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Das Buch erzählt Geschichten über Frauenliebe, über Angst und Verzweiflung, aber auch über Hoffnung und Veränderung.

Luise Pusch ist eine der ganz Großen in der Geschlechterforschung. Jetzt ist ihr neues Buch "Frauengeschichten - Berühmte Frauen und ihre Freundinnen" erschienen.

Von Sascha Blättermann

Catharina Linck zieht als Mann durch die deutschen Lande. Sie lernt eine andere Frau kennen, sie beginnen eine Liebschaft, dann heiratet Linck ihre Liebste und führt mit ihr über mehrere Jahre eine Ehe. Schließlich fliegt die Sündige auf. Sie wird enthauptet.

Die Liebe von Catharina Linck und ihrer Liebsten mag untergegangen sein, doch ihre - übrigens wahre - Geschichte ist es nicht. Sie wird erzählt in dem Buch "Frauengeschichten - Berühmte Frauen und ihre Freundinnen", dass die Gütersloher Frauenrechtlerin Luise Pusch herausgegeben hat zusammen mit ihrer Kollegin Joey Horsley aus Boston. In diesem Buch präsentieren Pusch und Horsley Geschichten über Frauenliebe, über Angst und Verzweiflung, aber auch über Hoffnung und Veränderung. Es zeigt die Schattierungen und Varianten auf, in denen Liebe zwischen Frauen in den letzten drei Jahrhunderten gelebt und verstanden wurde.

Doch Luise Pusch ist mehr als eine Schriftstellerin: Ihr Studium bestritt sie mit der Frage nach Gerundivkonstruktionen, später bekleidete sie diverse germanistische und anglistische Professuren und schrieb in den letzten Jahren schließlich mehrere Bücher. Ihr Spezialgebiet dabei: die feministische Linguistik.

Das Deutsche als Männersprache

Einer ihrer wichtigsten Aufsätze trägt dann auch den Titel: "Das Deutsche als Männersprache". Pusch fordert darin eine geschlechtergerechte Sprache. Ihr Therapievorschlag: Die Abschaffung der weiblichen Endungen -in und -innen. Es soll also heißen: die Professor und die Schriftsteller. Doch Pusch wird schnell bewusst, dass dieser Vorschlag nicht mehrheitsfähig ist. Dann gelingt ihr der Durchbruch: Sie plädiert für die Einführung des sogenannten Binnen-I (also "ProfessorIn" bzw. "SchriftstellerIn"), um jeweils beide Geschlechter zu nennen. Diese Schreibweise ist bis heute gebräuchlich, auch in überregionalen Tageszeitungen wie der Berliner "taz".

Männer erinnern unentwegt an sich selbst


Die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch (66) ist heute als freie Publizistin im Bereich Frauenforschung tätig (Bild: Joey Horsley)

Ihre Motivation beschreibt Pusch in deutlichen Worten: "Für nichts wird soviel Reklame gemacht wie für Männer", sagt sie immer wieder. "Unentwegt erinnern sie an sich selbst. Informationen über bedeutende Frauen der Vergangenheit sind schwer zugänglich, nur mühsam und eher zufällig auffindbar in den dicken Wälzern über 'wichtige Männer'."

Und dieser Missstand treibt sie voran. Sie verlegt inzwischen auch bei den großen Verlagen des Landes. Dann der literarische Durchbruch: 2001 wird sie auf der Frankfurter Buchmesse zur Bücherfrau des Jahres. In der Laudatio heisst es: "Wie kaum eine andere hat Luise Pusch in den letzten Jahren und Jahrzehnten dafür gesorgt, den Blick auf gesellschaftliche Missstände zu lenken und die Frauen ins Zentrum der Betrachtung zu holen, dabei aber stets ohne moralischen Zeigefinger."

Pusch begründet schließlich das größte und wichtigste Portal zu Frauenbiographien: Fembio.org verzeichnet inzwischen über 30.000 Biografien von berühmten und weniger berühmten Frauen. Ihre Zeit an der Uni hat sie dennoch nicht vergessen: Immer noch hält sie Vorlesungen in ganz Deutschland und spricht darin über sprachwissenschaftliche Probleme. Dann ist auch die Gerundivkonstruktion wieder aktuell.

Das Glück der Mathilde Franziska Anneke

Trotzdem: Frauen bleiben ihr Thema. Sie tourt damit durch Deutschland, liest aus Ihren Büchern, kämpft für Geschlechtergerechtigkeit. Und so erzählt sie auch die Geschichte der Mathilde Franziska Anneke in ihrem Buch "Frauengeschichten":

Anneke kämpfte zu Zeiten der französischen Revolution mit dem Bürgertum gegen die Obrigkeit, überlebt und emigriert schließlich in die Neue Welt nach Amerika, wo sie eine andere Frau kennenlernt - und ein Liebesglück ohne Gleichen erlebt.

Das Buch "Frauengeschichten: Berühmte Frauen und ihre Freundinnen" ist im Wallstein Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro. Die beiden Herausgeberinnen Luise Pusch und Joey Horsley stellen es am Donnerstag, dem 11.11.2010, um 20:15 Uhr in Tübingen vor. Die Veranstaltung findet im Rahmen eines VHS-Themenschwerpunktes Homosexualität statt. Eingeladen hat der Tübinger Frauenbuchladen Thalestris. Der Eintritt kostet 7 Euro, Karten gibt es an der Abendkasse.



#1 Mr.GumbyAnonym
  • 27.10.2010, 11:15h
  • Feministische Linguistik, Abschaffung der weiblichen Endungen -in und -innen, Binnen-I...
    Entschuldigen Sie bitte, mir kam gerade etwas Kotze hoch. Diese Sprachvergewaltiger_in.
    Zitat aus Wikipedia:
    "Die Frauenbewegung selbst kritisiert, der von feministischen Linguisten vorausgesetzte determinierende Einfluss der Sprache auf die gesellschaftliche Realität sei nicht belegt."
    Anstatt also etwas gegen die realen Umstände zu unternehmen, versuchen feministische Linguisten (was "feministische Linguistinnen" inkludiert) mit Pseudothesen die deutsche Sprache zu verschlimmbessern. Nein, danke.
    Guter Artikel über "Sprachzerstörung aus Konzilianz":

    www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm
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#2 res-I v. der almAnonym
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 27.10.2010, 23:10h
  • Und nächstes Jahr bekommt die Autorin dann den "Friedenspreis des deutschen Buchhandels".
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#5 MesokosmosProfil
  • 28.10.2010, 10:01hBernbeuren
  • Zumindest hab ich jetzt die Verursacherin dieses typographischen Fauxpas kennenlernen dürfen...
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#6 dawilliAnonym
  • 30.10.2010, 03:44h
  • Das binnen-i ist im allgemeinen einfach ein lese- u. schreibstörender quatsch.
    In manchen (schreib-)fällen kann es aber doch praktisch sein, wenn man beide geschlechter kurz u. deutlich beschreiben will. Es ist aber immer zu weit entfernt von der gesprochenen sprache, die ja auch auf die geschriebene sprache einfluss hat.

    Nur eine möglichst leicht aussprechbare, verständliche u. zuordnende sprache hat eine echte bedeutung.
    Und ja, wir haben verschiedene, gleichwertige geschlechter auf unserer welt.
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