaden, den er verursacht hat, wieder gut zu machen. Er ist nicht kriminell.
    Grundlage für das Urteil ist nicht das Strafgesetzbuch, sondern das Bürgerliche Gesetzbuch. Dort steht in § 823 Absatz 1 BGB genau drin, dass jemand, der einen Schaden verursacht dem Geschädigten einen Schadensersatz leisten muss.
    Dem Kläger ist hier auch ein Schaden entstanden.
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#7 Richtiges UrteilAnonym
  • 23.10.2010, 17:51h
  • Der russische Student war sicher auch selber Schuld, aber ist doch jedem schon passiert, dass man bei Geilheit vielleicht mal etwas mehr Risiken eingegangen ist, als wenn das Blut noch oben im Hirn zirkuliert....

    Ich jedenfalls hätte im Nachhinein vermutlich genauso reagiert und Schaden geltend gemacht. Ist doch sein gutes Recht!

    Hätte der HIV-Positive von anfang an gesagt, was Sache ist, hätte der Student auf den Gummi bestanden - oder ganz auf Sex verzichtet. Ich mag auch keine Gummis, aber wenn man in keiner festen, treuen Beziehung ist, ist dies einfach und unter allen Umständen Pflicht!

    Wenn man jemanden liebt und in einer Beziehung lebt, beide über die minimalen Risiken informiert sind, sieht's wieder anders aus. Viele sind dann vermutlich bereit auf den Gummi zu verzichten. Das liegt dann in der Selbstverantwortung jedes einzelnen. Voraussetzung dazu sind Offenheit und fundierte Informationen.
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#8 alexander
#9 antifaschistAnonym
  • 23.10.2010, 19:57h
  • Großes Problem: Wenn er Erwerbslos ist und HATZ4 bekommt, wo soll dann das Geld herkommen?

    Ich kenne Leute die Zivilklagen am Hals haben und mehrere tausend zahlen sollen, nur da sie in insolvenz sind ist da nix zu holen. bei hatz4-opfern ist es nicht anders.

    ausserdem: WER SICH FREIWILLIG AUF SEX OHNE EINLÄSST IST SELBST SCHULD! Oder verklagt man den autohersteller wenn man nicht angeschnallt schwere verletzungen erleidet?
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#10 h. kurtAnonym
  • 23.10.2010, 20:03h
  • Sex unter einer funktionierenden Therapie IST geschützter Sex! Eine Ansteckung ist in dem Fall genauso unwahrscheinlich wie bei Sex mit Kondom! Das sollten die Gerichte endlich mal zur Kenntnis nehmen!
    Solche Urteile tragen letztendlich mit dazu bei, dass diese irrationalen und auf einem alten AIDS-Bild basierenden Ängste aufrecht erhalten werden!
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